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Die Salesianer Don Boscos

in der Bundesrepublik Deutschland,

ihr pädagogisches Konzept und ihre

Arbeitsfelder

 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

Vorbemerkungen

Jugend als Verheißungs- und Hoffnungsträger

Exodus nicht mehr aufzuhalten?

Sinn- und Zweckerwartung heutiger Jugend im harten Gegensatz zur Kirche?

Was muß Kirche tun? - Pastorale bzw. diakonische Begleitung in der kirchlichen Jugendarbeit

Begründung des Themas - Optionen für eine Jugend - Gesellschaft im Strukturwandel

Polarisierung und Vielfalt in der Jugendkultur

Die jugend-kulturelle "religiös-spirituelle" Szene

Die "kritisch-engagierte" Jugendszene

Jugendliche in der "manieristisch-postalternativen" Szene

Orientierte an der Körper- und Actionskultur

Die verbandlich orientierten jungen Menschen

Jugendliche Lebensformen - Individuum - Pluralismus

Eine Herausforderung an die Praktische Theologie - Wissenschaftstheoretische Vorüberlegungen -

Der heutige Stand der wissenschaftstheoretischen Diskussion in der Praktischen Theologie

Praktische Theologie als Handlungswissenschaft

Funktion einer Pastoraltheologie

Ergebnis der wissenschaftstheoretischen Vorüberlegungen einer Pastoraltheologie für junge Menschen

Handlungswissenschaft im Hinblick auf eine Pastoraltheologie der Jugend

Versuch eines Gesamtkonzepts einer Jugendpastoral

Die Gliederung der Arbeit

Entwicklung einer jugendpastoralen Handlungstheorie von heute

Die jugendpastoralen Handlungsanleitungen sind geprägt von dem theologisch-ekklesiologischen Verständnis und den soziokulturellen Rahmenbedingungen.

Jugendpastoral als diakonische Dimension

Arbeitsfeld Jugendpastoral für Laien, Jugendliche,Theologen und Priester

Die Verortung: Gemeinde als Ort und Subjekt von Jugendpastoral

Verbandlichkeit als Chance jugendpastoraler Praxis

Strukturen der Jugendpastoral bedürfen einer Administration für den ekklesiologischen Handlungsablauf

Erziehungswissenschaft als Bezugswissenschaft

Demographische Entwicklung der Jugend

Gesellschaftliche Entwicklungsstränge

Die Individualisierung

Der Verlust von "traditionellen Sicherheiten"

"Standardisierung" des heutigen Menschen

Der Vergesellschaftsprozeß

Die Folgen der gesellschaftlichen Prozesse auf die Situation der jungen Menschen von heute

Die Jugendphase im Strukturwandel begriffen

Individualisierung der Lebenslagen und Vielfalt der Lebensentwürfe

Jugendalter und Identitätsfindung

Gesellschaftliche und soziale Lebenslagen von Jugendlichen

Die Ablösung vom Elternhaus

Peer-Groups - Peer Pressure

Moderne Gesellschaft und Schule

Beruf in der modernen Gesellschaft

Konsum- und Freizeitverhalten

Jugend und Medien

Jungsein - Partnerschaft und Sexualität

Zukunftskrise und Jugend

Gesellschaftlicher Wertewandel

Wert- und Sinnfrage ein Problem?

Bedrohte Zukunft?

Benachteiligte Gruppen junger Menschen

Ausländische Kinder und Heranwachsende

Arbeitslose junge Menschen

Mädchen und junge Frauen

Junge Menschen im ländlichen Bereich

Kranke und behinderte junge Menschen

Verhältnis von Jugend und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland

Die Lage der Kirche in der heutigen modernen Gesellschaft

Die Stellung der Kirche - Differenzierung

Religiosität - entkirchlicht - Privatsache?

Der Prozeß der Individualisierung

Das Aufbrechen des kirchlichen Monopols

Das heutige Verhältnis von Jugend und Kirche

Entfremdung zwischen Jugend und Kirche

Unkultuvierte Wahrnehmung von Kirche

Privatisierung des Glaubens und der Kirchenzugehörigkeit

Multireligiöse Kultur und kirchliche Bindungslosigkeit

Die neuerlichen Entwicklungen: Ein Ausweg für eine jugendpastorale Handlungstheorie und Praxis?

Die Entwicklung der Identität als zentrales Problem des Jugendalters

Angebote der Biotope "gelebtes Leben" zur Absicherung einer Kinder- und Jugendwelt

Außensteuerung und Standardisierung

Die radikale Einbeziehung der Benachteiligten

Neue Wege der Tradierung des Glaubens und neue Formen religiöser Sozialisation

Handlungskonzept der Evangelisierung - Religiöse Erziehung zwischen Kirche und Gesellschaft -

Evangelisierung als Aufgabe an der Jugend - Gemeindepädagogik als Ansatz gemeindlicher Konzentration?

Evangelisierung als Aufgabe an der Jugend

Praxisbezug einer evangelisierenden Kirche

Die Pastoral der Kirche umfaßt den ganzen Menschen

Komplexes und dynamisches Geschehen - Diakonie, Verkündigung und Liturgie - #9;

Aufgabe für das gesamte Gottes Volk

Evangelisierendes jugendpastorales Tun - ein dynamisches und kommunikatives Geschehen

Optionen als radikaler Anspruch

Gott als Wegbereiter

Die Option einer Jugendpastoral für die benachteiligten, vernachlässigten und gefährdeten jungen Menschen

Das kirchliche Angebot des jugendpastoralen Tuns in den Verbänden, Einrichtungen und Werken

Ureigenes Ziel der Evangelisierung

Jugendfürsorge, Heim- und Heilpädagogik als Ausdruck ekklesialer Identität der Werke

Jugendpastoral und Schule

Die Salesianer Don Boscos (SDB) in der Bundesrepublik Deutschland - Eine Jugendpastoral als erfahrbare Liebe zu den armen, vernachlässigten und gefährdeten jungen Menschen -

Der Gründer der Salesinaer Don Boscos (SDB) - Person, Zeit und Werk Johannes Boscos - historischer Aufriß -

Johannes Bosco, Pädagoge und Heiliger

Die politische, sozialökonomische, kirchenpolitische und kulturelle Lage seiner Zeit

Die kirchenpolitische Entwicklung

Die ökonomisch-soziale Lage

Die schulische Situation

Die Kirche als "societas perfecta"

Die Pastoraltheologie im 19. Jahrhundert

Das katholische Kirchenbild

Das pastoraltheologische Verständnis der Kirche und ihr pastorales Tun

Don Boscos Werk

Don Boscos pastorales Tun

Die ganzheitliche Praxis

Die armen und gefährdeten jungen Menschen - die pastorale Option

Der pastorale Stil Don Bosco - das Präventivsystem - die Pädagogik der Vorsorge

Die methodisch-didaktischen Prinzipien

Der erzieherische Stil Don Boscos

Die Gründung der Salesianischen Kongregation

Der Ausgangspunkt: Das Oratorium in Valdocco

Auf dem Weg zur formellen Gründung

Die Signifikanz des aktiven klösterlichen Lebens

Die "Cooperatori Salesiani" - Die "Salesianischen Mitarbeiter"

Kritische Würdigung der jugendpastoralen Arbeit Don Boscos

Das Wirken der salesianischen Gesellschaft

Die Salesianer Don Boscos (SDB) in Deutschland

Die nachkonziliare Neubesinnung über den salesianischen Auftrag

Das Ergebnis und die Folgen der Neubesinnung durch die beiden Generalkapitel

Die Tätigkeitsbereiche und ihre Definition durch das 21. Generalkapitel

Die kritische Zukunftsperspektive

Die Neubesinnung und ihre Auswirkungen auf die Ausbildung der Salesianer Don Boscos

Grundlinien des jugendpastoralen Tuns der Salesianer Don Boscos

Ein sozialpädagogischer Ansatz

 

Literaturverzeichnis

 

Abkürzungen

 

1. Vorbemerkungen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Der Soziologe Karl GABRIEL hat in seinem Beitrag über die gesellschaftlich-geschichtlichen Ursachen für das Auseinander-Driften von Jugend und insbesondere katholischer Kirche einige bedeutungsvolle Ausführungen vorgetragen. Er schreibt u.a.: "Als ein Zeichen der Zeit scheint mir die gegenwärtige Jugend der Kirche folgende Hinweise zu geben:

1. Wage den 'Exodus' aus der eigenen überkommenen Sozialgestalt wie aus einem festgefügten Bild von Jugend.

2. Verkörpere einen Raum befreiten und befreienden Glaubens.

3. Gewinne deine 'Gottesnähe' wieder, indem du - wie Gott - 'Menschlichkeit predigst', gütig bist, verzeihst und Geborgenheit gibst.

4. Nimm Jugendliche ernst als Subjekte des Glaubens, und betrachte dein Handeln als Dienst am Glauben."

 

 

1.1 Jugend als Verheißungs- und Hoffnungsträger (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Häufig muß die Jugend als Verheißungs- und Hoffnungsträger für programmatische Aussagen und Absichten herhalten; dies ist auch im kirchlichen Raum zu beobachten. Im Tagesdienst von "Kathpress" vom 09. April 1992 wurde der Vizepräsident des Päpstlichen Laienrates zitiert; es sei die Bereitschaft in der Jugend groß, "ernsthaft das zu leben, was die evangelische Weisung sagt", und es sei vielsagend gewesen, wie auf einem Jugendtreffen, das vom Laienrat veranstaltet wurde, die "Freude der Jugend" "mit Händen greifbar" gewesen sei. Daran schloß sich die Nachricht: "Kirche hat unter Jugend an Glaubwürdigkeit verloren." Diese Meldungen bezogen sich auf Ausführungen in einem Vortrag des Lyoner Theologen Christian Duquoc, den er auf dem Europäischen Theologen-Kongreß hielt, und er referierte, daß die offiziellen Kirchen in Europa mit ihren derzeitigen Evangelisierungsstrategien scheitern mußten.

Jeder von uns ist in Gefahr, sich von solchen bewußt oder unbewußten Verzweckungen nicht freimachen zu können: deshalb ist es so notwendig, das eigene "festgefügte Bild von der Jugend" ständig auf seine Wirklichkeit hinterfragen zu lassen, um dafür offen zu sein, den Jugendlichen anzuerkennen und ihm so wie er sich gibt, zu begegnen und ihn anzunehmen.

Selbst Veranstaltungen wie der 1. Lateinamerikanische Jugendkongreß, der 1991/92 in Cochabamba (Boliven) veranstaltet wurde, zeigt, daß es bei einem "Sprechen über" statt "mit" bleibt. Das wird durch einen Bericht eines deutschen Korrespondenten offengelegt: "Leider war zu beobachten, daß ein Großteil der Delegierten schon über 25 Jahre alt war, daß viele mit dreißig oder vierzig Jahren noch 'Wir Jugendlichen!' sagten, daß viele Priester und Ordensangehörige in den Arbeitsgruppen mitarbeiteten und in den Plenarien mitbestimmten, daß viele Bischöfe auf diesem Kongreß präsent waren und daß die eigentlichen Jugendlichen als Beobachter mitgefahren sind, die von den Arbeitsgruppen und der Abstimmung ausgeschlossen waren, so daß sich die Frage stellt, ob dieses ein Kongreß der Jugendlichen oder ob es ein Kongreß über Jugendliche war."

Damit wird klar: Es gilt sich zu vergewissern darüber, wer spricht, wenn über junge Menschen gesprochen wird. GABRIEL empfiehlt der Kirche: Gib dein überholtes inneres Sozialbild auf, und wage einen "Raum befreiten und befreienden Glaubens"; das ist leichter gesagt als getan. Es stellt sich aber die Frage: Ist die Chance dazu nicht schon verpaßt? Ist nicht das wovor H. HALBFAS, A. EXELER, H. FRIES u.a. schon vor einigen Jahren drängend hingewiesen haben, schon Wirklichkeit geworden? Nämlich daß, wenn die Kirche nichts weiter tut, ein radikaler Exodus der jungen Menschen aus der Kirche stattfinden wird.

1.1.1 Exodus nicht mehr aufzuhalten? (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Keinen Zweifel daran lassen die neuesten Untersuchungen, die aej-Studie und die neue Shell-Jugendstudie aufkommen, die besagen, daß in der momentanen Jugendkultur die Kirche und das Christentum nur für eine verschwindend kleine Minderheit eine größere Bedeutung hat. Die Mehrheit setzt sich nicht einmal mehr mit ihnen auseinander; sondern es scheint so, daß für sie alles, was mit Religion oder Kirche zu tun hat, schlicht und einfach unbekannt und fremd ist, oder - wenn überhaupt - sie nur noch so nebenbei wahrnimmt.

Die Frage drängt sich auf: Sind denn, abgesehen von einer Minderheit, die jungen Menschen überhaupt noch religiös ansprechbar? Auch wenn man GABRIEL's Aufforderung, Menschlichkeit zu predigen, befolgen möchte, könnten sie damit etwas anfangen? Sind diese Fragen nicht zu überspitzt? Es scheint doch so, daß viele der jungen Menschen ihre Orientierung in erster Linie auf das eigene Ich als die letzte Sinn- und Zweckerfahrung richten. Daß sie oftmals ihre Selbstverwirklichung in Sinne einer individuellen Glückserfahrung zelebrieren, die durch geglückte Freundschaft, Geborgenheitserfahrung in der Partnerschaft bzw. Familie untermauert wird, um in abgesicherten materiellen Lebensstandard, Freiheitsstreben und Selbstkongruenz wie Identifikation im Beruf zu finden.

Steht diese "postmoderen Religion" mit diesem Eudämonismus nicht im krassen Gegensatz zum herkömmlichen christlichen Glauben? Es scheint doch zu einfach; denn es verortet die "Schuld" vorschnell bei den jungen Menschen. Ist es nicht so, daß die jungen Menschen eben genau die Werte und Verhaltensraster, die sie bei vielen Erwachsenen erfahren einfach kopieren und vielfach konsequenter leben?

1.1.2 Sinn- und Zweckerwartung heutiger Jugend im harten Gegensatz zur Kirche? (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Dabei gilt sicher auch, daß eine Erschwerung der Identitätsbildung ins Auge springt. Bei früheren Generationen war es ein Zeichen von Jung-Sein, sich der dargestellten Identifizierung mit bestimmten vorgegebenen Identitätsmustern einfach zu verweigern, dies gilt heute so nicht mehr, da es diese relativ festgelegte Rollenidentität nicht mehr gibt. Denn es gilt: Die Bildung der Biographie ist zur eigenen Aufgabe der Individuen geworden. Selbständig müssen Konsistenz und Lebenssinn und -zweck für das eigene Leben gefunden werden. Und die Erfahrung des Individuums, daß diese Sinn- und Zweckerfahrung wie Lebensorientierungen nicht endgültig, sondern vorläufig und brüchig sind und damit revidierbar bleiben, erscheint dann folgerichtig.

In dieser neuen Gegebenheit bei der Selbstvergewisserung darüber, wer man ist und werden will und welche Wertorientierung und Darstellungsformen gültig sein sollen, oftmals auf sich allein gestellt, entspricht seine Pluralität an Selbstdarstellung, wie sie für viele heutige junge Menschen typisch sind. Es kommt heute oft zu einer "bastelbiographisch und patchworkartig zu einem schnellen Wechsel von Identitätsmontagen". Das bedeutet nun nicht generell, daß Traditionen, die Vorbilder und Lebensentwürfe darstellen, von vornherein negiert werden. Denn sie ermöglichen Horizonterweiterung und machen den subjektiv wahrnehmbaren Spielraum von Möglichkeiten erfahrbar. Inwieweit sie angenommen und akzeptiert werden, hängt auch damit zusammen, ob sie für sich und das eigene Leben als relevant erlebt werden und offen sind für mehr.

      1. Was muß Kirche tun? - Pastorale bzw. diakonische Begleitung in der kirchlichen Jugendarbeit

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Für die Kirche stellt sich die Frage, wie sie den jungen Menschen in seiner Identitätsfindung und in seinem Bemühen um eines Lebensentwurfs unterstützt, damit sie nicht in irgendwelchen Gruppen- bzw. Systemkonformitäten Zuflucht suchen. Wobei es die durch die kommerzialisierten Lebensstilstandards bedingten Gefahren für die Auflösung des Individuums zu bedenken gilt, wie sie durch Musik und Mode so erfolgreich in Szene gesetzt werden. Der Individualisierungsprozeß hat auch seine Kehrseite, nämlich den Zerfall solidarischer Lebenszusammenhänge der nicht wenige Opfer unter den jungen Menschen fordert (z.B. Zulauf zu rechtsradikalen Gruppen, religiösen Sekten, Drogenabhängigkeit). Die Tendenz neuer Formen der Benachteiligungen in Bildung und Erziehung ist nicht zu übersehen. Wer den Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft nicht mehr gerecht werden kann, wird ausgegrenzt, da er einer propagierten individualiserten Lebensführungen nicht nachkommen kann. Bei dieser Entwicklung muß Kirche solidarisch sein und sich der jungen Menschen annehmen, um Selbstfindung zu ermöglichen und Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Wo Kirche sich einer "Option für Jugend" diakonisch stellt und so den Glauben als "geschenkte Identität" erfahrbar macht, dürfte sie besonders unter den jungen Menschen neue Glaubwürdigkeit erlangen. Ob sie dazu fähig und bereit ist, wird von den praktischen Antworten auf die brennenden Fragen abhängig sein, die A. FEIGE als Forderung an die Kirche stellt: "Können sie (die jungen Menschen) 'Kirche' als die bewußt institutionalisierte Gemeinsamkeit auf der Suche nach Erfahrungen erleben, die sie auch für sich persönlich als 'Glaube' bezeichnen könnten, oder erscheint den Jugendlichen die Kirche als ein 'Bekenntnisraum', den man aufsucht, wenn man bereits 'Gewißheit' besitzt und über sein Ja zum 'Bekenntnis' entschieden hat?...".

1.2 Begründung des Themas - Optionen für eine Jugend - Gesellschaft im Strukturwandel (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Kinder und Jugendlichen werden heute durch die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen, die ökonomischen, ökologischen und "lebensweltlichen" Sturkturverschiebungen sowie pluralen Lebensbedingungen bzw. -möglichkeiten bestimmt. Die neuen Lebensformen und Leitbildraster, die das Wachsen, die Sozialisationsgegebenheiten, Lebensentwürfe und ihre Möglichkeiten und Handlungsrichtlinien grundlegend mitbestimmen, sind Hürden, die benannt werden müssen, wenn das Thema "Jugend im Wandel" bearbeitet werden soll.

Exemplarisch seien angeführt:

• Eine dramatische Zuspitzung und Verselbständigung von Gefahrenpotential haben sich kumuliert. Z.B. Anhäufung von Kernwaffen, Bevölkerungswachstum, Dürre- und Hungerkatastrophen, ungeheure Umweltzerstörungen, klimatische Veränderungen, Treibhauseffekt, gen-technologische Risiken u.a.. Die Zukunft - so scheint es - wird als "bedrohte" erlebt.

• die gesellschaftlichen und geschichtsphilosophischen Utopien scheinen sich aufzulösen (z.B. die sozialistischen).

• Die "Entzauberung der Welt" (Max Weber) hat im Laufe der Modernisierung zur Verweltlichung vieler Lebensbereiche geführt und als Ersatz Wissenschaft, Vernunft, Rationalität und Technik als Erben von Gott installiert. Die Erben von religiöser Wahrheit haben aber das Fundament für eben diese "Entzauberung der Welt" vorbereitet, und die "Entzauberung der Entzauberung" eingeläutet, wobei die Antwortmuster auf die Lebenssinn- und -zweckfragen im Austausch des schnellen Wechsels, der Undurchsichtigkeit, der Vorweiligkeit als Unverbindlichkeit andauernd relativiert und negiert werden.

• Gleichwohl setzten Prozesse der Bildungmobilisierung und der beruflich propagierten Mobilität von Mann und Frau eine Auflösung und Entraditionalisierung von Familie und Gesellschaft in Gang, die eine Differenzierung und Inividualisierung, aber auch eine Labilisierung von Lebenslagen und -formen bewirkte. Es scheint so, daß das dadurch entstehende Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit und Verbindlichkeit teilweise durch fundamentalistische Strömungen mit ihren "einfachen Antworten auf komplizierte Sachverhalte" befriedigt werden soll.

• Darüber hinaus ist für junge Menschen auf die Veränderung der räumlichen Umwelt, der familiären Struktur, der Schul- und Ausbildungszeit, der Struktur der Arbeitswelt, des Freizeitverhaltens, der Medien- und Massenkommunikationen zu verweisen.

1.2.1 Polarisierung und Vielfalt in der Jugendkultur (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Jugendbilder der 90er Jahre halten fest: "Jugend" zeigt sich differenziert, pluralistisch und individualistisch, "Jugend" erscheint vieldeutig, hat viele Äußerungsformen und kann nur im Plural aufgefächert werden; neben der "assoziativen Nähe zur Postmoderne" sind Uneinheitlichkeit, Pluralität und Differenzierungen von jugendlichen Milieus und Jugendgestalten vorwiegend auszumachen.

Die Jugend-Szenen haben sich in den 90er Jahren erheblich ausdifferenziert, und die Pluralität Anleitungen jugendkultureller Verinnerlichengen und Darstellungsweisen wechseln sich permanent ab.

In arbeits- und in kulturorientierter Vorausschau ergeben sich plurale Lebenstile in Familie, Schule und Ausbildung, innerhalb der Gleichaltrigen ein kunterbuntes Kaleidoskop unterschiedlicher Lebens-, Lern-, Kommunikations- und Arbeitsstrukturen; ein rasanter Stilwechsel der Moden, der Unterschiedlichkeit, Vielfalt, aber auch Einseitigkeit von Jugendgestalten und -kulturen, die es zu bedenken gilt. Es gibt also kein "Gesamt-Bild der Jugend."

Ebenso ist es offenkundig, daß es ein Nebeneinander der "alten" Jugendsubkulturen wie z.B. die der Teds aus den 50er Jahren, der Mods, Rocker und Hippies aus den 60er Jahren nicht mehr gibt, sie sind vollends von der "Bildfläche" verschwunden.

Es kommt noch hinzu, daß "alles immer mehr, immer widersprüchlicher, differenzierter und vaiantenreicher wird". Es scheinen sich "Unterabteilungen und Varianten gebildet (zu haben), deren Artenvielfalt" auch Fachkenner nicht mehr so einfach ausmachen können. Die Jugendforscher BAACKE und FERCHHOFF versuchen im Rahmen sozialwissenschaftlich orientierter Jugendforschung mit empirisch gesicherten Verhalten, Jugendliche und Jugendkulturen anhand ihrer Lebensweisen und ihres Lebensumfeldes typologisch zu erfassen. In dieser Arbeit ergeben sich jugendkulturelle "Antworten" als Problemlösungs- und Verarbeitungsstrategien.

1.2.2 #9; Die jugend-kulturelle "religiös-spirituelle" Szene (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

K.E. NIPKOW macht in seinen Untersuchungen eine "religiös-spirituelle jugendkulturelle Szene" aus. Hierbei handelt es sich um vielfältige und sehr unterschiedliche, neben utopischen Sehnsüchten und Erwartungen, um regredierende Arten und Weisen des gesellschaftlichen Verweigerns und um ein Begeben in religiöses und oftmals durch "pflanzliche und pharmazeutische" Drogen und anderen Rauschmittel gestütztes spirituelles Sektierertum, das in die "neoromantische Sehnsucht" nach einer "kosmologisch-mystischen Weltharmonie" einzudringen versucht, die aber in einfachen und klardeutige Gewißheiten, so quasi in einer Schwarz-Weiß-Schablone münden, die eindeutig darüber Auskunft gibt, was gut und bös, was gerecht und ungerecht, was gerettet und als verdammt gelten soll.

FERCHHOFF beschreibt dieses Milieu "als eine facettenreiche, mannigfach differenzierte Bewegung mit fließenden Formen und unscharfen Rändern. Es handelt sich insgesamt um eine sinnsuchende, parapsychologische, psychotranszendentale, spirituell erweckende, gnostisch-mythologische und okkultisch-magische Bewegungswelle, um eine 'Entzauberung der Engführung und der Vereinseitigung des privilegierten Status der Vernunft und der Ratio' also um eine 'Wiederverzauberung der Welt', die aufgrund der vielen Sinnentleerungen und -auflösungen gerade auch der traditionellen amtskirchenbezogenen konfessionellen Milieus an einheitsstiftende, okkulte, aber auch an aus der christlichen Mystik stammende Dimensionen des Alltagsbewußtseins anknüpft."

Offenbar wird ein gesteigertes Bedürfnis junger Menschen nach Sehnsucht auf "Aufgehobensein" in einer Zweck und Sinn gebenden "postrationalen Gemeinschaft" gerade konträr einer "radikalen Verdiesseitigung", die uns so von den Massenkommunikationsmitteln vorgegaukelt wird. Aus diesen Verursachungen heraus ist es nicht verwunderlich, daß von vielen jungen Menschen Verbindlichkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Heimat, Glückserfahrung, Ruhe so vehement eingefordert werden. Offenkundig wird, daß viele junge Menschen eine "Art 'innerer Umkehr', eine 'persönliche Transformation', eine Art Paradigma der 'ganzheitlichen Übereinstimmung mit sich, der Natur und dem Kosmos'" einfordern und suchen.

Das Refugium eigener erfahrenen Geborgenheit und Identität wird oftmals in überschaubaren Gruppen außerhalb der amtskirchlichen Wirklichkeit als Gottesdienst erlebt.

1.2.3 Die "kritisch-engagierte" Jugendszene (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Eine Jugendszene scheint als Nachfolger in der "gesellschaftskritischen" Jugendbewegung der späten 60er Jahren zu gelten. Die Friedens-, Alternativ-, Ökologie-, Dritte-Welt- und auch die späte Frauenbewegung sind sicherlich als die sogenannten neuen sozialen Bewegungen zu benennen. Heute sind es hauptsächlich noch Gymnansiasten/innen und Teile der besser gebildeten oberen Mittel- und Oberschicht, die eine sensible Lebenseinstellung zur Welt und den Menschen und seinen unabdingbaren Erfordernissen für ein gelebtes Leben einbringen. Es ist selten geworden, daß "Werte - die in moralischen Überzeugungen und konkret gefaßten sozialen Normen ihren Niederschlag finden" - versucht werden in die Tat umzusetzen und sie ins Familienleben einzubringen.

FERCHHOFF sieht in den "kritisch-engagierten" die neue Hoffnung, wenn er formuliert: "Es sind heute vornehmlich noch Gymnasiasten/innen und Teile der besser bebildeten, 'älteren', postadoleszenten und forschrittskritischen Jugendlichen, die, jenseits einer radikalen Gegenwartsorientierung und zu kurz geratener Zeithorizonte, eine hochgradige Sensibilität für Erfordernisse der Selbstverwirklichung, der Selbstbehauptung sowie der Identitätsbildung mit der Sensibilität für die Ausbeutung der Natur und die Zerstörungs- und Entfremdungsfolgen militärischer, industrieller, wissenschaftlichtechnischer und bürokratischer Modernisierungsvorgänge verbinden und galoppierenden Grenzerfahrungen, Risiken, Systemgefährdungen und Selbstvernichtungsmöglichkeiten..." Widerstand entgegen bringen. Ob er Recht haben wird, wird erst noch die Zukunft zeigen müssen.

Diese Generation hat sich von einer "hominisierten Welt" - so scheint es in ihrem Konsumverhalten distanziert; - gemeint ist damit, daß sich der Mensch im Zuge eines geistesgeschichtlichen Wandels von einem kosmoszentrischen Denken löste und sich selbst in den Mittelpunkt stellte, die Welt also anthropozentrisch interpretierte. Damit erfährt der Mensch die Welt nicht nur als eine vor-handene, sondern auch als eine zu-handene, die seiner wachsenden technologisch-rationalistisch oriententierten Handhabung und Gestaltungskraft ausgeliefert ist.

1.2.4 Jugendliche in der "manieristisch-postalternativen" Szene (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die "manieristisch-postalternativen" jungen Menschen gelten als muntere Konsumenten, die der Marktwirtschaft, dem Hedonismus, Utilitarismus und dem Optimismus als Individuen mit Souveränität begegnen, trotz aller Ungereimtheiten und Widersprüche.

So gehen sie - so scheint es - mit ihrer Freiheit und Lebensenergie frei und ungezwungen um, finden Ausdrucksformen und Lebensträume, jenseits von Verzicht und Askese und dem Bewußtsein der Vergänglichkeit, erfreuen sich an den Edelmarken marktwirtschaftlicher Errungenschaften, unterliegen dem Reiz der Werbespots und der Public-Relations (PR) Strategien. Sie finden das Motto: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" als eine intensive Suche nach Lebenszweck, den sie im "subito", und im "hic et nunc" zu finden trachten.

FERCHHOFF beschreibt es drastisch: "Das äußere Erscheinungsbild und die Feier der Oberfläche sind (mehr scheinen als sein) - alles muß hübsch und schön sein. Sie sind kontaktfreudig und betreiben 'Ego-Placement' durch Selbstinszenierung." Tatsächlich gibt es eine Partei- bzw. Politikverdrossenheit, die als schick gilt. Eine verklemmte Haltung der vorgebenen Abgeklärtheit und Distanz sollen vor Enttäuschungen des Lebens schützen. Die Beschreibung FERCHHOFF's trifft meines Erachtens den Nerv, wenn er weiter konstatiert: "In diesen postalternativen Milieus setzen Schönheit, Sportivität, Geschmack, Klamotten, andere Lebensstildesigns und Accessoires, bestimmte Treffpunkte und Discos der (vermeintlichen) Schickeria, aber auch das nötige Kleingeld die Signale. Und ohne Zweifel sind es diese, im Konsum-, Mode- und Medienbereich zentrierten Szenen (inklusive ihrer möglichen Unterszenen) und Lebensstilexperten, die für viele Jugendliche am attraktivsten sind." Es scheint sich eine enthumanisierte Welt zu offenbaren. Es ist eine Welt, in der sich der Mensch selbst als höchstes weltschaffendes Wesen erfährt, das eine Empathielosigkeit offenbart, wie sie so nicht gekannt wurde.

1.2.5 Orientierte an der Körper- und Actionskultur (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Eine weitere Form der jugendlichen Subkultur - ein vielschichtig und maskulin sich darstellendes Milieu - ist die "körper- und action-orientierte" Jugendszene, die wegen ihrer derben Erscheinungsformen und rauhen Kumpeltums als zur körperlichen Gewalt neigende Szene sich offenbart. Hierbei geht es um ein Milieu der gesellschaftlich Zu-kurz-Gekommenen, Randgruppen, hauptsächlich der Haupt- und Sonderschulen, junger Arbeitsloser, die sich mehr in diesem "Low-Budget-Leben" darstellen. Besonders die Symbole des Aufrührerischen sind mit Zeichen, Ausdrucksformen und Sinnlichem machistischer Körperkultur verbunden. Es sind Cliquen und Kumpanverbände in denen männlicher Machismo herrscht und Mädchen nur durch soziale Unterordnung ihre Mitgliedschaft sichern können.

"Sozius-Miezen", "Stammzähne", Mopedbräute" und "Cliquenkühe" sind Bezeichnungen für Mädchen in Cliquen, wobei für die männlichen jungen Anführer die Bezeichnung "Cliquenbulle" eine bevorzugte Benennung darstellt. "Gewalt" scheint in diesem Milieu als ein "erfolgreiches Handlungsmodell" zu sein. Man kann heute ein hemmungsloses Hantieren mit Gewalt beobachten. Während früher einfach die Fäuste flogen, sind vermehrt gefährliches Werkzeug (Hartgummistöcke, Baseballschläger, Messer, Gas- und Signalpistolen, Wurfgeschosse u.v.a.) im Einsatz.

In diesen marginalisierten Körperkulturen handelt es sich hauptsächlich um Rocker-Gruppen, die auf Heavy-Metal stehen, zweifelhafte Fußballfans (Hooligans), Motorrad- und Mopeds-Gangs, Street-Fighters, Ninja-Gruppen, militante Teddyboys, Punks, die vornehmlich gegen Ausländer (Türken, Jugoslawen) gewalttätig agieren ebenso Ausländer die sich zum Schutz gegen Radikale zusammenschließen und sich wehren ("Faschoklatschen", "Faschos-jagen", auf "Glatzenjagd" gehen usw.), Skinheads die oftmals Schlägereien mit "Ausländergangs" anzetteln und auch manchmal mit "linken Autonomen" sich rumschlagen; ebenso das Phänomen der rechtsradikalen Neonazis, die gegen scheinbare "Überfremdung" von Ausländern, Asylsuchenden, Flüchtlingen und Randgruppen - nicht nur in den neuen Bundesländern - mit menschenverachtender Gewalt vorgehen. Reaktionsformen, die nicht so einfach zu erklären sind. Es scheint, daß hier auch Rückzug, den gestellten Anforderungen der Gegenwart nicht gerecht zu werden, zugrunde liegt.

1.2.6 Die verbandlich orientierten jungen Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die weit größte Gruppe dürften die jungen Menschen sein, die in Jugendverbänden organisiert sind. Ihre Herkunftsfamilie wird eher als eine Art "pragmatische Koexistenz der Generationen" angesehen, wobei eine gewisse Vorbildfunktion außer Frage steht. Die junge Menschen sind in der Regel aufstiegsorientiert, sicherheitsbewußt und scheinen einigermaßen klare Vorstellungen von ihrer Zukunft zu haben.

Sie definieren sich in der Regel als "normal", fallen nicht auf und scheinen angepaßt, wobei diese Normalität sicherlich fragil bleibt. In ihren überschaubaren privaten und weitgehend gleichgeschlechtlichen Freundeskreisen versuchen Mädchen wie Jungen, aktiv den Herausforderungen ihres Lebens gerecht zu werden. Wahrscheinlich steht die jugendliche Identitätsentwicklung unter einem zunehmenden Individualisierungsdruck.

1.2.7 Jugendliche Lebensformen - Individuum - Pluralismus (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Lebens-, Sinn- und Szeneentwürfe sind multipler und kompatibler geworden; die Lebensformen und -stile sind dualer und bunter auslegt; sie werden mehr miteinander misch- und kombinierbarer. Es gibt heute ein "Individualisierung und Entstrukturierung der Lebensphase Jugend" und damit verbunden eine zunehmende Individualisierung des einzelnen Lebenslaufs und eine Pluralisierung der Lebens- und Sinnentwürfe, eine Experimentierfreude und ein Vielfalt von beruflichen, schulischen und persönlichen Möglichkeiten, die aber auch Widersprüche, Verwerfungen und Auflösungen enthalten können.

Deshalb wird es immer schwieriger, Entscheidungs- und Bewertungshilfen wie Richtlinien zu finden, die es möglich machen, Jugendkulturen eindeutig an soziologisch "objektiven Merkmalen ihrer Mitglieder" z.B. der Alters-, Bildungs-, Geschlechts-, Schicht- oder ethnischen Zugehörigkeiten klar und einsichtig zu identifizieren oder die vielfältigen jugendlichen Lebensentwürfe und -formen eigens in einer sicheren Typologie festzumachen.

1.3 Eine Herausforderung an die Praktische Theologie - Wissenschaftstheoretische Vorüberlegungen -

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Systematische pastoraltheologische Studien zu dem Fragenkomplex Jugend fehlen. H. STEINKAMP führt dazu aus, "daß es so gut wie keine wissenschaftlichen Monographien über den Gegenstand 'katholisch-kirchliche Jugendarbeit' gibt, die in theoretisch systematischer Absicht verfaßt wären oder als theoriefähig gelten können". Was STEINKAMP hier für die katholisch-kirchliche Jugendarbeit benennt, gilt in weit größerem Maß - auf katholischer Seite sicherlich - für die Jugendpastoral, die einer kontinuierlichen praktisch-theologischen Reflexion zugänglich und kirchliches Handeln an und mit jungen Menschen kritisch befragt und hinterfragt.

Das letzte erschienene Handbuch der Jugendpastoral erschien in 3 Bänden 1967-1973 von P. HASTENTEUFEL verdeutlicht die aktuelle Problematik.

Durch den Auszug vieler junger Menschen aus der Kirche wurde vor Ort in den Gemeinden eine verstärkte theoretische Auseinandersetzung über Wesen, Sinn, Zweck und Ziel jugendpastoralen Arbeitens begonnen. Synodale Beschlüsse sind erfreulicherweise in einigen Bistümern zur kirchlichen Jugendarbeit in Arbeit oder schon in Kraft. Einige Bistümer überarbeiteten ihre Jugendpläne oder erstellten Jugendpastoralkonzepte. Gleichwohl haben die Salesianer Don Boscos auf ihren letzten Provinzkapitel 1989 eine neues Jugendpastoralkonzept vorgelegt; ebenso die Deutsche Bischofskonferenz neue Leitlinien zur Jugendpastoral.

Von besonderem Interesse sind die neueren theologischen pastoralen Handlungsentwürfe für die Jugendpastoral vor Ort. Hierbei ist aber zu beklagen, daß sie sich ausschließlich auf die kirchliche Jugendarbeit beziehen, da sie die Bereiche Schule, Jugendsozialarbeit und Jugendfürsorge, und die offene Jugendarbeit in den Gemeinden vollkommen unbeachtet läßt.

Nach wie vor steht die Zielsetzung und Aufgabenstellung der Würzburger Synode (1975) unverwirklicht da. Sie fordert eine Gesamtkonzeption der Jugendpastoral, eine handlungsfeldübergreifende Theorie die vor Ort Kooperationsstrukturen und durch eine grundlegende Theorie erfahrbar macht, die das Gesamtarbeitsfeld von Jugendarbeit im kirchlicher Weise als communio aufzeigt, aber so von vielen jungen Menschen und auch Erwachsenen nicht erlebt wird.

      1. Der heutige Stand der wissenschaftstheoretischen Diskussion in der Praktischen Theologie

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das nach dem Konzil erschienene Handbuch der Pastoraltheologie markiert einen deutlichen Abschnitt. Die Verfasser sahen die Praktische Theologie als Wissenschaft des "Selbstvollzug(s) der ganzen Kirche", welcher "die Planung des Vollzugs der Kirche für die Gegenwart und Zukunft" unterliege.

Damit ergab sich einen neues Verständnis der Praktischen Theologie, nämlich sie bearbeitete einerseits das Wesen und Aufgabe bzw. den Auftrag der Kirche und andererseits die aktuelle Situation der Kirche als wesentlicher Bestandteil und Arbeitsfeld der praktisch-theologischen Reflexion. Die Kritik am Handbuch zeigte bald dessen Begrenzung auf - es wurde dessen " ... systematisch-theologische Kopflastigkeit" bemängelt.

Die in den Folgejahren ökumenisch geführte wissenschaftliche Auseinandersetzung bewerkstelligte eine überwiegende Übereinstimmung, daß die praktische Theologie "als theologische Handlungswissenschaft innerhalb einer als praktische Wissenschaft begriffenen Theologie zu konzipieren"sei. Die Praktische Theologie war somit aus der Reduktion auf eine alleinige Anwendungswissenschaft herausgelöst und hat sich zu einer eigenständigen Disziplin innerhalb der Theologie entwickelt.

1.3.2 Praktische Theologie als Handlungswissenschaft (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Soziologie führte den Begriffs Handlungswissenschaft in die Diskussion ein; G. KRAUSE übernahm diesen für die Praktische Theologie. Durch das Verständnis als Handlungswissenschaft gelingt es der Praktischen Theologie sich als selbständige Wissenschaft zu sehen, und gestattet ihr gleichzeitig, ihren Praxisbezug darzustellen, ohne ihren Anspruch, Wissenschaft zu sein, aufgeben zu müssen. Aus diesem Grunde ist er dafür geeignet, das Spezifikum der Praktischen Theologie im Vergleich zu den anderen theologischen Disziplinen darzustellen. Gerade heute nehmen verschiedenartige praktisch-theologische Ansätze den Begriff handlungswissenschaftlich für sich in Anspruch, wobei dies sowohl für die Theoriefähigkeit (H.-D. BASTIAN) als auch für eine Theologiefähigkeit (H. SCHROER)gilt. Das handlungswissenschaftliche Verständnis der Praktischen Theologie als einer Theorie der Praxis wird so einfach nicht angenommen. Dieser Umstand liegt besonders am Praxisbegriff selbst. Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß eine handlungswissenschaftliche Konzeption schnell zu einem praktisch-theologischen Pelagianismus führen könne. Es sei offensichtlich, der humanwissenschaftliche Handlungsbegriff lasse allzu leicht das dem menschlichen Handeln vorausliegende und immanente Handeln Gottes außer Betracht. Gleichwohl versperre er sehr leicht den Blick auf das, was die Menschen zu erbringen hätten, und umspanne nicht die dem Handeln zugrunde liegenden Motivationen, nämlich die wahren Bedürfnisse und richtigen Interessen der Menschen. Es solle verhindert werden, daß die Praktische Theologie zu einer reinen praktikablen und planbaren Sozialtechnologie verenge; sie müsse als Wahrnehmungswissenschaft (R. BOHREN) oder als Erfahrungswissenschaft (E. HERMS) konzipiert werden. Sie habe ausschließlich "das Praktisch(e)-Werden-Gottes, sein Lebendigsein in der Gemeinde", den "Prozeß der Verwandlung der Welt durch das Wirken des Geistes" im Sinn sowie das von der Praxis Gottes her zweck- und sinn-begründete und motivierte menschliche Handeln im Blick.

Die gemachten Einwände machen klar, Handlungswissenschaft kann sich nur dann Praktische Theologie nennen, wenn sie die Schwierigkeit eines theologisch legitimen Handlungsbegriffs zureichend zu klären vermag. Es wird wohl dabei darauf ankommen - wie dies H. PEUKERT versuchte - in Distanz zu einem nur instrumentellen, funktionalen Handlungsbegriff (poiesis), wie er in den Handlungswissenschaften gebräuchlich ist, einen mehr sinnbezogenen, intersubjektiven Handlungsbegriff zu erarbeiten, der für eine Fundamentale Theologie wie auch für eine Praktische Theologie besonders geeignet ist. Dabei wird es sicherlich um die Frage gehen, "was überhaupt humanes, genauer noch: menschliches Leben und Zusammenleben förderndes Handeln sei und woran es sich orientieren könne". Mit diesem Praxisbegriff gelingt in der Praktischen Theologie ein intersubjektives Handeln, welches sie zum Gegenstand ihrer Betrachtung macht. Dabei geht es "um gemeinsames, befreiendes, innovatorisches, zu gemeinsamer Selbstbestimmung befähigendes und dabei systemische Widerstände und Widersprüche überwindendes Handeln", wobei es ebenso um eine "Interaktion von selbständig und kreativ Urteilenden und Handelnden", um "eine Lebensverhältnisse transformierende, subjektkonstituierende Praxis" geht. Gleichwohl versucht PEUKERT im Hinblick auf philosophische Entwürfe der Neuzeit, den normativen Mittelpunkt einer solchen kommunikativen Handhabung aufzuzeigen. Er scheint ihn in einer bestimmten und allumfassenden Solidarität zu finden, die als Generalnorm dem intersubjektiven Handeln vorausgeht. Demnach besteht die Interaktion darin, das Gegenüber als gleichwertigen Partner anzunehmen, dessen Habitus gelten zu lassen und "in Auseinandersetzung mit ihm zu einer Übereinstimmung über die Wahrheit von Behauptungen oder die Richtigkeit von Normen zu kommen. ... Diese notwendig immer schon vorausgesetzte gegenseitige Anerkennung kann im Prinzip keinen Kommunikationspartner ausschließen, sie zielt vielmehr auf eine unbegrenzte Kommunikationsgemeinschaft" wie sie auch immer geartet sein will.

Die jüdisch-christliche Tradition bietet einen Beweggrund, der die Gefahr des Scheiterns für die universale solidarische Praxis bannt. Für PEUKERT - und nicht nur für ihn - ist dies Jesus von Nazareth, der durch sein Leben, Wirken, Sterben und durch seine Auferstehung diese unbedingte universale Solidarität anbietet, die nicht nur bei sich stehen bleibt, sondern auch radikal das Subjektsein des anderen einschließt, trotz aller noch so schlimmen Hinterfragungen menschlichen Lebens. Das schließt natürlicherweise insbesondere das Handeln der Christen mit ein, denn auch dadurch wird erst die befreiende Praxis der Wirklichkeit Gottes erfahr- und sichtbar. Wobei "Glaube in sich selbst eine Praxis (ist), die als Praxis, also im konkreten kommunikativen Handeln, Gott für die anderen behauptet und im Handeln zu bewähren sucht. Der Glaube ist so Vollzug menschlicher Existenz in ihren äußersten Möglichkeiten." Daher ist für PEUKERT die Praktische Theologie eine "explizite Theorie eines Handelns, das in unserer konkreten Gesellschaft unter zerreißenden, aporetischen Erfahrungen eine Identität ermöglichen will, die sich der unbedingten Zuwendung Gottes an die Handlungspartner verdankt, einer Zuwendung, die im Handeln für den anderen jeweils schon immer vorausgesetzt und praktisch realisiert werden muß. In seiner gesellschaftlichen Dimension zielt dieses Handeln auf den Aufbau einer gemeinsamen Welt und damit auch gesellschaftlicher Institutionen, in denen die unbedingte gegenseitige Anerkennung Bedingung der eigenen Identität und Ort der Erfahrung jener absoluten befreienden Freiheit ist, die in der christliche Tradition Gott genannt wir."

 

1.3.3 Funktion einer Pastoraltheologie (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Wird dieser unbedingten Einsicht Rechnung getragen, nämlich, "daß die Wirklichkeit Gottes nicht bloß in bestimmten - 'religiösen' oder 'kirchlichen' Bereichen der Realität erfahren und benannt werden kann, sondern daß sie als Dimension jedem kommunikativen Handeln innewohnt, sofern in seinem Vollzug sich die Partner eine unverfügbare Freiheit gegenseitig zumuten und gestehen", dann wird die Praktische Theologie "mit 'anonymen' Objektionen des Christlichen rechnen müssen". Damit darf sie sich nicht nur auf die übliche christliche Praxis oder allein auf das kirchlich-verbandliche bzw. kirchenamtliche Handeln zurückziehen dürfen, sondern wird insbesondere auf die kirchlich "unbehausten" anderen aufmerksam hinschauen. Die heutige "christlich-kirchliche Praxis" wird zur Aufforderung für die praktisch-theologische Reflexion. Das bewirkt, daß das umfassende Volk Gottes als Subjekt pastoralen Handelns Gegenstand der Betrachtung wird, um so auch die verschiedenen Charismen, Ämter, Dienste und Funktionen miteinander nicht zu vermengen.

Damit wird aufgezeigt, daß sich mit einem handlungswissenschaftlichen Verständnis der Praktischen Theologie eine inhaltliche Option verbindet; denn sie kann weiterhin keine neutrale Haltung gegenüber zentralen Fragen des menschlichen Lebens und Leidens einnehmen. In dieser so verstandenen handlungswissenschaftlichen Perspektive hat sie "die bedrängenden Probleme menschlicher Praxis insgesamt in den Blick zu nehmen und sich den Herausforderungen menschlicher Praxis insgesamt mit ihren Bedrohungen, Widersprüchen und Pathologien" zu stellen. Die Bemühung, die "Praktische Theologie im Paradigma biblischkritischer Handlungswissenschaft zur Praxis der Befreiung zu vernetzen, zeigt die richtige Zielrichtung.

Die Zielrichtung ist also eine umfassende Reflexionsstrategie zur Prüfung und Hinterfragung unserer pastoralen Identität und Handlungkompetenz der in der Pastoral Tätigen.

L. KARRER meint auch: Ein dialektisches, hinterfragbares und produktives Verhältnis von Theorie und Praxis ist in der Praktischen Theologie als "kritisch-konstruktive Theorie der kommunikativen und zielstrebig geplanten Formen der kirchlich-christlichen Praxis" aufzuzeigen. Das heißt aber auch, daß sie nach Alternativen zu den "vorfindlichen und gültigen Formen des Handelns der Kirche (sucht). Die kritische Orientierung gewinnt sie durch den Rückgriff auf die biblische Tradition, auf Aussagen der Dogmatik, aber nicht zuletzt auch durch Orientierung an der kritischen Sozialwissenschaft."

Was ist nun die Funktion einer Pastoraltheologie? K. RAHNER beschreibt sie als "den seinsollenden Selbstvollzug der ganzen Kirche (die) nicht nur pastorale Anweisungen für die seelsorgliche Tätigkeit des Klerus geben" soll. Das Handbuch der Pastoraltheologie benennt eine allgemeine und eine spezielle Pastoraltheologie bzw. Praktische Theologie. Sie wird damit als eine Grund- und Grundlagenwissenschaft verstanden. KLOSTERMANN benennt auch eine "spezielle Lehre kirchlicher Jugendführung". H.-W. GÄRTNER und W. MÖHLER meinen, daß sie "einen eigenständigen integrierenden Beitrag gegenüber den übrigen praktisch-theologischen Disziplinen" erarbeiten muß. Wobei sie "freilich nicht selber bereits die Praktische Theologie (sei), sondern diese existiert als Zusammenspiel der anderen Disziplinen der speziellen Praktischen Theologie untereinander und mit der Allgemeinen Praktischen Theologie ".

Auch P.M. ZULEHNER scheint dieser Auffassung zu zustimmen, wenn er seine Position einer Fundamentalpastoral vorlegt. Er benennt eine pastorale Kriteriologie, die der pastoral Zielrichtung offenlegt, dann eine Kairologie die umfassendes Wissen über Historie und Gesellschaft darstellt, sowie eine pastorale Futurologie, theoretische Reflexionen eines brauchbaren Umbruchs. ZULEHNER postuliert ebenso eine spezielle Pastoraltheologie. Sie "widmet sich einzelnen, nicht immer leicht abgrenzbaren Handlungsfeldern, wobei am besten pragmatisch vorgegangen wird und die vorfindbaren Handlungsfelder der Kirche zum Ausgangspunkt der Reflexion genommen werden". Es ergeben sich dabei Gewichtungen wie die Kinderpastoral, Landpastoral, Arbeiterpastoral, Ehepastoral, und eine Jugendpastoral.

1.4 Ergebnis der wissenschaftstheoretischen Vorüberlegungen einer Pastoraltheologie für junge Menschen

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die hier diskutierte wissenschafttheoretischen pastoralen Überlegungen haben für die konzeptionelle Ausgestaltung einer Pastoraltheologie für junge Menschen Folgen, und zwar auf der einen Seite der handlungswissenschaftlichen Identität und auf der anderen Seite bezüglich ihrer Rolle im Kontext der anderen praktisch-theologischen Disziplinen, die sich ebenfalls mit Teilbereichen der Jugendpastoral beschäftigen.

 

1.4.1 Handlungswissenschaft im Hinblick auf eine Pastoraltheologie der Jugend (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Eine erste Folge bezieht sich auf den methodischen Ansatz einer handlungs- wissenschaftlich aufgearbeiteten Pastoraltheologie der Jugend. Dem Grunde nach geht es um die jetzige jugendpastorale Praxis vor Ort, sie analytisch aufzuarbeiten, zu bewerten, neu zu bedenken und bewußt zu machen, dabei besteht das Ziel diese Praxis vor Ort im Sinne der Subjektwerdung Jugendlicher deutlicher zu ermöglichen. Das ist nur möglich, wenn erstens die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen heutiger jugendpastoraler Praxis bewußt gemacht und ebenso einer theologischen Ausdeutung unterworfen werden (jugendpastorale Kairologie), und zweitens die theologischen und ekklesiologischen Ansprüche ernstgenommen werden, die einer Jugendpastoral vorausgehen (jugendpastorale Kriteriologie). B. PÄSCHKE formuliert es so: "Sollen gegenwärtige Praxisphänomene nicht nur deskriptiv-empirisch analysiert, sondern mit der Absicht verändernden Handelns kritisiert werden, dann interessiert Geschichte als ein Moment von Praxis."

Als zweite Konsequenz beansprucht ein handlungswissenschaftlicher Ansatz einen qualitativen Praxisbegriff. Ein sehr sympathischer und meines Erachtens in die Zukunft weisender Praxisbegriff für pastoraltheologisches Handeln und eben für eine Jugendpastoral scheint mir der Versuch von C. BOFF zu sein.

Er macht den Versuch, das Theorie-Praxis-Problem von der Wurzel anzugehen. Die "Theologie der Befreiung" von C. BOFF versteht das Grundübel des Defizits in kirchlicher Jugendpastoral, da sie die Spirale Praxis-Theorie-Praxis nicht in einen geschichtslosen und politikfreien Raum stellt, sondern deutlich macht, daß sie in einem konkreten historisch-sozialen Kontext mit gravierenden politischen Implikationen und Interessen verankert ist.

Auch PEUKERT scheint einen ähnlichen Ansatz zu vertreten, wenn er schreibt: Es geht um "ein intersubjektives Handeln, dem weder die Struktur des Subjekts noch die Struktur der Gesellschaft fraglos und stabil vorgegeben, sondern in einer zwar geschichtlich ableitbaren, aber nicht determinierten krisenhaften Instabilität zur Entscheidung aufgegeben sind. Der neuzeitliche Praxisbegriff impliziert die Veränderung von Strukturen, die die Selbstbestimmung von Subjekten verhindern."

 C. BOFF geht bei seinem Ansatz von einem Primat der Praxis über die Theorie aus, nicht in einem ethischen, wohl aber von einem zeitlichen und analytischen Verständnis her und betrachtet die "Problematik der Praxis" in ihrer Beziehung zur Theorie, wobei er aufzeigt:

• "das soziale Engagement des Theologen;

• die thematische Relevanz der Theologie;

• die politische Bestimmung der Theologie;

• die Praxis als Wahrheitskriterium;

• die dialektische Beziehung zwischen Theorie und Praxis."

 

So wie mir scheint, hat das Modell einer dialektischen Interdependenz mehr die Fähigkeit den Theorie-Praxis-Bezug aufzuweisen und vor Ort der Jugendpastoral zur Seite zu stehen. Das Urteil von T.W. ADORNO scheint gerade in diesem Problemzirkel von herausragender Wichtigkeit, denn er schreibt: "Sind Theorie und Praxis weder unmittelbar eins noch absolut verschieden, so ist ihr Verhältnis eines von Diskontinuität. Kein stetiger Weg führt von der Praxis zur Theorie - das eben wird vom Hinzutretenden als dem spontanen Moment gemeint. Theorie aber gehört dem Zusammenhang der Gesellschaft an und ist autonom zugleich. Trotzdem verläuft Praxis nicht unabhängig von Theorie, diese nicht unabhängig von jener. Wäre Praxis das Kriterium von Theorie, würde sie dem Thema probandum zuliebe zu dem von Marx angeprangerten Schwindel und könnte darum nicht erreichen, was sie will; richtete Praxis sich einfach nach den Anweisungen von Theorie, so verhärtete sie sich doktrinär und fälschte die Theorie obendrein. ... Das Verhältnis von Theorie und Praxis ist, nachdem beide einmal voneinander sich entfernten, der qualitative Umschlag, nicht der Übergang, erst recht nicht die Subordination. Sie stehen polar zueinander. ... Praxis ist Kraftquelle von Theorie, wird nicht von ihr empfohlen."

Das heißt aber unzweifelhaft, das Tun der Wahrheit in Geschichte und Gegenwart, eben die jeweils wahre Praxis, ist so nicht einfach aus der herrschenden Praxis zu eruieren. Es stellt sich vielmehr neu die Frage: Wie soll in aktuellen Handlungsabläufen die Theorie-Praxis-Vermittlung bei der Findung nach dem jeweils geltendem Kontext wahres Handeln ausschauen? Besonders im pastoralen Handeln der Kirche stellt sich heute diese Frage; wobei das "Handeln im Geiste Jesu Christi" der pastoralen Praxis der jüdisch-christlichen Tradition ebenso wie auch dem betreffenden Menschen in seiner je eigenen kultur- und situationsbestimmten Bedürfnislage verpflichtet sein muß.

Am brauchbarsten für dieses Unterfangen scheint mir der von W. FÜRST ins Spiel gebrachte Begriff der "praktisch-theologischen Urteilskraft" zu sein. Er bedient sich dabei der kantischen "reflektierenden Urteilskraft", die für FÜRST "bei Kant den Übergang zwischen theoretischer und praktischer Vernunfttätigkeit ermöglichte" und als "Vermögen analoger, praktisch-symbolischer Darstellung und Veranschaulichung des in Hoffnung und Vernunftglauben postulierten Reiches Gottes" betrachtet wird; er erarbeitet eine Theorie der "praktisch-theologischen Urteilskraft", welche "die christliche Weisheit in ihrer dialogischen Doppelgestalt als theologische Kompetenz" darzustellen versucht. "Sie ist in diesem Sinne 'Weisheit auf dem Weg durch die Wissenschaft', kurz: die in der gegenwärtigen Situation und auf sie hin reflektierte christliche Weisheit. Als solche darf sie nun aber nicht als bloßer Ausdruck eines rein intellektuellen christlichen Vorverständnisses begriffen werden. Als Reflexionsform des lebendigen christlichen Geistes (sensus fidelium), der in der Communio des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe Bestand hat und durch die symbolischen Vollzüge der Kirche (martyria, liturgia, diakonia) in der jeweiligen Zeitsituation verbürgt, gegenwärtig gesetzt und erneuert wird, ist sie als ein ganzheitliches, intellektuelle Vergewisserung, fühlende Wahrnehmung und handelnde Verwirklichung umfassendes Urteilsvermögen zu verstehen. Praktischtheologische Urteilskraft ... ist die auf die geschichtliche Sinnerfahrung in Jesus Christus gegründete, die gesellschaftliche Sinnerfahrung in der Kultur kritisch und dialogisch mit ihr in Beziehung setzende Instanz analoger Theorie-Praxis-Vermittlung im Bereich des pastoral-kirchlichen Handelns und seiner wissenschaftlichen Reflexion in der praktischen Theologie. Sie ist es die 'Denken und Handeln im Geist Jesu Christi' angesichts der gegenwärtigen Situation ermöglicht."

Hiermit ist die "praktisch-theologische Urteilskraft" als Instanz für das dialektische Beziehungsverhältnis Theorie-Praxis-Verhältnis festgelegt, die im alltäglichen Handeln Theorie und Praxis miteinander verbindet.

Die Arbeitsfelder der Pastoraltheologie der Jugend werden grundsätzlich eine Theorie jugendpastoralen Vollzugs bzw. arbeitens sein müssen, die mit allen anderen Disziplinen der Praktischen Theologie kompatibel sein sollten; sie wird interdisziplinär arbeiten und die Ergebnisse der Human- und Sozialwissenschaften in ihre Reflexion einbeziehen, wenn Sie dem beschriebenen Anspruch einer Fundamentalpastoral gerecht werden will.

1.4.2 Versuch eines Gesamtkonzepts einer Jugendpastoral (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Bestrebungen, ein Gesamtkonzept einer Jugendpastoral zu konzipieren stammen aus Frankreich, wo in den sechziger Jahren auf der Ebene der Diözesen eine Koordinierung der unterschiedlichen Arbeitsfelder kirchlicher Jugendarbeit versucht wurde. Eine Gesamtpastoral meint dann ein Gesamtwirken, nämlich die "Koordination aller Gegebenheiten, durch welche die Kirche ihre Präsenz verwirklicht". "Alle apostolischen Kräfte einer Diözese, Personen wie Institutionen, müssen fortschreitend integriert werden in ein Gesamtwirken, welches vom Bischof kraft seiner Sendung geordnet und geleitet wird. Deswegen ist es von entscheidender Notwendigkeit, daß in jeder Diözese ein Pastoralrat gebildet wird. ... Er soll (für) den Bischof gleichsam das 'Labor' sein, die Werkstatt einer Diözesanpastoral, in der wirklich eine Ordnung zum Ganzen herrscht und die Fühlung hat mit den realen Problemen." Dabei muß gewährleistet sein, daß die unterschiedlichen Lebensbereiche der Menschen mit "dem Gesamt der herrschenden Gewohnheiten, Gesinnungungen und Lebensbesinnungen" in die Arbeit der Pastoral mit einbezogen werden. Dies geschieht nach einem gemeinsamen Geist: "Es ist der Geist der Kirchenkonstitution Lumen gentium, wo sich alles um den Begriff des Volkes Gottes ordnet" und den Laien verantwortliche pastorale Mitarbeit zuspricht.

Im Bistum Speyer wurde schon 1967 ein Gesamtkonzept eines solchen Jugendplanes vorgelegt. Ausgehend von der "Koordination aller Kräfte", die durch die Kirche an der Jugend geleistet wird, wird eine Koordination aller jugendpastorale Aktivitäten angestrebt. Bedeutsam scheint mir, daß besonders auf eine Abstimmung aller jugendpastoralen Aktivitäten in der Diözese gedrängt wurde, denn "die Bedeutung der Jugendgemeinschaften (BDKJ) besteht vor allem darin, daß der Jugendliche in der Gemeinschaft Gleichaltriger Kirche erlebt. Hier lernt er sich als Glied der Kirche erkennen, sich selbst zu verwirklichen und zu entfalten, indem er freiwillig Verpflichtungen und Bindungen auf sich nimmt. Die Jugendgemeinschaften sind durch nichts zu ersetzen und darum notwendiger Bestandteil der Jugendarbeit."

Die Würzburger Synode (1975) hat nur den diakonischen Ansatz der Jugendarbeit ausdrücklich benannt.

Aus diesem Defizit kam das Bedürfnis nach einer Gesamtkonzeption der Jugendpastoral auf, was von verschiedenen angezweifelt wurde, und von anderen wurde schon ein "integriertes Modell einer Jugendpastoral" vorgelegt das Religionsunterricht, Gemeinde und Jugendpastoral aufeinander bezog. Besonders die Bischöfe forderten eine Integration der Jugendpastoral in ein pastorales Gesamtkonzept, damit eine "weitgehende Zusammenarbeit der verschiedenen kirchlichen Dienste und Dienststellen im Sinne einer integrierten Jugendpastoral" erreicht werden könne. Leider sind diese Versuche in den Anfängen stecken geblieben. Offenbar wird aber doch, mit welchen enormen Schwierigkeiten eine kirchliche Jugendpastoral hantieren muß, um über ihre eigene Befindlichkeit hinauszukommen.

1.5 Die Gliederung der Arbeit (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptabschnitte. Der erste Abschnitt (Kapitel 1 - 6) folgt den methodologischen Vorgaben, die dargestellt wurden. Eine Analyse der gesellschaftlichen Gegebenheiten und der jeweiligen Situation heutiger Jugend. Ein Entwurf einer jugendpastoralen Handlungstheorie, wobei Ansätze einer praktisch-theologischen Handlungsorientierung der Jugendpastoral aufgelegt und ihre Relevanz kritisch befragt wird.

Der zweite Hauptabschnitt (Kapitel 7 - 10) versucht einen strukturellen Aufweis und Aufbau der Salesianischen Gesellschaft zu geben und ihre pädagogische Leitvorstellungen auf dem Hintergrund der aktuellen Anfrage der Praktischen Theologie aufzuzeigen. Dabei soll die Gültigkeit und Aktualität dieser pädagogischen Leitideen an die heutigen Erfordernissen an ein jugendpastorales Gesamtkonzept angepaßt werden.

Die vorliegende Arbeit will einen wissenschaftliche Beitrag leisten und anregen zu einer "zeitgemäße(n) Erneuerung des Ordenslebens" der von Don Bosco gegründeten Salesianischen Kongregation; denn nach dem Zweiten Vatikanum ist es neben der "Anpassung an die veränderten Zeitverhältnisse" auch notwendig, zu einer "ständige(n) Rückkehr zu den Quellen jedes christlichen Lebens und zum Geist des Ursprungs der einzelnen Institute" zu kommen.

Der Italiener Johannes Bosco (1815 - 1888), Priester und Pädagoge, ist der Begründer einer Heimerziehung, die auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes und christlicher Weltanschauung Erziehung als Wissens- und Gewissensbildung des Educanden versteht.

 

Da sich seine Zöglinge vornehmlich aus gesellschaftlichen Randgruppen rekrutierten - seine ersten Heimbewohner sind verwahrloste Turiner Jugendliche und Kinder -, verlangt Don Bosco von seinen Pädagogen das Äußerste an Einfühlungsvermögen in die Psyche der Heranwachsenden. Für sein pädagogisches Vorgehen hat er den Begriff "sistemo preventivo" - "Pädagogik der Vorsorge" - gewählt. Gemeint ist damit eine aktive Begleitung des Heranwachsenden durch den Pädagogen in allen Erziehungsphasen. Betont wird dabei der vorsorgende und vorbeugende Charakter der Erziehung; die Prophylaxe als Erziehungsgeschehen.

Die von Don Bosco ins Leben gerufene "Gesellschaft des heiligen Franz von Sales", auch "Salesianer Don Boscos" genannt, ist heute weltweit verbreitet. Der deutsche Zweig gliedert sich in eine nord- und süddeutsche Provinz mit Einrichtungen in über 30 Städten. Ihr erzieherisches Engagement erstreckt sich auf Maßnahmen der Jugendhilfe und Jugendpflege, für ihren Erziehungstil ist eine familiäre Atmosphäre kennzeichnend, die sicherlich noch tiefer reflektiert werden muß, wenn die Neubesinnung mehr Früchte tragen soll.

Während Don Bosco theologisch völlig dem Geist des I. Vatikanums verpflichtet war, sehen sich die Salesianer heute einer veränderten kirchlichen Situation gegenüber. Die theologischen Anstöße des Zweiten Vatikanischen Konzils haben sie deshalb als einen Anruf zur weiteren pädagogischen Professionalisierung verstanden, der sie sich mit einem eigenständigen Bildungs- und Forbildungsangebot an ihren Ordenshochschulen in Benediktbeuren und den verschiedenen pastoralen Bildungsinstituten stellen.

Die vorliegende Arbeit will den Ort der Salesianischen Konzeption innerhalb der Erziehungswissenschaften bestimmten. Dabei wird die Salesianische Pädagogik als eine profilierte Konzeption im pluralistischen Gesamtspektrum der heutigen Erziehungswirklichkeit begriffen.

2. Entwicklung einer jugendpastoralen Handlungstheorie von heute (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

"Jeder Versuch junger Menschen, nach dem Evangelium zu leben, ist ein bedeutsames Stück Kirchlichkeit. ... Aller Kampf von Christen für mehr Gerechtigkeit und Freiheit in der Welt gibt der Kirche mehr Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft, weil er sich als ein Dienst am Kommen der Herrschaft Gottes erweist, die den Menschen umfassenden Frieden (Shalom) schenkt. Das ist Ausdruck höchster Kirchlichkeit. Wie können wir glaubhaft machen, daß Gott diese Welt liebt?"

K. ESSER scheint die nachkonziliären Umbruchbedingungen zu sehen, wenn er im Handbuch der Pastoraltheologie zuerst eine Analyse der gesellschaftlichen Situation heutiger Jugendlicher beschreibt, wobei er dann verschiedene Formen der offenen Jugendpastoral fordert, wodurch die Kirche viele Jugendliche zu erreichen versucht. Dann untersucht er kritisch die Seelsorge und ihre Formen bei der gebundenen Gemeinschaft (Gruppe). Er sagt:

Kirche sei "nicht Ergebnis und bloß Objekt der hierarchischen Bemühung, sondern sie lebt aus der Polarität zwischen Haupt und vielgestaltiger Gliedschaft (1 Kor 12) - Kirche wird durch Kirche".

Bei K. ESSER ist die Gruppe nicht nur Gegenstand des Seelsorgers, sondern ureigenes Subjekt der Pastoral. Das ganze Gottesvolk trägt Mitverantwortung, insbesonders die jeweilige Gemeinde für eine Jugendpastoral, da "die Gesamtheit der Jugendlichen als Subjekt einer Pastoral gedacht werden kann", denn es ist "ein Geschehen in dieser Welt und für diese Welt". Hieraus ergeben sich konkrete Erkenntnisse bzw. Erfordernissen.

2.1 Die jugendpastoralen Handlungsanleitungen sind geprägt von dem theologisch-ekklesiologischen Verständnis und den sozio-kulturellen Rahmenbedingungen.

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Handlungskonzepte der Jugendpastoral standen schon immer im Kontext der vorherrschenden Lehrtheologie und in der jeweiligen sozio-kulturellen Situation. Das II.Vatikanum erarbeitete ein mehr diakonisches Arbeitmodell von Jugendpastoral, das den Dialog in den Vordergrund seine Aktion rückte. Die Kirche versteht sich nun als Dienerin der Menschen und stellt die Subjektwerdung der Jugendlichen in einen gesellschaftlichen humanen Kontext. Dabei bedenkt sie die neuen sozialen Lagen der heutigen jungen Menschen auf dem Hintergrund ihrer Identitätsfindung.

Daraus ergibt sich eine Theoriebildung der Jugendpastoral, die nicht ohne eine gediegene theologisch-ekklesiologische Grundlegung und ohne die Einbeziehung des sozio-kulturellen Zusammenhangs gedacht werden kann. Es wird sich herausstellen müssen, wenn beides zusammenkommt, inwieweit auf diesen Gegebenheiten ein fundiertes jugendpastorales Handlungskonzept zu entwerfen ist. Papst Paul VI. hat an den Episkopat, den Klerus und alle Gläubigen der Katholischen Kirche über die Evangelisierung in der Welt von heute das Schreiben evangelii nuntiandi gerichtet, das einen exemplarischen jugendpastoralen Handlungsanstoß initiiert; es bleibt zu prüfen inwieweit es für einen jugendpastoralen Handlungsansatz tragfähig ist.

2.2 Jugendpastoral als diakonische Dimension (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Gefahr, daß sich eine Jugendpastoral nur als eine "religiöse" Arbeit an Jugendlichen versteht, besteht immer wieder. In der gesamten Geschichte begegnet einem die kategoriale Reduktion auf die liturgisch-sakramentalen und homiletisch-katechetischen Betätigungsfeldern des geweihten Amtes. Es erstaunt, daß eine derartige Reduktion im geltenden Grundsatzprogramm des BDKJ wie auch Synodenbeschluß Kirchliche Jugendarbeit vorzufinden ist. Eine Verkürzung der Jugendpastoral auf den religiösen Aspekt würde die ganzheitliche Perspektive eines in die Zukunft weisenden pastoralen Handlungs- ansatzes verkürzen und die jungen Menschen gingen der Kirche ganz verloren, wenn dies nicht schon weitgehend der Fall ist.

Die Zuwendung der Kirche findet man zu allen Zeiten für die arme und vernachlässigte Jugendliche, für Arbeiter- und Landjugend, für die Jugendfürsorge und auch für die pfarrliche Jugendseelsorge. Besonders interessant ist, daß in der Nazidiktatur den Priestern und den Pfarrgemeinden die karitative Jugendarbeit als "produktivste Seelsorgarbeit" angeraten wurde. Ebenso gilt dies fürs Diakonat der Jugend.

Besonders nach dem Konzil erhielt die Jugendarbeit einen diakonischen Ansatz. Dies wird sehr im Synodenbeschluß Jugendarbeit und in anderen Grundlagenthesen katholischer Jugendverbände, der Jugendfürsorge und Jugendsozialarbeit erfahrbar. Das ist um so bedeutsamer, da eine künftige jugendpastorale Grundlagentheorie das Fundament für eine zukunftsträchtige - diakonische, liturgische und katechetische - Jugendpastoral, die die Ganzheit des jungen Menschen in den Mittelpunkt ihres tuns rückt, wobei sie die Lebenssituation Jugendlicher mit einbezieht.

2.3 Arbeitsfeld Jugendpastoral für Laien, Jugendliche, Theologen und Priester (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Zukunft der ganzheitlichen Jugendpastoral wird ein gleichberechtigtes Arbeitsfeld für Priester und Theologen, wie auch für Laien und Jugendlichen sein. Es wird nicht so ohne weiteres gelten können, daß der Priester "die pastoralen Aufgaben, die ihm von der zuständigen Leitung übertragen wurden allein verantwortet. Es wird wahrscheinlich vielmehr so sein, daß die pädagogisch und theologisch gebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Tätigkeitsfelder ebenbürtig wie der der Priester und die Theologen auf ihre pastorale Identität hin reflektieren, um die bisherige klerikale Engführung in der Jugendpastoral endgültig zu überwinden und die berufliche Identität aller in der Pastoral tätigen in der pastoralen Sendung der Gesamtkirche zu verorten.

2.4 Die Verortung: Gemeinde als Ort und Subjekt von Jugendpastoral (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Aus der geschichtlichen Entwicklung ergibt sich, daß die Gemeinde bzw. Pfarrei als der ureigene Platz der Jugendpastoral betrachtet wurde. Die Diözesansynode des Bistums Rottenburg betrachtet die Gemeinde als "der erste und vorrangige Ort kirchlicher Jugendarbeit", wobei die katholische Jugendführung und Jugendseelsorge in der Geschichte immer wieder bestrebt waren, die Kräfte der verschiedenen Gruppen Jugendlicher auf die Pfarrergemeinde hin zu verorten und zu integrieren, denn sie erscheint als der zentrale Ort, wo Gemeinde Glauben lebt, bekennt und feiert. Das ist das Charakteriskum einer christlichen ganzheitlichen Jugendpastoral, das eine jugendpastorale Handlungstheorie immer wieder bedenken muß.

2.5 Verbandlichkeit als Chance jugendpastoraler Praxis (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

So wie es scheint befindet sich die verbandlich katholische Jugendarbeit in einer aktuellen Krise. Es wird von verschiedener Seite an der verbandlichen Jugendarbeit, an der politischen Arbeit, an der unzureichenden Kirchlichkeit, an der fehlenden Spiritualität, an der Leitungsebene heftig Kritik geübt. Trotzdem scheinen sich die Mitgliederausstritte in Grenzen zu halten, wobei nach wie vor "hohe Erwartungen an den BDKJ von seiten kirchlicher und politischer Seite" gerichtet werden. Innerhalb des BDKJ verfügen nur noch - Kolpingfamilie, KLJB, KJG und DPSG - über eine hinreichende Leitungs- und Personalstruktur, die zu allen bedeutsamen jugend- und gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen können. Selbst aus den eigenen Reihen werden Klagen geführt über den "latenten Mitgliederschwund", über die immer weniger werdende "Organisierbarkeit und Organisierungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen", wie über die zunehmende Unattraktivität der Jugendverbände, über die Verweigerung vieler junger Menschen Leitungsfunktionen in den Verbänden zu übernehmen sowie über die Verweigerung vieler Priester die Jugendverbände zu beraten. Es spricht vieles dafür, daß die Krise hausgemacht ist, aber auch aus der momentanen gesellschaftlichen Befindlichkeit heraus resultiert. Es scheint so, daß ein Prozeß der Individualisierung und Pluralisierung in Gang ist. Man wird W. HORNSTEIN Recht geben müssen, der die große Herausforderung für die kirchlich-verbandliche Arbeit in den heutigen Basisinitiativen sieht, die "Ausdrucksformen einer Emanzipationsbewegung" sind, "in der auf seiner neuen geschichtlichen Stufe und angesichts geschichtlicher Erfahrungen der Gegenwart die Frage nach neuen Möglichkeiten menschlichen Lebens jenseits der durch die neuzeitliche Industriegesellschaft vorgezeichnenten Bahnen" auftut.

2.6 Strukturen der Jugendpastoral bedürfen einer Administration für den ekklesiologischen Handlungsablauf

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

H. STEINKAMP sieht in den Organisationsstrukturen eine erhebliche Relevanz für die Form und Qualität der Kommunikation, damit tritt die Strukturfrage in den Mittelpunkt. Wegen der strukturellen Neuorganisation der Jugendpastoral in verschiedenen Bistümern kam es zu erheblichen Konflikten, wobei es zuerst um ekklesiologische Fragen ging.

Das zeigt die Analyse der historischen Entwicklung von Organisationsstrukturen in der Jugendarbeit und Jugendpastoral. Es ist nachvollziehbar, daß diese Strukturen in der Kirche pragmatischen Inhalts waren und von oben her administrative Vorgaben beinhalteten. Der "Baugedanke" des "corpus unum" hatte sicherlich die Zentralisation und Einordnung der Jugend unter die Hierarchie zum Ziel, wobei aber auch das Wollen vorhanden ist, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend als lebendiges Abbild des corpus Christi mysticum zu erfahren. Das theologische Motiv des Konzils die Volk-Gottes-Ekklesiologie in Kooperationsstrukturen für kirchliche Jugendarbeit umzusetzen, ist für die Jugendpastoral noch nicht geleistet. Gleichwohl stellt die communio-Ekklesiologie Strukturen dar, die besonders auch in einer Jugendpastoral in keiner Weise vernachlässigt werden dürfen. Wie die Organisations- und Koordinationsstrukturen für das Arbeitsfeld der kirchlichen Jugendarbeit und Jugendpastoral aussehen sollen, in der die unterschiedlichen Träger - Jugendorganisationen, Ordensgemeinschaften, Klöster, spirituelle Bewegungen, basisgemeinschaftlich orientierte Gruppierungen oder auch neue verbandliche Zusammenschlüsse - miteinander kommunikativ auf kleiner Basis communio kooperativ leben können, ist jetzt so einfach nicht auszumachen; jedenfalls scheint ein Weg der eben dargestellte zu sein.

Nach G. BIEMER fehle es in der kirchlichen Jugendarbeit an einer "systematisch-theologische Konzipierung", die Theologie sei "offen, undeutlich und vieldeutig"; es fehle "eine wenigstens in Grundrissen klar erkennbare theologische Anthropologie". BIEMER zeigt die "Affinität von Menschsein im christlichen Sinne ... mit den Kriterien des Jugendalters nach den Auskünften der Humanwissenschaften" auf und legt dar, "wie sehr die Botschaft des Christentums auf die spezifischen Charakteristik des Jugendlichseins Bezug hat".

Damit greift BIEMER die von K. RAHNER konzipierten Grundexistentialien des Menschseins auf: Geheimnisverwiesenheit, Freiheit, Kommunikation, Scheitern und Zukünftigkeit. BIEMER spezifiziert diese auf das Jugendalter und versucht so eine theologische Anthropologie des Jugendalters, das die Subjektwerdung junger Menschen in den Blick nimmt, nämlich:

• Jugendliche als eigenständiger Partner zu akzeptieren,

• eine generationsübergreifende Pastoral, die nicht nur junge Menschen sieht,

• eine Option für eine prophetische und diakonische communio.

2.6.1 Erziehungswissenschaft als Bezugswissenschaft (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Erziehungswissenschaft kann der Praktischen Theologie vielschichtige Erkenntnisse vermitteln in bezug auf Grundlagen und Prozesse der Persongenese und ihrer psychischen, sozialen und erzieherischen Bedingungen. Die erziehungswissenschaftliche Forschung umfaßt sowohl die Aufgabe der Rekonstruktion der ganzheitlichen Erziehung (Bildung, Entwicklung, Sozialisation) als auch die nähere Betrachtung von Ausschnitten (kognitative Entwicklung, ästhetische Bildung u.v.m.). Wer religiöses Lernen nicht von der Persönlichkeit trennen will, für den "ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Erziehungswissenschaft unerläßlich, um Funktion und Bedeutung religiöser Lernprozesse innerhalb der gesamten Persongenese erfassen zu können." Es ist von der Sache her einleuchtend, daß ein Glaubensverständnis, das "den Menschen nicht auch mitten in seiner psychosozialen Bedingtheit ergreift, nicht mehr vertretbar" ist. Denn die religiöse Bildung ist keine Einzelfrage, sondern "Theorie des ganzen Sozialisationsprozesses unter der leitenden Fragestellung, in welchem Verhältnis der Gesamtprozeß und religiöse Entwicklungsmoment stehen". Eine verantwortliche Kirchenleitung wird dies beachten müssen, wenn sie ihrer Hirtenaufgabe im Ansatz gerecht werden will; denn im Konzilsverständnis wird diese interdiziplinäre Zusammenarbeit direkt, wenn auch nicht explizit, ausgedrückt, da Kirche als communio "die zentrale und grundlegende Idee der Konzils" dokumentiert. Die wissenschaftliche Theolgie wird lernen müssen sich mit den Bezugswissenschaften ernsthaft auseinanderzusetzen; tut sie es nicht, wird sie noch theoretischer als sie schon ist.

Kann man sich vorstellen, daß Jesus als Theologieprofessor Vorlesungen und Bücher verfassen würde, deren Fachausdrücke kaum die um kirchliche Ämter bemühten Theologiestudenten verstehen- geschweige denn eine Mehrheit von "Laien" -, obwohl "Laie" wörtlich übersetzt "Angehöriger des Gottesvolkes" (laos) heißt, also genau das, was jeder Christ sein sollte? Kann man sich vorstellen, daß Jesus in der leitenden Kirchenbehörde Vorschriften und Verfügungen abzeichnen würde, die die kirchliche Arbeit in unzähligen Gemeinden mit einem Netz von Bürokratie überziehen und erschweren? - Ordnung muß sein - kann man antworten, aber Ordnung wo Ordnung in Erstarrung übergeht, wäre es ganz nützlich, sich auch wieder einmal an den Jesus zu erinnern, der so manche pharisäische Gesetzesvorschrift dem Spott der Zeitgenossen preisgab.

Und damit man nicht denkt, die Ablehnung des Bestehenden und die modische Gesetze des Protestes seien bereits ein Schritt auf dem Weg zur Nachfolge Jesu Christi, müßte wohl auch gefragt werden: Kann man sich vorstellen, daß Jesus im Talar - also im Amtsgewand der respektgebietenden Institution teilnehmen würde, anstatt als Person ohne institutionelle Verbrämung seiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen?

Man kann die Vielfalt kirchlicher Erscheinungsformen durchgehen, ohne daß man recht wüßte, wo da Jesus mit der ursprünglichen Gewalt seines Wortes und der selbstverständlichen Bescheidenheit seines (den Armen Gleichgestellten) Lebensstils beheimatet sein könnte.

Außerdem fällt auf, daß die Kirche zwischen zähem Beharren auf überkommenen Vorrechten und Gewohnheiten und allzu schneller Anpassung an die jeweiligen geistigen Modeströmungen der Zeit haltlos hin und her schwankt. Häufig entstehen so innerkirchliche Streitigkeiten, (vgl. Problematik Drewermann) weil das gesellschaftspolitische Engagement und die theologisch-kirchlichen Experimente "progressiver" Theologen den Widerstand derjenigen hervorrufen, die das Bestehende möglichst unverändert konservieren wollen.

In der Öffentlichkeit bietet die Kirche ein Bild der Hilflosigkeit, sie erscheint "altmodisch oder um modische Anpassung bemüht", sie ist von ihrer Rückständigkeit ebenso gelähmt wie von der in ihr entstandenen Unruhe. Die tragende Mitte des christlichen Glaubens wird in ihr nicht mehr glaubwürdig, wirkungsvoll und zeitnahe zum Ausdruck gebracht.

Hat sich also Kirche überlebt? Ist kirchliche Moral verdächtig, krichliche Frömmigkeit veraltet, kirchliches Engagement weltfremd? Und muß dies alles so bleiben, während immer mehr Menschen in seelischer Not Hilfe und Zuwendung suchen, Kontakt und Gemeinschaft brauchen, in der Hetze des Alltags oder in der Einsamkeit des Alters. Das Empfinden einer inhaltslosen Geschäftigkeit haben und nach dem Sinn des Lebens fragen? Auf jeden Fall braucht die Kirche selbst eine Reformation, wenn sie aus ihrem selbstgeschaffenen Getto herauskommen soll; heute ist ihre Entweltlichung oder Weltfremdheit zum Hauptproblem geworden. Es muß wieder Menschwerdung als "integrales Menschsein", als Leben in Fülle", als Menschsein nach dem Plan Gottes" ermöglicht werden. Das kann aber nur durch "glaubwürdige Menschen"geleistet werden.

2.7 Demographische Entwicklung der Jugend (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach HORNSTEIN stellt sich die Frage nach dem "Verbleib des Menschen" und nach "den Möglichkeiten und den Wegen einer humanen Gesellschaft angesichts einer in ihren Folgen zutiefst fragwürdigen technischen Entwicklung". Darüber hinaus habe die Gesellschaft hinsichtlich ihrer Jugendarbeit zu prüfen, inwieweit sie für ihre Aufgabenstellung der Zukunftsgestaltung die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen ausreichend kritisch bestimmt und genügend konzeptionelle Energie und politisches Wollen aufbringt, um dieses leisten zu können.

Dies gilt im besondern Maße auch für die Kirche. Da sie die "Rettung der menschlichen Person" sowie den "rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft" als Aufgabe hat, muß sie den Puls der Zeit erkunden und auch im Lichte der Frohen Botschaft ausdeuten. Dabei wird sie zuerst auf die Soziologie angewiesen sein, da sie ihr "als Wissenschaft vom sozialen Handeln, den sozialen Gebilden (Gruppen, Institutionen, Organisationen) und der Gesellschaft" hinreichende Auskünfte zum Aufbau, zur interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Veränderung der Gesellschaft aufzeigt.

Die demographischen Daten geben über die Situation der heutigen Jugend einige Auskunft. Die Demographie geht von einer langfristigen Schrumpfung der Einwohnerzahl der Bundesrepublik aus. Als Hinweis gilt der radikale Geburtenrückgang, der in den letzten 20 Jahren zu einer Halbierung der Anzahl der jährlich Neugeborenen geführt hat. Damit befindet sich die Alterschichtung der Bevölkerung in einem grundlegenden Wandel, den das vorliegende Diagramm ausweist:

 Das Schaubild läßt erkennen, daß die mittlere und ältere Generation künftig erheblich ansteigen wird. Die Anzahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird im Vergleich dazu stark abnehmen. Diese Entwicklung wird sicherlich die zu erwartende Überalterung unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt der Wirtschaft-, Bildungs- und Sozialwissenschaftler wie Politiker stellen, nämlich: die soziale Absicherung im Alter, die Altenpflege, die Seniorenarbeit u.dgl. m.

2.8 Gesellschaftliche Entwicklungsstränge (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach den Erkenntnissen der Soziologen befindet sich die heutige Industriegesellschaft in einem epochalen Transformationsprozeß; der soziale Wandel ist ein herausragendes Phänomen. Dieses Kennzeichen des Umbruchs findet sich nicht nur in der Philosophie, der Kunst, der Architektur, der Wissenschaftstheorie und in schattierungsreichen Erscheinung des New Age, sondern ebenso auch innerhalb der Soziologie. In dieser wissenschaftlichen Disziplin versucht man diesen sozialen Wandel auf den Nenner zu bringen; Dienstleistungsgesellschaft, nachindustrielle Umbruchgesellschaft, Freizeitgesellschaft, Fernsehgesellschaft, Informationsgesellschaft, Risikogesellschaft, Konsumgesellschaft.

Diese Typierisierungen beschreiben sicherlich wesentliche Aspekte des Übergangs aber nicht den status quo. Mir scheint, daß S. ROSENER die Phänomene deutlicher sieht und benennt: Die "Bestimmung der Bundesrepublik Deutschland sei als eine nach dem arbeits- und leistunggesellschaftlichen Modell organisierte, kapitalistisch und sozialstaatlich verfaßte Industriegesellschaft fortgeschrittenen Typs nach wie vor gültig - und sie wird es in absehbarer Zeit auch bleiben". Trotz dieser doch nicht zu übersehenden Veränderungen scheint es zu früh, "die Zukunft der Wirtschaftsgesellschaft im Sinne der Strukturgesetzlichkeit der Industriegesellschaft zu beurteilen". In der modernen Gesellschaft in Deutschland gibt es eine Pluralität als auch eine Differenzierung. Die "Vielfalt sozialer Positionen, Rollen, Gruppen und Werte zusammen mit der Aufsplitterung in relativ selbständige Teile ... sowie dazu noch teils kooperierende und konkurrierende funktionsspezifische Organisationen ergeben zusammengefaßt eine gesellschaftliche Vielfalt, die üblicherweise als Pluralismus bezeichnet wird."

Die Freiheit ist ein bedeutendes Merkmal der heutigen modernen Gesellschaft. Die Soziologie versteht unter dem Begriff "die Freiheit des einzelnen bei der Gestaltung seiner sozialen Beziehungen und jener Belange, die aus menschlichem Zusammenleben resultieren oder durch dieses beeinflußt werden". Diese Freiheit des Individuums ist aber nicht unbegrenzt ist, sondern es ist durch rechtliche, institutionellen und individuelle Rahmenbedingungen bestimmt. "Der einzelne nutzt die ihm gebotenen sozialen Freiheitsgrade ... z.T. gar nicht, sondern läßt sich in hohem Ausmaß steuern. Der Mensch der Gegenwart scheint somit ständig in einer Spannung zwischen Freiheitschancen und Steuerungstendenzen, zwischen Autonomie und Konformismus zu leben."

Leistung und Konsum scheinen ebenfalls als gegebene Fakten in der heutigen Gesellschaft weitgehend akzeptiert. Damit sind auch Mobilität und Massenkommunikation Phänomene dieser Gesellschaft. Die Konsumgesellschaft ist als Leistungsgesellschaft zu sehen, die durch Konsum ihren Halt erhält. Die Stabilität der Gesellschaft resultiert dann aus dem Konsum von Gütern und den Dienstleistungen. Die Identität und die sozialen Beziehungen der heutigen Menschen scheinen durch materieller Symbole wie Haus, Auto, Kleidung oder Freizeitverhalten begleitet zu werden.

Die Leistung ist in diesem Spektrum ein zentrales Prinzip. Als grundlegendes Element gehört es elementar zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist Ausdruck menschlichen Seins und "von umfassender strukturbildender Wirkung; sie ist Grundlage und Ergebnis menschlicher Arbeit zugleich, wie sie - und das zeigt die Ambivalenz dieser Kategorie überdeutlich - Ursache des 'Stress' und der Lebensfreude sein kann. ...". Obgleich man diesem Leistungsprinzip mit Kritik begegnet ist, hat auch eine gewisse Umdeutung stattgefunden; denn unter Leistung versteht man heute mehr den durch sie erzielten Gewinn. "Etwas zu leisten, ist zweiträngig gegenüber dem gesellschaftlichen Imperativ: Leiste Dir was! ... entscheidend ist gar nicht, woher Geld kommt oder wodurch es zustande kommt. Entscheidend ist, daß es da ist und sich vornehmlich durch Konsum vermehrt. ... Der Konsum ist das Medium des Geldes; auf welche Weise er zustande kommt, ob durch Leistung oder durch Ausbeutung von Natur und Dritter Welt, ist völlig sekundär." Inwieweit diese Radikalität stimmt, ist so einfach nicht auszumachen.

 

Jedenfalls scheint es so, daß z.Zt. eine wachsende Anzahl von sozialen Verlierern produziert wird. Das sind solche Menschen, die den immer mehr werdenden Konkurrenz- und Leistungsanforderungen aus Krankheits- oder Altersgründen nicht mehr gerecht werden können.

Ebenso ist die Schul- und Ausbildungszeit unserer jungen Menschen heute kein leistungsfreier Schonraum. Die Gesellschaftsstrukturen erwarten eine eindeutige Unterordnung der jungen Generation unter das Leistungsprinzip. Bildungs- und Leistungsbereitschaft eröffnen beruflichen Einstieg und Chancen. "Durch das 'individualisierte Nadelöhr' von Prüfungen, Klausuren und Testverfahren hindurch ..." werden "Zugangsmöglichkeiten zu individualisierten Bildungspatenten und Arbeitsmarktkarrieren eröffnen".

Alles Streben zielt auf das Statussymbol Konsum. Denn der "Konsumentenstatus ist total. Er ist allenfalls variabel: Der Konsument kann auch Produzent, kann auch Unternehmer sein. Diese Funktion macht sichtbar: Es geht letztlich gar nicht um den Konsum. Der ist vielmehr Mittel zum Zweck der Kapitalmehrung. Trotzdem ist der Konsum für das Subjektsein der Menschen in unserer Gesellschaft definitiv: Daran bemißt sich, wieweit jemand in der Gesellschaft aufgefaßt hat, welchen Status er hat. Der Mensch ist, was er konsumiert."

Diese Kategorien werden durch die Mobilität unterstützt. Informiertheit, Verfügbarkeit, Flexibilität, Innovationsbereitschaft, intellektuelle und sprachliche Kompetenz, der Wille zur weiteren beruflichen Fortbildung und Weiterentwicklung sind grundlegende Werte. Das hat zur Folge, daß eine Infrastruktur zu Wasser, Land und Wasser unabdingbar ist. Der Arbeitsmarkt verlangt ohne Rücksichtnahme auf persönliche Lebensgegebenheiten eine Mobilität, die für Ehe und Familie so ohne weiteres nicht erfüllbar ist. Vielleicht ist es so, daß "eine berufliche Integration, in letzter Konsequenz das alleinstehende, nicht partnerschafts-, ehe- oder familien (fähige) behinderte" Individuum zur Folge hat.

Die Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland steht an der Schwelle einer Kommunikationsgesellschaft. "In dem Maße, wie es erforderlich wird, größere Bevölkerungsgruppen an verschiedenen Orten mit Informationen zu versorgen, und überhaupt die Informationsflut ansteigt, sind zahlreiche Informationskanäle und ein möglichst reibungsloser Informationsfluß notwendig." Die Neuen Medien werden unsere Gesellschaft in einem vorher nicht gekannten Maße strukturieren. Die eingebauten sozialen Strukturen, wie Kabelfernsehen, Computervernetzung "verändern die Art des Zusammenlebens der Menschen, binden sie an diese Medien und legen über die ursprünglich soziale Lebenswelt eine zweite, künstliche Realität, ... die weiter geht als alle bisherigen, die gleichsam erzeugt wird und die Technologien als Instrument und Vehikel benutzt."

 

Es ist nicht zu verkennen, daß die modernen Medien die reale Wirklichkeit zu einer Imitation verfremden, das kreative Denken, die Selbstbestimmung wie auch das Unterscheidungs- und Urteilsvermögen der Menschen narkotisieren. Damit ist die Gefahr der Fremdsteuerung und Außenbestimmtheit des Menschen sehr hoch, wobei es scheint, daß die Interessen der Gesellschaft und die Wirkungen der Medien zusammenkommen, die "lediglich an der Funktionalität des Menschen als Leistungs- und Konsumwesen, nicht jedoch an seiner ebenso unverrechenbaren wie unvertretbaren Personalität gelegen ist." Wobei diese Sichtweise und die Wirkungen der modernen Medien auf die Menschen und besonders auf Jugendlichen so noch nicht erforscht wurden, denn mit den neuen Medien sind zweifelsfrei auch Chancen und Neuorientierung möglich.

2.8.1 Die Individualisierung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Individualisierung ist ein erstes Anzeichen der Industriegesellschaft. Die jetzige Entwicklung der Industrialisierung und Veränderung ergibt eine Konzentration des Kapitals, der daraus resultienden ökonomischen und staatlichen Zentralisierungen, aus ökonomischen Gründen erzwungene Arbeitsteilung, die Konkurrenzverschärfungen bewirken und den Hang zu Konsum und Mobilität u.v.m. verstärken. Die Folge scheint eine Loslösung des einzelnen Menschen "aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditioneller Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge" zu sein.

Individualisierung bewirkt, "daß die Biographie der Menschen aus vorgegebenen Fixierungen herausgelöst, offen, entscheidungsabhängig und als Aufgabe in das Handeln jedes einzelnen gelegt wird". Des weiteren ist es unbestritten, daß "in der individualisierten Gesellschaft ... der einzelne entsprechend bei Strafe seiner permanenten Benachteiligungen lernen (muß), sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen. 'Gesellschaft' muß unter den Bedingungen des herzustellenden Lebenslaufs als eine 'Variante' individuell gehandhabt werden."

2.8.2 Der Verlust von "traditionellen Sicherheiten" (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Sicher ist, daß Enttraditionalisierung und Individualisierung sich bedingen. Damit ist gemeint, daß es sich um den "Verlust von traditionellen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen" handelt. All das, was früher in sozio-kulturellen Zusammenhängen Geltung hatte, scheint heute in das subjektive Ermessen des einzelnen gegeben. Die sozialen Bindungen an vorgegebene sozio-kulturelle Bezugsgrößen (Familie, Klasse, Stand, Verein, kirchliche Gemeinden, etc.) verdünnen, und die stabile Bezugsgröße - die Familie - scheint immer mehr zu zerbrechen. Daraus resultiert die Orientierungslosigkeit vieler unserer Mitmenschen. Es werden jetzt Spielregeln zur Norm, die Konsum, Markterfordernisse, Freizeitstile vorgeben.

Die dem einzelnen Menschen zugefallenen "neuen materiellen und zeitlichen Entfaltungsmöglichkeiten treffen zusammen mit den Verlockungen des Massenkonsums und lassen die Konturen traditioneller Lebensformen und Sozialmilieus verschwinden. Das Mehr an Geld wie das Mehr an erwerbsfreier Zeit kollidieren mit den traditionellen Tabuzonen klassen- und familienbestimmten Lebens. Das Geld mischt die sozialen Kreise neu und läßt sie im Massenkonsum zugleich verschwimmen."

Es scheint, daß sich das Ende der Industriegesellschaft in einer Auflösung der traditionellen Werte und damit auch der gesellschaftlichen Klassen und Großgruppen zeigt, in der das bisherige Kulturverständnis, die geltenden Denk-, Verhaltens- und Glaubensnormen und -formen radikal verdünnen. Wohin aber? Ist dies vielleicht die Chance eines neuen Anfangs? Die Entwicklungen sind so einfach nicht auszumachen: Auf der einen Seite erweitert sich der persönliche Entscheidungsrahmen des einzelnen, auf der anderen Seite ergibt sich eine erhebliche Gefährdung bezüglich der zu flachen sozialkulturellen Einbindung und mangelnden Werterfahrung. Das muß aber nicht nur negativ sein, sondern birgt auch wieder die Chance neuen Werdens für den heutigen Menschen.

2.8.3 "Standardisierung" des heutigen Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Individualisierung und Enttraditionalisierung führten zu einer Ausdifferenzierung, die nicht unbedingt in eine radikale Subjektivierung einmündet; sie wird durch eine "hochgradige Standardisierung" begleitet. Die Herauslösung aus dem traditionellen Verbund bewirkte ein hohes Anpassungsmaß unter die Zwänge und Kontrollen des Arbeitsmarktes, des Konsumgeschehens, der Administration. Die Familie oder Klasse wird ersetzt durch "sekundäre Instanzen und Institutionen, die den Lebenslauf des einzelnen prägen und ihn gegenläufig zu der individuellen Verfügung, die sich als Bewußtseinsform durchsetzt, zum Spielball von Moden, Verhältnissen, Konjunkturen und Märkten machen.

Die Risikobereitschaft des einzelnen zeigt sich auch in der Vorgabe durch die institutionelle Lebenslaufmuster, die in Abhängigkeit von ökonomischen Sachzwängen, von administrativen Gegebenheiten, von demographischen Entwicklungen, von sozialpolitischen Vorgaben und ökologischen Unwägsamkeiten gestrickt werden. Die Individualisierung liefert die Menschen an eine "Außensteuerung und -standardisierung aus, die die Nischen ständischer und familialer Subkulturen noch nicht kannten."

Mit dieser Sachlage nimmt sicherlich die Krisenanfälligkeit des heutigen Menschen rapide zu. Die Lebenssicherung erfolgt weitgehend über den Arbeitsmarkt; der Zugang dazu liegt in der Bildung, der Konjunktur bzw. der arbeitsmarktpolitischen Vorgaben. Diese grundlegenden Veräußerungen verlangen eine Konsequenz der Entscheidungsfähigkeit des einzelnen, die bei Versagen ganz neue qualitative Verarbeitungsstrategien in der Konflikt- und Schuldlösung benötigt, einher.

2.8.4 Der Vergesellschaftsprozeß (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Modernisierung und Einführung neuer Technologien bedingen sich. Die politischen, ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Konsequenzen durch die Einführung der Elektronik, Kommunikationstechnologien, Mikrobiologie und Gentechnologie sind heute noch gar nicht auszumachen. "Das Prinzip der industriellen Produktion von Gütern (wird) nunmehr auf die soziale Realität selbst (angewendet)". Das bedeutet eine radikale Rationalisierung vieler Bereiche, eine Verwissenschaftlichung, Administration und Vorrang einer Exportstrategie. "Im ganzen führt dies zu einer Auflösung und Enttraditionalisierung der Lebensformen. Die lebensweltliche Basis wird angegriffen, aus deren Substanz die Industriegesellschaft lebte."

H. STEINKAM machte diese zunehmende Vergesellschaftung der heutigen Lebenswelt auch im kirchlichen Bereich aus. Im Rückgriff auf J. HABERMAS prognostiziert er eine weitergehende Differenzierung bei gleichlaufender Vermengung der ökonomischen und administrativen Vorgaben: "Kapital und Ökonomie dehnen nicht nur ihre Herrschaftsbereiche immer weiter aus, sondern durchdringen einander zu einem immer komplexeren 'System', das allgegenwärtig und alles beherrschend wird." Er formuliert weiter: Die "administrative Macht" und der herrschende kapitalistische Markt sind im Begriff sich "zu einem monetär-administrativen Komplex (zu) verdichten, haben sich gegenüber der kommunikativ struktuierten Lebenswelt verselbständigt und sind offenbar überkomplex geworden".

Die Medien haben bei diesen Prozessen ihren festen Platz. Sie ermöglichen, daß die "Imperative von Wirtschaft und Verwaltung in Bereiche (eindringen), ... die irgendwie kaputtgehen, wenn man sie vom verständnisorientierten Handeln abkoppelt und auf solche mediengesteuerten Interaktionen umstellt."

Der Vergesellschaftungsprozeß - so wird ausgemacht - zerstört traditionelle Werte und verhindert normative Orientierung, so daß selbst der Mensch in Gefahr kommt, sich selbst zu zerstören. Die Identitätsbildung ist sehr eng an die Zugehörigkeit zu Gruppen gebunden ist, denn dadurch erfährt der einzelne Geborgenheit, Wertschätzung, Ansehen und auch Kritik. STEINKAMP unterzieht unser System einer harten Kritik: "Indem Fernsehen und Werbung die sozialen Schutzwälle selektiver Wahrnehmungsverarbeitung, wie sie ehedem Milieus, Glaubensgemeinschaften, Jugendverbände u.ä. darstellen, einfach unterlaufen, das Individuum ihnen immer schutzloser ausgeliefert ist, kann immer - 'system-atischer' Meinung produziert, Ideologie gezielt verbreitet werden." Wie sollen wir uns gegen solche Prozesse wehren, wenn sie tatsächlich so ablaufen?

2.8.5 Die Folgen der gesellschaftlichen Prozesse auf die Situation der jungen Menschen von heute (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmen maßgeblich die Ausgestaltung des Jugendalters. Es gilt wohl, daß sich das Phänomen Jugend nicht so eindeutig erschließen läßt. Die Soziologie zeigt einen vielschichtigen Jugendbegriff, in der Psychologie werden die unterschiedlichen Phasen des Jugendalters unterschieden, und die Rechtwissenschaft unterscheidet in Reifephasen. So wird Jugend als Werdensphase verstanden, die durch Kindsein und junges Erwachsenwerden eingegrenzt ist und damit die Lebensphase zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr darstellt.

2.8.5.1 Die Jugendphase im Strukturwandel begriffen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Lebensphase Jugend einen grundlegenden Strukturwandel durchgemacht. Früher betrachtete man die Jugendphase als Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, als eine "Null-Phase", so versteht man heute darunter eine eigenständige Lebensphase Jugend.

Damit ist Jungsein in der heutigen Gesellschaft nicht mehr allein eine Statuspassage, sondern vielmehr ein Zeitraum für Werterfahrungen. Dies zeigt sich daran, daß junge Menschen und junge Erwachsene in diesem Zeitraum Haltungen zeigen, die nicht auf das Erwachsenenleben vorbereiten zu scheinen. Hierzu gehören eigen Gesellschaftsformen, Konsumverhalten, kulturelle Umgangsformen und im Zusammenleben eheähnlicher Partnerschaften.

Die Lebensphase Jugend wird zur eigenständigen Lebensausgestaltung aufgewertet, wobei damit eine Enstrukturierung einhergeht. Die Jugendforscher machen ein "Ausfransen" der zeitlichen Unter- und Obergrenzen der Jugendphase aus, was sie als "Verfrühung der Jugend" oder auch als einer "Nachphase des Jungsein" benennen. Einerseits fällt es immer schwerer, eine genaue Abgrenzung zwischen Kindheit und Jugend festzulegen, da schon 9 bis 13jährige "Kids" früh in die Pubertät gelangen und jugendtypische Verhaltensentwürfe leben. Andererseits fällt auf, daß sich am oberen Teil zwischen der klassischen Jugendphase und dem Erwachsensein eine andere gesellschaftlich regulierende Altersstufe, die der jungen Erwachsenen, etabliert. Sie weist sich dadurch aus, daß immer mehr junge Menschen nach ihrer Schulzeit oder der Berufsausbildung in gesellschaftlicher, moralischer, geistig-intellektueller, politischer, erotisch-sexueller Hinsicht auf eigenen Beinen stehen, wobei sie aber wirtschaftlich weitgehend vom Elternhaus abhängig bleiben. Das scheint durch die immer längere Schulzeit bedingt, der dadurch bedingte spätere Eintritt ins Berufsleben wie auch in der krisenhaften Situation des Arbeitmarktes, wobei die erreichten Schulabschlüsse relativiert werden und Zusatzqualifikationen, "sog. Wartesschleifen", notwendig werden.

Die Jugendphase beträgt heute also etwa einen Zeitraum von ungefähr zwanzig Jahren. Ist damit die herkömmliche Jugend obsolet oder ist es gerechtfertigt, von einer Realgeschichte der Jugend zu sprechen? Nach heutigen empirischen Untersuchungen sieht J. ZINNECKER die Entwicklung, daß seit dem Ende der fünfziger Jahren des Jahrhunderts ein überwiegender Teil der jungen Menschen aus der Arbeiterschaft und die weibliche Jugend jene Möglichkeiten erhält, die schon die klassische Jugend der Mittel- und Oberschicht für alle jungen Erwachsenen eingefordert hatte. Die allgemeine zeitliche Ausdehnung der Schulzeit, die schon sehr früh beginnende Loslösung vom Elternhaus, das erheblich erweiterte Budget an Freizeit und die länger andauernde Pubertät seien Ausweis für den Anbeginn der Realgeschichte von Jugend im Verständnis einer bürgerlichen Wunschvorstellung. Auf der anderen Seite verdeutlicht ZINNECKER Anzeichen für das Ende des klassischen Jugendkonzeptes. Die vorzeitige Einbindung der Heranwachsenden "in die Pflichten - Freuden, Leiden, Abhängigkeiten - gesellschaftlichen Konsums (Mode, Möbel, Fahrzeuge, Medien)" hätten die erzieherische Provinz Jugend frühzeitig zerstört, und verdeckte Miterzieher hätten sich eingenistet. Ebenso sei es wegen der um Jahre früher erfolgenden körperlichen Reifung und der damit früher beginnenden heterosexuellen Erfahrungen unrealistisch geworden, noch "von einem psychosozialen Moratorium, von einer spielerischen Erprobung von Identitäten" zu reden.

"Die Karrierezwänge des künftigen Erwachsenen beginnen heute bereits in der Kinderstube und in der Schule - in jener pädagogischen Provinz also, die doch angeblich den pädagogischen Geleitschutz fürs Moratorium abgeben soll." Durch generationsübergreifende Vergleichsstudien - so ZINNECKER - wird das Ende des klassischen Jugendkonzeptes aufgezeigt. Sie bestätigen, daß "Erwachsene ... nicht mehr als Träger und Weitervermittler kultureller Werte und gesellschaftlicher Qualifikationen privilegiert (sind). Als Weiter-Lernende sind sie prinzipiell den Jugendlichen gleichgestellt. Niemand schützt sie davor, daß sie zu Schülern der Jüngeren werden, die ihnen die neu zu lernenden Werte und Fertigkeiten vermitteln." Inwieweit dies in vielen Bereichen zutreffen mag ist eine andere Frage; jedenfalls scheint es besonders in den neuen Massenkommunikationstechniken vielerorts so zu sein.

2.8.5.2 Individualisierung der Lebenslagen und Vielfalt der Lebensentwürfe (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Auch vor der Jugend macht der soziale Individualisierungsprozeß nicht halt. Der jungen Menschen haben heute mehr Freiräume als noch die Elterngeneration hatte. Die individuellen Entscheidungsfreiräume und -verantwortlichkeiten sind heute nicht mehr in festgefügten Übergängen zu finden. Welchen Lebensstil, -entwurf, welchen Partner, welchen Beruf, welchen Freundes- und Bekanntenkreis man wählt, ist heute vielfach der persönlichen Entscheidung des einzelnen überlassen.

Ganz besonders ist dieser Verhalt bei den Frauen zu beobachten. "Heute verfolgen insbesondere Mädchen und junge Frauen einen doppelten Lebensentwurf; d.h. sowohl Familie und Kinder wie auch Erwerbs- und Berufsarbeit werden als entscheidende Lebensinhalte gesehen, die sie beide verwirklichen wollen." Dies scheint auf den ersten Blick eine "Erosion der Normalbiographie im Jugendalter"; doch bringt er auch einen Zuwachs an Lebensentwürfen, die individuell geplant und verfolgt werden; gleichwohl bergen sie auch Gefahren, da heutige Orientierungen oftmals relativ sind, zeigt sich häufig eine Überforderung der jungen Menschen, da herkömmliche Familien- und Verwandschaftstrukturen so einfach nicht mehr gegeben sind. Des öfteren kommt es dazu, "daß Beziehungen zu anderen Personen zunehmend beliebig werden und somit die personale Sicherheit, die für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine unverzichtbare Voraussetzung ist, gefährdet wird".

Mit der Individualisierung der Lebenslagen ist eine Vielfalt der Lebensentwürfe verbunden. Wegen der sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen junger Menschen ist es heute nicht mehr gerechtfertigt, generalisierend von der Jugend sprechen zu wollen. Die Lebenslagen, die sich in der Vergangenheit noch klassen- und schichtspezifisch aufschlüsseln ließen, sind heute durch vielfältige jugendkulturellen Daseinsformen abgelöst worden. C. LÜDERS spricht davon, daß die Jugendkulturen die traditionellen Milieus ersetzen. Es hat sich "eine bis dahin unbekannte, breite plurale vielschichtige und 'bunte' Palette jugendlicher kultureller Lebensweisen und -welten sowie Stilvarianten ausdifferenziert". Es ist offenkundig, daß die junge Generation "in sich, sowohl in horizontaler wie auch in vertikaler Perspektive, mindestens so homogen bzw. heterogen ist wie die Gesellschaft, der sie angehört".

2.8.5.3 Jugendalter und Identitätsfindung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Sicher ist es richtig, wenn die Identitätsfindung des jungen Menschen als der "Kernkonflikt", als das "grundlegende Rahmenproblem der Sozialisation im Jugendalter" verstanden wird. Der Prozeß der Identitätsfindung ist eine lebenslange Aufgabe, doch die Adoleszenz gilt als der dafür "wichtigste Lebensabschnitt".

Der Fokus der Entwicklungsaufgaben des Jugendalters ist die Identität. Nach der Psychologie sind dies drei Hauptwerdensbereiche: Die mittlere Kindheit (6-12 Jahre), die Adoleszenz (12-18 Jahre), und das frühe Erwachsenenalter (18-30 Jahre). In ihr geschehen in "Sachen Identität Entscheidendes".

Die herkömmlichen Identitätsmodelle nehmen an, daß es dem Heranwachsenden gegen Ende der Jugendphase gelingt, eine relative Identität aufzubauen. Diese Auffassung wird dagegen von neueren Identitätsmodellen generell angezweifelt, und diese werfen die Frage auf, inwieweit in komplexen Gesellschaften überhaupt noch "vernünftige Identitäten" erarbeitet werden können. Diese Modelle denken die Identität als Kategorie des Mangels. Durch die Entmündigung des Subjekts durch das ökonomische System, durch die Technikvorgaben und die daraus scheinenden Sachzwänge könne von einem individuellen Identitätsaufbau nur noch bedingt geredet werden. Das zentrale grundlegende Problem sei nicht die Gewinnung der Identität des heutigen Menschen, sondern die Loslösung von Nicht-Identität. Angesichts der herrschenden Zukunftsunsicherheit könne Identität nur verstanden werden als "die Kompetenz, sich durch die und in den Widersprüchen zu identifizieren und zugleich die Idee von seiner Identität im Widerspruch zu den widersprüchlichen Verhältnissen zu gewinnen und festzuhalten". Diese Fähigkeit wird von N. COPRAY als paradoxe Identität bezeichnet.

Darunter versteht er eine Ideologie, die mit einer immer gültigen und in sich stimmigen Ich-Identität Schluß macht und sich einer a-politischen Identitätsformel erwehrt und die Menschen befähigt, soziale und kulturelle Ausweglosigkeiten selbst auszutragen und auszuhalten.

Wie es scheint, vergrößert sich für die junge Generation die Problematik der Zukunftskrise, die sich auf die Identitätsfindung erschwerend auswirkt, wobei die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen den Identitätsfindungsprozeß noch mehr behindern. Die individuellen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters sind von den heutigen jungen Menschen zu meistern. Dabei sind sie auch den gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemstellungen fast ohne Hilfe ausgesetzt. Jungsein scheint so zum sozialen Risiko zu werden. Die Zukunftskrise, die durch die Risiken der industriellen Entwicklung bedingt sind, verschärfen die Adoleszenzkrise, weil sie einen sinnvollen Zukunftsentwurf erheblich erschweren und damit den Sinn der Jugendphase entwerten. Die Zukunftskrise ist für COPRAY "das jugendkulturelle Paradigma" und damit die "Potenzierung der Krisenentwicklung junger Erwachsener" und das Anzeichen, unter der die Problematik der jungen Generation zu benennen und aufzuschlüsseln ist. Es könne nicht mehr ignoriert werden, wie sehr die Krise der Zukunft die Vorgaben und Dynamik der Jugendphase, die kulturellen Gegebenheiten, die erfahrungsbedingten Erprobungsfelder und die Lebensperspektiven der jungen Generation gravierend beeinflusse. Die heutige junge Generation sei die erste Jugendgeneration, die mit dieser globalen Zukunftskrise konfrontiert werde und deshalb Handhabungen für diese Probleme erarbeiten müsse, die weit über ihre Möglichkeiten hinausgingen. Sicherlich sind hier nicht nur Gefährdungen und Probleme auszumachen, denn jede Krise birgt auch ihre Chance zum Neubeginn.

2.8.5.4 Gesellschaftliche und soziale Lebenslagen von Jugendlichen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Jugendforschung konstatiert, daß die Lebenssituationen und -orte heutiger junger Menschen nicht nur entwicklungspsychologisch, sondern vielmehr in der Einbeziehung ihrer gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sachgerecht aufgeschlüsselt werden können. Deshalb werden im Folgenden verschiedene Lebensorte und -bereiche eruiert, um Wissen über Einstellungsraster, Verhaltensmuster und Lebensformen zu gewinnen.

2.8.5.4.1 Die Ablösung vom Elternhaus (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Für den jungen Menschen stellt die Ablösung von seinen Eltern ein gravierendes Entwicklungstadium des Jugendalters dar. Die außerfamilialen Sozialbeziehungen werden bedeutsamer und die Distanzierung von den Eltern bestimmter. Bisher ging man davon aus, daß die Jugendphase vom Generationskonflikt geformt wird und von daher ein gespanntes Verhältnis zwischen Elternhaus und jungen Menschen vorherrschend sei. Doch die geänderten Erziehungsweisen und -werte zeugen von einem eher partnerschaftlichen, verständnisvollem Umgang junger Menschen mit ihren Eltern. Es läßt sich durch empirische Untersuchungen aufzeigen, daß ein großer Teil der 15- bis 18jährigen junger Menschen bei ihren Eltern wohnt und zu diesen weitgehend ein positives Verhältnis pflegen. Die Ablösung junger Menschen vom Elternhaus hat sich im Gegensatz zu früher etwa um das 20. Lebensjahr vorverlagert, auch wenn heute andere Konfliktstrategien vorherrschen als noch in den fünfziger Jahren, so gilt als sicher, "daß in den gegenwärtigen Familien zwischen Jugendlichen und Eltern jedenfalls keine dramatischen Konflikte erkennbar sind die es erlauben, von einer Zerrüttung der Familien und einer Verschlechterung des Generationenverhältnisses zu sprechen". Inwieweit dies so der Realität entspricht ist eine andere Frage und braucht hier nicht weiter eruiert werden. Es scheint zu stimmen, daß die Familie in der Jugendphase ihre zentrale Bedeutung einbüßt, doch bleibt sie "für die Jugendlichen häufig ein vielseitiges und umfassendes soziopsychisches Bezugssystem ..., zu dem intensive emotionale Bindungen bestehen, so daß Loslösung und Bindung gleichermaßen das Verhältnis der Jugendlichen zu ihrer Familie charakterisieren".

2.8.5.4.2 Peer-Groups - Peer Pressure (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

In der Jugendtheorie und in dem Selbstzeugnis Jugendlicher gilt der Aufbau von neuen und tragfähigen Beziehungen zu Gleichaltrigen als eine vorrangige Bestrebung. Durch seine Ablösung vom Elternhaus sucht der junge Mensch neue Bezugspersonen, mit denen er neu die Einordnung, die Solidarität, die Mitmenschlichkeit in Distanz zu den Erwachsenen einüben und leben kann, um seine Autonomie in eigener Verantwortung erfahren zu können.

Peergroups sind altershomogene Altersgruppen von Jugendlichen, die nicht selten auch dem Peerpressure unterliegen. Allgemein bildet sich ein fester Kern von befreundeten Mitglieder, der sich durchaus mit Gleichaltrigen erweitern kann. Es herrscht eine relative Homogenität bezüglich der Schicht und des Geschlechts. Sie besitzen eine lose Struktur, keine ausgeprägte Stabilität, wobei untereinander eine besondere Solidarität und emotionale Verbundenheit vorherrscht, obgleich kaum zielgerichtete Aktivitäten zu beobachten sind. Die Beziehungen untereinander ergeben sich durch Sympathie und Antipathie. Die Peergroups unterstützen die Heranwachsenden bei ihrer Neuorientierung, verschaffen ihnen neue Stabilitäten und gefühlsmäßige Orientierung und Verbindlichkeit und helfen bei der Ablösung vom Elternhaus. Man kann sagen, daß die Peergroups heute eine gewichtige "Operationsbasis" im Einüben von gleich- und gegengeschlechtlichen Freundschaften in zwangsloser Weise sind.

Der Anteil jugendlicher Mitglieder von Peergroups sind zwischen 1962 und 1983 um über 40% angestiegen.

1962 ware es nur ein Anteil von 16% der Jugendlichen zwischen 15 bis 18 Jahren die solchen Peergroups angehörten, wobei es 1983 schon 56,9% waren. Ein weiteres Merkmal ist die Veränderung des geschlechtsspezifischen Verhältnisses zwischen Jugend und Mädchen, das ebensoviele Mädchen wie Jungen ausmacht.

Dieser Sachverhalt verdeutlicht, daß unter heutigen Jugendlichen ein erhöhtes Bedürfnis nach sozialen und emotionalen Beziehungen besteht, die frei sind von Reglementierung der Erwachsenenwelt und eigenverantwortliche Selbstgestaltung erlaubt. "So kann die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen in modernen Gesellschaften als ein wesentliches, notwendiges und sinnvolles Moment in der Bewältigung des Übergangs in ein Erwachsenenleben interpretiert werden."

Meines Erachtens ist dies aber nicht genug, da berechtigte Zweifel angebracht werden müssen, inwieweit altershomogene Groups auf eine Administrations- und Organisationsgesellschaft vorbereiten, die vorwiegend durch funktionale Interaktionsmuster operiert und die Erfordernis des "Auskommen-Müssens" aus dem Blickfeld ausblendet. Die Tendenz junger Menschen sich aus der Erwachsenenwelt zu verabschieden, scheint mir zu einer Gefährdung des sozialen Friedens zu führen und ein Verlorengehen der Wertschätzung der Generationen untereinander zu werden. Nach den Erhebungen von ALLERBECK/HOAG haben die Jugendlichen selten Erwachsene (eigene Eltern ausgenommen) als Identitätspartner erfahren und sie sind der Meinung "man kenne eigentlich keine Erwachsenen". Dieses Verhalten wird auch durch andere Studien belegt.

2.8.5.4.3 Moderne Gesellschaft und Schule (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nicht nur die moderne Gesellschaft, sondern schon vergangene Generationen haben die Schule als eine entscheidene Ausleseinstanz installiert, wo sozialisiert und plaziert wurde. Bei diesem Prozeß der Inkulturation und Selektion "lernen die Jugendlichen eine soziale Rangfolge und Einordnung kennen, die auch für existierende gesellschaftliche Strukturen typisch ist. Gleichzeitig erfahren sie über die Bewertung ihres eigenen Verhaltens eine spezifische soziale Identität, die zu ihren wichtigsten Selbstwertmerkmalen gehört."

Inwiefern heute in diesem Prozeß Sinnfindung und Lernen als Ganzes erfahrbar wird ist eine andere Frage. Denn Schule, wenn sie Schule sein will, muß Sinnfindung als ständige geistige Aufgabe aufzeigen. Schule passiert in funktionalen Beziehungsmustern und wird so als Gegensatz zur Familie erfahren. Die Sozialisationsinstanz Schule soll als Lernen, als Fertigwerden mit dem Neuen und Ungewohnten verstanden werden (als coping with novelty).

Die Schule fordert von den jungen Menschen einerseits ein leistungsorientiertes Lernen von vorgegebenen Lerninhalten, ein ausgeprägtes Maß an Verhaltensdisziplin und Lernmotivation, deren Orientierungsmuster häufig nicht so einfach verstanden werden. Gleichwohl ermöglicht Schule den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten für Kontakte mit Gleichaltrigen und für soziale Handlungsfelder. Deshalb ist Schule trotz ihrer Instrumentalisierung "immer auch ein Ort sozialen Lernens. Es werden Kontakte zu Mitschülern aufgebaut, Solidarität und Konflikte im Umgang zwischen Mitschülern erfahren."

Der soziale Status der Heranwachsenden wird durch Schule sehr maßgeblich bestimmt, und die Schülerrolle wird "zum Hauptinhalt und Bestimmungsmerkmal dieser Lebensphase". Man kann sagen, Jungsein bedeutet hauptsächlich Schülersein. Obgleich die Bildungsexpansion im Nachgang der Schulreformen der siebziger Jahre benachteiligten Gruppierungen junger Menschen, ganz besonders den Mädchen und jungen Frauen, den Weg zu höherer Bildung möglich gemacht hat, zeigen neuerliche Erhebungen keineswegs ein nur positives Bild vom System Schule. ALLERBECK/HOAG machen eine "enorme Zunahme der Schulunlust" in ihren Untersuchungen bei 16- bis 18jährigen aus. Auch eine kürzlich international durchgeführte Studie über Einstellungen von Schülern zur Schule besagt, daß "die Schule als Institution in ihrer gesellschaftliche Funktion der Vorbereitung auf das Leben in der Gesellschaft wohl anerkannt wird, aber in ihren konkreten Ausprägungen und Erscheinungsformen vielfach auf Ablehnung stößt". Die Unlust steigert sich mit der Zunahme der Schulzeit: "Kritikpunkte sind vordergründig der schulische Leistungsdruck, weltfremde Lehrinhalte und verständnislose Lehrer. ... Offenbar erleben deutsche Schüler ihre Schule überwiegend als permanente Überprüfungs- und Zensierungsinstitution, was ihnen die Freude an der Schule verdirbt. Darunter leiden selbst überdurchschnittliche Schüler."

Es scheint tatsächlich, daß die reale und fiktive Administration des Lernens durch die Schule als gesellschaftliche Institution und die zwangsläufig damit verbundene Entwicklung und Perfektionierung einer auf Planung, Methode und Kontrolle der Lernprozesse ausgerichteten Schulpädagogik und Didaktik hat die Perspektive auf das Phänomen des menschlichen Lernens nicht nur gefährlich verengt, sondern den anthropologischen Sachverhalt geradezu auf den Kopf gestellt. Unterricht, der ausschließlich objektive Lehrziele an den Subjekten exekutiert und deren Erfüllung zu messen versucht, wird sicherlich als ich-fremdes und ich-feindliches System empfunden, als rein formales Kontrollgebilde, wie die Soziologen es ausdrücken. Die Schulpädagogik und Didaktik verfügen neuerdings über ein weitgefächertes Instrumentarium für die Objektivierung der Lernprozesse, allerdings vorwiegend in der Gestalt von Handlungsbegriffen des Lehrens. Aber ein zureichendes Konzept über die individuierenden Folgen des Schulunterrichts, also über Wirkungsbegriffe des Lehrens und Lernens liegt nicht vor.

Das hat einen "kalkulierter Umgang" mit der Schule zur Folge. Junge Menschen installieren ihr Verhalten zur Schule derart, daß sie sich nur insofern auf die Schule einlassen, "wie es unbedingt nötig ist und ihrer Aufwands- und Ertragskalkulation entspricht. Außerschulischen Entfaltungsmöglichkeiten wird mehr Bedeutung für die persönliche Enthaltung zugemessen, sofern die schulische Leistungsanforderungen dies erlauben. Diese Tendenz zur Entfremdung von Schülerdasein und persönlicher Identität des Schülers hat für die Bedeutung der Sozialisationsinstanz Schule erhebliche Auswirkungen." War das in zurückliegenden Zeiten anders? Die Selektionsanforderungen lagen in früheren Zeiten erheblich höher. Ein erhebliches Problem diesbezüglich liegt auch an dem Begabungsreservoir, das heute weitgehend ausgeschöpft wird.

Weiterhin ist sicherlich richtig, daß Lernen weder durch Schulunterricht noch umfassend durch Erziehungsmaßnahmen im Subjekt hervorgebracht werden können, sondern deren Voraussetzung ist. Das heißt, Unterricht stellt die gesellschaftliche Reaktion auf die natürliche Fähigkeit des Menschen zu lernen dar, die dadurch allerdings gefördert, kultiviert und in bestimmte Richtungen gelenkt, aber auch behindert oder gar unterdrückt werden kann. Auf dieses Defizit hat W. LOCH aufmerksam gemacht: "Angesichts der erziehungs- und subjektfremden Paradigmen in der gegenwärtigen Pädagogik und Didaktik" spricht er von einer systematischen Ausklammerung des Beitrages, den das zu erziehende Individuum zu seiner Erziehung zu leisten hat. Der Edukand scheint nur noch als abhängige Variable zugelassen, als Produkt von Faktoren, für die er nicht verantwortlich ist."

In der modernen Gesellschaft bedeutet Schule und Ausbildung das Nadelöhr zum irdischen Heil. Mit Schule verbinden sich tiefe Sehnsüchte nach einem besserem Leben, sie steht für die "Fortschrittsreligion" der modernen Wissenschaftskultur. Der Schulerfolg der Kinder ist weitgehend das Statussymbol heutiger Eltern. Auch wenn Schule als erdrückend und quälerisch erfahren wird, ist sie doch der durchaus anerkannte Heilsweg einer sogenannten Lerngesellschaft. Es scheint, als wüßte man nicht, daß die einseitige Begünstigung formalisierter Lernprozesse Denken zur reinen Mogelei, zu einer anderen Art des Schachspiels, verkommen läßt und damit so etwas wie Schulfrust und Lernapathie erzeugt, ja notwendig ein sinntötendes Subjekt hervorrufen muß. Das Konzept, Schulfächer in der Art von wissenschaftlichen Disziplinen im Westentaschenformat zu vermitteln, kehrt die für ich-bedeutsames Lernen konstitutive Sinnerfahrung - also die Erfahrung, daß Wissen einen unmittelbaren Sitz im Leben hat - geradezu zur Schultüre hinaus. L. WITTGENSTEIN bringt es auf den Nenner: "Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind."

Der starke Formalisierungsgrad des modernen Schullernens, der sich zum einen aus der Orientierung an den abstrakten Systemen der wissenschaftlichen Disziplinen ableitet, womit sich in aller Regel mit den Alltagsproblemen der jungen Menschen kaum Berührungspunkte ergeben verstärken das Gefühl der Indifferenz. Dieser Sachverhalt evoziert gerade Sinnzerfall des Subjekts bzw. läßt Sinnerfahrung nur noch auf der verhältnismäßig inhaltsleeren Beziehungsebene mit anderen Mitschülern und den Lehrern zu.

Worin sind die Ursachen einer solchen Verflachung zu suchen? Der amerikanische Sozialforscher Ronald D. INGLEHART hat in seinem Buch "The Silent Revolution" (1979) aufgezeigt, daß gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte sich aus einem Spannungsverhältnis zwischen materialistischen und postmaterialistischen Wertorientierungen ergeben. Es ist deshalb klar, daß Lernen hauptsächlich von der Verwirklichung von Lebenssinn, -zweck, vom Aufbau von Identität abhängig ist und deshalb für die jungen Menschen aus Hoffnungsbildern ihrer künftigen Existenz und der darauf gerichteten Ausbildung und Strukturierung von Fähigkeiten und Können lebt.

Der Lebensentwurf vieler Erwachsener, die verflüchtige Lebensart, die undurchsichtige "Vogelgestalt" des Lebens der Familie und Schule, die Diffusität der beruflichen und öffentlichen Sphäre die den jungen Menschen in die bewußte oder unbewußte Verirrung hineindrängen, lassen fragen, ob dies als Fundament tragfähig ist, auf dem man trotz aller Risse ein sinnerfülltes und zweckvolles Leben führen könne. "Ob einer glücklich ist, kann er dem Winde anhören. Dieser mahnt den Unglücklichen an die Zerbrechlichkeit seines Hauses und jagt ihn aus leichtem Schlaf und heftigem Traum. Dem Glücklichen singt er das Lied der Geborgenheit: sein wütendes Pfeifen meldet, daß er keine Macht mehr hat über ihn. Erst der Dialog über die Werte in den Generationen wird den Weg zu Problemlösungen aufzeigen und ermöglichen, diese auch in sozial und politisch tragfähige Handlungslösungen umzusetzen.

2.8.5.4.4 Beruf in der modernen Gesellschaft (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

In der modernen Gesellschaft gilt der Beruf als "Basis sozialer Identität". "Die stärkste identitätsbildende Kraft" geht von ihm aus, und gleichsam stellt er "das stärkste Verbindungsglied zwischen Individuum und Gesellschaft" dar. Hieraus erklärt sich die Wichtigkeit, die einer erfolgreichen Integration der nachwachsenden Generation in den Arbeits- und Berufsbereich zukommt. In den achtziger Jahren, als die Krise der Arbeitsgesellschaft sichtbar wurde und die geburtenstarke Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten, ist die berufliche Integration Jugendlicher heikel geworden. Es gelang einer erheblichen Anzahl junger Menschen nicht, eine befriedigende Berufsposition zu erlangen, oder viele gelang dies nur auf Umwegen. 1985 prognostizierte die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, daß in den 90er Jahren einem Bedarf von 22,6 Millionen Arbeitskräften 27,6 Millionen Arbeitswilligen gegenüberstehen wird.

Aufgrund des desolaten Zustandes der Wirtschaft in den neuen Bundesländern hat sich dieser Verhalt noch verstärkt. Nicht nur jugendliche Arbeitslose, sondern auch falsch und ungenügend ausgebildete Arbeitskräfte werden zukünftig die Arbeitsmarktsituation mitbestimmen. Verstärkt wird dies dadurch, daß heute ein Hochschulstudium keinesfalls eine sofortige erfolgreiche Karriere garantiert. Es scheint so, daß die Zunahme der Bildungsteilnahme auf breite Bevölkerungsschichten die Berufschancen herabsetzt, "weil die Konkurrenz größer wird. Das wiederum befördert die Tendenz der Elitebildung, die heute schon sehr deutlich abzusehen ist. Auf der anderen Seite führt diese Entwicklung zum sozialen Rückzug und zur sozialen Ausgrenzung derjenigen Gruppen, die angesichts der damit verschärften Konkurrenzsituation nicht mehr mithalten können, ein Prozeß, der schließlich die Tendenz zur Zweiteilung der Gesellschaft in einen 'industriellen Leistungskern' auf der einen Seite und eine zunehmende Zahl sozialer Randgruppen vorantreibt."

Es fällt unserer Gesellschaft immer schwerer den Konnex von Bildung und Berufsvollzug zu ermöglichen. Bei den jungen Menschen bewirkt eine "Bildungslüge", die ihre Distanzierung gegenüber den beruflichen Aus- und Fortbildungsinstitutionen vertieft, eine Skepsis, die die Erfahrung betont, daß Leistung nicht immer zu dem erstrebten Ziel führt. Der verstärkte Wunsch vieler junger Menschen nach sinnstiftenden Tätigkeiten und die Erfahrung einer funktionalisierten und rationalisierten Arbeits- und Berufswelt verhindern die Erfüllung dieses Wunsches. Je mehr sich der Spalt zwischen Bildungs- und Lebenswelt auftut, umso geringer sind die Chancen, daß Ausbildung und Beruf die Identitätsfindung des jungen Menschen unterstützen.

Einige Jugendstudien verdeutlichen, daß viele Jugendliche eine "interessengeleitete-engagierte Arbeitsorientierung" vertreten. Trotzdem spricht vieles dafür, daß die heutige Lage das Streben unter Jugendlichen anspornt, gewichtige Lebensziele außerhalb vom Berufsleben, mehr in der Freizeitgestaltung, im privaten Raum und in subkulturellen Lebensbeziehungen zu finden. Inwieweit dies gelingen wird, ist heute noch nicht auszumachen.

2.8.5.4.5 Konsum- und Freizeitverhalten (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Junge Menschen haben heute, bedingt durch die verlängerten Aus- und Schulbildungszeiten, erheblich mehr Zeit zu ihrer Verfügung, worüber sie relativ autonom bestimmen können. Damit ist die Freizeit der Mittelpunkt der Wirklichkeitserfahrung und -erfassung, da Schule in der heutigen Verfaßtheit nur aus zweiter Hand mit der Wirklichkeit bekannt macht. Für sie ist Freizeit eine Erlebniswelt und hat die Funktion sich hautnah zu erfahren. "Es muß was los sein in der Freizeit", dies lassen Sport, Reisen und Fitnesstraining vornehmlich erfahren.

Die ad hoc und spontane Treffs der jungen Menschen sind nicht mehr die Verbände, Vereine oder Jugendgruppen. "Vor Cafe, Gastätte und Disco, die von Jugendlichen völlig selbstverständlich als Treffpunkte benutzt werden, ist für sie überraschenderweise 'zu Hause' der beliebteste Treffpunkt. Allerdings ist dies nur der Fall, wenn sie relativ ungestört von ihren Eltern mit ihren Freunden das machen können, was ihnen Spaß macht - z.B. Musik hören."

Gleichwohl hängt dies auch damit zusammen, daß nur eine kleine Gruppe unter den jungen Menschen über ein finanzielles Polster verfügen kann, das eine ungekürzte Teilhabe am Freizeitkonsum und -stil Erwachsener zuläßt.

Der Konsum ist in unserer modernen Gesellschaft "eine Form der Teilhabe an sonst verenthaltenen gesellschaftlichen Prozessen", die Akzeptanz darstellt, versuchen viele junge Menschen aus wenig finanziellen Mitteln viel zu "machen". Aus diesem Grunde treffen sich auch viele junge Menschen an Orte, die einen bezahlbaren Konsum ermöglichen und so zu jugendkulturellen Kristallisationspunkten werden. W. HORNSTEIN spricht von einem spezifisch jugendlichen Konsumverhalten.

Offenkundig ist, daß Jugendkultur und Jugendkonsum miteinander korrespondieren. Angesichts der Diffusität des Status des Jugendseins scheint der Konsum für die jungen Menschen eine andere Funktion einzunehmen als bei den Erwachsenen. Der bezahlbare Konsum verleiht dem Jugendlichen - mehr als sein Status als Schüler oder Auszubildender - Stabilität, Lebenszweck und Selbstbewußtsein. Inwieweit sich dies auf Dauer so erleben läßt ist eine ander Frage. Verbrauchen "befriedigt narzißtische Bedürfnisse des Jugendlichen, erlaubt Spiegelung und Bestärkung des eigenen Ich".

Die Kinder und Jugendlichen stellen heute eine bedeutende Konsumentengruppe dar, die über eine Kaufkraft von über 30 Milliarden DM verfügt. Offenkundig wird dies besonders bei den Werbestrategien der Reiseveranstalter, Autoindustrie, Banken, Sportgeschäften, Elektro- und Computerindustrie. Das bedeutet, daß Jugendarbeit, Freizeit, Unterhaltungsindustrie, Bildung und Musik, Reisen, Sport durch eine Anzahl von kommerziellen Trägern aufbereitet werden, wobei die pädagogischen Inhalte von knallharten ökonomischen Interessen gesteuert werden. Gewinn und Marktanteile sind der Mittelpunkt dieses Tuns.

2.8.5.4.6 Jugend und Medien (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Für die Pädagogen und Jugendforscher wird die Beschäftigung mit dem Thema Jugend und Massenkommunikationsmittel immer dringlicher.Es geht dabei um die Frage, welche Folgen und Wirkungen hat der Medienkonsum junger Menschen auf ihre geistige und psychische Entwicklung und welche Auswirkungen hat dies auf die Gesellschaft insgesamt. Jugendliche gehen heute kenntnisreich und innovativ mit den Massenkommunikationsmittel um; sie haben eine Medienkultur. Die Jugendforscher des Forschungsprojekts in Nordrhein-Westfalen sprechen von einer Habitualisierung. Das bedeutet: Daß Jugendliche und Heranwachsende technisch kompetent und "selbstverständlich und partiell unbewußt" mit den neuen Medien operieren. "Die unzentrierte Nutzung verdrängt die zentrierte: die Medien fungieren als Hintergrund, der gar nicht mehr bewußt wahrgenommen wird."

Die Musik spielt im Medienkonsum junger Menschen in jeder Spielart die Hauptrolle, wobei heute auch die Computer-Technik eine Mitte einnimmt. Ebenso hängt es aber auch vom Alter und Geschlecht des Jugendlichen, von dem sozialen Habitus, seiner Herkunftsfamilie, seinen kognitiven Eigenschaften und von seinem Wohnort ab, wie sich sein Medienverhalten auswirkt. "Es sind ganz offensichtlich 'soziale Filter' zu berücksichtigen, die die Wirkung von Massenmedien bei Kindern und Jugendlichen mit determinieren. Danach kann die hohe Verselbständigung von Jugendlichen im Handlungsektor 'Medienkonsument' nicht absolut gesetzt werden; es kommt erheblich darauf an, in welches soziale und ökologische Umfeld die Mediennutzung eingebunden ist. Der Familie muß beim weitgehend selbstbestimmten Medienkonsum Jugendlicher zu mindest eine Rahmen- und Orientierungsfunktion zu erkannt werden."

Die 14- bis 16jährigen sind die größte Anteilsgruppe der Intensivnutzer, und deshalb tun sich wegen dieser verstärkten Konsumausprägung problematische Inhalte auf. Was die neuen Medien bei den jungen Menschen verursachen ist allerdings noch nicht hinreichend ausgemacht. Erste Untersuchungen zeigen, daß die Medien bei der Intelligenzausprägung nicht die Rolle ausüben, die man zuerst bei ihnen vermutet hat. Ihre Auswirkung betrifft das intersubjektive Handeln die subjektive Ausdrucksfähigkeit junger Menschen, also die moralische, affektive und unbewußte Seite des Handelns. Daß die emotionalen Strukturen der jungen Menschen durch den Einfluß der Medien beeinflußt werden, belegen eindeutig neuere Untersuchungen.

FRANK konstatiert: "Wir haben es mit einer Struktur der Synästhesie zu tun. Die Unterschiedliche Qualitäten der von den Medien produzierten Informationen verschwindet in dem diffusen Nebeneinander von Zeichen, Bildern, Tönen." Die "Strukturloskeit der Medien" und die "Undifferenziertheit der Rezeption" sind der Faden, der das Bedingungsverhältnis Jugend von heute und Kommunikationsmedien durchdringt. Denn die neuen Medien sind die neuen Übermittler "und ihre Inhalte sind Bestandteil der Jugendkultur und eröffnen den Zugang zu ihr." Sie ermöglichen eine aktive und gezielte Gestaltung der eigenen Alttagswelt, wobei sie ein einheitliches Erfahrungsmuster von Freizeit inszinieren, einen spielerischen Umgang mit Bildern erproben helfen, die Wirklichkeit erfahren lassen, und nicht ausschließen Kompensations- und Emotionalitätsumgang wie Sinnlichkeitserfahrung zu zulassen, die im Alltag so nicht erfahren werden kann. Die Medien bezeugen sich als ambivalent. Sie gestalten faszinierende Ausblicke der Kommunikation, andererseits tun sich durch die kommerziellen Interessen Gefahren auf, die für das Leben so einfach nicht zu eruieren sind.

2.8.5.4.7 Jungsein - Partnerschaft und Sexualität (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Durch die sexuelle Reife des jungen Menschen ist die Notwendigkeit zur Geschlechtsrolle gegeben. Die heutigen verbindlichen Stereotypen für das männliche und weibliche Rollenverhalten sind nicht mehr so einfach zu finden wie dies früher der Fall war; wobei in der Gesellschaft Geschlechtsrollen vorgegeben und erfahrbar werden: in der Berufswelt, die heute durch die Arbeitsteilung geprägt ist, durch Beeinflussung der Herkunftsfamilie und der medialen Beeinflussung. Es ist nicht zu bestreiten, daß die Medien in ihren vielfältigen Erscheinigungsformen auf die jungen Menschen einen erheblichen Einfluß ausüben. Zumal die Medien nicht nur direkt, sondern auch indirekt die Verhaltensmuster des einzelnen jungen Menschen normiert, da sie auch zu einem großen Teil Verhaltensstrukturen der Cliquen bestimmen.

Es vollzieht sich ein Paradigmawechsel bezüglich der Geschlechtsrollen in unserer modernen Gesellschaft. Wie das SINUS-Institut in seiner Studie über männliche und weibliche Jugendliche zwischen 15 und 30 Jahre belegt, haben sich die bisherigen geltenden Rollenstereotype grundlegend verändert; die Jugendforscher sprechen deshalb von einer "neuen Flexibilität", was bedeutet, daß eine Verschmelzung traditioneller Geschlechtsrollen stattgefunden habe. "Die große Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen plädiert für ein für beide Geschlechter verbindliches Rollenbild, das - im traditionellen Sinne - männliche und weibliche Merkmale vereint."

Diese Annahme besteht auf der Hypothese, daß Einstellungen und Können wie sexuelle Treue, Emotionen zeigen können, Aktivität, Zärtlichkeit, Selbstgenügsamkeit, Kinderliebe, Kreativität, Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit, Kompatibilität von den jungen Menschen ebenso für Männer und Frauen reklamiert wird, wobei aber die ausgesprochen männlichen Rollenstandards wie Härte und Überlegenheit kaum noch als Werte anerkannt sind. Es konnten zwar einige alters-, geschlechts- und bildungsspezifische Unterschiedlichkeiten eruiert werden, aber am grundlegenden Wandel des herkömmlichen Musters von der männlichen und weiblichen Geschlechtsrolle ändert dies nichts.

Wesentlich gehört das Einüben in Partnerschaft und die Entfaltung einer in die Person integrierten Sexualität zur Ausgestaltung einer Geschlechtsrolle. Das gesellschaftliche Klima in der modernen Gesellschaft ist dafür nicht besonders ausgeprägt. Einerseits werden sexuelle Freiheiten und Freizügigkeit postuliert, andererseits erleben die jungen Erwachsene Lebenswirklichkeiten, die es erschweren Geborgenheit, Zärtlichkeit, Liebesfähigkeit, Mitmenschlichkeit zu erfahren und zu erlernen. "Insofern ist die Situation konflikthaft und von Widersprüchen gekennzeichnet." Die empirischen Erhebungen verdeutlichen, die Zeit der Aufnahme andersgeschlechtlicher Freundschaften hat sich im Gegensatz zu früher erheblich vorverlagert, und das bei männlichen wie weiblichen jungen Menschen. Dafür sind unterschiedliche Faktoren verursachend: einmal das Auseinanderdriften zwischen sexueller Reife und Heirat, die wechselseitige Aufhebung von funktionalen Beziehungsstrukturen in Schule und beruflicher Ausbildung, die verstärkte Anlehnung an die Gleichaltrigen und den damit verbundenen Freiraum vom Erwachsenenmoral. Nach den Erhebungen der Jugendforscher stellt die feste Partnerschaft und die sexuelle Treue für eine Mehrzahl heutiger junger Menschen einen hohen Wert dar. Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen personaler und sexueller Intimität. 58% der befragten jungen Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren halten "unbedingte Treue" die entscheidende Bedingung für sexuellen Kontakt. Ebenso die SHELL-Studie von 1985 kommt bei jungen Frauen zu ähnlichen Befunden.Bei vielen jungen Frauen "steht der Wunsch und das Bedürfnis nach sexuellem Erleben im Zusammenhang mit einem Partner, dem man emotional verbunden ist, im Vordergrund, wobei innerhalb dieser Gegebenheit für ein individuelles Ausleben der eigenen Bedürfnisse plädiert wird. ... Sexualität wird somit sozial und liebesorientiert und weniger als eigenes, unabhängiges Bedürfnis der weiblichen Person aufgefaßt."

Dies zeigt, daß sich viele junge Menschen hinsichtlich ihrer sexuellen Praktiken von kirchlichen und traditionell-kulturellen Vorgaben abgelöst haben, daß sie aber doch subjektiv eine selbst verantwortete Sexualmoral versuchen zu leben. Die Aufnahme intimer Sexualbeziehungen von Jugendlichen wird von R. OERTER "als kritisches Ereignis und Aufgabe" betrachtet. Auch HORNSTEIN formuliert, daß es "in Wirklichkeit nach wie vor Ängste, Kommunikationsschwierigkeiten, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit gibt, daß es für Mädchen und Jungen unterschiedliche Rechte und Verhaltensvorschriften gibt, mit anderen Worten: daß Sexualität und Partnerschaft auch heute für viele Jugendliche in problematischer Weise erlebt" werden. Für junge Menschen sind Liebe, Freundschaft, Partnerschaft, Zärtlichkeit und sexuelles Beisammensein Schlüsselerlebnisse ihres Lebens, die scheitern oder auch gelingen können.

2.8.5.5 Zukunftskrise und Jugend (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Eine Vielzahl von Belegen sprechen dafür, daß wir uns momentan in einer gesellschaftlichen Krisensituation befinden. Sie zeigt sich in ungleichen Lebenschancen, im Anstieg des Alkohol-, Drogen- und Tablettenmißbrauchs, der Kriminalität, in der Zunahme der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, der Zunahme der Suizids, in der Zukunftsverweigerung, in der Krisensituation des Arbeitsmarktes und in den ökonomischen und ökologischen weltweiten Problemen. Andererseits lassen sich aber auch bei vielen Menschen ein Wandel in den Bewußtseinsinhalten der Werte und Normen, der sich in einem Pluralismus der Wertformulierungen äußert, aufzeigen. Gleichwohl ist auch auszumachen: eine neue materielle Orientierung verbunden mit der Forderung nach Selbstentfaltung Bewahrung der persönlichen Freiheit und Eigenverantwortung.

2.8.5.5.1 Gesellschaftlicher Wertewandel (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Besonders in der jüngeren Generation wird von unterschiedlicher Seite für die westeuropäischen Länder ein grundlegender Wertewandel konstatiert. Es zeigen sich in der Analyse dieser Krisenphänomene Ansätze einer neomateriellen Phase. Es fällt auf, daß nunmehr beruflicher Erfolg und materielle Sicherheit in den Zukunftsentwürfen vieler Jugendlicher wieder mehr Raum und Beachtung einnehmen. Auch wenn die Bewertung der Verursachungen für diesen Wertewandel sehr divergieren, und die einen mehr einen Zerfall bürgerlicher Werte auszumachen meinen, andere aber einen langfristigen, nicht so einfach faßbaren sich vollziehenden Wertewandel benennen, kann am Faktum einer solchen Umbruchsitiuation nicht gezweifelt werden. Für HORNSTEIN sind die empirische Nachweise eindeutig, so daß er den gesellschaftlichen Wertewandel als belegt ansieht.

Der SINUS-Studie aus dem Jahr 1982 zeigt, daß zunehmend viele junge Menschen neben Werten wie materieller Sicherheit und sozialer Daseinsvorsorge eher immaterielle Werte anstreben. Beachtenswert ist nach der Jugendstudie "die hohe Sensibilität für soziale Probleme bei jenen, die sich nicht für 'Betroffene' halten" und gleichwohl "das hohe Maß an persönlicher Betroffenheit, das die großen Probleme unserer Zeit - wie Umweltzerstörung und Kriegsgefahr - bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auslöst." Der Wertewandel scheint aber keine spezifisch jugendtypische Erscheinung zu sein, wobei es aber doch eine widersprüchliche Werteharmonie zu geben scheint. Die Jugendforscher kommen zu dem Abschluß: Es sei unwahrhaftig die geänderte Grundeinstellung vieler junge Menschen abzustreiten und die postmaterialistische Phase bzw. neomaterielle Etikettierung nicht wahr haben zu wollen.

2.8.5.5.2 Wert- und Sinnfrage ein Problem? (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Wie die Wertfrage, so ist auch die Sinnfrage in unserer modernen Gesellschaft zum Problem geworden. Wenn wir Sinn als "elementare(r) Moment der Gewißheit (verstehen), daß sich ein Weiterleben überhaupt lohnt", dann ist die Sinnfrage eng mit der Lebens- und Zukunftsbewältigung verbunden. Besonders der Jugendliche ist auf Sinnhorizont (KRAPPMANN), auf durchsichtige Weltanschauung (SHAW), auf eine Ideologie (ERIKSON) bzw. Weltanschauung verwiesen, um Handlungsmöglichkeiten für sein eigenes Leben zu entdecken. Deshalb benötigt er "vielleicht um jeden Preis eine Zukunftsaussicht mit einer Perspektive, die seinen Energieeinsatz lohnt".

Die Entwicklung der Heranwachsenden und ihre Lebensgestaltung angesichts der Widersprüchlichkeit ihrer Lebenswirklichkeiten macht es ihnen nicht leicht, sich ein fundiertes Sinnsystem zu erarbeiten. K. NIPKOW macht drei Verursachungen dafür aus: 1. Die momentanen ökonomischen, ökologischen und politischen Gegebenheiten, die einen großen Anteil Heranwachsender zu erheblichen Anstrengungen und Integrationsbemühungen veranlassen, bei anderen jedoch eine "latente Tendenz der Selbstaufgabe und Selbstzerstörung" aufkommen lassen. 2. die mangelnde soziale Einbeziehung Heranwachsender, die Voraussetzung für Lebenssinn und -zweck ist; und 3. das erhebliche Defizit an Sinn- und Zweckentwürfen in der modernen Gesellschaft. Folgt man dieser Aufschlüsselung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation, dann ist mit NIPKOW zu konstatieren: Sinn- und Zweckerfahrung geschieht dort, wo diese eingebunden sind "in der Zeitdimension von überzeugenden Zukunftsperspektiven und erfüllter Gegenwart, in der emotional-sozialen Dimension von emotional stützenden kommunikativen Beziehungen und in der kognitiven Dimension von überzeugenden gesamtgesellschaftlichen oder zumindest gruppenspezifischen Ideologien in möglichst vereinfachter Form."

Dabei ist es offenkundig, daß viele junge Menschen auf der Suche nach Lebenssinn und -zweck religiöse Deutungsmuster keineswesgs in Anspruch nehmen möchten. R. DÖBERT zeigt mit seinen empirischen Untersuchungen, daß in unserer modernen Gesellschaft eine ganze Reihe von Mechanismen bereitstehen, die die jungen Menschen vor zu ausgiebiger Reflexion über ihr eigenes Dasein "bewahren". Heute scheint es möglich sein Leben so zu organisieren, daß religiöse Deutungsmuster für die Klärung des Lebenssinns und -zwecks gar nicht notwendig seien, denn sie stellen sich einfach so nicht. Solche Mechanismen stehen allen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung und werden ausgiebig angenommen: Konsum, Aktivitäten in der Freizeit, Karriere u.dgl.m. Eine weitere Handlungsanleitung bei jungen Menschen Sinn ohne Sinnsysteme zu erfahren seien Phänomene der Gewaltanwendung, Raserei, Diebstahl, "Rabatz machen". "Action schützt sie erfolgreich vor der drohenden Sinnlosigkeit." Aus dieser Veranlassung ist die religiöse Auseinandersetzung in der deutschen Gesellschaft mit der Lebensinn- und zweckfrage untypisch zu nennen. Wenn überhaupt, so ist sie erst im relative späten Lebenszyklus, höchstenfalls in der Adoleszenzphase, möglich.

"Vermutlich erfahren viele Jugendliche heute ihr Leben gar nicht als Sinnkrise. Sie sind daher auch nicht bewußt auf der Suche nach Lebenssinn. Sie suchen keinen religiösen Lebenssinn."

2.8.5.5.3 Bedrohte Zukunft? (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Im Hinblick auf das Gesagte ist eine neomaterielle Orientierung vieler junger Menschen bezüglich der Sinnbestimmung auszumachen. Jungsein läuft in Gefahr "die persönliche Sackgasse (zu werden), die Sackgasse der Subjekte weitet sich zur globalen Zukunftskrise" aus. In Anbetracht der ökonomischen, der ökologischen Problematiken in der Welt und der verspürten Ohnmacht vieler Menschen gegenüber dieser Krisensituationen, geht es "um die Zukunft 'schlechthin', um das Überleben." Die Zukunftskrise scheint "eine 'absolute' und durch nichts zu relativierende Perspektive menschlicher Existenz" geworden zu sein.

Die Jugendstudien belegen schon über einige Zeit hinweg eine konstante pessimistische Zukunftserwartung vieler junger Menschen in der modernen Gesellschaft. Nach der SHELL-Studie aus dem Jahr 1981 hat die Mehrzahl der jungen Menschen kaum Vertrauen in die globalen zeithistorischen Zukunftsentwürfe: Sie glaubt in keiner Weise "an die 'natürliche Höherentwicklung', an den evolutionären Gang der Geschichte auf ein besseres Leben. Für sie hat die industrielle Zivilisation an Attraktivität verloren". 58% der jungen Menschen sehen die Zukunft eher pessimistisch, wobei 42% eher optimistisch sind; obgleich auch sie sich Sorgen machen: "30% glauben, daß die Welt in einem Atomkrieg untergehen wird ..., 61% der zuversichtlichen Jugendlichen glauben, daß die Rohstoffe immer knapper werden, daß Wirtschaftskrisen und Hungersnöte ausbrechen werden". Die SHELL-Studie von 1985 untermauert auch den weitverbreiteten Pessimismus unter den Erwachsenen bezüglich der persönlichen und gesellschaftliche Zukunft.

Offensichtlich gelingt es der herrschenden Kultur nicht mehr darzustellen, "worauf sich zu leben und zu orientieren wirklich lohnt, welche Ausgestaltung der inneren und äußeren Lebensräume sie für wirklich verpflichtend hält. Sie steckt nicht mehr nur in einer Wertkrise, sie steckt in einer Krise der Verbindlichkeit und Legitimität von Werten: Eine Kultur, die nicht mehr an sich selber glaubt".

Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins an diese Krisensituation der gesellschaftlichen Gegebenheiten löst nicht nur bei jungen Menschen verschiedenartige Reaktionen aus. Einerseits verstärkt sich der Rückzug und zur Verweigerung. Diese Aspekte wurden in Schlagworte gegossen, wie "Null bock auf nichts", "Flucht, Sucht, Privatierung", "Narzißmus als neuer Sozialsationstyp" (T. ZIEHE), "Auf der Suche nach dem privaten Glück", "No hope, no dope, no future", "Kampf um Selbstbehauptung", "Zwischen Aufbruch und Verweigerung" u.dgl.m.. Die gesellschaftliche Verweigerung zeigt sich sehr hart in den sog. Neuen Süchten, ganz offensichtlich im Alkohol-, Drogen- und Tablettenkonsum, im Mißbrauch von Genußmitteln und Medikamenten. In diesen Kontext ist die zunehmende Bereitschaft der Gewaltanwendung und Kriminalität zu rechnen, die zum Zeichen der "Szene" geworden ist, auch ein Anzeichen dafür, daß der herrschende Zukunftshorizont der heutigen Gesellschaft von einem zunehmenden Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener nicht mehr so einfach hingenommen bzw. übernommen wird.

Gleichwohl gibt es in der Gesellschaft zahlreiche Bemühungen die Zukunftkrise aktiv und konstruktiv aufzuarbeiten. Als Zeichen dafür mögen stehen: Die hohe Zahl von Selbsthilfegruppen, von Bürgerinitiativen und Basisgruppierungen; sie verdeutlichen die Suchrichtung: Subsidiarität, Offenheit, Solidarität, Empathiefähigkeit und gemeinsame Aktion. Nur so ist die Zukunftskrise zu bewältigen und ermöglicht neue Zukunftssysteme, die Menschenwürde und Mitmenschlichkeit in der modernen Gesellschaft zulassen. Diese Einsicht scheint sich nicht nur bei vielen jungen Menschen durchgesetzt zu haben. Wir werden uns alle ändern müssen und die Bedingungen einer neuen sozialen, ökonomischen und ökologischen Existenz akzeptieren lernen. In der Vergangenheit versuchte man dies schon durch selbst initiierten Zusammenschlüssen und Basisbewegungen. Es scheint so, daß solche Cliquen eine "Hilfe gegen die eigene Isolation und ein Versuch der Selbstheilung gegen die Einsamkeit" sein können.

In solchen Cliquen scheinen viele junge Menschen Schutz vor der Entfremdung einer in der Krise befindlichen Gesellschaft zu finden. Hier können sie nach eigenem Gutdünken ihr Leben organisieren, Lebens- und Denkstile erarbeiten, Lebenswirklichkeiten und -anschauungen kundtun und Sinn- wie Zweckerfahrungen ausprobieren, um so zu einer eigenen Form der Lebensbewältigung zu kommen. Die Jugendkultur ist damit eine von der Erwachsenenwelt abweichende Subkultur; aus diesem Grunde erweist sie sich als "umfassender Horizont" als "hermeneutischer Schlüssel", "in dem die Lage der Jugend bestimmt werden kann und die selbst praktischer Ausdruck einer Bestimmung von Jugend ist." Gerade aus diesen Gründen erscheint sie vielen Erwachsenen als suspekt und unwirklich.

2.8.5.6 Benachteiligte Gruppen junger Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die momentane gesellschaftliche Entwicklung schafft auch unter den jungen Menschen Verlierer. Besonders sind davon jene Gruppen junger Heranwachsender betroffen, die bezüglich ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer speziellen Arbeitsbedingung oder ihres ungünstig gelegenen Wohnortes schwierige Lebensbedingungen für ihre Lebensgestaltung vorfinden. Dazu zählen wohl bestimmte soziale Teilgruppierungen.

2.8.5.6.1 Ausländische Kinder und Heranwachsende (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die ausländischen Jugendliche und junge Heranwachsende in der Bundesrepublik Deutschland stellen z.Zt. einen Anteil der deutschen Bevölkerung von ca. zwei Millionen Menschen. Interessant sind dabei ihre Wohn-, Ausbildungs-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten für die Einschätzung ihrer Lebensbedingungen. Über die Hälfte aller ausländischen Mitbürger und Mitbürgerinnen in Deutschland leben in Großstädten, so läßt sich leicht ausmachen, daß ihre Wohnverhältnisse besonders desolat sind, und die Arbeitslosenzahl unter ihnen doppelt so hoch zu veranschlagen ist wie die der Deutschen, dann kann man sich ausrechnen, wie sehr die Lebenssituation der ausländischen Jugendlichen und Heranwachsenden durch von außen hinzukommenden Schwierigkeiten erschwert wird. Nach den Jugendtheoretikern ist allen ausländischen Jugendlichen in Deutschland eines gemeinsam: Sie können als "interkulturelle Pendler", die zwischen Einordnung an ihre deutsche Lebensart und dem Festhalten an ihrer ethnischen Subkultur gezwungen sind wählen. Da sie sich weitgehend in die deutsche Lebensweise assimiliert und von den kulturellen Traditionen ihrer Eltern losgelöst haben, besteht sehr oft ein erhebliches Spannungsfeld zwischen ihnen und ihren Eltern. Ihre Sozialisation wird "durch einen deutlichen Bruch zwischen privater und öffentlicher, familialer und außerfamilialer Welt gekennzeichnet."

Dabei kommt noch eine erhebliche Benachteiligung im Bildungs- und Beschäftigungsbereich hinzu. Ausländische junge Menschen verfügen über niedrigere Schulabschlüsse und sind deshalb öfters arbeitslos und beziehen häufiger Sozialhilfe als deutsche Jugendliche. Die derzeitigen Erhebungen lassen vermuten, "daß gegenwärtig eine soziale und berufliche Eingliederung der zweiten Ausländergeneration in die unteren Positionen des Berufssystem der Bundesrepublik Deutschland stattfindet." Die Belege zeigen, daß sie vielerorts die "neue... Armut" bilden und einiges weist darauf hin, daß sich eine "gesellschaftliche Reproduktion einer marginalisierten Unterschicht" vollzieht. Im Bezug auf die Situation der ausländischen Mädchen und jungen Frauen spitzt sich die dargestellte Situation noch schärfer zu. Sie erfahren in besonderer Weise, daß in der Industrie- und Leistungsgesellschaft die Berufstätigkeit zunehmend zum Mittel des Unterhalts- bzw. Wohlstanderwerbs dient. Ihr Inhalt wurde, abgesehen von Qualifikationsansprüchen, losgelöst von der individuellen Person, so daß sie in ihrer Sinnrelevanz kaum mehr reflektiert wird.

          1. Arbeitslose junge Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Jugendarbeitslosigkeit, besonders unter den Jugendlichen die keinen Schulabschluß haben, wird im kommenden Jahrzehnt kaum zu lösen sein, wobei noch die desolate ökonomische Situation in den neuen Bundesländern hinzu- kommt. Durch den Geburtenrückgang und die Verlängerung der Schulzeit wurde der Engpaß auf dem Arbeits- und Lehrstellenmarkt weitgehend behoben, trotzdem gelingt einem großen Prozentsatz der jungen Heranwachsenden zwischen 20 und 25 Jahren nicht auf dem Arbeitsmarkt zu einer Beschäftigung zu kommen. Unberücksichtigt dabei ist die verdeckte Arbeitslosigkeit von den Mädchen und jungen Frauen.

Der Druck, der auf die arbeitslosen Jugendlichen und jungen Menschen ausgeübt wird, ist für die persönliche Lage sehr brisant.

Der Lebensstandard verringert sich mit dem Einkommensverlust. Nachhaltiger wirken die Folgeschädigungen, besonders bei der Langzeit-Arbeitslosigkeit. Es entsteht eine Reduzierung der sozialen Kontakten, der Umgang mit der jetzt mehr zur Verfügung stehenden Zeit, die unter Umständen eintretende Geldnöte; das Arbeitsfeld Arbeit fällt völlig aus, wobei diese Beziehungen durch Freizeitgestaltung nicht aufgewogen werden können; so sind häufig Isolations- und Depressionsprobleme zu beobachten. Da der Beruf in unserer Gesellschaft sozialer Status und Sozialprestige symbolisiert, verursacht Arbeitslosigkeit eine Identitätskrise von beachtlichem Ausmaß. Dies verstärkt sich zusehends bei länger andauernder Arbeitslosigkeit, wobei Arbeit dann mehr als die materielle Absicherung gesehen wird, und die Möglichkeiten durch Berufsarbeit Identitätsfindung zu erfahren treten immer mehr in den Hintergrund.

2.8.5.6.3 Mädchen und junge Frauen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Emanzipationsbestrebungen der Frauen innerhalb unserer gegenwärtigen Gesellschaft zeigen ihre nachhaltige Erfolge, wobei das Selbstvertrauen junger Frauen bei vielen erheblich gestiegen ist. Trotzdem können die erste Erfolge nicht über die tiefgreifenden Benachteiligungen von Mädchen und jungen Frauen hinwegtäuschen. Sie reichen von Familie, Schule über Ausbildung, Beruf bis hin zur Kirche. Trotzdem gilt: "Im Bildungsbereich stehen den Mädchen Türen offen, auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt werden sie wieder zugeschlagen". Anfang 1988 stellten die Mädchen 2/3 aller Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, dies setzt sich auf dem Arbeitsmarkt fort. Aus diesen Gründen sind junge Frauen zum Rückzug auf Haushalt und Familie angehalten, obgleich sie lieber eine qualifizierte berufliche Perspektive bevorzugt hätten.

Die Schlechterstellung der jungen Frauen resultiert auch aus der gesellschaftlichen zugewiesenen Rolle im Privaten und in der Öffentlichkeit. Obgleich Gleichberechtigung ein Grundrecht, und die Respektierung der Menschenwürde ein unverzichtbares Rechtsgut unserer Rechtsverfassung ist, werden Frauen immer noch als Objekte männlicher Lebensvorstellung mißbraucht. Im öffentlichen Leben werden auch Mädchen oft Opfer von "zweideutiger Anmache und der Androhung von Gewalt"

Dies ist für viele der junge Frauen eine widersprüchliche Lebenswirklichkeit, die ihre Lebensentfaltung erheblich behindert. "Anspruch und Wirklichkeit entwickeln sich scherenförmig auseinander. Mädchen müssen Lebensentwürfe zusammenbringen, die nicht nur widersprüchlich erscheinen, sondern durch eine ganze Palette gesellschaftlicher Bedingungen widersprüchlich sind."

2.8.5.6.4 Junge Menschen im ländlichen Bereich (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Neuere Erhebungen bestätigen die Auffassung, daß junge Menschen im ländlichen Bereich immer noch Bildungsnachteile und schlechtere Chancen im Beruf zu verkraften haben. In den ländlichen Regionen ist der Erfolge in der Ausbildungsqualifikation die Arbeitslosigkeitsrate junger Menschen relativ hoch. Im Emsland betrug sie 1985 36,2%, in der Region Eifel/Trier/Daun 34%, im Raum Oberfranken/Oberpfalz/Rhön 27% und selbst in Süden der Region München betrug sie noch 15,6%. Hinzu kommt, daß sich die ökonomischen und sozialen Umstände der Bevölkerung auf dem Lande, hier besonders die kleineren und mittleren landwirtschaftliche Familienbetriebe, immer mehr verschlimmert haben. Die Not wird in aller Regel versteckt und ist individualisiert und gesellschaftlich ein Tabu.

Armut im ländlichen Raum ist vornehmlich eine soziale, kulturelle und geistige Verarmung und Verrohung. Es fehlt vielen jungen Menschen, und nicht nur ihnen, an Allgemeinbildung, sozialer Integrationskapazität und intellektuellem Niveau. Im ländlichen Bereich gibt es kaum Ansätze einer Jugendkultur, so daß weitgehend die Verhaltensmuster der Erwachsenenwelt kopiert werden. Inwieweit dies in den urbanen Ballungsgebieten anders ist, ist eine andere Frage.

Besonders für die jungen Landwirte ist die soziale wie ökonomische Lage sehr erschwert. Sie "erleben nicht nur in der Familie die Unsicherheit, ob sich der Hof später selber noch tragen wird, als Bruch traditioneller Selbstverständlichkeit, sondern vor allem auch die zunehmende soziale Marginalisierung des Bauernberufes in der dörflichen Umwelt. Sie haben es schwer, ihre jugendkulturelle Perspektive, in der sie sich an den dörflichen und regionalen Gleichaltrigengruppen orientieren, mit der augenscheinlichen öffentlichen Isolation ihrer Berufswelt zusammenzubringen."

Verstärkt wird dieses Bewußtsein noch durch den Trend in der Landwirtschaft sie immer mehr industriellen Vermarktungsstrategien unterwerfen zu müssen. So erfahren Jungbauern einen strengen Wettbewerb, der die Preise ihrer Produkte drückt und die Erzeugerpreise immer mehr in den Keller fallen läßt. Im ländlichen Raum kommt es häufig vor, daß junge Bauern keine eigene Familie gründen, und sie ihren Betrieb allein bewirtschaften oder gar aufgeben.

2.8.5.6.5 Kranke und behinderte junge Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

All jene Menschen stehen in der Gefahr an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden, die der Leistungseinschränkung unterliegen; körperlich, geistig Behinderte, intellektuell und sprachlich Minderbegabte und solche mit familialen Sozialisationsbehinderungen. Obgleich die Versuche solche Kinder einer besonderen Förderung zu unterziehen einige Erfolge brachten, zeigt die Realität doch, daß diese junge Menschen in Ausbildung und Schule gravierende Nachteile auf sich nehmen müssen.

Die gesellschaftliche Wirklichkeit weist aus, daß sich in zunehmenden Maße unter Heranwachsenden untypische Krankheiten - psychischer wie psychosomatischer Art - ausbreiten. Wie mit verhaltensauffälligen jungen Menschen umgegangen wird zeigt ein Erhebung von R. VOSS - eben mit zunehmender Medizinierung der Klientel. Psychopharmaka kontrollieren und normieren das Verhalten von auffälligen Kindern und jungen Menschen, wobei dadurch die Behinderungen nicht behoben werden.

3. Verhältnis von Jugend und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Wenn Kritik, Protest, Widerspruch, Kirchenaustritt als "ungeschickteste Formen" der Selbstfindung kennzeichnend sind, dann ist ein Beispiel hierfür gegeben, daß junge Menschen mit ihren Spezifika nicht in ihrem Eigenwert angenommen werden und unter Sozialisation junger Menschen vor allem die Angleichung an Denk- und Verhaltensmuster der Erwachsenen verstanden wird. Sozialisation ist aber nicht der "Erwerb eines gesellschaftskonformen Verhaltens ..., sondern ... die Bestimmung der Handlungsqualifikationen, die es einem Subjekt gestatten, sich nicht einfach den vorherrschenden Normen zu unterwerfen, sondern aktiv das menschliche Zusammenleben mitzugestalten ..."

Im Zusammenhang der Auseinandersetzung zu einer jugendpastoralen Kairologie - wie sie die Salesianer Don Boscos versuchen zu vertreten - steht naturgemäß das Verhältnis von Jugend und Kirche im Mittelpunkt des Interesses. Wegen der ausgiebigen Behandlung der Thematik in der Vergangenheit reichen hier allgemeine Hinweise aus der Religionssoziologie, der Pastoraltheologie und der Religionspädagogik aus.

3.1 Die Lage der Kirche in der heutigen modernen Gesellschaft (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Religiöse Erziehung und Sozialisation können nicht unabhängig von heutigen gesellschaftlichen Bedingungen bedacht und betrieben werden. Hierbei muß bewußt werden, daß sich die Situation in den alten Bundesländern von der der ehemals sozialistischen Bundesländern gravierend unterscheidet. Der real existierende Sozialismus, der den Alleinvertretungsanspruch bezüglich der Deutung der gesellschaftlichen Wirklichkeit vertrat und damit den Atheismus zur allgemeingültigen Weltanschauung verbindlich erklärte, hat den Kirchen eine gesellschaftliche Nebenrolle zugewiesen und damit erreicht, daß viele Menschen mit Kirche und Gott kaum noch etwas anfangen können. Insofern treffen die folgenden Aussagen nur bedingt auf die Entwicklung der neuen Bundesländer zu.

Des weiteren gilt, daß das Verhältnis zwischen den heutigen Menschen und den von ihnen installierten Institutionen darf sicherlich nicht so verstanden werden darf, daß der Mensch und sein Leben diesen Institutionen untergeordnet wird. Da Kirche sich nie als Selbstzweck verstanden hat, ist sie hingeordnet auf potentielle, innerweltliche Verwirklichung der basileia. Hierbei steht die Kirche unter einem eschatologischen Vorbehalt. Damit ist klar, daß die Kirche zu den Menschen gehen muß. Seit dem Zweiten Vatikanum probt das Gottesvolk den aufrechten Gang.

3.1.1 Die Stellung der Kirche - Differenzierung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Kirche zeigt sich im öffentlichen Bewußtsein vor allem als eine, die sich von den gesellschaftlichen Zusammenhängen und Gegebenheiten weitgehend distanziert. Die Kirche propagiert eine Distanz zu dieser Welt und dem modernen Menschen; infolgedessen fällt es den heutigen Menschen schwer, den von der Kirche dargestellten Glauben zu verstehen und ihn annehmen zu können.

Durch ihr zu einem großen Teil selbstverschuldetes Abdriften in die Marginalität ist es ein Wesenszug der Kirche geworden, nicht mehr zu agieren, sondern nur noch zu reagieren. Durch den Prozeß der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung in den vielfältigen gesellschaftlichen Lebensbereichen hat die Kirche ihre dominierende Stellung verloren; es gelingt ihr heute nicht mehr, das gesellschaftliche Leben mit ihrer Lebenseinstellung maßgeblich zu formen. Heute bildet Kirche nur noch eine gesellschaftliche Teilgruppe neben anderen. Das hat zur Folge, daß sie sich funktionalisiert und spezialisiert hat. Einher geht dem zufolge eine Bürokratisierung, und das verstärkt den Eindruck, daß die christliche Religion mehr und mehr auf "das Verwaltbare, Organisierbare, sozusagen auf das juristisch Feststellbare, auf eben das, was funktioniert", verengt wird. Inwieweit dieser Prozeß für die Tradierung des Glaubens hilfreich ist, ist eine andere Frage. Durch das unglaubhafte Festhalten an anachronistischen Formen bzw. Strukturen erweist sie sich für die heutigen Menschen als unakzeptable Institution. Es besteht die Gefahr, daß die Kirche sich selbst eine autonome Existenzbestimmung versagt, ohne die sie aber nicht mehr Kirche wäre. Die Bestrebungen, welche die Kirche auf die Funktion reduziert, dem Menschen als Kompensationsfeld für Belastungen aus dem alltäglichen Leben, als Kontingenzbewältigungssituation bereitzustehen, sind kein tauglicher Neubeginn.

3.1.2 Religiosität - entkirchlicht - Privatsache? (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Kirche ist für viele Menschen heute eine fremde Kirche. Die Trennung in Folge der Aufklärung zwischen Religion und Staat, Religion und Wissenschaft, Religion und Bekenntniszugehörigkeit zeigt Folgen, wobei sich die Einstellung vieler Menschen zur Religion als eine persönliche Sache, als persönliche Religiosität darstellt, die nicht unbedingt in einer Kirchenmitgliedschaft gelebt werden muß; Religiosität ist Privatsache geworden. Diese Art und Weise von privater Religiosität wird immer mehr die bestimmende Sozialform von Religion in der heutigen Zeit. Das religiöse Tun ist in das Wollen des einzelnen gegeben und hat nichts mehr mit dem öffentlichen Leben zu tun. Viele Christen verstehen Kirche als Dienstleistungsbetrieb der einen religiösen Service zu den zentralen Lebensabschnitten (Taufe, Erstkommunion, Hochzeit, Beerdigung) bereit stellen soll, wobei man bei bestimmten Anlässen (Ostern, Weihnachten, Gedenktage) den Dienstleistungsbetrieb Kirche aufsucht; aber das ist auch schon alles. Eine feste Bindung auf Dauer soll vermieden werden, denn Religion erscheint nicht mehr als öffentliches Anliegen. Es hat so den Anschein, daß sie aus den zentralen gesellschaftlichen Teilgebieten - z.B. Ökonomie, Politik, Wissenschaft und Administration ausgeblendet ist. Im Rahmen religiöser Großveranstaltungen (Kirchentagen u.dgl.m.) nimmt die Öffentlichkeit Kirche noch wahr. "Wenn folglich ein Bürger überhaupt irgendwo religiös sein will, dann in erster Linie in der Freizeit, im Raum der privaten Beziehungen, in den kleinen Lebenswelten."

3.1.3 Der Prozeß der Individualisierung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Durch die gesellschaftliche Differenzierung entwickelte sich Kirche zu einer administrativen Institution mit funktionalen wie rechtlichen Handlungssystemen. Darüber hinaus bewirkte diese gesellschaftliche Differenzierung für den heutigen Menschen einen noch nie dagewesenen persönlichen Freiraum. "Hochdifferenzierte Gesellschaften erfordern und erzeugen einen hohen Individualisierungsgrad und verkleinern die Lebenswelten. ... An die Stelle eines gemeinsamen Deutungs- und Wertesystems tritt die Freigabe der Entscheidung des Einzelnen und die prinzipielle Teilnahmechance aller an allen Teilsystemen". Damit begreift sich der einzelne Mensch als Subjekt und bestimmt autonom sein Verhältnis zu seiner Kirche. Hiermit verlangt die Situation eine Pastoral, die die Lebenswelt und -entwürfe heutiger Menschen ernstnimmt und sie an der religiösen Motivation und Heilsvermittlung orientiert.

3.1.4 Das Aufbrechen des kirchlichen Monopols (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Ein typischen Merkmal ist nach U. BECK das Aufbrechen von Monopolen, die in der Industriegesellschaft installiert und institutionalisiert worden waren. Er sagt: Es brechen "Monopole auf, aber es stürzen keine Welten ein: das Realitätsmonopol der Wissenschaften, das Berufsmonopol der Männer, das Sexualmonopol der Ehe, das Politikmonopol der Politik. Alles dies wird brüchig aus unterschiedlichsten Gründen und mit sehr vielfältigen, unabsehbaren, ambivalenten Folgen. Aber jedes dieser Monopole steht auch in Widerspruch zu den Prinzipien, die mit der Moderne durchgesetzt wurden".

Das bedeutet für Kirche, daß sie das Monopol auf Religion weitgehend verloren hat, deswegen aber hat sich kirchliches Leben und kirchlicher Einfluß nicht aufgelöst. Folge dieser Entwicklung ist, daß die christlichen Kirchen "trotz ihres erdrückenden Mehrheitsanteils an der Gesamtbevölkerung grundsätzlich der Konkurrenz anderer Glaubensgemeinschaften ungeschützt ausgesetzt sind." Alte Rechte und Konkordate schützen und bringen Vorteile, doch im Zuge der Liberalisierung und Säkularisierungstendenzen ist es heute "für konkurrierende Gruppen sehr viel leichter, sich dauerhaft zu behaupten und ständig die Aufmekrsamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen."

J. HACH sieht meines Erachtens die Situation richtig, wenn er bundesdeutsche kirchliche Wirklichkeit als einen "Grenzfall religiösen Pluralismuss(es)" beschreibt, wobei deutlich wird, daß verschiedenartige "organisierte Gruppen mit unteschiedlichem und nicht zu vereinbarendem Glaubenssystem koexistieren."

3.2 Das heutige Verhältnis von Jugend und Kirche (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

"Die praktische Theologie verstand sich nun nicht mehr als Weiterführung und Konkretisierung der Dogmatik bzw. der systematischen Theologie, sondern als ein selbständiger Maßstab; dies wiederum entsprach der neuen Überordnung der Praxis über die Wahrheit, die im Kontext neomarxistischer und positivistischer Philosophien nun auch in die Theologie überging. Mit alledem war zunächst eine weitgehende anthropologische Engführung gegeben: Vorrang der Methode vor dem Inhalt bedeutet Vorrang der Anthropologie vor der Theologie, die sich einer radikalen Anthropozentrik einordnen mußte. Mit dem Zerfall der Anthropologie traten dann neue Schwerpunkte auf: die Herrschaft der Soziologie oder auch der Primat der Erfahrung, die zum Maßstab für das Verständnis des ererbten Glaubens wurde."

Dieses Zitat zeigt, daß wohl ein Grund für die Krise der "Glaubensweitergabe" in der bewußten Hinführung an der empirischen Auflistung der anthropologischen und soziologischen Vorgaben des heutigen modernen Lebens verstanden wird. Die gesellschaftlichen und binnenkirchlichen Verursachungen der heutigen Plausibilitätskrise kirchengebundener Religiosität, besonders bei vielen jungen Menschen, liegt damit auf der Hand. Die Beziehungskrise zwischen Jugend und Kirche scheint eher durch die spezifische gesellschaftliche Bedingungen der Kirchen, als durch die desinteressierte jungen Menschen verursacht zu sein. Ebenso dürften die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Kirchen in Deutschland, die größtenteils bürokratische Darstellungsform und ihre funktionalen Interaktionsmodi weitgehend für die gegenwärtige Krise verursachend sein.

Tatsächlich kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß die Kirchen den Verzicht auf die Reflexion gesellschaftlicher und psychologischer Bedingungen für das Handeln in ihren Reihen propagiert haben. Die Kirchen, die Gefahr besteht, sind im Begriff, in die gesellschaftliche Marginalität abzudriften, wobei sich der heutige Mensch darin bestätigt fühlt, er komme in seiner Sozialisation gut voran, oft besser ohne die Kirche. Es gibt nur einen Weg diese Entwicklung aufzuhalten, wenn sich die Kirchen klar darüber werden, daß Kirche und Glaube im Bewußtsein der heutigen Menschen, und das gilt ganz besonders für junge, keine apriorischen Wahrheiten mehr sind. Die Kirchen müssen sich ihrer eigenen Glaubwürdigkeit der Bedingungen ihrer Praxis sowohl in der Gesellschaft als auch beim je einzelnen vor Ort vergewissern.

3.2.1 Entfremdung zwischen Jugend und Kirche (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Für die Jugend ist die Kirche heute eine weitgehend fremde Institution; es besteht eine umfassende Entfremdung zwischen Jugend und Kirche. Gleichwohl, wenn auf kirchlichen Großveranstaltungen junge Menschen den "Ton" angeben, auch wenn eine erhebliche Anzahl junger Menschen sich in spirituellen Gruppen oder in sozialen Diensten und politischen Unternehmungen engagieren, bleiben diese Aktivitäten auf die Gesamtheit der jungen Generation bezogen, gering; einige Jugendumfragen bestätigen diesen Eindruck. Darin überwiegen die negativen Nennungen zum Begriff Kirche. Die Lehre, Liturgie und Ethik der Kirche sind vielen heutigen jungen Menschen weitgehend unverständlich und für ihre Entscheidungen kaum relevant. Bei den jungen Menschen herrscht weitgehend ein institutionelles und funktionales Bild von Kirche, das "auf Amtsträger, Strukturfragen, Liturgie und Sakramente" verengt ist. Die Entfremdung zwischen Jugend und Kirche zeigt sich auch am Indikator Gottesdienstbesuch sichtbar, wobei hier das Verhältnis zur Kirche und deren Lebenspraxis sichtbar wird. Sowohl die SHELL-Studie '85 als auch die unterschiedlichen Erhebungen des Instituts für Demoskopie in Allensbach bestätigen in ihren Ergebnissen die Abstinenz sehr großer Teile der jungen Generation vom Lebenszentrum christlichen Glaubens: 77 % der befragten katholischen männlichen und 71 % der weiblichen Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren sagen laut SHELL '85 aus, sie würden "gar nicht" am Gottesdienst teilnehmen. Nach Allensbach sind es 16 % der jungen Katholiken im Alter von 16 bis 29 Jahren, die 1980 regelmäßig zur Kirche gingen, während immerhin 60 % "selten" oder "nie" den Gottesdienst besuchen. Damit bestätigt sich der Trend zu einer "entkirchlichten Jugendkultur". Die Kirchenbindung der jungen Generation ist damit kaum noch ausgebildet. Inwieweit dieser Verhalt schon als "Symbol der Loslösung von der christlichen Religion" betrachtet werden kann, ist nicht fest auszumachen und darf bezweifelt werden. Jedenfalls scheint sicher, "daß die ablehnende Haltung gegenüber einer 'kirchengebundenen Religiosität, basierend auf den Doktrinen der institutionalisierten Religion' ... rapide zugenommen hat".

3.2.2 Unkultuvierte Wahrnehmung von Kirche (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das gegenseitige Mißtrauen, in dem junge Menschen die wahrnehmbaren institutionalisierten Sozialformen der Kirchen als Hindernis ihrer Selbstwerdung beargwöhnen und umgekehrt die Kircheninstitutionen in den jungen Menschen, genauer hin in deren Verweigerung, eine radikale Ablehnung ihres Heilsdienstes sehen, macht einen gedeihlichen, konstruktiven und gemeinsamen Dialog unmöglich. Jugendliche sehen in der Kirche oft eine Institution, mit der "wenige konkrete Begegnungen" ablaufen, sie wird von ihnen als eine "gesellschaftliche Größe" wahrgenommen, "der sie gegenüberstehen". Viele junge Menschen haben "nicht das Gefühl, daß sie dazugehören". Ein erstes Anzeichen dieser Unkultur ist, daß Jugend und "Kirche" im allgemeinen Bewußtsein zuerst als sich gegenüberstehende bzw. voneinander fernstehende Parteien verstehen. Die Kirche erscheint in den Augen vieler Jugendlicher als eine religiöse Institution mit hoch modernen bürokratischen Zuschnitts Mit Religion und Glauben habe dies nichts mehr zu tun, so viele junge Menschen. Aus diesem Grunde ist es verständlich, wenn Jugendliche ihre Beziehung zur Kirche in derselben Art und Weise verstehen, wie sie dies auch bürokratischen Organisationen gegenüber tun: eben in funktionaler Art und Weise. Sie möchten in Ruhe gelassen werden, erwarten durchaus in sozialen und gesellschaftlichen Bereich der Kirche eine aussagefähige Darstellungsform. Besonders hinsichtlich des Friedens, gleichwohl lassen aber die gleichen jungen Menschen erkennen, "daß die Kirche mit ihren festen Formen und Traditionen eine Institution ist, die auf ihre Bedürfnisse nicht zugeschnitten ist". Vieles deutet daraufhin, daß die deutschen Kirchen durch ihre institutionalisierte Gestalt zusehends ihre evangelische Vitalität verloren haben und es erscheint offenkundig: "Wenn die Kirche nicht erfahrbar ist und der Glaube nicht erlebt werden kann, wird Kirche im günstigsten Fall nur noch als ein gesellschaftlicher Faktor unter anderen betrachtet."

3.2.3 Privatisierung des Glaubens und der Kirchenzugehörigkeit (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

G. DEHN beschrieb schon 1923 die Auflösung des ursprünglichen Verhältnisses von Kirche und Volk, und sah darin "jene Voraussetzung, von der her alles, was die Jugend sagt, begriffen werden muß. Dies ist keine Jugend, die im Schatten der Kirche aufgewachsen ist, es ist kritische, draußenstehende Großstadtjugend, die weiß, daß ihr Verhältnis zur Kirche ganz von ihrer eigenen subjektiven Entscheidung abhängt. ... Die Frage des Kirchenaustritts beschäftigt alle." Die damalige Entwicklung der Proletarierjugend in den Großstädten hat sich seit der siebziger Jahre auf weite Teile der Jugend ausgeweitet. Die SHELL-Studie '85 belegt, daß die Kirchenbeziehung weitgehend subjektiviert ist. Die Zugehörigkeit bzw. Distanz zur Kirche ist Ergebnis ganz individueller Entscheidungen. Damit ist Religion "zu einem Teil ihrer freien Lebensgestaltung geworden, ihrer Privatsphäre, und diesen Teil verteidigen sie mit derselben Vehemenz, mit der sie sonst ihr Privatleben verteidigen". Man kann davon ausgehen, daß die Distanzierung großer Teile der jungen Menschen zur Kirche und das subjektivierte Verhalten der Kirche gegenüber nicht in erster Linie nur Ablehnung bzw. Feindseligkeit bedeutet, sondern wahrscheinlich "Teil eines grundlegenden Verhaltensmusters, einer Überlebungstrategie in dieser komplexen Gesellschaft".

A. FEIGE meint zu dieser Subjektivierung, daß sie weit über den kleinen Kreis der kirchlich gebundenen jungen Christen hinausreiche. Diese kritische Skizzierung soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß die jungen Menschen nach wie vor hohe Erwartungen an die Kirche haben; sie halten sie wegen ihrer "positiven Funktionalität" für unverzichtbar. Trotzdem träfen kirchliche Verlautbarungen "auf Ohren, für die das Recht auf Skepsis selbstverständlich geworden ist, ja heute zum Überleben zwingend dazu gehört". Gleichwohl beschreibt FEIGE dies als Grundmuster der Kirchenbeziehungen junger Menschen:

• "Begleitung ohne doktrinären Herrschaftsanspruch

• Glaubensangebote ohne eiserne Abonnementverpflichtung

• Tröstung ohne versteckte Drohung

• Bestätigung des Menschseins statt permanenter Verunsicherung bei dem Bedürfnis nach menschlicher Lebenslust

• Praktizierung von Alltagswahrhaftigkeit statt Abforderung umfassender Gelöbnisse und fundamentaler Bekenntnisse

• Christlich sein wollen und christlich sein dürfen ohne ständig den Leistungsschein 'biblischer Christ' sonntäglich abliefern zu sollen

• Respektierung des persönlichen Freiheits- und Entscheidungs-spielraums bei gleichzeitiger Nutzung von Veranstaltungen, die Gemeinschaft, Gruppenleben und Geborgenheit anbieten aber nicht aufdrängen

• die orientierende Behandlung von Problemen, die in der Welt, vor allem aber im persönlichen Lebenslauf augenscheinlich und dringlich sind, auf eine nüchterne und sachverständige Weise, ohne die vereinnahmenden 'kirchlichen', die 'frommen Patentsprüche', die nach dem Urteil der Zuhörer an der Sache vorbereiten, das Problem nicht treffen."

Es gilt, daß die Kirche nicht gänzlich aus dem Bewußtsein der Jugendlichen verschwunden ist. Auf der Suche nach Vorbildern und Leitlinien wird die Kirche als mögliches exponiertes Feld von vielen jungen Menschen noch gesucht und angenommen. Gerade auf dem Hintergrund der subjektiven Erfahrung, daß die einseitig materiell-technologisch ausgerichtete Gesellschaft nicht alle, ja die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen nicht abdeckt, kommt die Kirche als gesellschaftlicher Träger christlicher Werte wieder ins Bewußtsein vieler Menschen. Es kann nicht bestritten werden, daß hohe Erwartungen an die Kirche bezüglich Lebensorientierung und -befähigung vieler junger Menschen und bezüglich ihrer Leit- und Korrektiv-Funktion für gesellschaftliche Fehltentwicklungen in hohem Maße bestehen.

 

3.2.4 Multireligiöse Kultur und kirchliche Bindungslosigkeit (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Krisendaten sind auf der Ebene kirchlicher Phänomenalität nur scheinbar eindeutig. "Krise der Religion" kann durchaus als Zeichen für die aktuelle Präsenz des Gottesbewußtsseins und nicht als dessen Verlust behauptet werden. So besehen verliert die "Krise" ihre Schrecken. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die die griechische Wurzel dieses Begriffs - an "krinein", was so viel wie "scheiden", "unterscheiden", "auswählen" bedeutet. Ihrem etymologischen Ursprung nach meint "Krise" keineswegs ein resignatives Dahindämmern oder Ableben, sondern eine höchst virulente Entscheidungssituation. Entscheidung aber setzt Alternativen voraus. Und je genauer diese Alternativen formuliert sind, je schärfer sie konturiert sind, desto bewußter kann die Entscheidung gemacht werden.

Zu Beginn der siebziger Jahre wurde kirchlicherseits das Entstehen religiöser Subkultur unter den Jugendlichen argwöhnisch betrachtet. Heute scheint diese Entwicklung nicht mehr "außenseiterisch", sondern ein fester Bestandteil moderner multireligiöser Kultur geworden zu sein. Die SHELL-Studie weist auf eine eindeutige Tendenz zur Nevellierung einer von den Konfessionen je eigenen gearteten Lebensvollzug hin. Die Studie weist weiter aus, daß die religiösen Vorstellungen junger Menschen noch aus der christlich geprägten Lebenssphäre entstammen, daß junge Menschen weitgehend die Religion als christlich verstandene Religion verstehen und Beeinflussung von außerhalb des Christentums kaum stattfindet. Trotzdem herrscht ein mehr philosophisch-abstraktes Gottesbild vor, das mit dem Gott der Bibel und mit Jesus Christus kaum Gemeinsamkeiten aufweist. Ebenso hat sich der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod "zu einem kulturellen Vorstellungsmuster verallgemeinert, deutlich von kirchlich-offiziellen Vorgaben gelöst". Hier werden die Schwierigkeiten für die christlichen Kirchen in Deutschland offenkundig, obgleich sie enorme katechetische Unternehmungen in Gang setzen und trotz des schulischen Religionsunterrichts, um die zentralen christlichen Glaubenswahrheiten an junge Menschen zu tradieren.

In Anbetracht der gesellschaftlichen Individualisierungs- und Enttraditionalisierungstendenzen sind ebenso die herkömmlichen Handlungstützen einer gläubigen Biographie nicht mehr tragfähig. Dadurch ist der einzelne darauf verwiesen, sein soziales und religiöses Tun in freier und eigener Auswahl zu gestalten. Desweiteren ist die Konfessionszugehörigkeit "in nahezu allen Merkmalsbereichen ... ohne strukturierende Kraft". Unterschiede ergeben sich nur innerhalb der kirchlich-religiösen Offenlegungen. Aus den gemachten Beobachtungen ergeben sich demnach ein "gesellschaftliche(r) Prozeß des Abschleifens der Bedeutung des Konfessionsunterschiedes ..., ein(..) generationsübergreifende(r) Wandel, der sich möglicherweise seit den sechziger Jahren vollzogen hat".

3.3 Die neuerlichen Entwicklungen: Ein Ausweg für eine jugendpastorale Handlungstheorie und Praxis?

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Aus den bisherigen Aussagen zum gesellschaftlichen Zusammenhang, ergeben sich fünf zentrale Vorgaben für zukünftiges jugendpastorales Tun der Kirche. Damit ist aber auch klar, daß damit nicht der Ist-Stand der Jugendpastoral gemeint sein kann, sondern ihr Soll-Wert, der Wert, der auf Gemeinde hin veränderbar sein muß. Also eine gemeindetheologische Handlungsorientierung einer Jugendpastoral; hierbei geht es um die Fragen der Jugendsozialarbeit und Heim- und Heilpädagogik und um die "Gemeinde als kirchliches Lebensfeld des jungen Menschen" um einen hermeneutischen Ausgangspunkt moderner Jugendpastoral, und damit einer "Theologie der Gemeinde".

3.3.1 Die Entwicklung der Identität als zentrales Problem des Jugendalters (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Zweifelsfrei ist es der Auftrag der heutigen Kirche einen unvoreingenommenen Beitrag zur Individuation junger Menschen zu leisten. In der modernen Gesellschaft steht die Entwicklung der Identität als zentrale Aufgabe des Jugendalters im Mittelpunkt. Im Bewußtsein der Zukunftskrise und der pluralistischen gesellschaftlichen Gegebenheiten, in denen das Individuum seine eigene Biographie fast allein erarbeiten kann und muß, ist es für viele junge Menschen - und nicht nur für sie - so einfach nicht mehr möglich eine eigene stabile personale und sozio-kulturelle Identität aufzubauen. Vielerorts zeigen sich Auswirkungen der Krise: im individuellen Werte- und Sinnverlust, in Lebens- und Zukunftsangst, in der zunehmenden Suizidgefährdung, im Drogen- und Medikamentenmißbrauch, in der ansteigenden Kriminalität, im Drogen- und Massenmedienkonsum u.s.w. In einer solchen Gegebenheit ist Kirche herausgefordert. Sie soll helfen, daß junge Menschen Identitätsfindung und Subjektwerdung finden können, und zwar einerseits durch Begleitung und pädagogische Beratung durch MitarbeiterInnen, und andererseits durch Angebote in der Gruppe, in denen junge Menschen miteinander sich helfen, Leben zu erfahren, zu verstehen, zu akzeptieren und dann zu gestalten. Hier liegt der Beitrag der kirchlichen Hilfe in einer Subjektwerdung im Hinblick des Glaubens. Dieser Dienst wird vor allem dann angenommen werden, wenn er nicht wieder geheimen Interessen dient, wie dies vielerorts heute für viele Identitätsmodule typisch ist. Es soll ein offener, selbstloser und verbindlicher Einsatz für das Werden junger Menschen und eine Handreichung für humane gesellschaftliche Verhältnisse sein.

Dies ist nur möglich, wenn bedacht wird, daß der theologische und pastorale Erkenntnisfortschritt stets von zwei Polen her kommt, "aus dem Blick auf die Situation und gleichzeitig aus dem Nachdenken über das uns anvertraute Evangelium". Das heißt für die Praktische Theologie eine Kairologie bzw. Kriteriologie, die nach der Fallgerechtigkeit bzw. der Handlungszielgerechtigkeit kirchlichen Handelns fragen muß. Die heutige Lebenssituation der Menschen macht die Aufgabe unumgänglich mit "der sich bisher die Kirche noch nicht konfrontiert sah: Die Kirche hat die Existenz und die Wirklichkeit Gottes zu bezeugen."

Vordringlich ist hier nach der "Methode" der Bezeugung Gottes durch die Gemeinde zu fragen, dann kommt unmittelbar das Stichwort Mystagogie ins Spiel. Dies ist m.E. die pastoraltheologische Handlungsorientierung für die Praxis überhaupt. Denn sie ist der Weg, auf dem Gottes Existenz und Wirklichkeit aufleuchtet. Damit können wir nicht absehen von der Person und dem Werk Jesu Christi, denn durch ihn können sich die Gemeinden für das Leben und für die Schaffung heiler Lebensentwürfe einsetzen.

 

3.3.2 Angebote der Biotope "gelebtes Leben" zur Absicherung einer Kinder- und Jugendwelt (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Unsere christlichen Gemeinden haben unter den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen eine prophetische Bewegung zu sein. Es geht um ein besseres Gelingen des Lebens durch den mächtigen Einsatz Gottes für unser Leben. Gerade im Hinblick auf den gegenwärtigen Prozeß der Individualisierung, Enttraditionalisierung und Vergesellschaftung, der die Basis menschlicher Subjektwerdung zerstört, ist kirchliches Handeln Fülle von Gesten und Zeichen, die alle darauf hinauslaufen, gestörtes, beeinträchtigtes, behindertes, erschöpftes Leben zur Fülle zu führen (Joh 10). Kommunikativ sind Identität, Sinn, Glaube und Kirche Bewegungen des Lebens die sich in Gemeinde äußern. Durch die Manöver der gesellschaftsdeterminierenden Kräfte des Marktes und des Kapitals, vereinzelt der Mensch und seine Entwurzelung aus lebensweltlichen Zusammenhänge wird immer manifester. Hier können nur dynamische christliche Gemeinden Lebensperspektiven eröffnen. Das Gegenwicht ist ein jugendpastorales Handeln der Kirche, das die Rettung des Subjekts auf dem Horizont der Botschaft Jesu Christi mit verursacht.

Es kommt heute darauf an, Räume der Kommunikation zwischen den Generationen zu schaffen, soziale Beziehungen zwischen allen Generationen zu ermöglichen, um daß sich Menschen aufeinander beziehen können; somit bewegen sie sich aufeinander zu, was Gott schon immer wollte. "Die Bewegung besteht darin, daß die Menschen sich aufeinander zubewegen, weil Gott sich auf sie zubewegt hat." Und hier wird es auch eine selbstbestimmte Kinder- und Jugendwelt geben können, die die Vereinnahmung durch die herrschenden Systeme der Märkte verhindert.

Also das jugendpastorale Handeln ermöglicht dynamische Gemeinde die gut ist für eine Kommunikation, in der Gegensätze und Spannungen des Lebens ausgehalten und zur Sprache gebracht werden können, damit in der grundlegenden Akzeptanz der Unterschiedlichkeiten sich keimhaft die Erfahrung verwirklicht, daß alle "einer" in Christus Jesus sind (Gal 3,28).

3.3.3 Außensteuerung und Standardisierung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Pastorales Handeln ermöglicht Subjektwerdung der Menschen unter den Augen Gottes. Durch den Prozeß der Individualisierung wurde der Mensch von traditionellen und sozialen Einbindungen befreit, wobei er sich aber gleichzeitig der Außensteuerung und der Standardisierung ausliefert. Die Fremdbestimmung durch Konsum und Ideologien sind an die Stelle der Abhängigkeit von Religion und Lebensmilieu getreten. Das jugendpastorale Handeln wird hier diese Abhängigkeiten aufzeigen und Subjektwerdung ermöglichen. Sie rückt in den Mittelpunkt der Gemeindeaufgabe; der einzelne ist der Mittelpunkt! Denn Gott liegt am Menschen in radikaler Weise. Die Ideologie der heutigen Zeit muß entlarvt werden: die Formel vom "Jung, dynamisch und erfolgreich sein", in der "die 30jährigen, die Dinks (Double Income, No Kids) und die Yuppies (Young, urban, professional) mit Beruf und ohne Kinder" führte den Menschen vielmals in eine Lebenslüge.

Das jugendpastorale Tun der Kirche muß hier einen Gegenpol setzen, wobei Christen mit den Jugendlichen über die tatsächlichen Gegebenheiten nachsinieren und das tatsächliche Leben in den Blick nehmen und aufschlüsseln, das das Evangelium und das kirchliche Leben durch die Jahrhunderte erschlossen hat. Es muß auch - und dies in erster Linie - die Benachteiligten, Kranken, Behinderte, die alten und pflegebedürftige Mitmenschen, die nicht erwünscht gezeugten Kindern, die Obdachlosen, die psychisch-somatisch gestörten Mitmenschen, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten in seine Arbeit mit hineinehmen. Das jugendpastorale Tun muß gegen den Trend steuern, gegen die Formel von "Konsum als Lebenszweck" angehen, da dies den Selbstwert des Menschen an den Konsum von Gütern und materiellen Werten bindet und auf Langzeitwirkung den Menschen psychisch tötet. Es darf nicht mehr gelten: "Ich bin, was ich habe und was ich konsumiere"; Hierbei muß pastorales Tun der Kirche der Formel vom "Wachstum ohne Ende", die den ungehemmten Gesetzen des Marktes das Wort redet und den Fortschritt von "Freiheit und Spaß" in den Lebensmittelpunkt stellt, vehement entgegentreten und durch neue evangeliale Lebensmodelle - die dynamische Gemeinde Vorort - glaubhaft darstellen, so daß die falsche Formel von der "Sicherheit", die vielen Menschen vorspiegelt, sie könnten sich gegen jedwedes Risiko versichern und die staatliche "innere Sicherheit" sei mit der Anhäufung von Ordnungskräften und der Ausgrenzung ausländischer Mitbürger und Mitbürgerinnen einfach zu leisten, entlarvt werden kann. Im Interesse eines gelungenen Lebens wird die Kirche in Zukunft mit der Hilfe vieler junger Menschen und erwachsener Christen den Beginn heilsamer Lebensverhältnisse initieren, um die basilaia Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei gilt es zu bedenken, daß Gemeinde niemals - und das war sie auch in der frühen Kirche nicht - Selbstzweck werden darf, sie ständiger Anruf der prophetischen Aufgabe sein muß und "sie ist ... der beharrliche (Weg der) Subjektwerdung der Kleinen und Armen, die Stunde sozusagen der kleinen Propheten und der Kleinen und anonymen Heiligen, und in diesem Sinne wohl auch die Stunde der Basis", zu sein hat.

3.3.4 Die radikale Einbeziehung der Benachteiligten (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das jugendpastorale Tun der Kirche geschieht im Geist Gottes als solidarische Menschheitsfamilie. Die verbandliche Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit verstand sich schon immer als Interessenwahrung der jungen Menschen. Gerade im Hinblick auf eine Wachstums- und Industriegesellschaft, die den Marktregularien von Angebot und Nachfrage unterworfen ist, wird für viele Menschen zu einer Risikogesellschaft. Es scheint, daß immer mehr Menschen, junge Menschen aus diesem Gesellschaftsrahmen herausfallen: die Behinderten und dauerhaft Kranken, die ausländische Kinder und junge Menschen, die psychisch Bedrängten und weniger Leistung erbringende Mitmenschen, die Kinderreichen Familien und die Alleinerziehenden, die alten und einsamen Mitmenschen. Damit stellt sich für das jugendpastorale Tun die erneute Frage nach einer Option für die Armen, die in ihren Lebensmöglichkeiten in vielerei Form benachteiligt sind.

Das bedeutet aber auch eine "Option für die anderen", also sich nicht selbst zum Maßstab für alle und für alles zu nehmen; bedeutet aber, nicht alles und alle gleich machen zu wollen.

Da deutet sich eine Art "Minderheitenschutz" an, und zwar im Sinne einer Beachtung und ein eintreten für nicht geförderte und unversorgte junge Menschen, die weniger leistungsfähig sind. Also es geht auch darum, die "Anerkennung der anderen in ihrem Anderssein". Den anderen anzuerkennen, bedeutet ja, auf jegliches Bestreben, ihn sich oder sich ihm anzugleichen und womöglich in die eigene zeitliche, räumliche und soziale Wirklichkeit zu integrieren, zu verzichten. Die anderen verstehen zu können, wird nur möglich, wenn man sich tatsächlich auf sie einläßt und versucht, sich soweit wie möglich in sie hineinzuversetzen, ihre Perspektive zu übernehmen, zumindest einnehmen zu können. Dafür ist aber eine Bereitschaft, sich selbst zu verändern und von den anderen verändern zu lassen, erforderlich. Dies ist eigentlich die Voraussetzung der diakonischen Arbeit für ein jugendpastorales Tun in einer "Zweidrittel-Gesellschaft".

3.3.5 Neue Wege der Tradierung des Glaubens und neue Formen religiöser Sozialisation (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das jugendpastorale Tun muß "Option für die anderen" sein. "Wenngleich die Entdeckung des anderen von jedem einzelnen übernommen werden muß und immer wieder von Neuem beginnt, hat sie aber doch eine Geschichte, gesellschaftlich und kulturell determinierte Formen." Es muß zu einer Neuevangelisierung kommen, und die zielt auf Umkehr. Umkehr heißt dann, jene Tradition freizulegen, die von Widerstand gegen ungerecht verfügtes Leiden und von einem nicht-unterdrückerischen Umgang mit anderen erzählen, und daran im eigenen Tun anzuknüpfen. Das ist die Option für eine subjektive "Aneignung" des Glaubens und eine neue religiöse Sozialisation. Das Individuum ist das Handlungszentrum und Glaubensbiographie. Verlangt ist ein Handlungsstil, der Jugendlichen eine "Verständigung" für die vielfältigen Konzepte und Alternativen und eine persönliche Entscheidung" möglich macht. "Dies setzt Chancen zur Konfrontation, zur Orientierung und zum sozialen (und religiösen) Lernen voraus." Das methodologische Prinzip verlangt demnach ein anderes Handlungsparadigma, nämlich: Statt Überlieferung - Aneignung des Glaubens.

Heutige sozialwissenschaftliche Identitätskonzepte gehen davon aus, daß das, was den Menschen angeht, die Frage, wer er ist, sich nicht im privaten Bereich, in einer Art Innerlichkeit entwickelt. "Der Weg zur Identität ist vielmehr ein dynamischer Vorgang mitten im belebten Feld vielfältigsten Austausches mit der ganzen Umwelt". Das heißt, daß sich Jugendliche nach und nach unbekannte Orte und Räume erschließen, die auch eine inhaltliche Qualität besitzen. In den Orten und Räumen sind Personen - Erwachsene wie junge Menschen -, die ihre je eigene Lebensart und -einstellung haben und darstellen. Indem die Jugendlichen sich auf die "Suche" machen, sich neue Räume und Orte zu erschließen, lernen sie auch soziale Bindungen und Themen kennen, die sie übernehmen bzw. sich mit ihnen auseinanderzusetzen; es geschieht Interaktion.

Deshalb gilt die Frage: Wie Formen und Wege geschaffen werden können, die solche Interaktionen und Handlungsräume ermöglichen. Die Frage geht weiter: Wie kann jugendpastorales Tun Jugendlichen "aneignungswerte" Räume zur Verfügung stellen, in denen eine "motivrelevante Glaubensvermittlung" möglich wird und in denen "nicht funktionsspezifische Merkmale, sondern solche der gegenseitigen Indentitätswahrnehmung dominieren." Die Kirche muß sowohl die biographische Identität als auch die kommunikative Handlungsfähigkeit des einzelnen mit ihrem Heilsdienst ermöglichen und unterstützen. Sie muß Raum zur eigenen Darstellung und Stellungsnahme geben. Kirche hat in ihrem jungendpastoralen Tun "Hilfe zu leisten, die eigene Situation (des Individuums) in (seiner) Widersprüchlichkeit zu buchstabieren, dabei sich selbst artikulieren lernen und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten zu erschließen, und zwar ohne das Bewußtsein der Verhinderer zu übernehmen ...". Dieses neue kirchliche jugendpastorale Tun ist auch ein erzieherisches Handeln, eine umgesetzte Option für die anderen, die durchaus auf die Befreiung des bzw. der einzelnen aus allen Abhängigkeits- und Unterdrückungsverhältnissen hin zu individuellen Autonomie zielt. Also eine Lebensform, die Anderssein und Verschiedenheit nicht als Bedrohung abwehrt und ausschließt, sondern als gemeinsame Bereicherung gelten läßt und unterstützt. Das ist ein neuer und zweifacher Anspruch der an Kirche gestellt wird. Kirche braucht "Augen für die anderen" besonders in ihrem jugendpastoralen Tun. Denn es ermöglicht dann wahre Subjektivität, die wesentlich relational ist; "sie findet sich mitten in den komplexen und schwierigen Beziehungen des Dasein verankert." Jugendpastorales Tun hat als vorrangiges Anliegen, die Augen für die anderen zu öffnen.

  1. Handlungskonzept der Evangelisierung - Religiöse Erziehung zwischen Kirche und Gesellschaft - (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Religiöse Erziehung findet heute hauptsächlich im Kontext statt, der sowohl kirchlich als auch gesellschaftlich und sozial bestimmt ist. Damit sind auch mit dem schon vorhergesagten die Grundpfeiler eines zukünftigen pastoralen Tuns und dessen Grundlegung umrissen und macht Chancen aber auch Grenzen der religiösen Erziehung sichtbar. Es stellt sich die radikale Frage: Ist jemand, der sich von allen Vorurteilen freimacht, der sich auch nicht an die Sicherheit gewährenden Erkenntnisse der Wissenschaft verpflichtet, sondern die Relativität und Bewegtheit des Lebens akzeptiert, ist der nun nicht der Wirklichkeit auf dem Grund gekommen, ist er nun nicht wirklich "nicht mehr hinterfragbar"?

"Es ist entzückend sich vorzustellen, daß die menschliche Natur immer besser durch Erziehung entwickelt werde, und daß man diese in eine Form bringen kann, die der Menschheit angemessen ist. Dies eröffnet uns den Prospekt zu einem künftigen besseren Menschengeschlechte." So versteht Kant seine Pädagogik, und damit formuliert er das Ethos, dem sich die Pädagogik seit ihrer Emanzipation von der Theologie verpflichtet weiß.

Was aber die wahre Natur des Menschen sei, welche Form der Menschheit angemessen ist, das war dabei stets ihr zentrales Problem und ist es auch heute noch, wenn wir Evangelisierung ernst nehmen. Es bleibt die Aufgabe systematisch weiter eine Klärung zu betreiben, und das hier auf der Grundlage des Handlungskonzeptes der Evangelisierung, die durch das Apostolische Schreiben Papst Pauls VI. evangelii nuntiandi (EN) vorgelegt wurde. Daran schließen sich dann die Grundlinien eines evangelisierenden jugendpastorales

Tun an, die anhand der Salesianer Don Boscos systematisch aufgeschlüsselt und durch Handlungsfelder dargestellt werden

4.1 Evangelisierung als Aufgabe an der Jugend - Gemeindepädagogik als Ansatz gemeindlicher Konzentration? -(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Auch religiöse Erziehung ist, wie immer man sie versteht und wo immer sie geschieht, auf Verständigung angewiesen, sie lebt davon. Darüber täuschen keine noch so wissenschaftliche Projekte und Handlungstheorien hinweg. Religiöse Erziehung, hier Religionspädagogik, kann nur gelingen, wenn der "Zusammenhang von Leben, Glauben und Lernen" aufgearbeitet und in der Praxis pastoralen Tuns gewahrt wird. In diesem Kontext muß es deshalb klar werden, daß religiöse Erziehung nur dann gelingen kann, wenn ihre doppelte Zugehörigkeit zu Theologie und Pädagogik gewahrt bleibt. Es ist sinnvoll, wenn dies stimmt, daß die religiöse Erziehung allgemein gesellschaftlich bzw. allgemeinpädagogisch begründet sein muß; ebenso deshalb auch, wenn sie den Ansprüchen auf religiöse Freiheit des einzelnen und auf die sachliche Qualität pädagogischen Handelns genügen soll. Das heißt: Religiöse Erziehung muß unter neuzeitlichen Bedingungen sowohl kirchlich und theologisch als auch gesellschaftlich und pädagogisch zu verantworten sein. So ist religiöse Erziehung in Bezug von Theologie (Praktische Theologie), Humanwissenschaften und Pädagogik zu denken. Die Pädagogik gehört mit der Medizin, der Rechtsprechung, der Theologie, der Volks- und Betriebswirtschaft u.a. Disziplinen zu den Wissenschaften, die auf eine Praxis bezogen sind sich erst in der Praxis wahrhaft erfüllen. Damit gilt, daß Pädagogik wie die Praktische Theologie als Wissenschaft nichts anderes zum Inhalt haben kann, als Einsicht und Wahrheit, die geschehen und sich verwirklichen soll. Sie ist entweder "Theorie einer Praxis", oder sie erübrigt sich. Damit ist sie eine "pragmatische" Wissenschaft. Also kann Pädagogik als Wissenschaft von der Erziehung keinen anderen Inhalt haben als das kritisch gesichtete und einheitlich geordnete Wissen von den erzieherischen Unterstützungen für die Menschwerdung des Menschen. P. HÄBERLIN formuliert die Pädagogik "als Theorie der Erziehung, Besinnung darauf, wie die pädagogische Praxis sich zugestalten habe."

Wie die Praktische Theologie ist die Pädagogik darauf verpflichtet, wenn sie ihre Arbeitsfelder ernst nehmen als Wissenschaften, wissenschaftlich gesicherte Erfahrungen zu gewinnen, d.h. mit methodisch bewußten und überwachten Mitteln pädagogische wie pastorale Erfahrungen zu erstellen, wissenschaftlich zu sichern und auf diese Weise tatsächlich Theorie einer Praxis zu werden. Beide Wissenschaften können ihre Grundlagenforschung von der Anwendungsforschung nicht trennen.

Wir wollen damit feststellen, daß eine Theorie der Pastoral und der Pädagogik, die nicht zugleich genuin pädagogische Forschungsprogramme, Forschungsprinzipien, Forschungskategorien- und methoden erarbeitet, eine sterile Theorie bleibt. Nicht weil die empirischen Methoden versagen, sind viele empirische Untersuchungen ohne Aussage, sondern weil die Pädagogik und die Pastoral über keine Theorie verfügen, die eine pastorale und pädagogische Forschung ermöglicht. Pastorale und pädagogische Forschung hat einen autoritätskritischen Hintergrund. Wer will sich schon objektiv kontrollierbar machen?

Th. LITT macht für unseren Fragenkomplex eine bedeutsame Aussage, die auch heute noch gilt: "Eine angebliche 'Wissenschaft', die dem Menschen einredet, er müsse die sein Leben regierenden Gesetze ausfindig machen, um dann, von der Kenntnis dieser Gesetze geleitet, sein Leben in die ihm angemessene technische Behandlung zu nehmen, hilft an ihrem Teile eine Entwicklung vorwärtszutreiben, die in der Selbstzerstörung der Menschheit endigen muß." Gehen damit Pädagogik und Pastoral nicht die gleichen Wege? Wenn das Gesagte zutrifft, dann müssen wir den Menschen in Freiheit wollen, ihn aber auch befähigen diese existentiell zu leben.

Meines Erachtens treffen die Aussagen von M.J. LANGEVELD auch auf die Praktische Theologie zu, die er für die Pädagogik macht: "Die Pädagogik wird philosophisch sein oder überhaupt nicht sein" und "die Pädagogik wird empirisch sein oder überhaupt nicht sein." Ebenso ist dabei W. DILTHEY Recht zu geben, wenn er formuliert, wo "aus Erkenntnis dessen, was ist, die Regel über das, was sein soll" entspringt.

Darum gilt heute mehr denn je: "Daß der Mensch ein Wesen ist, das erzieht, erzogen wird und auf Erziehung angewiesen ist, ist selbst eines fundamentalsten Kennzeichen des Menschenbildes." Hat das jugendpastorale Tun das immer so bedacht? Auf diesem Hintergrund gestellt ist Evangelisierung heute ein vielversprechender Handlungsansatz in Theorie und Praxis für ein jugendpastorales Tun. Dabei ist auf die Rezeptionsproblematik des Begriffs der Evangelisierung bei uns hinzuweisen.

Das Apostolische Schreiben evangelii nuntiandi schreibt konsequent die pastoralen Grundideen des II. Vatikanums fort und verdeutlicht auf angemessene Weise dieses jugendpastorale Tun - nämlich: in Wort und Tat - zu verkündigen, "ob gelegen oder ungelegen", und zwar in der Tradition der Frohen Botschaft und gegenüber den Menschen guten Willens. Darüber hinaus ist es aufschlußreich, daß evangelii nuntiandi der in den vorigen Kapitel aufgezeigten Ekklesiologie des II. Vatikanums entspricht und demnach den neuzeitlichen sozio-kulturellen Gegebenheiten einer sich entwickelten Moderne näher kommt. Deswegen eignet sich das Apostolische Schreiben hervorragend als Grundidee für eine jugendpastorale Theorie und Praxisbegründung.

Dabei ist aber auch zu bedenken, daß davon kein Allheilmittel gewonnen werden kann. Denn die Problematik der Identitätsermöglichung und -findung ist Selbsterfahrung und -findung für die jungen Menschen heute in radikaler Art und Weise. "Man sieht nur mit dem Herzen gut" - freiheitliche Erziehung im Sinne der Aufklärung fordert Gleichheit aller, und wissenschaftliche Erkenntnis fordert ein gewisses Maß an Distanz - beides schließt sich nun auf, entzieht sich wahrscheinlich das unverwechselbare "Du" des Kindes, des jungen Menschen notwendig aller wissenschaftlichen Erkenntnis und ist nur der Liebe erreichbar?

Geht es der Theologie, der Erziehungswissenschaft wie dem Zauberlehrling Goethes: Die Geister, die sie als Kind der Aufklärung gerufen hatte, wurde sie nicht wieder los. Angetreten, alles zu hinterfragen, machte dieses Fragen auch vor der "Natur" des Kindes, vor "letzten Werten", vor der Selbstgewißheit des Geistes und vor evidenten Erfahrungen nicht halt. Damit wurden Propaganda und Massenmedien zum Felde des Ringens um Macht und Einflußsphären, und dieses Streben wurde auch die Erziehung, die religiöse Erziehung nur zu leicht hineingezogen.

Die Philosophen des Dialogischen, Ferdinand EBNER, Franz ROSENZWEIG, Martin BUBER haben in den zwanziger Jahren, Viktor FRANKL und Franz FISCHER in der zweiten Jahrhunderthälfte einprägsam der Eigenart und der Struktur dieses "Du"-Bezuges nachgespürt, von dem sie dachten, daß allein in ihm der Mensch zu sich selber finden und eine "bessere", brüderliche Gesellschaft sich aufbauen könne.

Martin BUBER unterschied den "Du"-Bezug vom "Es"-Bezug. Er dachte wohl, es sei das unabwendbare Schicksal des modernen Menschen, alles zum "Es" zu machen, alles zu verobjektivieren, darüber zu verfügen, planend die Welt zu gestalten. Doch er wußte, daß wohl davon auch das Umgehen des Menschen untereinander nicht davon herauszuhalten sei, daß es bedeutsam sei, die Kräfte des Menschen anzunehmen in ihrem Können und in ihrem Funktionsablauf, um sie richtig und vernünftig einbringen zu können, daß sie nicht auflösend wirken, daß es einfach bedeutsam sei, die Verhalten- und Handlungsweisen richtig einzuordnen, um einen möglichst geordneten zwischenmenschlichen Ablauf zu ermöglichen. Doch dabei redete er den Menschen an, diesen "Ich"-"Es"-Bezug immer wieder bedenkend und hinterfragend und mit ihm in einen dialogischen Bezug zu treten. Damit legen Buber und die anderen Philosophen auf die Struktur des "Du"-Bezuges und auf das pädagogische Ethos für unsere moderne Zeit einen enormen Wert.

Hiermit ist das Handlungsfeld der wissenschaftlichen Pädagogik doch sehr komplex. Es scheint so, daß Erziehungswissenschaft eine zweifache Aufgabe zu bewältigen hat: Einmal in Zusammenspiel mit den empirisch-anthropologischen Nachbarwissenschaften soll sie menschliches Tun und Handeln sowie die menschliche Lernfähigkeit methodisch sorgsam aufschlüsseln. In Verbindung mit der philosophischen Anthropologie bemüht sie sich, das Ethos, dem der Praktiker verpflichtet ist, für die Moderne auszulegen.

Es muß aber bewußt sein, was BUBER 1925 schrieb: "... daß trotz alledem in dieser Stunde, wie in jeder, in die Schichtung des Vorhandenen das noch Ungewesene einbricht ... noch ungewordene, werdebereite Seelen, - Schöpfungsbegebnis, wenn eines ... diese Gnade des Wieder-, des Immer-wieder-, des Noch-immer-anfangen-Dürfens. Welche größere Sorge könnten wir hegen, bereden als die, wie es wohl zu geschehen vermöchte, daß diese Gnade fortab nicht wie bisher vertan werde, daß die Neuung sich zur Erneuung wahre." Er fährt fort: "Dies brüchige Leben zwischen Geburt und Tod kann doch eine Erfüllung sein: wenn es eine Zwiesprache ist."

Hier deutet sich an, was in Zukunft geschehen muß: das Gespräch zwischen der Theologie und der Pädagogik, zumindest muß es weiter vertieft werden. Geht es in der Theologie um die Beziehung Gottes zu den Menschen, so geht es in der Pädagogik um die "Du"-Beziehung zwischen zwei Menschen. Denn alles pädagogische Handeln wendet sich an einen Menschen, der verletzbar, zweideutig und nicht unendlich ist. Theologie hat aber dazu noch mehr zu sagen. Sie spricht von einem Bezug, in dem die Gebrechlichkeit des Menschen aufgefangen ist von einem Gott der alle erlöst hat; sie spricht darüber, daß dieser Bezug schon immer verwirklicht ist und in ihm alle menschlichen Bezugspunkte grundgelegt sind.

Es muß gelingen, daß das komplizierte und spannungsgeladene Gebilde der wissenschaftlichen und der Reflexionsaussagen auf der einen Seite sowie der theologischen Zusagen auf der anderen Seite einfach zur Rede zu bringen, dann ist der Dialog am Puls der Zeit, dann entsteht Handlungs- und Sprachkompetenz, dann wird Raum geschaffen für Glaubenserfahrung.

4.1.1 Evangelisierung als Aufgabe an der Jugend (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

In Joel 3,1 wird formuliert: "Dann wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure junge Männer haben Visionen." Die Kirche selbst ist immer wieder selbst der Adressat der "Evagelisierung". Und ihre Identität nimmt zu, als sie nicht nur Umkehr und Buße predigt, sondern diese auch selbst praktiziert. Es bleibt eine vordringliche Aufgabe der Kirche, jene Traditionen offenzulegen, die von Widerstand gegen ungerecht verfügtes Leiden und von einem nicht-unterdrückerischen Umgang mit anderen erzählen, und daran im eigenen Tun ansetzt.

Evangelisierung bedeutet radikal: "Das konstitutionelle Mit-Anderen-Sein ... das authentische Ichsagen."

Evangelii nuntiandi meint mit Evangelisierung "zuallererst, auf einfache und direkte Weise Zeugnis zu geben von Gott, der sich durch Jesus Christus geoffenbart hat im Heiligen Geist. Zeugnis davon zu geben, daß er in seinem Sohn die Welt geliebt hat; daß er in seinem menschgewordenen Wort allen Dingen das Dasein gegeben und die Menschen zum ewigen Leben berufen hat." Dieses Tun ist, wie Paul VI. sagt, "die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität". Die Kirche hat die Aufgabe, "die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluß von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern. ... Es gibt keine neue Menschheit, wenn es nicht zuerst neue Menschen gibt durch die Erneuerung aus der Taufe und ein Leben nach dem Evangelium. Das Ziel der Evangelisierung ist also die innere Umwandlung."

Das hier beschriebene Handlungskonzept ist nicht auf eine katechetische Methode zu reduzieren. Obgleich die Wortverkündigung in Kerygma, Predigt und Katechese eine große Rolle spielt, ist sie doch nur ein Aspekt jener umfangreichen, vielfältigen und dynamischen Wirklichkeit, die die Evangelisierung offenlegt. Tat und Wort, Gemeinschaft, Sakrament und ureigene Sendung sind in ihr verschränkt. Hierbei muß sich die Verkündigung "vor allem durch ein Zeugnis" darstellen: nämlich durch das gelebte Zeugnis eines transparentes Lebens, das durch sich selbst spricht. Dann weckt es brennende Fragen und "ist bereits stille, aber sehr kraftvolle und wirksame Verkündigung der Frohbotschaft." Das Wort ist das Spezifikum, da es keine tatsächliche Evangelisierung gibt, "wenn nicht der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von Jesus von Nazaret, des Sohnes Gottes, verkündet werden." Aber alles hängt ab von der "Zustimmung des Herzens", inwieweit die Evangelisierung den einzelnen Menschen erreicht und in ihm neues Leben bewirkt, so wie dies das Evangelium eröffnet. Die Menschen aber, die sich dieser Botschaft hingeben, werden lebendige Mitglieder der Gemeinschaft der Christen. Sie haben neues Leben und sind bereit das Tun der Evangelisierung mitzurealisieren durch ihr eigenes neues Leben, das beispielhaft wirkt und Freiheit offen läßt. So ist Evangelisierung "ein vielschichtiges Geschehen mit verschiedenen Elementen: Erneuerung der Menschheit, Zeugnis, ausführliche Verkündigung, Zustimmung des Herzens, Eintritt in die Gemeinschaft und Einsatz im Apostolat. Diese Elemente ... ergänzen und bereichern ... sich gegenseitig. Man muß jedes einzelne von ihnen stets in seiner integrierenden Funktion zu den anderen sehen."

Die Voraussetzung dafür ist aber zweifelsfrei, die eigene Evangelisierung der Kirche. "Je größer die Worte, desto eher kann sich Fremdes in ihnen verstecken." Was heißt das nun? Die Gefahr, daß wir uns mit großen Worten aus der Pflicht stehlen ist groß, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Wir sind alle Kirche, deshalb gilt nicht nur für die Amtsträger, sondern auch für alle Christgläubige, daß wir uns zu Christus bekehren müssen, denn durch unser Versagen erleidet die Evangelisierung große Einbußen, wo wir Christen die Frohbotschaft nicht glaubhaft leben. Für die Christen ist daher "das Zeugnis eines echt christlichen Lebens mit seiner Hingabe an Gott in einer Gemeinschaft ... und gleichzeitig mit einer Hingabe an den Nächsten in grenzenloser Einsatzbereitschaft der erste Weg der Evangelisierung."

Durch das Handeln und Verhalten geschieht Evangeliserung, deshalb ist "das gelebte Zeugnis der Treue zu Jesus, dem Herrn" und ebenso "das gelebte Zeugnis der Armut und inneren Loslösung und der Freiheit gegenüber den Mächten dieser Welt" eine hervorragende Bezeugung. Das Gelingen der Evangelisierung hängt davon ab, inwieweit die Christen die eigene innere Erneuerung durch die Frohbotschaft leisten und bereit sind, ins Leben umzusetzen. Evangelii nuntiandi nennt in bezug auf das Konzilsdekret über die Missionstätigkeit der Kirche (AG 35) die Kirche insgesamt als missionarisch und benennt als Hauptpflicht die Evangelisierung des Gottesvolkes. Evangelisierung ist somit nicht nur "das individuelle und isolierte Tun eines einzelnen", sondern "es ist vielmehr ein zutiefst kirchliches Tun. ... Die ganze Kirche ist Träger der Evangelisierung." Das gesamte Gottesvolk - die Amtsträger, die Ordensleute, die Laien, Frauen wie Männer, die Familien und die jungen Menschen - sind in diesem Geschehen gemäß ihrer Begabung eingebunden und gefragt. Inwieweit die herkömmliche Art und Weise des Amtes so weiter gedacht werden kann, wie dies bei vielen heute geschieht, scheint mir hier sehr fraglich, da gerade dieses Ämterverständnis einer Evangelisierung mehr hemmend als helfend gegenübersteht.

Papst Paul VI. gibt der Familie eine besondere Rolle in diesem Geschehen, denn er schreibt: "Wo das Evangelium ins Leben übersetzt wird und wo daher dieses Evangelium aufleuchtet" ist sie ein vortrefflicher Raum dafür. Ebenso sieht er in den jungen Menschen eine große Hoffnung, daß sie "selbst im Glauben und Gebet fest begründet, immer mehr selber zu Aposteln für die Jugend werden müssen." Eine herausragende Rolle spielen auch die kirchlichen Basisgemeinden. Sie sind "eine Hoffnung für die universale Kirche", und das besonders im Hinblick, wie sie die Frohbotschaft praktizieren, der Destruktion widerstehen, die Einheit mit der jeweiligen Ortskirche und deren Oberhirten pflegen, missionarisch arbeiten und "sich in allem dem Ganzen verpflichtet fühlen und niemals sektiererisch werden." Evangelisierte und evangelisierte Gemeinden sind von großer Bedeutung für die Evangelisierung. Denn jene Christgläubige vereinigen sich "im Namen Jesu, um gemeinsam das Reich zu suchen, es aufzubauen, es zu leben. Sie bilden eine Gemeinschaft, die ihrerseits evangelisiert."

In diesem Begründungszusammenhang sind Basisgemeinschaften der Puls für eine evangelisiernden Pastoral.

Evangelisierung ist somit eine ganzheitliche Befreiung durch das Evangelium. Das kann aber nur heißen, eine Befreiung sowohl aus "wirtschaftlicher, politischer, sozialer oder kultureller (Bedrohung) das ebenso auch die religiöse Befindlichkeit des Menschen, seine "Öffnung auf das Absolute, das Gott ist", beinhaltet. Evangelisierung bedeutet demnach auch ein Hereinnehmen der diesseitigen Probleme der Menschen wie auch seine letzten Fragen. Es würde die Evangelisierung verkürzen, wenn sie sich nur auf die religiösen Fragen reduzieren ließe.

Wenn Kirche Kirche ist, dann obliegt ihr auch das Mitsorgen für die Befreiung des Menschen in seiner Ganzheit seiner menschlichen Existenz. Die Aussagen der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz von Puebla untermauert die Gundlinien von evangelii nuntiandi und schreibt: "Das Gottesvolk steht als universales Sakrament der Erlösung ganz im Dienste der Gemeinschaft der Menschen mit Gott und der Gemeinschaft der Menschen untereinander (vgl. LG 1). Daher ist die Kirche ein Volk von Dienenden. Ihre besondere Art zu dienen besteht in der Evangelisierung. Diese ist ein Dienst, den nur die Kirche leisten kann. Die Evangelisierung legt ihre Identität und die Unverwechselbarkeit ihres Beitrages fest. Der Dienst der Evangelisierung der Kirche ist auf alle Menschen ohne Unterschied gerichtet. Doch muß sich in diesem Dienst immer die besondere Liebe Jesu für die Ärmsten und die Leidenden widerspiegeln." Das bedeutet schlicht auch, die Schaffung von menschwürdigen und gerechten gesellschaftlichen Bedingungen ebenso wie die Umkehr des inneren Menschen, um eine gerechtere Welt schaffen zu können.

 

4.1.2 Praxisbezug einer evangelisierenden Kirche (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das Handlungskonzept in evangelii nuntiandi ist maßgebend für das jugendpastorale Tun der Kirche und heißt: Jugendpastorales Tun charakterisiert sich durch ein evangelisierendes Verhalten und Handeln der Christen bzw. Kirche mit, an und durch Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene. Dabei soll den jungen Menschen die Fülle der Lebensentwürfe, Meinungen, Sinnangebote, die das Evangelium aufschlüsselt, in eigener Entscheidungsfreiheit angeboten werden zu prüfen, zu experimentieren, um dabei Subjektwerdung und Identität zu erfahren, und dann ihre eigene Berufung im Hinblick auf das neue Volk Gottes annehmen zu können. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, ihr Leben und ihren Glaube als gesellschaftskritische Dimension zu erfahren und dazu auch ihre ureigene Leistung einbringen. Nur so kann heutige Kirche zum Heilszeichen und Promotor einer Gesellschaft und eines Orientierungsverlanges werden, die sie auch im Zeichen der Liebe geben kann und will. Inwieweit diese Zielstrecke zu protzig gedacht ist, wird die Zukunft und die Praxis erweisen müssen; jedenfalls scheint sie eine Neubesinnung; Theorie und Praxis waren noch nie leicht aufeinander abzustimmen, wie dies ja durch evangelii nuntiandi aufgezeigt wurde. Was ist daraus geworden in der kirchlichen Praxis?

Das evangelisierende jugendpastorale Tun kann durch sechs Markierungen näher bestimmt werden. Sie sind dazu gedacht, das jugendpastorale Tun in den Gemeinden vor Ort zu überprüfen, neu zu bedenken und zu verändern.

4.1.2.1 Die Pastoral der Kirche umfaßt den ganzen Menschen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Ganzheit des Menschen, auch wenn sie zunächst in Besinnung auf die uneinholbare Beziehung zwischen Gott und Mensch theologisch motiviert und im explizit seelsorglichen Rahmen praktiziert wird, bezieht sich notwendigerweise auf die Identitätsbildung als ganze, weil eben die mystgogisch (K. RAHNER) gedeutete Ganzheit des Menschen per definitionem den Anschluß des jeweiligen Menschen an die alle expliziten Glaubensformen nicht zu ihrer Bedingung machen und sich somit auch nicht auf eine Dimension der Person beschränken darf.

Die Sendung der Kirche ist tatsächlich von religiöser Natur, doch nicht allein auf den religiösen Bereich beschränkt. Das pastorale Tun der Kirche hat den ganzen Menschen in all seinen Befindlichkeiten und Seinsweisen im Blick: wirtschaftlich, politisch, sozial, kulturell und religiös. Es wird offenbar, daß Gottes Heil in erster Linie in der weltlichen Verlaufswirklichkeit in Heilserfahrungen von Menschen abläuft, daß die sozi-kulturelle Geschichte der Punkt ist, "an dem der Streit um Heil oder Unheil ausgetragen wird", das dann jugendpastorales Tun hinsichtlich der individuellen, gesellschaftliche und ökologischen Dimension zu differenzieren hat.

Ein erste Option jugendpastoralen Tuns ist die "Anerkennung der anderen in ihrem Anderssein"; d.h. aber auch, "nicht jedes Anderssein ist ... legitim, und nicht alle religiösen Heilslehren sind wahr. Die Andersheit des Unterdrückers, auch die einer unterdrückerischen Religion, die einem Volk oder einem Individuum gegenüber lebensfeindlich ist, ist illegitim und asozial." Nicht auf die Andersheit als abstraktes Objekt, sondern auf die anderen als konkrete Subjekte bezieht sich die Anerkennung. Ihr korrespondiert ein Praxisbezug des Miteinander-Teilens und Einander-Mitteilens, die niemanden ausschließt.

Die These von der konstitutiven Angewiesenheit des Ichs auf die anderen für die eigene Subjektwerdung wirft unweigerlich die Frage nach einer dem entsprechenden Erziehung auf, die unabdingbar auch die religiöse Erziehung betrifft. Es gilt sicherlich, daß die Entdeckung der anderen ein lebenslanger Prozeß darstellt und offenkundig in unterschiedlichen Entwicklungsphasen abläuft. A. HORSTMANN macht in seiner Studie auf den Befund aufmerksam, daß das Erkennen der anderen in ihrem Anderssein keineswegs unweigerlich ihre Anerkennung einschließt, sondern auch zu ihrer Überlistung und um so sublimerer Unterwerfung angewendet werden kann. Kann Erziehung, und bei unserem jugendpastoralen Tun handelt es sich ja auch darum, dazu beitragen - und wenn ja, wie kann sie es -, daß es zur Entdeckung des anderen als eines dem Ich ebenbürtigen, aber von ihm verschiedenen Subjekts kommt und nicht bloß zu einer Assimilation an das eigene Ich? Oder trifft möglicherweise der Vorwurf der "Antipädagogik" zu, daß die Erziehung selbst ein höchst sublimer Prozeß der Ausschaltung der anderen und ihrer Gleichschaltung an die vorherrschenden Standards sei?

Wie die Ausführungen zeigen, sind die beschriebenen Gefahren auch für unser jugendpastorales Tun in Theorie und Praxis zu kalkulieren, wie es die Würzburger Synode beschrieb, nämlich die kirchliche Jugendarbeit als Dienst am einzelnen jungen Menschen und als gesellschaftliche Diakonie zu verstehen.

Weiter ist sicherlich für unser jugendpastorales Tun der "Aufbau einer Kultur der Gemeinschaft und Mitwirkung" notwendig; was heißt, die Augen für die anderen zu öffnen. Es hat weiter zu zeigen, daß Religion das Bewußtsein von Grenze in zweifacher Hinsicht aufzeigt: Im Blick auf die Wahrnehmung von Welt, die als verbesserlich und als erlösungsbedürftig wahrgenommen und nicht als gut hingenommen wird, und im Blick auf die Selbstwahrnehmung, die auf die Fragmentierung und Gebrochenheit menschlichen Identitätsstrebens achtet. Darüberhinaus bleibt ein erhebliches Spannungsverhältnis zwischen kirchlicher Tradition und personalem Sein, das so einfach nicht entkrampft werden kann. Junge Menschen sind nicht nur SchülerInnen, Azubis u.dgl.m. die mit Wissen angehäuft werden müssen, sondern sie suchen nach Orientierung, die in einer "informierten" Welt einen Weg finden müssen, um in der Fülle der Informationen nicht unterzugehen, sonden "Ich" werden zu können. Menschen, die ja und nein sagen können und eigene Verantwortung zu übernehmen bereit sind. Hier geht es um "Verstehen", um "Sich-selbst-Verstehen", um Phantasie und eben um Verantwortung. Die Frage spitzt sich zu: Wie kann es zu einem "Verstehen" kommen, das Einverständnis ist und Handlungsanweisungen beinhaltet?

Weiter stellt sich die Frage, wie gelingt es einem jugendpastoralen Tun, daß es von den jungen Menschen angenommen wird? Ein Ansatz wäre, daß Kirche in ihrem Tun die kleinen selbstbestimmten Gruppen annimmt und stärkt, da sie dadurch die Identitätsfindung mitunterstützt, wobei sich hier auch die Möglichkeit anbietet für die Tradierung von gesellschaftlichen Werten, sozialen Verhaltensweisen und Geltungen hinsichtlich der "Rekonstruktion kulturellen Wissens." Die dialogische Kommunikation heutiger Menschen im größeren Zusammenschluß erlaubt es, die "Basisregeln" des menschlichen Seins zuerfahren, ein Bewußtsein über die momentanen gesellschaftlichen Gegebenheiten zu erarbeiten, um humanes Leben und gestalten und uns für die uns übergebenen Welt einzusetzen.

Des weiteren ist der Aufbau von Basisgruppen eine binnenkirchliche Chance. Durch dieses bereitstellen von Möglichkeiten für junge Menschen erfahren diese communio und feiern Feste und erfahren Evangelium im Miteinander. Intensive und häufige soziale Kontakte unter Jugendlichen und zwischen den Generationen kommt dem Gedanken der Evangelisierung sehr nahe und liegt eigentlich auch im Interesse aller Menschen. Nur bleibt dabei die Frage: Wie kommen wir zu den Menschen? Was muß getan werden, um daß sie diese Angebote wahrnehmen und annehmen? Möglichkeiten gibt es in unseren christlichen Gemeinden schon heute; sie werden aber von vielen jungen Menschen gar nicht wahrgenommen. Hat unsere Kirche überhaupt noch Anteil am wirklichen Leben?

Es bleibt auch vordringliche Aufgabe "die Förderung einer Haltung des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung" im jugendpastoralen Tun festzumachen. Es scheint tatsächlich so, daß "die Zukunftskrise ... Bedingung und Dynamik der... Lebensphase (der jungen Generation ist), (sowie) ihrer Kultur, ihrer Erfahrungen und ihrer Perspektiven". Kirche wird sich hier in Zukunft kräftig engagieren müssen, wenn sie nicht weiter an Boden verlieren will bei den Menschen und besonders bei den jungen Menschen, die ja eigentlich die ökologische Problematik zuerst erkannten und sich für eine humane Zukunft einsetzten. Jugendpastorales Tun muß klar aufzeigen, daß Dinge und Menschen einfach um ihrer selbst willen liebenswert und wichtig sind, daß man das anscheinend Nutzlose und Unbrauchbare achten muß - wer weiß das eigentlich noch? Wer nicht mehr funktioniert bzw. funktionieren kann, verzweifelt ("Wozu werde ich noch gebraucht?") und erfährt seine Austauschbarkeit und Überflüssigkeit. H. GOLLWITZER hat es auf den Punkt gebracht: "Nichts ist gleichgültig. Ich bin nicht gleichgültig" - "Wir sind geliebter, als wir wissen".

Die drei skizzierten Grundlinien lassen sich in den drei eschatologischen Metaphern des jüdisch-christlichen Glaubensverständnisses wieder finden: die Auferweckung des Leibes, der basilaia und dem neuen Himmel und der neuen Erde. Damit wird einem Mangel an Zukunft und an erfüllter Gegenwart gegengesteuert.

4.1.2.2 Komplexes und dynamisches Geschehen - Diakonie, Verkündigung und Liturgie - (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die christliche Botschaft ist ausgerichtet auf das konkrete Leben; das bedeutet für unser jugendpastorales Tun eine personale und anthropologische Ausrichtung unseres Handlungskonzeptes in Theorie und Praxis, als diakonales Geschehen das auf die Liebe zielt. Das Konzil hebt hervor, daß "die wichtigste Form des Wahrheitserlebnisses ... die Liebe" ist, die "sich in unserem Dasein trifft mit dem Wirken Gottes und mit den Problemen, die das Leben den Menschen stellt." Da die Kirche akzeptiert, daß "alle Menschen, die Christen so gut wie die anderen, irgendwie gemeinsam auf eine Erkenntnis der Wahrheit ausgehen müssen und daß sie auf der Suche nach der Fülle der Wahrheit, auch der religiösen Wahrheit sind. Sie müssen einander helfen, sie im Dialog zu finden." Das Konzil betont den Kontext von Existenz und Glaube und sieht den Bezug zur Erfahrung der christlichen Wahrheit im Leben und räumt ihr einen gewissen Vorrang vor der Erkenntnis der Wahrheit in abstraktem, formelhaften Wissen ein. Das bedeutet dann auch, daß der Dialog Vorrang vor der Lehre hat, und die Kirche eine dienende Kirche ist, die selbst auch der Umkehr bedarf.

Im Anschluß an die ekklesiologische Neubesinnung der kirchlichen Jugendarbeit des Konzils versuchten die Autoren A. EXELER und K. LENFERS dies in die Jugendpastoral umzusetzen. Sie forderten eine Erneuerung der Kirche und taten ihre Überzeugung kund, daß diese nicht "ohne die aktive Anteilnahme der Jugend" bewerkstelligt werden könne. Sie schrieben: "Das vordringliche Anliegen heutigen jugendlichen Gemeinschaftslebens in der Kirche ist nicht die Betreuung - sie wird immer auch nötig sein -, sondern das Entdecken, Pflegen und Fördern der verschiedenartigen Berufungen und Charismen". Weiter sei ein erheblicher Bedarf an apostolisch gesinnten jungen Christen notwendig, die an den drei Ämtern Christi teilhaben müßten, die sie dann beschrieben. Sie postulierten dann das diakonische Tun, das eine Jugendpastoral beinhalten muß: "Katholische Jugend ist aufgerufen zu einem Dienst, der keine Schranken kennt".

Die Kritik aus der Praxis wurde noch weiter angestachelt durch die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung, welche 1964 mit den Thesen "Was ist Jugendarbeit?" unterstützt wurde. Darin wird versucht, die Jugendarbeit unter Einbezug der erkenntnisleitenden Prinzipien der Kommunikation und Aufklärung neu zu organiserien und sie im Kontrast von Familie und Schule neu zu orientieren. K. MOLLENHAUSER und sein Mitarbeiter legten Grundthesen zur theoretischen Neubesinnung einer Jugendarbeit vor, die die Überalterung der herkömmlichen Praxis in der kirchlichen Jugendarbeit offenlegten. Sie meinten: Jugendarbeit sei "ein Feld kommunikativer Selbstregulierung", die Inhalte seien nicht statisch, sondern ergäben sich aus den Erfahrungen der jungen Teilnehmer; der Pädagoge sei nicht als Führer oder Vorbildfunktion zu denken, sondern mehr als "Dramaturg des Erziehungsgeschehens". Das Buch "Was ist Jugendarbeit?", bewirkte eine grundlegende Theoriediskussion, die durch die Studentenunruhen Ende der sechziger Jahre noch unterstützt wurde. 1966 formulierte der Pädagoge und Wissenschaftler Franz PÖGGELER, die Jugendarbeit müsse eine "aufklärende, sichtende, kritisierende und verbessernde Funktion" in der heutigen Gesellschaft einnehmen und bewirken, wobei sie sich als ein "Experimentierfeld für bessere Möglichkeiten des sozialen Dasein" verstehen muß. Diese Neuorientierung wurde durch den Ansatz der emanzipatorischen Jugendarbeit, der von H. GIESECKE 1971 formuliert wurde, neu aufgeworfen und fand ein breites Echo. Diese neuen Ansätze und Unternehmungen wurden durch die Praxis aufgenommen und bewirkten eine neue Praxisumsetzung der gesamten kirchlichen Jugendarbeit, und nicht nur in ihr.

Von theologischer Seite war es H. HALBFAS der in seiner Veröffentlichung Jugend und Kirche die herkömmliche Praxis der kirchlichen Jugendpastoral kritisierte. Es meinte, daß das pädagogische Ideal der Gruppe als jugendlicher Lebensgemeinschaft ebenso nicht mehr gültig sei wie der Verband als "totaler Lebensbereich echter Jugendlichkeit". Weiter kritisierte er, daß die Jugendarbeit wegen der Konkurrenz von Freizeitgruppen, Clubs, offenen Treffs und Bildungsveranstaltungen zu sehr am Angebot orientiert sei, es fehle an faszinierenden Problemstellungen und an befähigten Mitarbeitern. Die gängige kirchliche Jugendarbeit im Verband verwechsele häufig Erziehung mit Unterhaltung. HALBFAS verlangte eine Aktivierung der Kinder und Jugendlichen, statt sie zu einer Betriebmentalität anzuhalten; ebenso eine pädagogisch ausgerichtete Anleitung, die zuerst eine Bildungsaufgabe habe. Diese könne "nur in einem dialogischen Beistandleisten erfolgen, wobei der junge Mensch lernt, in der rechten Weise zu fragen". Nicht Wissenvermittlung und Kumulierung dessen sei das Anliegen, sondern eine Hilfestellung zur personalen Reife mit Hilfe von Wissenzuwachs.

Dies hatte breite Folgen in der kirchlichen Jugendarbeit. Sie plädierte jetzt für einen bedürfnisorientierten und einen sozial-kulturellen-diakonischen Ansatz in ihrer Jugendarbeit: "Die Bedürfnisse, Fragen und Interessen junger Menschen, ob geäußert, bewußt oder unbewußt, sowie die objektiven Erfordernisse einer auf Zukunft ausgerichteten Gesellschaft bestimmen die Jugendarbeit. ... Die Jugendarbeit der Kirche will zusammen mit allen anderen gesellschaftlichen Kräften diesen Dienst für die Jugend sachgerecht leisten. Indem sie Jugendlichen hilft, menschlicher zu werden, erfüllt sie einen christlichen Auftrag. Sie konfrontiert mit Jesus Christus, um dem Streben nach Glück, intensiverem Leben und mitmenschlicher Begegnung eine optimale Qualität zu geben. Indem sie den Jugendlichen befähigt, sich in Gesellschaft und Kirche zu orientieren, Standort zu finden und ihm gleichzeitig Gelegenheit zur Mitgestaltung aller Lebensbereiche gibt, entspricht sie seinen Bedürfnissen und ihrem eigenen Auftrag. Die gesamte Kirche ist als Volk Gottes für die Jugendarbeit verantwortlich." Das war der abgesteckte Rahmen für Revision kirchlicher verbandlicher Jugendarbeit den die Hauptversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend 1969 beschloß.

Es war leicht nachvollziehbar, daß die kirchliche Praxis einem solchen theoretischen Anspruch nicht genügen konnte. Dies veranlaßte H.HALBFAS zu einer erneuten grundlegenden Monierung an dem herrschenden Umgang von Kirche mit der Jugend. Die Missionierungs- und Rekrutierungsbemühungen seien offenkundig und schädlich für die Jugendarbeit, da dies den Auszug der jungen Menschen aus der Kirche verstärken würde. Den jungen Menschen werden mehr kirchenspezifische Verhaltensmodelle anerzogen anstatt ihnen ohne Hintergedanken Hilfestellung bei ihrer Identitätsfindung zu geben. Kirchliche Jugendarbeit sei immer noch mehr "ein kirchliches Rekrutierungsbemühen, das man durchweg mit 'missionarischer Sendung' zu legitimieren versucht." Die Kirche müsse sich mehr auf den Grundgedanken des Evangeliums zur selbstlosen Solidarität besinnen, um so den jungen Menschen mehr als bisher "zu einer Individuations- und Sozialisationshilfe unter Preisgabe jeder Rekrutierungsabsicht" zu verhelfen. Deshalb müsse sich die kirchliche Jugendarbeit "ausschließlich den individuellen und sozialen Bedürfnissen der Jugendlichen zuwenden, um ihnen auf ihrem schweren Weg zur Identitätsfindung zu helfen." Es fordert weiter eine radikale Demokratisierung der Kirche in all ihrer Glieder und gibt als Aufgabenstellung vor: sie habe vordringlich "Aufklärung und Emanzipation innerhalb der Kirche" zu ermöglichen, soll junge Menschen aus "einem kritischen Abstand zur Kirche" unterstützen, "Gesellschaft und Kirche, Erziehung und Seelsorge kritisch zu sehen." Die Demokratisierung diene der Kirche, daß sie "die Jugend zu gesellschaftspolitischer und kirchenpolitischer Aktivität" animiert und "als Opposition in der Kirche" sich darstellt, "solange die Amtskirche strukturell und faktisch der Mündigkeit des jungen Menschen und damit der kirchlichen Zukunft hindernd im Wege steht."

Der Prozeß der Evangelisierung wurde von Papst Paul VI. als eine reiche, vielschichtige und dynamische Wirklichkeit benannt. Die Aussagen des Evangeliums sind ganzheitlich zu verstehen, denn die Evangelisierung "ereignet sich nicht nur verbal oder sakramental, sondern auch actional im persönlichen und politischen Raum von Christ und Gemeinde." Daraus ergibt sich die Folgerung, daß ein jugendpastorales Tun der Kirche heute, wenn es greifen will, ganzheitlich sein muß und auch ganzheitlich operieren muß; die alte Trias der Kirche - Diakonie, Martyrie, Liturgie - sind besonders in unserem Bezug sehr vielversprechende Ansätze die verdeutlichen, daß alle Glieder der Kirche durch ihre Tat, ihr Wort und ihre Feier ihre Sendung zum Wohlergehen von Mensch, Gesellschaft und Welt verwirklicht. Damit besitzt die Trias ein "aneinander und füreinander integrierende, stimulierende und kritisierende Funktion."

D. ZIMMERMANN hat eindringlich auf diesen Verhalt der Evangelisierung hingewiesen und die Wichtigkeit des Zeugnisses ohne Wort in einer säkularisierten Welt aufgezeigt. Das bedeutet, daß das jugendpastorale Tun die jungen Menschen dazu animieren will, ihr eigenes Leben aufzuschlüsseln und es mit anderen zu teilen; es soll sie befähigen, die radikalen Fragen und Sehnsüchte ihres Lebens zu erkennen bzw. ihrer bewußt zu werden und Ausblicke und Zukunft für ihr Leben zu erarbeiten; es soll weiter dazu anleiten, das eigene Leben im Lichte des Evangeliums authentisch zu erfahren; es soll unterstützen, die Feste und Feiern in ihr eigenes Leben zu verorten und dadurch befähigen eine neue Zukunft ihres Lebens zu entwerfen und sich aktiv an der Bewältigung der Probleme dieser ihrer Welt zu beteiligen und so eine "Zustimmung zur Welt" (J. PIPER) zu geben; es soll weiter dazu verhelfen, daß sich junge Menschen immer mehr als NachfolgerInnen Christi am Aufbruch einer neuen Welt der Liebe und Gerechtigkeit aktiv beteiligen.

4.1.2.3 Aufgabe für das gesamte Gottes Volk (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Im Apostolischen Schreiben evangelii nuntiandi wird die ganze Kirche als missionarisch und die Evangelisierung als allgemeine Pflicht des gesamten Gottesvolkes benannt. Das heißt für das jugendpastorale Tun, daß von einem pastoralen Subjektsein des gesamten Gottesvolkes gesprochen werden muß. Damit sind alle Tätigen, nicht nur die Priester und LaientheologenInnen, Subjekte einer evangelisierenden Jugendpastoral. In hervorragender Weise sind die junge Menschen zugleich Adressat und Subjekt der Evangelisierung und nehmen daran authentisch teil. Sie sind daher einerseits heilsbedürftige und andererseits Subjekte des jugendpastoralen Tuns. Denn in ihnen hat die Kirche "die ersten und unmittelbaren Apostel der Jugend", die ihr apostolisches Tun "in eigener Verantwortung unter ihresgleichen" ausbreiten. Im Glauben und im Gebet verankert, sollen sie "immer mehr selber zu Aposteln für die Jugend werden ... Die Kirche zählt sehr auf diesen Beitrag."

Das jugendpastorale Tun ist gemeinschaftlicher Natur, da es "ein zutiefst kirchliches Tun" ist und ist ausgerichtet auf kommunikative Existenz, die aus dem Geist Jesu lebt und seine Begründung nimmt. Darin eingeschlossen sind die evangelisierenden Kommunitäten die in ihrer Weise die Lebensweise des Evangeliums verdeutlichen. Die Evangelisierung muß getragen werden von Gemeinschaften, die leben aus der Beziehung zu Gott, die ihren Begründungszusammenhang von Gott, dem Gebet, der Liturgie her aufnehmen, und so zu einem lebendigen jugendpastoralen Tun beitragen. Solche Gemeinschaften möchte ich hier Lebensgemeinschaften nennen, denn sie sind das bedeutende Medium der Evangelisierung, sie sollen zeigen, wie das Leben mit der Liebe versöhnt werden kann. Inwieweit dies tatsächlich verwirklicht werden kann, wird sich in der Praxis zeigen müssen. Oftmals ergeben die gemeindlichen und klösterlichen Gemeinschaften eher ein abschreckendes Bild als das das was hier beschrieben wurde.

4.1.2.4 Evangelisierendes jugendpastorales Tun - ein dynamisches und kommunikatives Geschehen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Der Ruf zur Sache ist für ein jugendpastorales Tun konstitutives Element, nämlich ihr Arbeitsstil ist von der Praxis Jesu her vorgegeben. Jesu Heilswirken kann sicherlich als kommunikative Freiheit verstanden werden und damit als kommunikatives Tun. Es läßt möglichst große Freiheitsspielräume und Erfahrungsmöglichkeiten mit kommunikativer Freiheit zu. Die Freiheit, aus der Christen leben, ist "befreite Freiheit" (Gal 5, 1); sie ist Freiheit zur Dienstbarkeit der Liebe (M. LUTHER). Damit ist die Freiheit des Glaubens eine "kommunikative Freiheit", da sie die Unverfügbarkeit und die Sozialität der Person umfaßt in radikaler Weise. Gleichwohl ist kommunikatives Tun originär bei Jesus auszumachen: "Jesu Kommunikation war derart, daß er dadurch Menschen aus Zwängen, Konventionen, Rollen, pervertierten Verhältnissen und Sünden befreite (vgl. Lk 19,1ff.). Er sprach anderen Anerkennung zu, versetzte sie so in die Lage, wieder Frau und Herr ihrer selbst, Subjekte zu sein. Dadurch ermöglichte er den Menschen, ihrerseits Schritte der Nachfolge zu gehen und in heilsame Gemeinschaft mit anderen und Gott einzutreten." Damit ist Kommunikation auf Vorgabe angewiesen, nämlich die Lebensorientierung bzw. die Teilnahmeorientierung, die als notwendiges Korrektiv gelten muß.

Der Synodenbeschluß Kirchliche Jugendarbeit 1975 untermauert dieses Verständnis und verlangt eine Überwindung der Handlungstheorie und Tuns, das die Marktregularien Angebot und Nachfrage in ein jugendpastorales Tun herein holen will. Die Kommunikation in der Evangelisation ist der Sache gemäß: "Entscheidend im Angebot der Kirche an junge Menschen ist, daß sie sich selbst anbietet als eine Gemeinschaft von Glaubenden bzw. von Menschen, die sich um den Glauben mühen. Kirchliche Jugendarbeit macht zuerst und zuletzt ein 'personales Angebot': solidarische und engagierte Gruppen, solidarische und engagierte Gruppenleiter und Mitarbeiter. Das 'Sachangebot' - Heime, Programme, Veranstaltungen - steht an zweiter Stelle. Es hat dem personalen Angebot zu dienen und darf sich nicht von ihm lösen."

Was ist daraus in der jugendpastoralen Praxis geworden? Es scheint in der jetzigen kirchlichen Jugendarbeit vielerorts nicht gelungen, daß der Prozeß vor dem Produkt rangiert, die Kommunikation vor den Inhalten gesehen wird. Es scheint kaum gelungen, das Handlungskonzept und dessen Theorie in die Praxis umzusetzen, wenn man derzeit kirchliche Wirklichkeiten betrachtet; es scheint ein verstärkter Auszug aus der Kirche - bei Jung und Alt - vor sich zu gehen. Warum tun wir uns als Kirche damit so schwer zu ermöglichen, daß das Subjekt sowohl im Hinblick auf seine individuelle Lebensgeschichte als auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen und ökologischen Probleme gesprächs-. erfahrungs- und handlungsfähig werden kann? Das Verhältnis zwischen Theorie (Lehre) und Praxis (Evangelium) ist zum Zerreißen angespannt.

4.1.2.5 Optionen als radikaler Anspruch (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

So ist die Option der Sendung der Kirche eine Jugendpastoral, die Schwerpunkte setzen muß, denn die Kirche kann nicht zu jeder Zeit alles in gleicher Weise tun, so ist es erforderlich, daß sie "in wirklich hart auswählenden Entscheidungen" Gewichtungen vornimmt. Diese Optionen sind in erster Linie aus der Sicht des Evangeliums zu wählen. Das jugendpastorale Tun wird durch drei Schwerpunkte charakterisiert werden: Einmal die Option für die ärmere und gefährdete Jugend, die Option für die apostolische Jugend und die Option für eine prophetische Jugend.

Die Option für die ärmeren und vernachlässigten jungen Menschen will denen helfen, die wegen ihrer ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen, und auch wegen ihrer gemütsmäßigen, moralischen und geistigen wie geistlichen Vernachlässigung keine Förderungsmöglichkeiten zur Verfügung haben und als gesellschaftliche Randgruppen in einer modernen Gesellschaft leben müssen.

Sie sind eigentlich mehr oder weniger überall zu finden, "in den 'Notquatieren' und in den Schichten des Proletariats und Sub-Proletariats ... Es sind die 'Opfer der Entwicklung', denn die Entwicklung selbst erzeugt soziale Ungleichheit und Armut". Diese Jugendliche lehnen sich gegen sie nicht auf, "nicht weil sie keinen Grund hätten, sondern weil ihnen die Kraft fehlt." Man kann dem Generalkapitel der SALESIANER DON BOSCOS zustimmen, wenn es formuliert, "daß es ihr unmöglich gemacht wird, 'Mensch' zu werden." Diese vernachlässigte und ärmere Jugend gilt in besonderer Weise die jugendpastorale Sorge. Hier wird sie ihr Augenmerk noch mehr intensivieren müssen.

Die apostolische Jugend ist die zweite Option jugendpastoralen Tuns. Sie stellt die Grundlage aller kirchlicher Sendung in der Welt dar und ist Garant für ihre Sendung besonders unter der vernachlässigten Jugend. Aus diesem Grunde ist es notwendig, daß sich Kirche um die Jugend sorgt und versucht junge Menschen für ihr Tun zu begeistern, und sich denen annimmt, die sich bewußt für ein Leben in der apostolischen Nachfolge entscheiden. Denn die jungen Menschen sind in besonderer Weise "Zeichen für alle die überall in der Welt wirksame Gnade Gottes."

Die prophetische Jugend ist die dritte Option des jugendpastoralen Tuns. Diese Option ergibt sich aus der theologischen Einsicht, daß das Heilstun Gottes nicht ausschließlich durch die Kirche, sondern ebenso auch außerhalb von kirchlich verfaßter Gemeinde passiert und sich vollzieht. Da tatsächlich Gott in seinem universalen Heilswillen mit allen Menschen kommuniziert, kann die Kirche annehmen, daß von den Jugendlichen die Erfordernisse der Zeit erkannt und angenommen werden und Gott durch sie sich kundtut. Das erfordert folgerichtig ein Hinhören und Hinsehen der Kirche. Wenn die Zeichen der Zeit richtig gedeutet werden, dann können wir ein Defizit an Zukunft und an erfüllter Gegenwart ausmachen, was heißt, daß Sinnkrisen und Sinnfragen nie nur individuell erklärt werden können, sondern sie sind stets auch Spiegel gesellschaftlicher Orientierungskrisen, die jugendpastorales Tun mit aufnehmen muß.

Das CELAM-Dokument "Jugend, Kirche und Veränderung", ein pastoraler Entwurf zum Aufbau der Zivilisation der Liebe in Bogota 1984, zeigt in konkreter Weise, was die grundlegende Voraussetzung für eine Jugendpastoral ist. Im Abschnitt "Der Jugendliche und die lateinamerikanische Kirche" ist zu lesen: "Es ist die besondere Aufgabe der Jugend, die praktische Annahme des Laien im Volk Gottes zu fördern und zu verwirklichen. Und dies nicht, indem man ihn klerikalisiert, sondern indem man seine ihm eigene Rolle anerkennt, die ebenso notwendig und wichtig ist wie die eines jeden anderen Gliedes der Kirche." Es wird das Puebla-Dokument zitiert: "Die Kirche vertraut auf die Jugend. Sie ist die Hoffnung der Kirche. Die Kirche sieht in der Jugend Lateinamerikas ein wirkliches Potential für die Gegenwart und die Zukunft ihrer evangelisatorischen Arbeit. Da die Jugend das gesellschaftliche Gefüge mit echter Lebenskraft erfüllt, trifft die Kirche eine vorrangige Entscheidung für die Jugendlichen im Hinblick auf ihre evangelisatorische Sendung in diesem Kontinent." Was sind in der pastoralen Wirklichkeit aus diesen Inhalten geworden?

4.1.2.6 Gott als Wegbereiter (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

"Der christliche Glaube bleibt optimistisch und zugleich realistisch, weil er uns lehrt, nicht auf uns selbst zu hoffen." Grundsätzlich ist die Pastoral der Kirche von der Heilszusage Gottes angespornt, die durch Jesus Christus angefangen und durch die Kirche im Verlauf der Geschichte tradiert werden soll, deren Einlösung aber durch Gott selbst vollendet werden wird. Das heißt, das Reich Gottes, die basilia als Grundzusage für die umfassende Befreiung des Menschen zu einer kommunikativen Gemeinschaft, in der es kein über und unter mehr erforderlich ist, "wo es weder Schmerz noch Trauer noch Tränen" geben wird; die Auferstehung des Fleisches als Ausdruck des universalen Glücks und Heils der Menschen; das neue Jerusalem, der neue Himmel und die neue Erde als Sinnbild für die Erlösung der gequälten Schöpfung.

Gott der sich der Menschheit zugesagt hat eröffnet diese eschatologische Zukunftserwartung und geleitet den Menschen auf seinen Wegen und gibt ihm Handlungsbedarf in dieser Welt. Deshalb gilt was Bischof Wanke formuliert: "Meinen wir wirklich, daß mit unseren klugen menschlichen Überlegungen, Dispositionen, Strukturen und Gremien dem Evangelium nur um einen Deut mehr auf die Sprünge verhelfen können? Sicherlich, Gott will sich durch uns bezeugen lassen. Aber eben nicht als der Gott der Griechen und Philosophen, nicht als die gloriose Überhöhung dieser Weltwirklichkeit, der man Weihrauch streuen oder Menschen opfern muß. Er will sich bezeugen lassen als der Gott, der das Kleine und Geringe sucht, der sich herabbeugt in den Staub, der so sehr liebt, daß er sich lächerlich macht, kurz: er will sich bezeugen lassen als der Gott Jesu Christi."

Das bedeutet, daß Kirche die jungen Menschen als Subjekte ihres eigenen Kirchseins annehmen muß. Desweiteren sind damit zwei kommunikative Komponente gegeben und gefordert: nämlich ein jugendpastorales Tun das Werden in der Gleichaltrigengruppe ermöglicht und "generationsübergreifende Sozialgestalten" fördert. Die Rottenburger Diözesansynode formuliert: Im Glauben darf auch für jene ursächlich gehofft werde, "bei denen wir als Christen jetzt nichts ausrichten können. Denn unser Gott ist ein unbeirrbarer treuer Gott (Dtn 32,4)."

  1. Die Option einer Jugendpastoral für die benachteiligten, vernachlässigten und gefährdeten jungen Menschen(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Kirche als spirituelle Gemeinschaften sind um eine dynamische und lebendige Auseinandersetzung und Begegnung mit jungen Menschen mit dem Evangelium, mit Jesus Christus - dem Leben schlechthin - bemüht und fördern dieses Streben. Als brüderliche und schwesterliche Gemeinschaften zeugen sie vom Geist der Solidarität, des Teilens und Miteinanderseins, des aufeinander hören und annehmens trotz aller Verschiedenheiten. Als gesellschaftlich, politische und diakonische Gemeinschaften legen sie Zeugnis ab mit den Menschen und der Welt und nehmen Partei für die Armen, Ausgebeuteten und Ausgegrenzten, die sie aus den Forderungen des Evangliums schulden.

Deshalb muß gelten: "Von ihrem Selbstverständnis und von ihrer Sendung her kann sich die Kirche nicht davon dispensieren, gerade bei den jungen Menschen zu sein, deren Leben bereits mit einer schweren Hypothek belastet ist und die oft nur schwer eine Lebensperspektive finden." Inwieweit dieses Postulat in der Praxis realisiert wird ist eine andere Frage, da man den Eindruck gewinnt, daß liturgische und katechetische Dienste weit höher bewertet werden als das jugendpastorale Tun, das wie es scheint, kaum reflektiert wird. Es ergibt sich ein explosives Spannungsfeld zwischen dem Wort der offiziellen Kirche und der Tat derselben. Und das ist bedrückend, denn das Evangelium fordert gerade die "Hingabe an den Nächsten in grenzenloser Einsatzbereitschaft". Die Evangelisierung bietet in Theorie und Praxis die Maßgabe eines jugendpastoralen Tuns, die neue Handlungsansätze für eine diakonische Jugendpastoral für die Jugendsozialarbeit, die Jugendfürsorge, die Heim- und Heilpädagogik und der zahlreichen verschiedenen Werke der Jugendhilfe eröffnet.

5.1 Das kirchliche Angebot des jugendpastoralen Tuns in den Verbänden, Einrichtungen und Werken (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die verstärkte Orientierung des jugendpastoralen Tuns am Evangelium bewirkte ein weitgefächertes Angebot an Einrichtungen, Verbänden und Werken, gerade für die vernachlässigten und ärmeren jungen Menschen in unserer Gesellschaft. Dabei muß in erster Linie noch mehr bedacht werden, daß die Einrichtungen in erster Linie Orte sein sollten, in denen Jugendliche ihr eigenes Leben neu bedenken, eigene Lebensentwürfe bewußt erfahren und diese gestalten lernen.

Das Evangelium fordert die Solidarität und Parteinahme besonders mit den Armen, vernachlässigten und ärmeren junge Menschen; daher ist die gesamte Kirche aufgefordert gerade diesen Jugendlichen ihre besondere Hilfe zuteil werden zu lassen. Aus diesem Bemühen heraus ist anzuerkennen, daß Kirche ihre vielfältigen Angebote, Hilfen für die vernachlässigten junge Menschen besonders verstärkte, und die Jugendhilfe ausbaute.

5.1.1 Ureigenes Ziel der Evangelisierung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Hilfe für die vernachlässigte und gefährdete Jugendlichen ist das originäre Anliegen des Evangeliums. Denn es ist wahr, "wenn wir daran glauben, daß die Begegnung mit den Schwachen und Notleidenden selbst etwas mit Gott zu tun hat ..., dann ist es auch höchst notwendig, von solchen Interaktionen her über Gott nachzudenken und in diesen Begegnungen Christus als den leidenden bzw. als den helfenden Bruder zu erfahren. Wo solchermaßen Diakonie geschieht, ereignet sich Evangelisation und damit Kirche." Wenn Diakonie, die Verkündigung und die Liturgie die grundlegenden Äußerungen der Kirche sind, dann ist es folgerichtig und entspricht dem Wesen der Kirche, daß sie sich der Jugendsozialarbeit und Jugendfürsorge widmet. Gerade auch in dieser diakonischen Tätigkeit baut sich Gemeinde auf und ermöglicht Subjektwerdung und es geschieht Heilwerdung in einer grundlegenden Kommunikationsform. Hier geschieht die ureigene Form der Kundgabe des Evangeliums: "Die überzeugendste und von allen verstandene Verkündigung der Kirche sind die Werke der Liebe. Sie offenbaren sich in vielen Lebensbereichen, besonders aber in der Hilfe für behinderte Menschen, denn sie tragen schwerer als andere an der Bürde des Lebens. Als lebendige Kirche sind die Christen aus dem Glauben angesprochen, diese Lasten mitzutragen."

5.1.2 Jugendfürsorge, Heim- und Heilpädagogik als Ausdruck ekklesialer Identität der Werke (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Art und Weise des erzieherisch-pastoralen Tuns der Engagierten in den Einrichtungen stellt diakonischen Tun dar, das der Sendung der Kirche entspricht. Denn sie konkretisieren die ganzheitlich menschliche Förderung und ermöglichen menschliche Reifung in den kirchlichen Einrichtungen.

Denn es ist war, daß pastorales Tun, das sich an der Botschaft und Praxis Jesu Christi orientiert, ist und bleibt grundsätzlich zwischenmenschliches Tun. Aus diesem Grunde verbietet es sich allein dieses Tun an die "Präsenz eines Priesters oder an ausdrücklich religiöse Vollzüge (Gottesdienst, Gebet, Bibel) zu koppeln. Vielmehr muß einer Einrichtung schon den kirchlichen Charakter zuerkannt werden, wenn dort Christen eine fachlich qualifizierte und menschlich engagierte Arbeit z.B. mit drogenabhängigen Jugendlichen leisten."

C. NOPPEL verband Jugendfürsorge und Jugendseelsorge auf engste. In seinem Werk sagt er, "die Vorbedingungen und Grundelemente sowie die Lebensgesetze des Wachstums der Kirche Christi darzulegen und zur Pflege und steten Vervollkommnung dieses Wachstums anzuweisen bzw. zu erziehen." Besonders will er das Laienapostolat fördern. Das Konzil fordert, daß alle Christen unmittelbar an der Aufgabenstellung der Gesamtkirche teilnehmen, durch Wort und Tat die Botschaft von der Erlösung der Welt durch Christus zu verkünden. Das bedeutet ein perspektisches jugendpastorales Tun, das die jungen Menschen in erster Linie als Subjekt ernst nimmt und ihm beisteht zu einem menschenwürdigen Leben zu kommen; das ist ein vielschichtiges und dynamisches Geschehen, das eine Rückbindung an das Evangelium bedarf und eine ständige Befragung der Spiritualität des einzelnen in der Jugendhilfe durch die "Neue Armut" erfordert die Einbindung aller in gleicher Weise gemäß ihrer menschlichen und fachlicher Kompetenz.

5.2 Jugendpastoral und Schule (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Schule und Bildung bezieht sich in ihrem Wesen auf die Erfahrungfähigkeit des Subjekts. Denn "Bildung" hat eine religiöse Dimension, sofern sie sich auf das noch ausstehende Ganze des menschlichen Lebens verweist. Wir verstehen hier Bildung als lebenslangen Prozeß der Subjektwerdung des Menschen im Kontext menschlicher Lebensverhältnisse.

Dabei gilt doch sicherlich, daß Subjektwerdung nicht subjektivistich mißzuverstehen ist. Das Subjekt gewinnt die Freiheit des Denkens und Handelns nur in der Auseinandersetzung mit überlieferten und gegenwärtigen Erfahrungs- und Handlungsmodellen, also in der Auseinandersetzung mit einer Inhaltlichkeit, die nicht von ihm selbst stammt.

In diesem Sinne prägt Schule in der heutigen Gesellschaft das Leben junger Menschen, wobei der Schülerstatus und das Schüler sein "so etwas wie ein eigener, den Alltag bestimmender Lebenszuschnitt (ist). ... Verhaltensphänomene und Lebensprobleme in diesem Alter lassen sich immer wieder auf die psycho-sozialen Probleme dieses 'Schülerseins' zurückführen." Das schulische Gelingen eröffnet berufliche Perspektiven und die Kommunikationsformen und Interaktionen zwischen Schüler und Lehrer und der Schüler untereinander beeinflussen die Subjektwerdung im erheblichen Maße.

Hinsichtlich der großen Bedeutung der Schule für die Entwicklung und Entfaltung junger Menschen ist ihre Situation und ihr Funktionieren in den Blickpunkt getreten. W. HORNSTEIN meint, daß Schule heute erst die sozialen, emotionalen und handlungsorientierte Lernprozesse erarbeiten muß, um daß Schule ihre originäre Aufgabe, nämlich die Vermittlung kognitiven Wissens, erfüllen kann. C. GEISSLER kritisiert Schule, da sie nach seiner Auffassung einseitig auf das Berufsleben vorbereite und dabei die wesentlichen Wissensgebiete wie partnerschaftliches Verhalten, Ehe und Familie, Erziehung und gesellschaftliches Zusammenleben kaum Aufmekrsamkeit widme. So scheint bei vielen Jugendforschern die Meinung vorzuherrschen, daß zwar in Schule viel gelernt werden würde, aber nicht das Wesentliche, nämlich gelebtes und glückendes Leben. Inwieweit diese Kritik so pauschal gültig ist, müßte sicherlich näher untersucht werden und kann von mir so einfach nicht übernommen werden.

Bei aller Kritik, die teilweise berechtigt ist, ist doch zu fragen: Ist es weiterhin sinnvoll und wünschbar, in erster Linie inhaltsorientiert zu arbeiten, über Bibel, Lehre, Kirche, Religion zu informieren? Wie könnte ein geglückter Lernprozeß in solchen Zusammenhängen aussehen? Was könnten hier grundlegende Ziele sein? Wann könnte man von einem Lernerfolg sprechen? Wie verhalten sich dann religiöses Wissen, Verstehen als Einverständnis und die Erfahrung des Gefragt-Seins zueinander? Doch wohl so, daß religiöse Erziehung zu einem wahren Leben führt und dazu beisteuert, daß Schule humaner wird. Es muß neues Leben in Verantwortung vor Gott erfahrbar sein, und daß der Mensch, der so, wie er ist, anerkannt und zugleich angenommen ist. Das ist eine Orientierung, die Sinn und Ziel mitbringt, nämlich die Ermöglichung der Subjektwerdung der jungen Menschen in Schule und Ausbildung. Es bleibt unverzichtbar, daß die ekklesiologische Leitidee in der schulischen Jugendpastoral Sinn und Methode ist, denn "die gesamte Kirche ist als Volk Gottes für die Jugendarbeit verantwortlich. Entsprechend der charismatischen Grundstruktur der Kirche (1 Kor 12) können die Initiativen von allen Gliedern des Volkes Gottes ausgehen." Was ist aus dieser Zielsetzung geworden? Ist das Spannungsfeld zwischen Glaubenslehre und Glaubenspraxis noch aufzulösen?

6. Die Salesianer Don Boscos (SDB) in der Bundesrepublik Deutschland - Eine Jugendpastoral als erfahrbare Liebe zu den armen, vernachlässigten und gefährdeten jungen Menschen - (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Wie die bisherigen wissenschaftstheoretischen Erörterungen zum Theorie-Praxis-Problem aufzeigen, liegt unserer Arbeit ein Verständnis von pastoralem Tun zugrunde, das als kommunikatives Tun im Geiste Jesu Christi zu verstehen ist. In diesem Sinne heißt jugendpastorales Tun im Kontext der Evangelisierung "nicht nur Seelsorge, sondern auch Leibsorge (wie dies in den Heilswunder Jesu immer wieder offen gelegt wird), nicht nur verbale Verkündigung im Gottesdienst und seelsorglichen Gesprächen, sondern auch diakonales Handeln in der Befreiung der Notleidenden und in der Hilfe für die Bedrängten sowie der Solidarisierung mit allen, die benachteiligt sind." Diesem Ziel jugendpastoralen Tuns hat sich das "Projekt Don Bosco", das von der Kongregation der Salesianer Don Boscos getragen wird, verschrieben; wir wollen dies im folgenden darstellen und kritisch hinterfragen. Wir wollen auch festhalten, daß es dabei in erster Linie nicht um eine fachspezifische pädagogische bzw. sozialpolitische Analyse geht, sondern darum, exemplarisch die Grundqualität des jugendpastoralen Tuns des "Projekt Don Bosco" der Salesianer don Boscos (SDB) in der Bundesrepublik Deutschland darzustellen als Lösungsmöglichkeit und Orientierungshilfe für eine Gesellschaft im Umbruch und in der Krise, die aber auch die Chance für neues Leben eröffnet.

Die jugendpastoralen Aktivitäten und ihr pastorales Handeln haben sicherlich einen "globalen Charakter des Projekts" Darunter ist das pastorale Tun Don Boscos "mit, unter und an jungen Menschen" zu verstehen. Die Zeugnisse des Gründers der Salesianer Don Boscos, der Priester und Pädagoge Johannes Bosco, gibt als Ziel seiner Kongregation an: "Das Ziel der frommen Salesianischen Gesellschaft besteht darin, der armen und verlassenen Jugend zu Hilfe zu kommen ...".

6.1 Der Gründer der Salesinaer Don Boscos(SDB) - Person, Zeit und Werk Johannes Boscos - historischer Aufriß -

(Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Es geht hier nicht in erster Linie darum, eine vollständige Biographie Johannes Boscos aufzuzeigen. G.B. LEMOYNE hat sicherlich die umfassendste Lebensdarstellung Johannes Boscos vorgelegt, wobei sie von A. AMADEI und E. CERIA fortgeführt wurde. P. STELLA sagt über Don Bosco: "Der Heilige kann in seinen realen Dimensionen nur erkannt und bewertet werden, wenn die Quellen, die ihn betreffen, in ihrem Gesamtkomplex und in ihrer präzisen Einordnung in die Zeit und in die Fakten, die sie uns überliefern, studiert werden."

Diese Aufforderung würde natürlich den Rahmen dieser Arbeit sprengen; doch wollen wir in gewisser Hinsicht eine kurze Biographie aufzeigen um deutlich machen zu können, um welche Gemeinschaft es sich bei den Salesianern Don Boscos handelt, und in drei weiteren Kapiteln sollen dann die Neubesinnung der Salesianer Don Boscos am Horizont der Aufforderung des II. Vatikanums, sowie die Folgen dieser Neubesinnung und die salesianische Identität aufgezeigt werden, wobei diese einer kritischen Würdigung unterzogen werden.

6.1.1 Johannes Bosco, Pädagoge und Heiliger (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Um Johannes Bosco verstehen zu können ist sicherlich die geographisch-politische, die kirchenpolitische und die ökonomisch-soziale Gegebenheit in seiner Heimat, das norditalienische Königreich Piemont-Sardinien des 19. Jahrhunderts, von Bedeutung. Zu seiner Zeit waren die Umwälzungen des sogenannten "Risorgimento" in allen Bereichen zu spüren. Die Entstehung des italienischen Nationalstaates warf seine Wirren voraus. Es soll jetzt nicht in allen Anzeichen die Geschichte des Risorgimento nachgezeichnet werden, sondern sie werden nur insofern aufgezeigt, wie sie für unsere Thematik relevant ist.

6.1.2 Die politische, sozialökonomische, kirchenpolitische und kulturelle Lage seiner Zeit (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Giovanni Bosco wurde am 16. August 1815, das Geburtsjahr fällt zusammen mit dem restaurativen "Neuordnung Italiens durch den Wiener Kongreß", in Becchi bei Turin als Sohn der Bauersleute Francesco Luigi BOSCO und Margherita OCCHIENA geboren. Die Familie lebte in bescheidenen ökonomischen Verhältnissen. Unter den damaligen Kleinstaaten sind Piemont-Sardinien, Neapel-Sizilien und der Vatikanstaat besonders zu nennen. Der Wiener Kongreß gliederte Ligurien und Genua dem Königreich Piemont-Sardinien an, was dazu führte, daß das Königreich zu einem wichtigen Mittelpunkt der nationalen Bewegung wird. Die nicht glückliche Neugliederung des Königreiches verursachte bei vielen unzufriedenen Kräften revolutionäre Unruhen, zuerst in Neapel-Sizilien, die dann 1821 auf Piemont übergreifen. Diese führen zu einer Verhärtung der innenpolitischen Situation und stärken die österreichische Politik in Italien. Animiert durch die Revolution in Paris 1830 brechen die Unruhen im Februar 1831, besonders im Kirchenstaat und in Mittelitalien wieder aus. Mit der Hilfe Österreichs wurden die Unruhen niedergeschlagen, die aber die revolutionierten Kräfte nicht besiegt. Die Geheimbünde der Carboneria und der von Giuseppe MAZZINI gegründete Geheimbund "Giovine Italia" können ihren Einfluß auf den weiteren Verlauf des Risorgimento erheblich ausweiten. Das linksradikale Lager, das liberal-katholische "Neoguelfentum", von dem Turiner, einem katholischen Geistlichen Vincenzo GIOBERTI geführt, welcher nur mit Rom und Papst die Lösung der italienischen Frage anstrebt.

In der Folgezeit stellt das Revolutionsjahr 1848 für die europäische Entwicklung einen bedeutsamen Einschnitt dar, da es die persönlichen und religiösen Freiheiten als verbrieftes Recht in die Verfassung verankerte. Die Verfassung in Piemont-Sardinien unter König Karl ALBERT, die am 04. März 1848 erlassenen "Statuto Albertino" sicherten auch neben größeren persönlichen Freiheitsrechten auch die staatlich zugesagte Achtung für nichtkatholische Konfessionen und Religionen, besonders aber für die Waldenser und die Juden, zu. Am 24. März erklärte Karl Albert Österreich den Krieg, der im März 1849 in einer militärischen Niederlage endet, wobei Karl Albert abdanken muß, und sein Sohn Viktor EMANUAL II, "der der König der nationalen Einigung geworden ist" die Nachfolge antritt. Er versuchte mit seiner Regierung einen Mittelweg, der alle politische Richtungen im Königreich einschloß. Im November 1852 wird Graf Camilio Benso die Cavour Ministerpräsident, der durch seine Politik Piemont zur bedeutsamen Kraft der Einigung Italiens macht. Als Könner der Außenpolitik erreicht Graf CAVOUR eine Annäherung an Frankreich, die es ihm erlaubt, mit Österreich im Mai 1859 sich erneut auseinanderzusetzen. Der gute Ausgang für Piemont sichert die Grundlage der nun folgenden politischen Einigung Italiens. GARIBALDI, der mit seinen "tausend Rothemden" 1860 bis 1861 Sizilien und Süditalien erobert hat, gelingt es Graf Cavour im Februar 1861, daß "in Turin das erste aus nahezu ganz Italien entsandte Parlament" zusammentrat, "welches Victor Emanuel zum König von Italien proklamierte." Durch den Erwerb Venedigs 1866 und Roms 1870 wird der Abschluß der nationalen Einigung vollzogen.

6.1.2.1 Die kirchenpolitische Entwicklung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Im Zeitraum des Risorgimento ist die kirchenpolitische Entwicklung Italiens hauptsächlich durch die Existenz des Vatikanstaates und seiner Bedrohung durch die neu entstehenden Nationalstaaten gekennzeichnet. Die reaktionär-konservativen kurialen Kräfte, die sogenannten "Zelanti" versuchten die nach dem Wiener Kongreß in Gang gesetzten politisch-sozialen Reformen im Kirchenstaat zu unterlaufen, was immer wieder zu revolutionären Unruhen führte. Durch österreichische Truppen wurden die Unruhen im Kirchenstaat 1830/31 niedergeschlagen, was die "Tendenz zur autoritäten Defensive, die über Italien hinaus folgenschwer geworden ist", verstärkte. "In seiner ersten großen Enzyklika 'Mirari Vos' verurteilte GREGOR XVI. nicht nur Rationalismus und religiösen Indifferentismus, sondern auch Gewissens- und Meinungsfreiheit, sowie jede Auflehnung gegen die legitime Autorität. Damit begann die Reihe der päpstlichen Lehrverkündigungen, die eine (fatal) scharfe (und ungerechtfertigte) Abgrenzung zwischen Katholizismus und den Ideen der Zeit vornahmen un die Diskussion darüber zu unterdrücken suchten; den ersten Höhepunkt in dieser Reihe hat der Syllabus Pius IX. im Jahre 1864 gebildet, der ebenfalls weitgehend aus der Auseinandersetzung in dem entstehenden italienischen Nationalstaat zu verstehen ist und somit wiederum die problematische Verquickung kirchlicher und kirchenstaatlicher Interessen erwiesen hat." 1846 wurde durch den Tod Papst GREGORS XVI. der liberale Giovanni Maria Graf MASTEI-FERRETTI zum Papst Pius IX. gewählt, der neue Hoffnungen auf politische Reformen weckt und ein Eingehen auf das Risorgimento erwarten läßt. Doch die Hoffnungen werden nicht erfüllt, und Pius IX. wurde für viele Gruppen nicht mehr akzeptabel als er in einer Ansprache die päpstliche Neutralität in bezug auf die nationale Frage erklärt. R. LILL berichtet: "Aus dem Mißverständnis vom 'liberalen Papst' wurde das Zerrbild des 'antinationalen Papstes'". Im November 1848 flieht der Papst aus Rom nach Gaeta ins Exil, da er von seinen Gegnern massiv attackiert wurde. Es scheitert 1848/49 die Idee des Neoguelfismus, was die mehr laizistisch-säkularen Politik in den Vordergrund bringt, die in Gegensatz zum römischen Katholizismus steht. Nach 17-monatigem Exil kann Pius IX. mit Hilfe Frankreichs nach Rom zurückkehren, steht aber weiter unter französischem Schutz, damit er seinen reaktionären politischen Katalog weiter verfolgen konnte; 1870 verstarb Pius IX.

Unter der Regierung D'AZEGLIO in Piemont wird versucht die Kirchengesetzgebung zu reformieren. Die Verhandlungen mit Rom bleiben ergebnislos, so daß es im März 1850 zur Annahme der umstrittenen "Gesetze Siccardis", die u.a. "die Gerichtsbarkeit der Kirche aufhoben", kam. Durch die Gesetze verschärften sich die Gegensätze des Staates zur Kirche, so daß es 1848 zur Schließung des bischöflichen Seminars von Turin kam; die "Affäre Fransoni" und die vom Parlament im Mai 1866 in Kraft gesetzten Kirchengesetze, die die Aufhebung vieler Klöster verfügten, vertieften die Spaltung zwischen Kirche und Staat weiter. Weitere Konflikte ergeben sich über die Besetzung der vakanten Bischöfsstühle und über das "Gesetz vom 07. Juli 1866, das die religiösen Körperschaften auflöste und das Kirchengut konfiszierte." CAVOUR, der eine Kirchenpolitk nach dem Motto "libera Chiesa in libere Stato" ("freie Kirche im freien Staat") vertritt, starb am 06. Juni 1861, so daß es unter dem Kabinett RATTAZZI 1867 zu einer mehr ausgeprägten antiklerikalen Politik kam.

In den mehr ideologischen Auseinandersetzungen zwischen dem politischen Liberalismus und dem innerkirchlich noch massiver werdenden Ultramontanismus entsteht ein breiter Graben. Die Auseinadersetzungen "zwischen der 'Italia cattolica' der großen Mehrheit und der 'Italia liberale' einer politisch und geistig neue Wege gehenden, dabei von Fortschrittsoptimismus erfüllten Minderheit" vertieft sich immer mehr. Die römische Kurie geriet durch ihre reaktionäre Politik immer mehr ins Abseits. Das von Pius IX. einberufene (Erste) Vatikanische Konzil (Dezember 1869 - Juli 1870) bewirkte durch die dogmatische Definition des Primates des Papstes eine Unversöhnlichkeit zwischen Liberalismus und Ultramontanismus. Da der Papst immer unversöhnlicher wurde, und es zu keiner Einigung zwischen ihm und der Regierung kam, entschloß sich die italienische Regierung zum militärischen Eingreifen. Am 20. September 1870 wird Rom über "die historische Bresche" bei der Porta Pia eingenommen. Der Papst lehnt alle politischen Lösungsvorschläge wie das Garantiegesetz vom Mai 1871 ab und exkommuniziert in feierlichster Form alle diejenigen, die ihn zum "Gefangenen des Vatikan" gemacht haben. Die Situation zwischen Kirche und dem italienischen Staat verschärft sich weiter durch das Gesetz vom Mai 1873 über die Aufhebung und Enteignung der geistlichen Orden. Papst Pius IX. verbietet mit seinem "Non expedit" 1874 den Katholiken die Teilnahme am politischen Leben des Staates. Die "Römische Frage" konnte endgültig erst 1929 mit den Lateranverträgen gelöst werden.

6.1.2.2 Die ökonomisch-soziale Lage (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Bis etwa 1870 war das ökonomische Bild Italiens vornehmlich durch Landwirtschaft und Handwerk geprägt. Nach 1850 bildeten sich vermehrt Manufakturen und größere industrielle Komplexe. Die einfache Bevölkerung lebte in wirtschaftlich äußerst beengten Verhältnissen, überformt von einer patriarchalisch verkrusteten hauswirtschaftlichen Ordnung. Diese Situation wurde noch weiter geprägt durch die mit der beginnenden Industrialisierung und den damit zusammenhängenden neuen sozialen Problemen und die politischen Ereignisse des Risorgimento.

Die von der Regierung betriebene halbherzige und unkundige Wirtschaftspolitik und die vielen Kriege der Kleinstaaten bewirken eine schleppende wirtschaftliche Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Besonders von dieser Unterentwicklung betroffen ist die einfache Bevölkerung, die die Folgen der wirtschaftlichen Unterentwicklung zu tragen hat.

Der beginnende bescheidene industrielle Aufschwung in den siebziger Jahren bleibt hauptsächlich auf nördlichen Zentren Mailand, Turin und Genua beschränkt, wobei der Süden bis heute wirtschaftlich unterentwickelt bleibt. Das Bevölkerungswachstum beträgt 18 bis 23 Millionen um 1850 und 25 Millionen um 1861. Die Heimat Don Boscos - Piemont-Sardinien - ist von dieser Entwicklung nicht abgekoppelt. Besonders ab 1850 ist es durch die Wirtschaftspolitik CAVOURS zu leistungsstarke industriellen Großunternehmen gekommen. Die Landflucht bewirkt eine zunehmende Anzahl von schlecht bezahlten Landarbeitern. Es entwickelt sich in Piemont wie auch in anderen europäischen Staaten "ein durch die Abwanderung vom Land schnell wachsendes Proletariat", gerade in den großen Städten.

Die Stadt Turin erlebte einen exorbitanten wirtschaftlichen Aufschwung: G. MELANO zeigt in seiner Analyse, daß sich die Zahl der Einwohner der Stadt Turin von 65.548 im Jahr 1813 auf 249.829 im Jahr 1881 erhöht hat, wobei der Zuwachs durch die Landflucht vieler Bauern verursacht wurde. Die industrielle Entwicklung verursacht erhebliche soziale, kulturelle und Bildungsdefizite, die die einfache Bevölkerungsschichten hinderten, an dieser Entwicklung fruchtbar teilzunehmen zu können. Nur die Hälfte der Bevölkerung Piemonts kann lesen und schreiben; im übrigen Italien sind nach einer Volkszählung aus dem Jahr 1861 78 % der Bevölkerung Analphabeten. Nach der Untersuchung von G. MELANO gibt es in der Stadt Turin in dieser Zeit über 40 % Analphabeten, darunter über 29.364 junge Menschen unter zwanzig Jahren.

Die radikalen Folgen der Veränderungen müssen von der einfachen Bevölkerung weitgehend getragen werden, insbesonders trifft dies die jungen Menschen. "Jugendliche, die die Straßen, die Plätze und die Wiesen besetzen, Söhne armer Familien, oft arbeitsloser Eltern, ohne einen Beruf, ohne die Hoffnung, jemals einen zu haben; oder Jugendliche, die sich mit irgend etwas beschäftigen, nur um zu überleben, nur um die eigenen Lebensbedingungen zu verbessern." Gerade die jungen Menschen sind von den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Veränderungen betroffen. Daraus entstand die soziale Klasse der "giovani discoli", der verwahrlosten jungen Menschen, die immer mehr die öffentliche Ordnung bedrohten und bald in Scharen die "Generala", das Jugendgefängnis, füllten.

In einem späteren Treuebekenntnis 1863 schreibt Don Bosco an den Provinzinspektor:

"Es sind 23 Jahre vergangen, seitdem ich in Turin bin, und ich habe immerfort meine geringen Fähigkeiten und Kräfte in den Gefängnissen, den Krankenhäuser und auf den Plätzen aufgeboten, zugunsten der verlassenen Jugendlichen." Ähnlich wird dies schon drei Jahre zuvor in einem Brief an den Innenminister Carlo Farini übermittelt: "Ich (Don Bosco) übe seit zwanzig Jahren das heilige Amt in Gefängnissen, in Krankenhäuser, auf den Straßen und Plätzen dieser Stadt aus, indem ich verlassene Jugendliche sammle, um sie zur Moralität und zur Arbeit gemäß ihrer Begabung, Fähigkeit und Neigung hinzuführen, ohne jemals irgendwelchen Lohn dafür, sei es wahrgenommen, sei es gefordert haben. Vielmehr habe ich, und das tue ich auch heute noch, meine Kräfte bei der Errichtung des Hauses und für den Unterhalt der armen Jungen eingesetzt."

Die Ausführungen Don Boscos zeigen sehr deutlich die Herausforderung der er sich stellt bzw. seine Salesianische Gesellschaft stellen wird.

6.1.2.3 Die schulische Situation (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die piemontische Staatsschule war zu Anfang des 19. Jahrhunderts ganz in kirchlicher Hand. Nur in wenigen größeren Orten Piemonts gab es Volksschulen. Die Lehrer waren schlecht ausgebildet und lehrten lediglich die Anfangsgründe des Lesens und Schreibens. 1822 erließ die Regierung eine Verordnung, die die Bildung von Elementarschulen in allen Gemeinden anordnete. Lesen, Schreiben, Christenlehre, Italienisch und Rechnen sollten gelehrt werden. Diese Verordnung wurde allerdings nie in die Tat umgesetzt. Die politischen Wechselfälle und das Fehlen einer dazu befähigten Lehrerschaft waren die Ursachen. Im wesentlichen rekruierte sich der damalige Lehrerstand aus ungebildeten Geistlichen, die anderswo nicht untergekommen waren, aus Studienabbrechern und Kaufleuten. Weder Studium noch Prüfung waren vorgeschrieben, lediglich ein Gutachten von einem Mitglied des Studienausschusses.

1840 erließ dann die Regierung ein neues Schulregliment, das die Bildung von Schulen mit aller Strenge vorschrieb. Gleichzeitig wurde die Lehrerausbildung neu geordnet und ein strenges Prüfungsverfahren obligatorisch. Die Schulinspektion wurde auf festere Füße gestellt und die Gehaltsverhältnisse konsolidiert: Ein Lehrer durfte nun nicht weniger als 500 Lire an einer Volksschule und 1.300 Lire an einer höheren Schule verdienen. Lesen, Schreiben, Rechnen, Italienisch, Geschichte, Geographie und Naturgeschichte bildeten den Unterrichtsstoff. Körperliche Züchtigung an Schulen wurde grundsätzlich verboten.

Von einer ausformulierten didaktischen Methode konnte allerdings keine Rede sein. Der Unterricht glich mehr oder weniger einer geistigen Dressur. Ein Lehrstuhl für Methodik wurde erst 1844 an der Universität von Turin eingerichtet. Der Ruf erging an Ferrante APORTI, der dem piemonteser Unterrichtswesen in der Folgezeit wesentliche Impulse vermitteln konnte. Vor allem verbesserte sich die didaktische Ausbildung der Lehrer. Sein bildungspolitisches Anliegen, die vielfältigen privaten Erziehungsanstalten und Schulen in das staatliche Bildungssystem zu integrieren, traf jedoch auf den entschiedenen Widerstand der katholischen Kirche.

Unverkennbar war aber die allgemeine schulische Entwicklung in Italien in eine neue Phase getreten. Aristide GABELLI studierte die pädagogischen Reformen des Auslands (Schweiz, Deutschland), um sie für Italien nutzbar zu machen. Er war der Ansicht, Schweizer und Deutsche hätten das schon verwirklicht, was den Italienern noch vorschwebte. Fasziniert zeigte er sich von der Umsetzung der pädagogischen Ideen PESTALOZZIS durch Friedrich Wilhelm August FRÖBEL, der die Bedeutung der Spiels für das kindliche Lernen erkannt hatte. Der Aufbau von Kinderasylen in Italien erhielt durch ihn wesentliche Anstöße. Um eine systematische und theoretische Neustruktuierung der Pädagogik im Piemont machte sich auch RAYNERI verdient.

6.1.2.4 Die Kirche als "societas perfecta" (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Eine vollkommene Gesellschaft ist die Kirche, eine "societas perfecta", dieses Verständnis von Kirche bewirkte einerseits eine "Verrechtlichung der Ekklesiologie" und andererseits eine Außerachtlassung der Geschichtlichkeit der Kirche, wobei es doch zu Beginn des Jahrhunderts eine manigfaltige "ekklesiologische Geographie" im europäischen Raum gab; zum Beispiel die katholische Tübinger Schule mit J.A. MÖHLER oder die Münchner Universität mit I. von DÖLLINGER. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden diese katholischen theologischen Schulen immer mehr durch den sich durchsetzenden Ultramontanismus eingeengt und schließlich durch die ständigen Angriffe der neuscholastischen Theologie bzw. durch ihre namhaften Vertreter wie die römischen Professoren PERRONE, PASSAGLIA, SCHRADER und FANZELIN mundtot gemacht.

Die polemische und politische Motive führten nach H.J. POTTMEYER in einer Konfrontation zwischen Kirche und moderner Welt, die zu einer radikalen "theologischen Einseitigkeit" führte. Diese einlastige ultramontane Ekklesiologie wird wie folgt beschrieben: "Die hierarchologische Kirchentheorie, die Zuordnung des Lehramtes zum Jurisdiktionsprimat und schließlich die Verbindung von Unfehlbarkeit und Souveränität." Ein weiteres Entwicklungsmoment stellte das Werden zur "römischen Kirche", die sich zuallererst als "Papstkirche" versteht und ihren höchsten Punkt im "Selbstverständis der Kirche auf dem I. Vatikanischen Konzil" 1869/79 mit der dogmatischen Festlegung des päpstlichen Jurisdiktionsprimates und der päpstlichen Unfehlbarkeit findet, dar. H.J. POTTMEYER urteilt sicherlich richtig, wenn er sagt: "Die Formulierung der päpstlichen Unfehlbarkeit erfolgte im Rahmen einer politisch bewußten Ekklesiologie, die nach dem Zerfall der universitas christiana die Behauptung und Stärkung der kirchlich-gesellschaftlichen Strukturen und deren Legitimierung anstrebte; äußere Unabhänigkeit und innere Integration waren die konkreten Ziele."

Die "Tendenz zur 'Monarchisierung der Kirche'" war nicht allein die Verschuldung des ultramontanen Bewegung, sondern auch der "Staaten ..., die vornehmlich aus politischen Erwägungen heraus die Neuordnung ihrer kirchlichen Verhältnisse in Angriff nahmen und darüber mit dem Papst in Verhandlungen traten, unter bewußter Ausschaltung der für ihre Länder immer noch zuständigen Bischöfe bzw. kirchlichen Verwaltungen." In diesem Sinne verstand sich die katholische Kirche immer mehr als "Bollwerk, Schutzwehr, Burg, als Festung, in der alles Wirken darauf bedacht und abgestellt sein muß, den Einbruch von außen, den Einbruch einer feindlichen Zerstörung zu verhindern und die Geschlossenheit, die Abwehrbereitschaft zustärken." Gegen was eigentlich? Dieses Kirchenverständnis des 19. Jahrhunderts bringt die katholische Kirche in ein Spannungsverhältnis und in einen radikalen Widerspruch zur modernen Gesellschaft und Staat.

6.2 Die Pastoraltheologie im 19. Jahrhundert (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Situation der kirchen- und theologiegeschichtlichen Gegebenheit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war geprägt durch die radikalen Auswirkungen der Französischen Revolution, die jetzt zum Wirken kamen. M.WEITLAUFF formuliert: "Das 19. Jahrhundert hat das Erbe der Französischen Revolution bis in die letzten Konsequenzen hinein vollstreckt und die Verhältnisse in Staat und Gesellschaft, die ökonomischen und sozialen Strukturen, das Welt- und Lebensgefühl der Menschen allen romantischen Rückbesinnungen und restaurativen Bestrebungen zum Trotz so tiefgreifend umgestaltet, wie es zuvor nicht in einem Jahrtausend geschehen war." Die Vehemenz der historischen Umwälzungen, die durch die von England initiierte Industrialisierung verstärkt wurde, stellt nicht die staatliche, sondern auch im besonderen Maße die traditionelle Sozialgestalt von Kirche und ihre Theologie in Frage.

6.2.1 Das katholische Kirchenbild (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Ekklesiologie spielt in den ersten Jahrhunderten der Kirche kaum eine Rolle; die Kirche beschäftigte sich kaum mit sich selbst und in den Äußerungen des Lehramtes und der Theologie findet sie wenig Beachtung. Die "Selbstreflexion der Kirche auf ihr Wesen ... (setzt) im Hoch- und Spätmittelalter ein." Die lehramtliche Ekklesiologie findet erst in der Neuzeit größere Beachtung, wobei sie doch einen recht polemischen Charakter hatte, da sie sich in den reformatorischen Auseinandersetzungen mit HUS und LUTHER im 15. und 16. Jahrhundert befand, also in einem "konfessionellen Konkurrenzkampf". In den Beschlüssen des Trienter Konzils, bestimmt die katholische Gegenreformation, das Bild der katholischen Kirche.

H. FRIES stellt dieses Kirchenbild so dar: "... es ist die antireformatorisch bestimmte Profilierung der Kirche als Bewahrerin des wahren und inhaltlich ungekürzten Glaubens, es ist die Charakterisierung der Kirche durch das Sakrament und die Sakramente, vor allem durch die Eucharistie, die primär als wahres Opfer verstanden, begangen und gefeiert wird, es ist die Bestimmung der Kirche durch die Hierarchie, das Amt, das Priestertum, durch dessen in der Ordination gründende Autorität, durch dessen spezifische, niemand sonst zustehende Vollmacht im Blick auf die Feier der Messe und Verwaltung des Bußsakramentes, durch den damit gegebenen Wesensunterschied zu den Laien, durch die Artikulation der Sichtbarkeit und Greifbarkeit der Kirche, die im Papsttum seine Spitze und deutlichste Ausprägung hat, durch die konkrete Darstellung des Wortes communio sanctorum in der Weise der Heiligenverehrung, durch die Hochschätzung der Tradition und der Traditionen.

Die von den Reformatoren besonders, auch unpolemisch formulierten ekklesialen Realitäten: Wort Gottes, ecclesia abscondita, Schrift als traditionskritische Instanz, theologia crucis treten demgegenüber zurück." Gleichlaufend zu diesen reformatorischen Entwicklung der katholischen Ekklesiologie haben auch die "sozialstrukturellen Veränderungen der Neuzeit" die "gesellschaftliche (Verortung) des Christentums (gewechselt): Im Zuge der Neuzeit konzentriert sich sozusagen das christliche Moment mehr und mehr in der kirchlichen Organisation, während die übrigen Gesellschaftsbereiche ihre eigenen, von christlichen Sinngehalten weitgehend 'gereinigten', emanzipierten Sinndeutungen entwickeln. Wie sich die Güterproduktion und -verteilung im Wirtschaftssystem und die Ausübung bzw. Kontrolle von Macht und Staat konzentriert hat, so konzentriert sich die religiöse Kommunikation nunmehr auf die Kirchen. Diesen Prozeß kann man als 'Verkirchlichung des Christentum' bezeichnen."

Dem Verkirchlichungsprozeß folgt der Säkularisierungsprozeß auf den Fuß, der ein erheblicher Machtverlust in Staat und Gesellschaft bedeutet; dagegen wehrt sich die Kirche im 18. und 19. Jahrhundert und im Rückgriff auf den "Mythos der mittelalterlichen Christenheit", der meinte, daß die Kirche und das Papsttum so eine Art Oberaufsicht über Staat und Gesellschaft zukomme, was dann in der Praxis eine totale kirchliche Überwachung und Disziplinierung der gesamten Gesellschaft zur Folge hat. In der Aufklärung gab es auch Versuche dieses ideologische ekklesiologisches Verständnis aufzubrechen und zu überwinden, was aber bis heute nicht gelang. Nach D. MENOZZI gilt: Die heutige kirchenamtliche Position läßt sich so beschreiben: "Beanspruchung eines Jurisdiktionsprimats, Wiedergewinnung der politisch-religiösen Einheit des Staates, Durchdringung der zivilen Gesellschaft durch religiöse Vereinigungen/Orden, um das soziale Leben zu kontrollieren und zu disziplinieren."

Die Ekklesiologie der Antireformation und die beschriebenen Indizis ergeben unter den Einwirkungen der Romantik und der Aufklärung ein zweifelhaftes Bild der Kirche des 19. Jahrhunderts. Die Kirche stellt sich in Gesellschaft und Staat als eine "moralische Anstalt", als "Ort der Erziehung des Menschen im Geist der Religion", da, "um gute Christen, aber auch gute Staatsbürger zu bilden." H. DÖRING meint: Mit dieser äußeren Entsakralisierung geht eine zunehmende innere Klerikalisierung Hand in Hand. Die Praxis in der Kirche zeigt, daß sie eine "Gesellschaft von Ungleichen" geworden ist, denn der geweihte Amtsträger ist zunehmend "Träger und Subjekt des kirchlichen Handelns, der 'Volksgenosse' gegenüber dem in die Rolle des bloßen Empfängers einrückenden Kirchenvolk."

6.2.2 Das pastoraltheologische Verständnis der Kirche und ihr pastorales Tun (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die geschichtlichen Umwälzungen im 19. Jahrhundert, die durch die Französische Revolution verursacht wurden, bestimmten auch die Situation der Pastoraltheologie. Sie bewirkten den "Zusammenbruch einer politisch-gesellschaftlichen Struktur, die von der Kirche entscheidend mitgetragen" wurde. Sie stellten die Kirche vor neue Probleme und verlangten nach neuen Strategien an das Tun der Kirche. Doch wegen ihres Defizits im wissenschaftstheoretischen Selbstverständnis schloß sie sich anderen theologischen und auch zeitpolitischen Richtungen an und versäumte es eigenständig auf die neuen Probleme zu agieren. Beeinflußt durch die Aufklärung und angebunden an das Bild der Kirche als Erziehungsanstalt, worin die Pastoraltheologie den Seelsorger mehr als Volkserzieher bzw. als Staatsbeamter verstand als ein tatsächlicher Seelsorger.

Für die Entwicklung der damaligen Pastoraltheologie war der Einfluß der ultramontanen Ekklesiologie verursachend, die von den Strukturmerkmalen Kirchlichkeit, Bewahrung des tradierten Glaubens- und Gedankengutes, das Festhalten an überalterten Lehrsystemen und -inhalten, die radikale Abneigung zur modernen Philosophie, die starke apologetische Ausrichtung und das ungeschichtliche Denken, außerordentlich geprägt wurde. Die Folge davon war, daß sie nicht auf die neuen modernen Herausforderungen adäquat reagieren konnte und lediglich die tradierte Praxis der Kirche weiterführte, die seit alters her von den ländlichen Lebensvorgaben und ihrem Lebensablauf bestimmt waren. Das neue großstädtische Milieu, das Proletariat, eine neue Klasse der Arbeiter, das liberale Gedankengut waren für die Kirchenoberen nur Gefahrenzonen denen es zu begegnen galt. Die Pastoraltheologie wurde so durch die Kirche selbst mangels Wissens und Wollens zur "nützlichen Handlangerin der politischen Restauration", wobei uns diese Vorstellung über Kirche noch heute schwer zu schaffen macht.

Nach A. EXELER und N. METTE war dafür verursachend, daß sie zum "Agenten der Restauration" wurde, da sie "nicht mehr ihre gesellschaftliche Funktion reflektierte", wobei sie im Hinblick auf eine "weltlose Kirche" kirchliches Tun in einen mehr oder weniger "theorielosen Pragmatismus" und damit verbunden in einen "eingeschränkte(r) Fragehorizont", verfiel. Gerade durch die immer größer werdende ekklesiozentrische und klerikale Verengung kam das wirkliche Mit- und Umweltgeschehen der Kirche aus dem Blick pastoraler Hinterfragung, so daß die "Abgeschlossenheit von der Umwelt, innere Geschlossenheit, straffe Organisation und zentralisitische Führung ... Prinzipien, die zunehmend ... in der Seelsorge Geltung fanden" überhand nahmen. N. Mette beschreibt den guten Katholiken: "Ein 'tiefer, ergriffener, religiöser Geist' war gefragt, nicht Kritik; 'die freie Genialität des theologischen Denkens' war der Sorge um die Sicherung des kirchlichen und theologischen Bestandes gewichen." Der unkritische Gläubige, der seine kirchlichen Pflichten gewissenhaft erfüllt, der sich den kirchlichen Autoritäten unterordnet und ihre Anordnungen folgsam erfüllt und sich abgrenzt von den Nichtkatholiken, auf das war das Pastorale der Kirche ausgerichtet. Konnte das gut gehen?

Sicherlich dürfen die guten Ansätze in dieser Zeit nicht einfach unterschlagen werden; so wurden zahlreiche katholische Vereine gegründet, die Volksmissionen wurden wieder verstärkt ins Leben gerufen und ihre Formen auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet; ebenso nahm die kirchliche Presse an Bedeutung zu. Die Seelsorge wurde mehr auf die Bedürfnisse der Gläubigen hinsichtlich ihres Alters, ihrer Schichtung ausgerichtet; durch diese neuen Formen bedingt gewann der Laie zunehmend an Geltung. Dies wurde durch die sozialen Probleme noch beschleunigt, wobei immer mehr andere apostolischen Aufgabenfelder mit einbezogen wurden. Das "gehört mit zu den wichtigsten Neuerungen der Pastoral im 19. Jahrhundert, in dessen Verlauf sich dieser Trend mehr und mehr verstärkte." In der Folgezeit wurden dann viele der monastischen Orden neu geordnet, neue Kongregationen und religiöse Institute gründeten sich, die sich den neuen pastoralen Notwendigkeiten engagiert stellten.

Diese Beschreibungen treffen auch die Situation der Pastoraltheologie in den anderen europäischen Ländern. M. MEDALI vertritt die Auffassung, daß im 19. Jahrhundert die deutschsprachigen Pastoraltheologen auf andere europäische Länder, besonders auf England und Italien, einen erheblichen Einfluß ausgeübt haben. Zusammenfassend wird man sagen müssen, ist es "im 19. Jahrhundert ... zu einem guten Teil der Intuition und dem Einsatz weniger Seelsorger und engagierter Laien zu verdanken, daß die Pastoral wenigstens in einigen Fällen dem sozialen Wandel Rechnung getragen hat. Von der Pastoraltheologie gingen ... in diese Richtung jedenfalls keine Impulse aus; sie begnügte sich damit, die herrschende kirchliche Praxis zu legitimieren."

6.3 Don Boscos Werk (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

P. BRAIDI teilt die Biographie Don Boscos in drei Etappen ein: 1. die Vorbereitung seines Wirkens (1815-1844); 2. die Entwicklung der grundlegenden Handlungsweisen seines Projekts (1844-1869); und 3. die organisatorische und theoretische Konsolidierung seiner Institutionen (1870-1888). Im Nachfolgenden wird ein Überblick über seinen Lebenslauf, sein Leben und Werk gegeben:

1. Kindheit und Schule 1815-1835

1815 geboren am 16. August in Becchi bei Murialdo, das zur Gemeinde Castelnuovo d'Asti gehört;

--Eltern, Geschwister:

• Vater Francesco (1774-1817)

• Mutter Margherita, geb. Occhiena (1788-1856)

• Bruder Giuseppe (1813-1862)

• Stiefbruder Antonio (1808-1849)

• Großmutter Margherita Zucca (1752-1826)

1817 Tod des Vaters - er wurde als schwerer Verlust empfunden

1824-1825 Erster privater Unterricht bei Don Lacqua

1825 (?) Bedeutsamer Traum hinsichtlich seiner Lebensaufgabe

1828-1829 Knecht auf dem Bauernhof Moglia/Moncucco

1829-1830 Erster Lateinunterricht bei Don Calosso/Murialdo

1830-1831 Besuch der öffentlichen Schule von Catelnuovo

1831-1835 Schüler am städtischen Kolleg in Chieri (übernimmt zu seinem Lebensunterhalt zahlreiche Nebentätigkeiten)

2. Studium der Theologie und pastorale Ausbildung 1835-1844

1835 Aufnahme in das Priesterseminar in Chieri

1841 Am 05. Juni in Turin Priesterweihe

1841-1844 Pastorale Fort- und Weiterbildung am Convitto Ecclesiastico in Turin;

Beginn des pastoralen Tuns an verlassenen und gefährdeten jungen Menschen

1841 08. Dezember erste Ansätze fürs Sonntagsoratorium

1842 Sonntagsversammlungen für die gefährdeten jungen Menschen

1844 Don Bosco wird geistlicher Direktor im Kinderheim St. Philomena der Marchesa Barolo

3. Aufbau des Oratoriums des hl. Franz von Sales 1845-1856

1845 Suche nach Räumlichkeiten für ein Oratorium; Versuche bei Casa Moretta, S. Martini dei Molazzi, Prato Filippi und S. Pietro in Vincoli mißlingen

1846 im April Entlassung aus dem Kinderheim; sein Vorhaben lehnt man ab und erklärt ihn für "verrückt"; Don Bosco widmet sich ganz den verlassenen und gefährdeten jungen Menschen; im sogenannten Pinardihaus beginnt das Oratorium in Valdocco; ab November zieht seine Mutter zu ihm ins Oratorium; es beginnen die Sonntags- und Abendschulen im Oratorium

1847 Das 2. Oratorium bei der Porta Nuova wird eröffnet

1848 Don Bosco wird zunehmend in der Öffentlichkeit angefeindet und Abwendung der Wohltäter

1849 Übernahme der Leitung des Oratoriums Angelo Custode (Schutzengel); Veröffentlichung des "L'Amico della gioventù", eine politisch-religiöse Zeitschrift, die noch im selben Jahr mit dem "l'Istruttore del popolo" fusioniert; Gründung der "Società degli operai o die mutuo soccorso" (Gesellschaft der Arbeiter zur gegenseitigen Unterstützung)

1850 Erste finanzielle Unterstützung vom Turiner Senat

1851 Aufnahme der ersten Kleriker im Oratorium und Kauf des Pinardihauses und Umbau zum Heim

1852 Bischöfliche Ernennung Don Boscos zum Direktor der drei Turiner Oratorien

1853 Bau und Einweihung der Heimkirche

Eröffnung der internen Berufsschulen und Herausgabe der Zeitschrift "Letture Cattoliche"

Einrichtung von Werkstätten (Schusterei, Schneiderei)

1854 Erster Anstoß gegenüber seinen Klerikern und Jugendlichen zur Gründung der salesianischen Gemeinschaft, woraus sich später die Salesianische Kongregation entwickelt

4. Ordensgründung und Ausbreitung des Salesianischen Werkes 1856-1875

1858 Romreise, Audienz bei Papst Pius IX.

1859 Initiative zur Gründung der Salesianischen Kongregation, der "Sozietas Salesiana" - der Gesellschaft des hl. Franz von Sales; am 18. Dezember findet das 1. Generalkapitel statt

1860 26 Salesianer unterschreiben die Regel; Aufnahme der ersten Laienbrüder

1861 Gründung einer eigenen Buchdruckerei und Binderei

1863 Eröffnung der ersten Niederlassung außerhalb Turins in Mirabello/Monferrato; Beginn mit dem Bau der Maria-Hilf-Basilika in Valdocco/Turin

1864 "Decretum laudis" von Rom für den Regelentwurf;

Erste Begegnung mit Maria Mazarello in Mornese, spätere Mitbegründerin der "Töchter Maria Hilfe der Christen" (Don-Bosco-Schwestern) 188 Weihe der Maria-Hilf-Basilika in Turin

1869 Approbation der Konstitutionen ad experimentum

1870 Gründung der 1. Niederlassung außerhalb Piemonts in Alassio (Savona)

1872 Gründung der "Töchter Maria Hilfe der christen" (Don-Bosco-Schwestern)

1874 Endgültige Approbation der Konstitutionen

1875 Ausbreitung der Salesianer in Europa (Frankreich, Spanien und England); die ersten Missionare werden nach Südamerika ausgesandt;

5. Weitere Ausbreitung des salesianischen Werkes bis zum Tod Don Boscos/Selig- und Heiligsprechung 1876-1888

1876 Approbation der Vereinigung der "Salesianischen Mitarbeiter"(Laienbewegung)

1877 Erstes ordendliches Generalkapitel; Zeitschrift "Bollettino Salesiano" wird aufgelegt;

1880 Don Bosco übernimmt den Bau der Kirche "Sacro Cuore" in Rom

1883 Reise Don Boscos nach Frankreich

1884 Don Cagliero wird als erster Salesianer Bischof

1886 Reise Don Boscos nach Spanien

1887 Weihe der von Don Bosco erbauten Basilika "Sacro Cuore" in Rom

1888 Am 31. Januar verstirbt Don Bosco in Turin/Valdocco

1929 Seligsprechung

1934 Heiligsprechung

Don Bosco begann sein Lebenswerk in einer sozial, politisch und kulturell aufgewühlten Zeit. Während Adel und hohe Geistlichkeit ständig um die Sicherung ihrer gesellschaftlichen Privilegien bemüht waren, drängten Demokraten und Liberale auf eine radikale Beschneidung des restaurativen und konservativen Einflusses, um Italien im Sinne eines gerechteren und freien Staatsverständnisses umzubauen. Don Bosco scheint mit der Aufnahme seines Arbeitsfeldes seine Lebensberufung erkannt zu haben, wobei er in seinem Kirchenbild ein Kind seiner Zeit blieb und die theologischen Anzeichen der neuen Zeit nicht erkannte. Don Bosco wird sicherlich im Turiner Convitto Ecclesiastico mit dem Ultramontanismus und dem ihm nahekommenden ekklesiologischen Ansichten Alfons von LIGUORI und der ultramontanen Ekklesiologie der "Amicizia Cattolica" in Kontakt gekommen sein und aufgrund seiner Achtung gegenüber Guala deren Kirchenbild und pastorale Einstellung übernommen haben.

7. Don Boscos pastorales Tun (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Der Mensch ist ein zeitgebundenes Geschöpf: Er erlebt seine Gegenwart als den permanenten Übergang von einem Gestern ins Morgen. Sein Dasein ist auf vielfältige Art und Weise in einen sozio-ökonomischen Kontext eingebunden, der als übergreifender Zusammenhang sein individuelles Lebensschicksal mitgestaltet. Eine schicksalhafte Weichenstellung bedeutete für Don Bosco die Begegnung mit den verwahrlosten Jugendlichen in den Straßen und Gefängnissen von Turin. Hier reifte sein Entschluß, sein zukünftiges Leben, seine ganze pädagogische und seelsorgliche Existenz diesen gefährdeten Kindern zu widmen.

Auf ein fertiges theoretischen Konzept, wie dieses Problem anzugehen sei, konnte er nicht zurückgreifen. Hier wird deutlich, daß die pastorale Praxis nicht ohne Theorie auskommen kann, wenn sie den Menschen tatsächlich erreichen will. Gleichwohl ist bei Don Bosco das Spannungsverhältnis zwischen seiner Praxis und der Theorie offenkundig; dabei gilt sicher, daß es reine Theorie oder reine Praxis tatsächlich so nicht gibt, da jedes praktische Tun zumindest indirekt von Ideen, Vorstellungen, Einstellungen und Interessen gekennzeichnet wird und auch jede Theorie im Hinblick einem spezifischen geschichtlichen Tun verankert ist und durch die Weise ihrer öffentlichen Präsentierung oftmals selber zu einem Teilaspekt der Praxis wird.

Theorie und Praxis sind bei Don Bosco nicht kongruent im Sinne des Applikationsmodells. Wobei F. MOLINARI in seiner Analyse der "Storia ecclesiastica" Don Boscos sagt, "daß man sich, um Don Bosco in ausgewogener Weise einordnen zu können, mehr mit seiner Praxis beschäftigen muß als mir seinen Schriften", dann macht er gerade auf dieses Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis aufmerksam. Es geht also um die Spannung zwischen Identität und Differenz.

Dieser Arbeit liegt ein Verständnis von pastoralem Tun zugrunde, das als ein kommunikatives Tun im Geiste Jesu Christi benannt werden könnte. Dieses pastorale Tun ist nicht gleichzeitig identisch mit christlichen Tun, so daß unter der ersten Bezeichnung die "Befähigungsprozesse" zu verstehen sind, "die der Christenheit helfen, ihr Leben im Sinne des Glaubens zugestalten." Doch unabhängig davon bleibt pastorales und christliches Tun immer auch kirchliches Tun, weil alle Getaufte und Gefirmte (Amtsträger oder nicht) Subjekt der Kirche bleiben. Damit ist folgerichtig, wenn dieses Handeln als evangelisierendes Tun umgesetzt wird. Nach Papst Paul VI. liegt gerade "in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität." Damit ist ein ganzheitliches Tun, in Wort und Tat, gemeint. Hierin wird deutlich, daß pastorales Tun im Zusammenhang der Evangelisierung "nicht nur Seelsorge, sondern auch Leibsorge, nicht nur verbale Verkündigung im Gottesdienst und seelsorglichen Gesprächen, sondern auch diakonales Handeln in der Befreiung der Notleidenden und in der Hilfe für die Bedrängten sowie der Solidarisierung mit allen, die benachteiligt sind", ist. Don Bosco praktiziert ein pastorales Tun, das in seiner Qualität an der "Gottesherrschaft" angelehntes Heilstun in der konkreten Nachfolge Jesu Christi sein will. Dieses ist sakramentales Tun, das symbolisch die Zuwendung Gottes zum Menschen kundtut, und es vergegenwärtigt und gleichzeitig hindeutet auf die vollkommene Gemeinschaft mit diesem Gott, die sich aber auch als wirklicher Heils- und Befreiungsakt ausweist, wobei sie sich in einem konkreten geschichtlichen und sozio-kulturellen Rahmen verwirklicht und von der tatsächlichen Not Menschen bzw. den wirklichen Gegebenheiten benannt ist. Aus dieser Sicht ist eigentlich die Differenz zu den medizinischen, psychotherapeutischen oder auch heil-pädagogischen Tuns, das auch helfende Funktion hat, nicht gerechtfertigt.

P. BRAIDO spricht bei den manigfaltigen Tätigkeitsfelder von einem "globalen Charakter des Projekts" Don Boscos, das über die ausschließlich pädagogischen Dimensionen hinausgeht. Don Bosco selbst gibt einen Einblick über seine Aktivitäten in dem 1881 veröffentlichte Schreiben mit dem Titel "Kurze Notiz über das Ziel der frommen Salesianischen Gesellschaft (Breve Notizia sullo scopo della Pia Società Salesiana)". Darin schreibt er: "Das Ziel der frommen Salesianischen Gesellschaft besteht darin, der armen und verlassenen Jugend zu Hilfe zu kommen. Das begann mit einem einfachen Katechismusunterricht (am 8. Dezember) 1841 in (der Sakristei) der Kirche des hl. FRANZ von ASSISI in Turin." Um dies zu erreichen sind die Festtagsoratorien und die Freizeitplätze ("Oratorii festivi e giardini die ricreazione") entstanden, hinzu kamen die Abendschulen ("Scuole serali") sowie die Tagesschulen wie die Hospize bzw. Heime ("Scuole diurne" / "Ospizi"). Mit Hinweisen auf das gedeihliche Wachsen der Einrichtungen und das Entstehen von kirchlichen Berufen, wie auf die Arbeiten der ausländischen Missionen und das Wirken der Don-Bosco-Schwestern kommen Hinweise auf die Salesianischen Mitarbeiter, "die Werke der Nächstenliebe ausführen, um die guten Sitten und die zivile Gesellschaft zu fördern, indem sie ihren besonderen Eifer auf das Wohl der armen und verlassenen Kinder richten." Zwischen dieser Zielsetzung und der gängigen Praxis tut sich doch ein erhebliches Spannungsverhältnis auf, da es bis heute noch nicht richtig gelungen ist, die Salesianischen Mitarbeiter von dem Nimbus der "bloß zahlenden Mitarbeiter" zu befreien.

Don Bosco berichtet: "Jedes Jahr (werden durch diese Bemühungen) ungefähr 25000 (handschriftlich korrigiert auf 40000) der zivilen Gesellschaft zurückgegeben als gute Christen und ehrenvolle Bürger (buoni cristiani ed onesti cittadini)".

Die Salesianische Kongregation und die Salesianischen Mitarbeiter betrachten Don Bosco als wichtigste Hilfe seines Projekts, "gute Christen und ehrenvolle Bürger" für die Gesellschaft zu erziehen. In einem als Testament gedachten Rundschreiben an seine Mitarbeiter, die er mit "meine guten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen" anredet, schreibt er: "Die Pflicht, die ich einzulösen habe, ist der Dank für all das, was ihr getan habt, um mir in der christlichen Erziehung zu helfen und dadurch so viele arme Jugendliche auf den Weg der Tugend und der Arbeit zu schicken, damit sie zum Trost ihrer Familien würden, nützlich sich selbst und der zivilen Gesellschaft, und vor allem, damit sie ihre Seele retteten und auf diese Weise ewig glücklich würden.

Ohne eure Liebe hätte ich wenig oder nichts machen können; mit eurer Liebe haben wir dagegen mit der Gnade Gottes zusammengearbeitet, um viele Tränen zu trocknen und um viele Seelen zu retten. Mit eurer Liebe haben wir zahlreiche Schulen und Heime (Collgi ed Ospizi) gegründet, wo Tausende von Waisen vor der Verlassenheit bewahrt wurden und werden, entzogen der Gefahr der Gottlosigkeit und der Immoralität, und wo sie durch eine gute Erziehung, durch das Studium und die Ausbildung in einem Beruf zu guten Christen und vernünftigen Bürgern gemacht wurden.

Mit eurer Liebe haben wir die Missionen gegründet bis in den entferntesten Zonen der Erde, in Patagonien und in Feuerland, und es wurden Hunderte von Arbeitern des Evangeliums (dorthin) geschickt, um den Weinberg des Herrn auszubreiten und zubebauen.

Mit eurer Liebe haben wir Druckereien eingerichtet in verschiedenen Städten und Ländern und unter dem Volk mehrere Millionen Exemplare von Büchern und Druckseiten veröffentlicht zur Verteidigung der Wahrheit, zur Förderung der Frömmigkeit und zur Erhaltung der guten Sitten.

Mit eurer Liebe haben wir auch viele Kapellen und Kirchen errichtet, in denen man durch die Jahrhunderte hindurch bis zum Ende der Welt jeden Tag das Lob Gottes und der Seligen Jungfrau singen und so viele Seelen retten möge."

7.1 Die ganzheitliche Praxis (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Was ist hier gemeint? Wenn von jugendpastoralem Tun die Rede ist, dann ist darunter das umfassende pastorale Tun Don Boscos "mit, unter und an jungen Menschen" zu verstehen. Also nicht nur das katechetische, das liturgisch-sakramentale Geschehen, sondern auch das pädagogische und soziopolitische Handeln, das als ein diakonales Tun zu bezeichnen ist. Damit sind religiöse Erziehung und Sozialisation interdisziplinäre Sachverhalte, die nicht an bestimmte wissenschaftliche Disziplinen gebunden sind. Dabei bezeichnen Erziehung und Sozialisation nicht das gleiche. Erziehung ist hier verstanden als ein 'geplantes' einwirken auf Lern- und Sozialisationsprozesse. Und mit Sozialisation sind die vielfältigen Prozesse funktionaler und intentionaler, also die ungeplanten und die geplanten, durch welche junge Menschen sozial und personal deutungs- und handlungskundig werden, gemeint. Ebenso die unbewußt und unkontrolliert ablaufenden Sozialisationsabläufe sind, wobei es sich bei ihnen in jedem Fall um Lernprozesse des gesellschaftlichen wie individuellen Lebens handelt, bis zu einem gewissen Maß erzieherisch. Damit ist Erziehung als zielgerichtetes, planvolles Tun Teil des Sozialisationsprozesses.

Hier verstehen wir pädagogisches Tun als grundlegender Dienst (Diakonie) an der Subjektwerdung der Kinder, der Jugendlichen und der Heranwachsenden, da in erster Linie Heilstun im Auftrag und Bestimmung Jesu Christi geschieht. P. BRAIDO schreibt, daß Don Bosco seine Präsenz unter der Jugend als "religiöse Mission, evangelisierend, pastoral, ausgerichtet in erster Linie auf das 'Heil der Seelen'. ... Aber vor den konkreten Jugendlichen, ... den 'armen und verlassenen', reagiert sein priesterliches Herz unmittelbar auch mit ganzer menschlicher Sensibilität, und der Einsatz für das ewige Heil verbindet sich mit aufrichtigem menschlichen Interesse für alle Bedürfnisse der Jugendlichen, angefangen mit den ganz elementaren ... wie Verpflegung, Kleidung, Unterkunft, Arbeit, Spiel. Unvermeidlich wird die 'Seelsorge' unabtrennbar zur wohltätigen, sozialen, erzieherischen Aktion." Es ist sicherlich nicht strittig, daß bei dem jugendpastoralen Tun Don Boscos die Entstehung und die geschichtliche Bedingtheit seiner jugendpastoralen Praxis bedacht werden muß. P. BRAIDO unterscheidet hier vier Phasen:

1) Die Periode zwischen 1841-1847. Don Bosco engagiert sich zugunsten der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung des "ancien règime". Die restaurative Verbindung von "Thron und Altar garantiert Ordnung, moralische Gesundheit, religiösen Frieden." Ebenso im Rahmen dieser politischen Ordnung bemüht sich Don Bosco um die vernachlässigten jungen Menschen, um deren Seelenheil zu bewahren und sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

2) Die Periode zwischen 1848-1858: Seit dem revolutionären Umsturz der alten Welt und dem damit verschwundenen Sinndeutungsmonopol der Kirche - und dem Verlust der kirchlichen Privilegien in der Gesellschaft - erscheint Don Bosco die Gesellschaft selbst als eine gefährliche Komponente, der begegnet werden muß. Die jungen Menschen müssen vor den schlechten Einflüssen dieser Gesellschaft bewahrt und die Kirche gegen die massiven Übergriffe der gesellschaftlichen Instanzen verteidigt werden.

3) Die Periode zwischen 1859-1861: Die politische und gesellschaftliche Einigung Italiens und die territoriale Entwicklung des italienischen Nationalstaates machen die Lösung der "Römischen Frage" immer notwendiger. Der damit einhergehende politische Druck auf die katholische Kirche, die zunehmende Liberalisierung des öffentlichen Lebens und der wachsende Einfluß nichtkatholischer Religionsgemeinschaften bedingen, daß Don Bosco sein Engagement immer mehr auf alle Jugendliche ausweitet, da er alle von den Gefahren der modernen Entwicklung bedroht sieht.

4) Die Periode zwischen 1862-1888: Das ursprünglich regional verfaßte Projekt Don Boscos nimmt nun nationale und sogar internationale Ausmaße an. Die gesellschaftliche Gegebenheit der Jugend wird allgemein als Problem der modernen Zivilisation betrachtet und in globaler Perspektive zu lösen versucht.

Um 1848 vollzieht Don Bosco einen Perspektiven- und Optionswandel, da er sich ab dort nicht mehr nur um die vernachlässigten, sondern er kümmert sich generell um alle junge Menschen, die er durch die liberalen gesellschaftlichen Entwicklungen stark gefährdet sieht. Inwieweit er dadurch tatsächlich eine global angelegte Handlungsstrategie entwickelt, wie dies K. BOPP in seiner Arbeit sehen will, um dieser generellen Gefährdung der jungen Menschen dadurch zu begegnen, ist so nicht auszumachen und wäre sicherlich von dem Schriftum Don Boscos in dieser Deutlichkeit nicht zu eruieren. Es fehlt nämlich an einem Konzept. Unter "Konzept" verstehen wir zunächst umgangssprachlich so etwas wie "Plan", "Rohentwurf", "erste Fassung". In ihm spiegelt sich die gegenständliche Wirklichkeit - in diesem Fall die erzieherische Praxis, wenn man so will das ganzheitliche Tun -, er ist mit ihr aber nicht identisch. Die Abfassung eines Konzeptes setzt reflektierende Distanz zum Objekt der Beschreibung oder Untersuchung voraus. Das von ihm später als "Präventivsystem" bezeichnete "Erziehungskonzept" mußte sich Don Bosco Schritt für Schritt selber erarbeiten, auch wenn ihm theoretische und praktische Anregungen aus dem pädagogischen und theologischen Milieu seiner Zeit zugeflossen sein mögen. Es zeigen sich erhebliche Spannungen zwischen seinem Theorie- und Praxisverständnis, wobei er mehr der Praxis zu vertrauen scheint.

7.1.1 Die armen und gefährdeten jungen Menschen - die pastorale Option (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Mit der Gründung seiner Oratorien legte Don Bosco den Grundstein für sein Werk. "Das Oratorium ist das erste und typischste Werk Don Boscos." Don Bosco verstand seine Oratorien als ein Arbeitsfeld mit spezifischen Zielsetzungen und Methoden. Sie standen offen für Kinder und Jugendlichen vor allem aus den ärmsten Schichten, um ihnen eine familienähnlichen Zufluchtsort zu bieten und damit eine neue Perspektive zu eröffnen. Im "Memorie dell'Oratorio" wird die Aussage R. WEINSCHENKS bestätigt, wobei gesagt werden muß, daß Don Bosco nicht als der ursächliche Gründer der Turiner Oratorien zu betrachten ist. Sein "Programm" bzw. sein Projekt beinhaltet im wesentlichen drei Strategien:

• die Befriedigung von Primärbedürfnissen

(Essen, Kleider, Unterkunft),

• die Befriedigung von sozialen Bedürfnissen

(Akzeptanz, Verantwortung u.a.),

• die Befriedigung von Bildungs- und Berufsansprüchen

(Schule, Ausbildung, Selbstverwirklichung).

Die Hausordnungen sehen für alle Oratorien einheitlich aus: Nach den Ausführungen über allgemeine pädagogische Grundsätze schließt sich ein erster Teil über die spezifische Ordnung an; im zweiten Teil wird über die in der Einrichtung gepflegten Lebensweise Auskunft gegeben und im dritten der Zweck der salesianischen Häuser und die Aufnahmebedingungen vorgestellt.

In einem Brief von 1850 fragt Don Bosco beim königlichen Hilfswerk "Mendicita Istruita" für verlassene und arme Jugendliche um Unterstützung für seine Unternehmungen nach und schildert sein Projekt folgendermaßen:

"Der Priester Johannes Bosco, im Bestreben für die am meisten verlassenen Jugendlichen alle die zivilen, religiösen und moralischen Vorteile zu besorgen, die ihm möglich wären, begann im Lauf des Jahres 1841, eine gewisse Zahl von ihnen an einem an die Kirche des hl. Franz von ASSISI angrenzenden Ort zu versammeln. Die Verhältnisse am Ort begrenzten die Zahl auf 70 oder 80 (junge Menschen).

Nachdem er aus beruflichen Gründen im Jahre 1844 an das fromme Werk des Rifugio (Kinderheim St. Philomena) übergesiedelt war, fuhr er auch hier fort, die genannten Jugendlichen zu versammeln, zu denen sich weitere andere bis zu 300 gesellten. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort machte man die Versammlung bald an diesem, bald an jenem Ort dieser Stadt, immer mit der Zustimmung der zivilen und kirchlichen Autoritäten.

Im Jahr 1846 konnte man hier den Platz pachten, auf dem man das Oratorium des hl. Franz von SALES in VALDOCCO eröffnete. Dort wurde die Ansammlung der Jugendlichen noch größer, manchmal zählte man 600 oder 700 Jugendliche zwischen zwölf und zwanzig Jahren, von denen ein großer Teil aus dem Gefängnis kam oder in Gefahr war, dorthin zu kommen. ...

Durch eine angenehme Erholungszeit, angereichert durch einige Unterhaltungen, durch Katechese, Unterricht und Gesang werden mehrere sittsam, arbeitsam und religiös. ... Es gibt hier auch ein Heim, das zwischen 20 und 30 Leute aufnehmen kann für die besonderen Fälle von extremer Not, in der sich oft jemand befindet."

Don Bosco schildert den Tagesablauf im Feiertagsoratorium so: "Die religiösen Handlungen laufen an den Feiertagen wie folgt ab: Am Morgen günstige Gelegenheiten für die, die beichten wollen; die Messe, der eine Erzählung aus der biblischen Geschichte oder der Kirchengeschichte oder die Erklärung des Tagesevangeliums folgt; dann die Erholung. Nachmittags Katechismusunterricht in Klassen, Vesper, kurze Anweisungen von der Kanzel, Segen mit dem Allerheiligsten, danach hält man die übliche Erholungszeit. Wenn die religiösen Handlungen beendet sind, ist es jedem freigestellt, zu bleiben um sich zu unterhalten oder nach Hause zu gehen. Wenn es Nacht wird, schickt man alle nach Hause und schließt das Oratorium." Die verlassenen und armen Jugendlichen sind die Option des pastoralen Tuns Don Boscos.

Don Bosco schreibt: "Ut filios Dei, qui erant dispersi, congregaret in unum. Joh.c.11.v.52. Die Worte des heiligen Evangeliums, die uns erkennen lassen, daß der göttliche Erlöser vom Himmel auf die Erde gekommen ist, um die Kinder Gottes zu sammeln, die in den verschiedenen Teilen der Erde zerstreut sind, kann man meiner Meinung nach wörtlich auf die Jugend unserer Tage anwenden. Dieser empfindlichste und wertvollste Teil der menschlichen Gesellschaft, auf den sich die Hoffnungen auf eine glückliche Zukunft gründen, ist nicht aus sich heraus verdorben. Wenn die Vernachlässigung durch die Eltern, der Müßiggang, die Begegnung mit schlechten Kameraden, denen sie besonders an Festtagen unterworfen sind, beseitigt sind, gelingt es sehr leicht, in ihre zarten Herzen die Prinzipien der Ordnung, der guten Sitten, des Respekts, der Religion einzuflößen. ... Als die geeigneten Mittel, um den Geist der Religion in die ungebildeten und verlassenen Herzen einzugießen, gelten die Oratorien. Diese Oratorien sind gewisse Versammlungsorte, an denen man die Jugend in angenehmer und ehrenvoller Erholung unterhält, nachdem man den heiligen Handlungen in der Kirche beigewohnt hat. ... Als ich mich diesem Teil des heiligen Dienstes hingab, wollte ich meine ganze Mühe der größeren Ehre Gottes und dem Heil der Seelen weihen, wollte ich mich darum bemühen, auf dieser Erde gute Bürger heranzubilden, damit sie dann eines Tages würdige Bewohner des Himmels würden."

Hier wird das biblische Handlungsmotiv Don Boscos klar bezeugt. Der Heilsdienst umfaßt den ganzen Menschen in all seinen Lebensaspekten; es wird nichts ausgrenzt. Leib und Seele sind bei Don Bosco ein Ganzes; er handelt aus der wirklichen Situation heraus. Evangelium, Caritas, Diakonie sind die Ablaufgestalten Don Boscos die sich am Leben Jesu Christi ausrichten. Zitate aus dem "Cenno storico" bezeugen dies: "Diese ersten Anfänge ließen mich zwei äußerst wichtige Wahrheiten erkennen: daß die Jugend im allgemeinen nicht aus sich heraus schlecht ist; aber daß sie umsomehr so wird durch den Kontakt mit den Schlechten und daß dieselben Schlechten, wenn sie voneinander getrennt sind, offen für große moralische Veränderungen sind. ... In jener Zeit, als ich die Gefängnisse von Turin besuchte, konnte ich entdecken, daß die Unglücklichen, die sich an jenem Ort der Bestrafung befanden, zum größten Teil arme Jugendliche waren, die von weit her in die Stadt kamen, entweder aus der Notwendigkeit, sich eine Arbeit zu suchen, oder angelockt durch irgendeinen Taugenichts. Vor allem jene geben an den Festtagen, sich selbst überlassen, das wenige Geld, das sie während der Woche verdient haben, für Spiele oder Leckerbissen aus. Und das ist die Ursache vieler Laster; und diese Jugendliche, die gut waren, werden schnell gefährdet und gefährlich für alle."

Don Bosco bezeugt eine klare pastorale Option für die "verlassenen und gefährdeten" jungen Menschen. Er formuliert: "Ich wandte mich also dieser Klasse der Jugendlichen zu, die am meisten verlassen und gefährdet (più abbandonati e pericolanti) waren, und im Verlauf jeder Woche bemühte ich mich, entweder durch Versprechungen oder durch kleine Geschenke (solche) Jugendliche zu gewinnen." Aufgenommen wurden ins Oratorium Jugendliche "die zwischen 12 und 18 Jahre alt waren, die Vollwaisen waren und die vollständig arm und verlassen waren (totalmente poveri ed abbandonati)." Hier wird offengelegt, daß Kirche eindeutig die Evangelisierung "in Wort und Tat" als kirchliches Tun versteht.

Inwieweit er die Tragweite seines Handelns überschaute, ist heute auch aus den Quellen nicht auszumachen, da er doch trotz seiner vorausschauende pastoralen Arbeit im kirchlichen Verständnis seiner Zeit verharrte, und gerade den Freiheitsbegriff des Liberalismus radikal ablehnte. Woher P. BRAIDO die Einschätzung nimmt, daß das Oratorium das "fundamentale Prinzip der 'Freiheit'" in diesem Sinne sei, ist von den Quellen her nicht auszumachen, denn auch Don Bosco legte auf Disziplin und Einhaltung der Regeln , sowie auf Unterordnung gegenüber der legitimen Autorität absoluten Bedeutung und der Kontakt zur Außenwelt der Jugendlichen wurde nicht sehr gern gesehen.

Die Liebe Gottes zu den Menschen ist nur in den konkreten Lebensverhältnissen der Menschen erfahrbar und nicht nur in der abstrakten Verkündigung. P.M. ZULEHNER ist beizupflichten, wenn er das "Primärziel" der Kirche als "Heils-Dienst, Dienst am Heil der Welt" benennt. Es ist unbestritten, daß Don Bosco mit seiner Option für die armen und verlassenen Jugendlichen eine geschwisterliche Art und Weise des Umgangs mit den Jugendlichen praktizierte und lebte. Durch das Arbeitsfeld bedingt, kamen seine Jugendlichen aus allen Regionen und waren pfarrlich so nicht gebunden. Deswegen kam es mit den umliegenden Pfarreien der Oratorien, da auch in der damaligen Zeit die pastorale Arbeit pfarrzentriert und ausgrenzend gegen Fremde betrieben wurde, zu Spannungen, da diese glaubten, daß durch die Oratorien ihnen die Jugendlichen abgeworben werden würden. Don Bosco beschreibt dies so:

"In jener Zeit stand ein anderes Gerede im Vordergrund, das man schon früher verbreitete: die Oratorien seien ein beabsichtigtes Mittel, um die Jugend von den betreffenden Pfarreien zu entfernen; um sie in verdächtigen Maximen zu unterrichten. Jener letzte Vorwurf gründete sich hauptsächlich darin, daß ich meinen Jugendlichen jede Art von Erholung erlaubte, sofern sie nur nicht sündig oder gegen den Anstand sei. Bezüglich des ersten Vorwurfs versuchte ich mich damit zu rechtfertigen, daß ich feststellte, daß es mein Ziel sei, nur jene Jugendliche zu versammeln, die in überhaupt keine Pfarrei gingen und die zum größten Teil nicht einmal wüßten, zu welcher Pfarrei sie gehörten, da sie von auswärts kämen. Je mehr ich mich jedoch bemühte, die Dinge so darzustellen, wie sie wirklich waren, desto mehr wurden sie verkehrt interpretiert."

Solche oder ähnliche Spannungen sind oftmals auch heute noch in unseren katholischen Pfarreien gegenüber übergreifenden pastoraler Jugendarbeit zu beobachten. Die pastorale Praxis Don Boscos hat sicherlich vier bedeutsame Aspekte der Jugendpastoral benannt:

1) für neue gesellschaftliche Erfordernisse ist die überkommene pfarrzentrierte und rigide Jugendpastoral nicht tauglich, da sie mehr ausgrenzt als integiert und damit nicht anpassungs- und innovationsfähig ist; die Kompatibilität der Strukturen ist damit eingleisig und verkrustet;

2) die pastoralen Erfordernissen stehen unabhängig der innerkirchlichen Auseinandersetzungen im Vordergrund und haben Priorität vor innerkirchlicher Disziplin und Gleichschaltung;

3) die unabdingbaren Bedürfnisse der jungen Menschen sind nicht an das Objekt gebunden, sondern sind konstitutiv für eine Jugendpastoral, die sich am Evangelium und an der Diakonie orientiert;

4) Die Strukturelemente "Inhalte", "Kommunikation" und "Geist" sind in einer situationsgerechten Jugendpastoral die Korrektive die Ausblick und Weitblick ermöglichen und so verhindern, daß sich Jugendpastoral verkapselt und andere ausschließt. Denn in komplexen, sich immer mehr differenzierenden Gesellschaften ist es auch pädagogisch notwendig die Mitteilung von "Inhalten" zu gewährleisten, da sie der Anleitung bzw. Tradierung von "Kompetenzen" kognitiver, affektiver und pragmatischer Art dienen, und Erziehung als "Lebenshilfe" geschehen muß; diese kann, wenn sie realistisch ist, nicht neutral sein, sie ist parteiisch und bezieht Stellung, "ob gelegen oder ungelegen". Je vielfältiger und differenzierter das Repertoire an Deutungs- und Handlungsmustern für verändernde Situationen ist, desto spezifischer kann man sich in der Veränderung verhalten.

Don Bosco bleibt nicht beim Freizeitgestalten und der religiösen Unterweisung stehen. Im Winder 1846 gründet Don Bosco Schulen an seinen Oratorien: "Große Fortschritte machten die Abendschulen und die Sonntagsschulen. Der Unterricht bezog sich auf die Fächer Lesen, Schreiben, Gesang, biblische Geschichte, Elemente der Arithmetik und der italienischen Sprache." Don Bosco zeigt dadurch, daß jugendpastorales Tun den ganzen Menschen einschließt, Leib und Geist, Seele und sich radikal am Evangelium und am Tun Jesu orientiert. Doch im gewissen Sinne entzieht er sich bewußt nicht einer Pastoral, die eine autoritative Verrechtlichung des "ekklesiologischen Ansatzes, den Aufbau der römisch-katholischen Kirche als einer der laikalen Gesellschaftsordnung entgegengesetzten civitas Dei ... (fördert) ...", und zwar dadurch, "daß (er) ... eine vor allem auf Recht, kirchlichen Gehorsam und christlicher Opfergesinnung basierende 'Verwaltung des katholischen Hirtenamtes' durch die niedrigen Seelsorger ... (unterstützt und verteidigt)." Das hindert Don Bosco nicht daran neue Projekte zu eröffnen.

Don Bosco formuliert 1877: "Wir sind in Zeiten, in denen man arbeiten muß. Die Welt ist materialistisch geworden, daher muß man arbeiten und das Gute, das man macht, bekannt machen. Wenn einer auch Wunder wirkt und Tag und Nach in seiner Zelle betet, so kümmert das die Welt nicht, und sie glaubt daran auch nicht mehr. Die Welt muß sehen und berühren können. ... Die gegenwärtige Welt will die Werke sehen, will den Klerus arbeiten sehen, will sehen, daß er die arme und verlassene Jugend unterrichtet und erzieht, mit karitativen Einrichtungen, mit Hospizen, mit Schulen, durch Handwerks- und Berufsausbildung. ... Und das ist das einzige Mittel, um die arme Jugend zu retten, indem man sie in der Religion unterrichtet, - und so christianisiert man auch die Gesellschaft." Don Bosco verändert zwar nicht seine ursprüngliche Option für die armen und verlassenen jungen Menschen, verlagert aber ab 1849 sein jugendpastorales Tun immer mehr auf kirchliche Rekrutierung von jungen Menschen, was viel von seiner Bedeutung wegnimmt.

7.1.2 Der pastorale Stil Don Bosco - das Präventivsystem - die Pädagogik der Vorsorge (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

In Anschluß an Alfred PETZELT bestimmt das "Lexikon der Pädagogik" die "Pädagogik der Vorsorge" als eine "Präventivpädagogik", die Fehlentwicklungen bzw. die Notwendigkeit von "Heilerziehung" ausschließen soll: "Je mehr sie dabei zum Positiven eines erfüllten Lebens hinführt, um so mehr lenkt sie vom Negativen ab und nimmt ihm den Einflußraum (Pestalozzi, J. Paul, H.H. Wichern, G. Bosco, E.J. Flanagan, A.S. Makarenko). Erst in zweiter Linie bezeichnet und bekämpft sie das Negative direkt, ohne es ins Zentrum zu rücken und somit ungewollt festzuhalten. Nicht einseitige Gängelung, verletzende Strenge oder optimistisches Treibenlassen, sondern Liebe, Freude, Initiative, Ermutigung, Vertrauen, verbunden mit taktvoller Aufsicht, fördern den Prozeß kritischen Mündigwerdens, der sich durch Verantwortungsbewußtsein, Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und Achtung vor Mitmenschen selbst begrenzt. Um Ziele, Inhalte und Maßnahmen einer vorbeugenden Erziehung zu verwirklichen, müssen sie z.B. auf Abschnitte erhöhter Sensibilität (Säugling, Kleinkind, Pubertät) individueller Lebensläufe und ihre gesellschaftlichen Bedingungen (Sozialschicht, Kindergarten, Schule, Beruf) abgestimmt werden."

So betrachtet ist die Prävention ein Prinzip der gesamten Menschenführung, das durch eine diesbezügliche Gesetzgebung den Staat und die damit befaßten öffentlichen Einrichtungen auf ein entsprechendes sozialpolitisches und sozialpädagogisches Handeln verpflichtet. Zu nennen sind hier die Präventivgesetzgebung (Jugendschutzgesetz), die Wohlfahrtspflege, die Präventivfürsorge - auch unter dem Gesichtspunkt der Suchtbekämpfung nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Suchtbekämpfung. Aus diesen Darstellungen ergibt sich im Präventiv-Gedanken Don Boscos eine gewisse "Allgemeingültigkeit", die ihn auch in einem anderen Zusammenhang verwendbar macht.

In dieser allgemeinen Bedeutung haben die Begriffe "Vorbeugung", "Prävention" und "Prophylaxe" als "fester Bestandteil der Reformrhetorik der Jugendpolitik" in jüngster Zeit eine außerordentliche Beachtung erfahren. Beschrieben wird damit ein institutionelles Interventionshandeln, mit der die Regulierung des abweichenden Verhaltens von Kindern und Jugendlichen intendiert wird. Als solche sind sie über den Enquete-Bericht des Deutschen Bundestages zur Lebenssituation der Jugend (1983) in den jugendpolitischen Zielkatalog kommunaler Jugendplanung geraten und darüber hinaus zur Formulierung von Leitprogrammen jugendbehördlicher und jugendstrafrechtlicher Sozialkontrolle herangezogen worden.

Die hohen Erwartungen, die an diese Konzeption geknüpft wurden, sind allerdings nicht in Erfüllung gegangen: "An die Stelle unreflektierter Befürwortung tritt vielmehr Kritik an einer Jugendpolitik, die mit dem Präventionsmotiv ein neues legitimationsstiftendes Etikett für eine soziale Praxis gewinnt, welche die Kontrollinteressen und Ordnungskalküle des >Sicherheitsstaates< in immer neue Bereiche des Alltags trägt und auf diese Weise dazu beiträgt, ein problemsensibles und feinmaschiges Kontrollnetz über die unterschiedlichen Ausschnitte der Lebenswelt junger Menschen zu legen. Hoffnung und Skepsis markieren so das Terrain, auf dem die Auseinandersetzung über eine vorbeugende Programmierung der kommunalen Problemverwaltung stattfinden."

Die boscanische Auffassung von Prävention kann mit ihrem religiösen Hintergrund gegen eine solche Totalvereinvernahme durch ein staatliches Interesse schützen, wenn die Spiritualität aufrichtig auf die Dauer gepflegt wird. Für die Salesianer bedeutet der Präventiv-Gedanke nämlich mehr als nur eine allgemeine juridische Bestimmung der gesellschaftlichen Verpflichtung zum sozialen Handeln. Er ist der Kern, der schwer bewahrt und zeitgemäß tradiert werden kann, der pädagogischen Methode, die Don Bosco seiner Familie anvertraut hat. Dadurch wird neben dem erzieherischen auch der pastorale Aspekt hervorgehoben - mehr noch: Die Pastorale selbst wird zum wesentlichen Träger des pädagogischen Geschehens.

Don Bosco war zeitlebens um eine Aktualisierung und Ausgestaltung seiner pädagogischen Methode bemüht. In seinen Augen hatte sie nie eine endgültige Gestalt angenommen. Dennoch sah er sich wiederholt genötigt, sie wie ein Ganzes - als "System" - zur Darstellung zu bringen. Wenn er sie dann skizzierte, pflegte er hinzuzufügen, daß es sich nur um ein vorläufige Formulierung handele. Don Bosco sah, daß die "alte Welt" mit ihren Methoden und Werten im Zeitalter des Umbruches von der Agrar- in eine Industiegesellschaft nicht mehr im Stand war, die Entwurzelung und Verwahrlosung vieler Heranwachsender aufzuhalten, daß neue Wege für den sittlichen-religiösen Bildungsvorgang wie auch für die Erziehung im allgemeinen unabdingbar wurden. Ein Prinzip der boscanischen Erziehung lautet: Jeder Mensch muß seine Verhaltens- und Leistungsformen selbst erlernen.

Das Handlungskonzept Don Boscos ist unter dem Begriff "Präventivsystem" - "Pädagogik der Vorsorge" im deutschsprachigen Gebiet publik geworden. Don Bosco hatte sicherlich kein ausgearbeitetes pädagogisches Konzept für seine Arbeit gehabt. Im Jahr 1877 legt Don Bosco seine "Erziehungstheorie" mit dem Titel "Il sistema preventivo nella educazione della gioventù" vor, die er veröffentlichte. Diese Schrift kann zwar nicht einfach mit der damaligen Praxis gleichgesetzt werden, wobei doch eine Zusammenschau der jugendpastoralen "Praxistheorie" Don Boscos aufliegt. Diese Umsetzung von "Theorie" in pädagogische Praxis ist demnach kein Automatismus im Sinne einer einlinigen Verdinglichung. Die Erziehungstheorie kann weder die erzieherische Praxis in ihrer konkreten Wirklichkeit erfassen noch unmittelbar in sie praktisch eingreifen. "Diese <doppelte pädagogische Differenz> ist weder theoretisch noch praktisch ohne weiteres überwindbar." Im Lichte dieser "pädagogischen Differenz" werden Don Boscos Schwierigkeiten mit der theoretischen Bewältigung seines erzieherischen Programms deutlich: Als Praktiker mit Leib und Seele fürchtete er vielleicht, in der abstrakten Allgemeinheit der wissenschaftlichen Theorie die konkrete Praxisbindung einzubüßen. Sein "Präventivsystem" war für ihn abstrakt genug, um einer weiteren Anhängerschar vermittelbar zu sein, und konkret genug, um den notwendigen Praxisbezug nicht aus dem Auge zu verlieren.

Als Orientierungsrahmen für die Mitarbeiter seiner pädagogischen Einrichtungen hatte Don Boscos "Präventivsystem" eine dreifache Vermittlung zu leisten: Auf der Grundlage der anthropologisch-weltanschaulichen Vorentscheidung (Vernunft-Religion-Liebe) hatte es das methodische Instrumentarium bereitzustellen, um die Erziehungsziele (verantwortungsbewußter Staatsbürger, "mündiger" Christ) realisieren zu können. Solange dies gewährleistet war, brauchte eine umfassendere und fundierte theoretische Rechtfertigung nicht formuliert werden.

Don Bosco sagt: das sogenannte Präventivsystem, das "sich ganz auf die Vernunft (ragione), die Religion (religione) und die Liebeswürdigkeit (amorevolezza) stützt und deshalb jede gewaltsame Züchtigung ausschließt und auch leichtere Strafen fernzuhalten sucht."

• "Das Präventivsystem ... macht den Jugendlichen zum Freund. ... Im Präventivsystem wendet sich der Erzieher so an den Jugendlichen, daß er immer die Sprache des Herzens sprachen kann."

• "Das Präventivsystem gewährt den jungen Menschen große Freiheit, nach Herzenslust zu springen, zu laufen und zu lärmen. ... 'Macht alles, was ihr wollt', sagte der große heilige Freund der Jugend Philipp NERI, 'mir genügt es, wenn ihr keine Sünde begeht.'"

• Im Präventivsystem sind "die häufige Beichte und Kommunion und die tägliche Messe ... die Säulen, die das Gebäude der Erziehung tragen müssen, von der man Drohung und Stock fernhalten will. Man soll die Jugendlichen nicht zum Empfang der Sakramente nötigen, sondern sie nur dazu ermuntern und bequeme Gelegenheit zum Empfang bieten."

• Das Präventivsystem sieht in der sogenannten "Gute Nacht" eine bedeutendes Element:

"Jeden Abend nach den gewohnten Gebeten, bevor sich die Jugendlichen zur Ruhe begeben, richte der Direktor oder ein anderen an seiner Stelle einige herzliche Worte an alle und erteile Mahnung und Rat, was zu tun oder zu unterlassen ist. Dabei bemühe er sich, seine Anweisungen aus den Tagesereignissen in und außerhalb des Hauses abzuleiten."

• Das Präventivsystem betont die wohlwollende, liebenswürdige Einstellung zum jungen Menschen und lehnt Strafen grundsätzlich ab: "Der Erzieher bemühe sich, die Liebe seiner Jugendlichen zu gewinnen, wenn er gefürchtet sein will. Dann ist bereits der Entzug des Wohlwollens eine Strafe, die den Eifer anspornt, ermutigt und nie demütigt."

Diese handlungstheoretischen Ansätze sind eingebettet in einer "familialen" Umgangsart mit den jungen Menschen. Es sagt: "Familiarität mit den Jugendlichen besonders in der Freizeit. Ohne Familiarität zeigt sich die Liebe nicht, und ohne diesen Beweis der Liebe kann es kein Vertrauen geben. Wer geliebt sein will, muß zeigen, daß er liebt. Jesus Christus wurde klein mit den Kleinen und nahm unsere Schwäche auf sich. Er ist das Modell der Familiarität." Hier kommen heutige Begriffe wie "Vorgangsqualitäten" oder "Ablaufsgestalten" ins Gespräch. Nach F. SCHMID lassen sich an "Vorgangsqualitäten" festmachen: "Wertschätzung, Vertrauen, Freundlichkeit, Ermutigung, Verfügbarkeit und Güte"; an den "Ablaufsgestalten": "Familiarität, Sichtbarkeit und Spürbarkeit der erzieherischen Liebe, (die auch gewaltfreie Erziehung meint), Kontinuität und pädagogischer Takt."

Gerade im Hinblick auf die Familiarität ist sicherlich noch erwähnenswert, daß die Mutter Don Boscos, Mamma MARGHERITA, seit 1846 bis 1856 zu ihrem Tode im Oratorium mitwirkte, ebenso die ihre Schwester MARIANNA, Don Ruas Mutter, die Mutter des Klerikers BELLIA, die Mutter des zukünftigen Erzbischofs GASTALDI. Nachdem die Mutter Michael MAGONES, Marianne MAGONE, 1872 verstarb "hörte die Tradition der Mütter (la tradizione delle mamme) auf. Es waren die Zeiten, als das Kolleg schon gut organisiert war. Und das religiöse Leben der Kongregation vertrug sich nicht mehr mit der Anwesenheit von Frauen im Haus; Don Bosco dachte schon an die Töchter Maria Hilfe der Christen." P. STELLA meint dazu: "Die Kategorie der Mütter, eingeführt in Valdocco seit dem Beginn des stabilen Oratoriums, kam zum Verlöschen mit dem Tod der Mutter Magones (1872) und sie wurde nicht wieder zum Leben erweckt. Die Familie des Oratoriums verlor damit die Anwesenheit der weiblichen Dimension." Hier war er ein Kind seiner Zeit, wobei heutige pastorale Praxis kaum ein weitergehendes Verständnis der "weiblichen Dimension" ausweist. Ein erhebliches Defizit in der Pastoral, das theologisch und sachlich nicht legitimiert werden kann.

Es darf konstatiert werden, daß trotz der erheblichen Differenz zwischen der tatsächlichen Praxis und den hier aufgeführten Handlungsanleitungen des Präventivsystems Don Boscos sein praktiziertes jungendpastorale Tun seiner Zeit voraus war. In einem Lotterieaufruf 1857 für arme und vernachlässigte junge Menschen finden sich die Handlungsmotive für sein jugendpastorales Tun: Die Liebe des Evangeliums ... den Bedürftigen zu Hilfe zu kommen ... der Wunsch, das moralische Wohl der verlassenen Jugend zu fördern ... jene liebenswürdige Hilfe eines guten Vaters ... denen, die völlig arm und verlassen sind ... ein Handwerk oder einen Beruf zu verschaffen ... ihnen Unterkunft, Verpflegung und Kleidung zu geben ... um sie zu guten Christen und ehrenvollen Handwerkern zu machen." Wir werden noch weiter untersuchen inwieweit es seine Nachfolger zubrachten das Programm Don Boscos weiter zu tradieren.

7.1.2.1 Die methodisch-didaktischen Prinzipien (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach BREZINKA gliedert sich die Pädagogik in drei Teilgebiete: Die Lehre von den Erziehungszielen, die Lehre von den Methoden und Organisationsformen und die Lehre vom Educanden. Die Methoden und Organanisationsformen der Erziehung setzen Zielentscheidungen voraus und stützen sich auf Hypothesen über Bedingungszusammenhänge: "Im Falle der Pädagogik ist die angestrebte Wirkung stets ein bestimmter Zustand der Persönlichkeit. Nur wenn man die Bedingungen für seine Entstehung kennt, läßt sich abschätzen ob es Mittel gibt, diesen Zustand herbeizuführen. Jede pädagogische Kunstlehre ist auf Kausalerkenntnisse angewiesen. Ihre Regeln oder Handlungsweisungen sind technische Normen." Nach Giesecke stehen Methodik und Didaktik in einem engen Zusammenhang: "Die Art und Weise der Stoffdarstellung impliziert immer auch eine Vorstellung über das Was und Warum. Allgemeiner ausgedrückt: Die Methode der Darbietung ist konstitutiv für den Stoff, den Gegenstand selbst."

Technische Normen im Sinne von BREZINKA machen den pädagogischen Prozeß überprüfbar, ermöglichen Erfolgskontrolle. Sie rationalisieren das pädagogische Vorgehen, indem sie die Verwirklichung der Ziele über die Planung und Organisation von Einzelschritten anstreben bis hin zu einer effektiven und meßbaren Unterrichtsgestaltung. Das setzt Kenntnisse der empirischen Bedingungen für Lernen, Verhaltensentwicklung und -steuerung voraus. So besehen verschränken sich in Methode und Didaktik der weltanschauliche Bezugsrahmen der operationalisierten Lernziele mit den formalen Anforderungen an seine wissenschaftliche Vorgehensweise.

Diesen Vermittlungsprozeß kritisch nachvollziehen, verlangt ein hohes Maß an Abstraktionsbereitschaft, mit dem sich vornehmlich hagiographisch orientierte Interpreten der Pädagogik Don Boscos schwertun. C. SALOTTI zum Beispiel leitet das Methoden-Kapitel seiner Don-Bosco-Biographie mit der Feststellung ein: "Die besten und ausgezeichnetsten Erzieher waren immer die Heiligen." Was folgt, reicht dann erwartungsgemäß über eine Deskription des Faktischen nicht hinaus. Der heutigen Pädagogik offeriert eine solche Darstellung nur die Reproduktion eines historischen Modells.

"Die unmittelbare Erleuchtung Gottes", die in diesem Zusammenhang gerne als Legitimation für Don Boscos Desinteresse an einem theoretischen System angeführt wird steht doch in einem merkwürdigen Kontrast zu seinem planvollen, zielgerichteten Vorgehen sowohl bei der Gründung und Ausweitung seiner Institutionen als auch in der pädagogischen Führung seiner Zöglinge.

Man kann sagen, daß Don Boscos Handeln "Methode" hatte, auch wenn es didaktisch nicht so weit ausdifferenziert war wie etwa bei J.A. COMENIUS oder J.H. PESTALOZZI, ganz zu schweigen von einem philosophisch durchkonstruierten Systementwurf wie dem des Göttinger Lehrstuhlinhabers J.F. HERBART, in dessen "Allgemeiner Pädagogik" die "Einheit neuzeitlichen pädagogisches Denkens und Handelns" thematisiert wird und der das Verhältnis von System und Methode innerhalb seiner "Theorie des erziehenden Unterrichts" reflektiert.

Don Boscos Methode zielt somit nicht auf eine instrumentelle, sondern auf eine interaktive Bestimmung des pädagogischen Wirkens, d.h. er versteht den Jugendlichen nicht als Objekt erziehungstechnischer Manipulationen auch nicht als spontan handelndes autonomes Subjekt, sondern als ein Individuum, das seine Persönlichkeit im Erziehungsprozeß mitentwickelt.

Die erste methodische Prämisse seiner Pädagogik könnte als "individualisierte Erziehung" beschrieben werden, die zweite, nicht weniger wichtige, als "ganzheitliche". Die erste Prämisse verlangt vom Erzieher ein genaues Erfassen der Situation des einzelnen Jugendlichen, die zweite die ständige Sorge um sein leibliches und geistiges Wohl: "Don Boscos größtes Anliegen war es, für alle authentischen Interessen der Jugendlichen offen zu sein."

Sofern es um die Weitergabe von Wissen und Werten geht, stehen die Prinzipien der Freiwilligkeit, der Faßlichkeit, der Transparenz, der individuellen und altersbedingten Besonderheiten und der damit verbundenen Leistungsanreize im Vordergrund. Dies gilt im Rahmen seines "Systems", das von den Kindern und Jugendlichen verlangt, daß sie die Religion als ihre eigene Sache betrachten. Wer dies ablehnt, kann nicht in seinen Häusern bleiben; in dieser Hinsicht endet die Freiwilligkeit. Kritisch soll hier angemerkt sein, daß Don Boscos "Präventivsystem" kein integratives pädagogisches Konzept darstellt. Die armen und vernachlässigten Unterschichten sowie der Mittelstand waren die vornehmlichen Adressaten seiner Bemühungen. Die Jugendlichen erhielten eine fachliche und allgemeine Ausbildung, wobei er darauf achtete, daß damit eine gute Erziehung verbunden war.

7.1.2.2 Der erzieherische Stil Don Boscos (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Im persönlichen Verhältnis zwischen Erzieher und Educanden entscheidet es sich, ob Erziehung glückt oder scheitert. Dieses Verhältnis ist die Nahtstelle zwischen Theorie und Praxis. J.F. HERBART, der den Ausdruck "pädagogischer Takt" in die erziehungswissenschaftliche Debatte eingeführt hat, nennt die Pädagogik eine Kunst, in derem Handeln die Pädagogik als Wissenschaft sich zu bewähren hat: Im Handeln nur lernt man die Kunst, erlangt man Takt, Fertigkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit; aber selbst im Handeln lernt die Kunst nur der, welcher vorher im Denken der Wissenschaft gelehrt, sie sich zu eigen gemacht, sich durch sie bestimmt und die künftigen Eindrücke, welche die Erfahrungen auf ihn machen sollte, vorbestimmt hat."

Während J.F. HERBART diese Vermittlung vornehmlich über eine wissenschaftliche und praktische Lehrerausbildung anstrebt, hat die geisteswissenschaftlich orientierte Pädagogik unseres Jahrhunderts den "pädagogischen Bezug" in den Mittelpunkt der Erziehung gestellt. Nach Herman NOHL meint der "pädagogische Bezug" ein besonders intensives Verhältnis: "Die Grundlage der Erziehung ist ... das leidenschaftliche Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, daß es zu seinem Leben und seiner Form komme."

Es geht bei diesem Erziehungsverhältnis darum, den Zögling mit der reiferen Persönlichkeit des Erziehers zu konfrontieren. "Der Erzieher wirkt gleichsam als ein Filter der gesellschaftlichen und ideellen Ansprüche, er führt diese dem Zögling nicht unmittelbar vor, sondern in der Weise, wie er sie selbst in seiner Persönlichkeit integriert hat, und so, daß sie dem rechtverstandenen gegenwärtigen und künftigen Wohl des Zöglings zugute kommen können." Die zentralen Begriffe lauten hier: "Liebe", "Bindung" und "Vertrauen". Sie machen deutlich, daß der damit charakterisierte personale Bezug einem familiären Leitbild entnommen ist.

Wenn heute mit der Infragestellung des "pädagogischen Bezugs" auch das familiale Leitbild in der Erziehung betroffen ist, insofern es nicht mehr geeignet sei, "ein angemessenes Selbstverständnis des professionellen Erziehers zum Ausdruck zu bringen", so ist doch Don Bosco, das historische Verdienst nicht abzusprechen, die Heimerziehung - zumal die katholische - revolutioniert zu haben.

Erzieherischer Stil im Sinne Don Boscos heißt:

- unermüdlicher, selbstloser und taktvoller Einsatz für jeden einzelnen jungen Menschen,

- Sinn für das Konkrete und Aufmerksamkeit auf die zeitbedingten Erfordernisse,

- Transparenz und Verbindlichkeit, Beständigkeit und Offenheit der pädagogischen Akte,

- Orientierung an wirklicher Autorität als Faktor für die Reifung zu einer - nicht im heutigen Sinne - selbstverantwortlichen Person-Sein.

Inwieweit sich dieser selbstlose Einsatz der ErzieherInnen in der Wirklichkeit tatsächlich durchhalten läßt, muß aus dem Praxisbezug angezweifelt werden. Die Professionen im psychosozialen und sozialpädagogischen Bereich laufen gegenwärtig Gefahr, selbst zu Risikoberufen zu werden. Ihr ursprüngliches Engagement weicht gegenüber der unbeherrschbaren Fülle an gesellschaftlichen Problemstellungen einer heillosen Ernüchterung oder zerbröselt zwischen den Sachzwängen von Organisationen und Verbänden. Ihr Alltag ist zunehmend von der Erfahrung der Vereinzelung geprägt; diesem Verhalt können sich die Salesianer auch nicht verschließen.

Das Ausbildungsangebot in den Häusern erstreckt sich auf vier Lehr- bzw. Lernbereiche:

- Freizeit (Oratorium),

- Schulunterricht (Abend- und Sonntagsschulen, Tagesschulen),

- manuelle Ausbildung (Werkstätten und Handwerksschulen),

- familiäres Zusammenleben (Heime und Internate).

Die Einrichtungen als solche sind nur Mittel zum Zweck: Grundlage und Ziel alles erzieherischen Handelns ist das zeitgenössische christliche Menschen- und Weltbild. Auf dieser Grundlage richtet Don Bosco seine Häuser ein und setzt einen Prozeß pädagogischer Differenzierungen in Gang, der sein Ziel - die gesellschaftliche Integration seiner Jugendlichen - erreicht.

Für jeden Lernbereich sind konkrete Normen und Verhaltensweisen durch die Heimordnung vorgegeben; hier gab es auch Gefahren einer Überwachungsstrategie, die hie und da auch praktiziert wurde. Im Sozialbereich werden Höflichkeit, Offenheit im Umgang mit den Kameraden, Verbindlichkeit und Fleiß erwartet, wobei die Jugendlichen durch Ämterübertragung aktiv in das pädagogische Geschehen eingebunden sind. Franz PÖGGELER spricht bei Don Boscos erzieherischem Alltag von boscanischer "Erlebnispädagogik". Für Don Bosco ist die individuelle Personwerdung immer ein dialogisches Geschehen, das ausgerichtet war, den jungen Menschen in die Gesellschaft und katholische Gemeinschaft zu integrieren; hier könnte ein Kritikpunkt sein, da er zwar erkannte, daß der Mensch nur am "Du" wirklich zum "Ich" werden kann, nur in der Form von Ruf und Antwort kann er Person und zur Persönlichkeit reifen, doch was die persönliche Entscheidungsfreiheit des Jugendlichen anbelangt, war diese in der damaligen Zeit besonders im katholischen Verständnis sehr verpönt und wurde von den Amtsträgern radikal abgelehnt.

7.2 Die Gründung der Salesianischen Kongregation (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Neben dem jugendpastoralen Tun in seinem "Präventivsystem" ist die Gründung und kirchenamtliche Anerkennung der Salesianischen Kongregation zentraler Punkt seiner Bemühungen. Es geht in hier nicht in erster Linie um eine genaue Schilderung des Ablaufs der Gründungsmodalitäten, sondern hauptsächlich um die gravierenden Handlungsabläufe und ihre Relevanz für die Pastoral.

Die Gründung der Salesianischen Gesellschaft steht im Verbund mit dem Wiederbeleben vieler alter Orden und der verschiedenen Neugründungen von Gesellschaften am Anfang und in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Bedeutung im unmittelbaren Umgebung in Piemont sind die Neugründungen: Die Sacerdoti delle scuole die carità der Brüder CAVANIS in Venetien - 1802 initiert und durch Rom 1828 anerkannt; die Oblati die Maria VERGINE von B. LANTERI in Piemont - 1815 initiiert und 1826 päpstlich anerkannt; das Institutio della carità von A. ROSMINI in der Lombardei - 1828 initiiert und 1838 durch Rom approbiert.

Die spezielle innerkirchliche Entwicklung im 19. Jahrhundert und die politische Gegebenheit in Piemont zu dieser Zeit haben wesentlich die Gründung der Salesianischen Gesellschaft beeinflußt. P. STELLA meint: "Unter den Ereignissen, die sich um Don Bosco nach der Gründung des Oratoriums abspielten, gibt es zwei, auf die man ein besonderes Augenmerk richten muß im Hinblick auf die Bedeutung, die sie für das Aufkeimen und die Entwicklung der salesianischen Gesellschaft als Idee und als Realität hatten: die damalige Schließung des erzbischöflichen Seminars in Turin im Jahr 1848 und das Gesetz vom 29. Mai 1855, das die Unterdrückung aller religiösen Gemeinschaften verfügte, mit Ausnahme der 'Suore della Carità', der Schwestern des hl. Josef und der Gemeinschaften, die als Hauptaufgabe Erziehung und Unterricht, Predigt und Krankenpflege hatten. ..."

Für Don Bosco hatte das zwei maßgebliche Folgen: Durch die Schließung des Seminars nimmt der Zustrom der Klerikerstudenten erheblich zu, und durch die neue Gesetzeslage gezwungen, mußte Don Bosco den Fortbestand seiner Häuser durch eine stabile Gemeinschaft von Geistlichen, Klerikern und Laien, absichern. Nur auf diesem Hintergrund läßt sich die Gründung der Salesianischen Kongregation verstehen.

7.2.1 Der Ausgangspunkt: Das Oratorium in Valdocco (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach der Aussage Don Boscos liegt der Ausgangspunkt seiner Kongregation in der anfänglichen Mitarbeitergruppe des Oratoriums in VALDOCCO. In einem Schreiben an den Hl. Stuhl formuliert er: "Im Jahr 1841 war diese Kongregation nichts anderes als ein Katechismusunterricht und ein Freizeitplatz für die Erholung an Feiertagen, an den im Jahr 1846 ein Heim für arme Lehrlinge angeschlossen wurde; dazu hatte sich ein privates Institut nach Art einer großen Familie gebildet. Verschiedene Priester und einige Laien leisteten ihre Arbeit als auswärtige Mitarbeiter an diesem frommen Werk, Im Jahr 1852 approbierte der Erzbischof von Turin dieses Institut, indem er durch ein 'moto proprio' dem Priester Giovanni Bosco alle notwendigen und angebrachten Vollmachten zugestand und ihn zum Obern und Direktor des Werkes der Oratorien einsetzte. Von diesem Jahr an bis 1858 begann das gemeinsame Leben (vita comune), die Schule und die Ausbildung der Kleriker, von denen einige nach der Priesterweihe am Institut blieben. Im Jahr 1858 empfahl Pius IX. seligen Angedenkens dem Priester Bosco, eine fromme Gesellschaft zu gründen mit dem Ziel, den Geist des Werkes der Oratorien zu bewahren."

Die widersprüchen politischen und staatlichen Entwicklungen ab 1848 brachten erhebliche Spannungen zwischen Staat und Kirche, und Don Bosco sah sich gezwungen auf die neuen politischen Entwicklungen zu reagieren. Aus diesen Gegebenheiten heraus dachte Don Boscos zuerst an einen Zusammenschluß von Mitarbeitern auf privater Basis. Es scheint sicher, daß der älteste Regelentwurf von 1858 von einer Gemeinschaft von Priestern, Klerikerstudenten und Laien spricht und die Ablegung der ewigen Gelübde nicht für alle verpflichtend macht. Der Artikel lautet: "1. Der Zweck dieser Kongregation besteht darin, eine Gemeinschaft von Geistlichen, Klerikern und auch Laien zu bilden, die das Ziel der Vollkommenheit verfolgen, indem sie soweit wie möglich die Tugend unseres göttlichen Erlösers nachahmen. ... 9. Die Gelübde verpflichten den Einzelnen, solange er in der Kongregation verweilt. Diejenigen (welche die Gesellschaft) spontan oder nach klugem Rat der Obern verlassen, sind durch dieselbe Tat, mit der sie von ihren Gelübden entbunden werden wollen, aus der Kongregation entlassen. ... Die Gelübde werden zweimal für jeweils drei Jahre erneuert. Nach diesen sechs Jahren ist jeder frei, sie auf jeweils drei Jahre zu verlängern oder sie auf ewig abzulegen..."

Welche Vorstellungen er von seiner Gesellschaft ursprünglich hatte, kann heute nicht mehr genau festgestellt werden. Nach den MB erzählt Don Bosco am 07. Februar 1879 den versammelten Direktoren seiner Häuser in ALASSIO: "Ich hatte im Sinn, eine Sache zu begründen, die ganz verschieden vom gegenwärtigen Zustand ist. Aber man zwang uns, es so zu machen, und so sei es." Einiges spricht dafür, daß Don Bosco keine Gesellschaft wollte mit den drei klassischen Gelübde. So wie es scheint, scheinen zwei wichtige Einflüsse für die Gründung weiter maßgeblich: Einmal die Gespräche Don Boscos mit dem Politiker Urban RATTAZZI im Jahr 1857 und das persönliche Zusammentreffen Don Boscos mit Papst Pius IX im Jahr 1858. RATTAZZI riet Don Bosco wegen der sich verschärfenden Situation für die kirchlichen Orden zu einer Gründung einer Gesellschaft "die vor dem Staat nicht anderes sei, als eine Vereinigung von freien Bürgern, die sich zusammentun und gemeinsam leben um eines wohltätigen Zweckes willen." Deshalb behielten die Mitglieder seiner künftigen Gesellschaft ihre zivilen Rechte. In den Regelentwürfen zwischen 1858 und 1873 ist festgehalten: "Kein Mitglied verliert beim Eintritt in die Kongregation die zivilen Rechte, auch nicht nach dem Ablegen der Gelübde. Es scheint so, daß Rom auf öffentliche und von der Kirche approbierte Gelübde bestand.

Don Bosco drückt seine Schwierigkeiten im Jahr 1863 gegenüber dem Turiner Generalvikar so aus: "Mein Ziel ist es, eine Gesellschaft zu bilden, die einerseits vor der staatlichen Regierung alle zivilen Rechte ihrer Mitglieder bewahrt, aber andererseits vor der Kirche eine wahrhaft moralische Körperschaft (vero corpo morale) oder eine religiöse Gesellschaft (Società religiosa) bildet." Der

anfängliche Versuch scheint ein "praktische(r) Versuch der Liebe zum Nächsten

..." gewesen zu sein. Doch die orthodoxe Haltung Roms zwang Don Bosco zu Zugeständnisse, die dann zur Gründung einer kirchlich approbierten religiösen Gesellschaft mit einfachen Gelübde führte.

7.2.2 Auf dem Weg zur formellen Gründung (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die formelle Gründung der Salesianischen Gesellschaft als Gemeinschaft von Religiösen wird nach Auskunft der MB und einem Schriftdokument von Don Giulio BARBERIS aus dem salesianischen Zentralarchiv in Rom ins Jahr 1859 dadiert. Am 16. Dezember 1859 legten Don Bosco, der Priester Don ALASONATTI, 16 Klerikerstudenten und ein Laie offiziell die Gelübde auf die neue Gesellschaft mit dem Namen "Società die S. Francesco die Sales" ab. Die neue Kongregation verstand sich nach dem Regelentwurf von 1858 als ein Zusammenschluß von Geistlichen, Klerikerstudenten und Laien, die das Ziel hatten, sich durch die Vollbringung der Nächstenliebe zu vervollkommnen. Als "erste Übung der Nächstenliebe" wird das Arbeitsfeld "arme und verlassene Jugendliche zu versammeln, um sie in der heiligen katholischen Religion zu unterrichten..." Die Gemeinschaft führt ein gemeinsames Leben (vita comune) und wird durch die "brüderliche Liebe (fraterna carità)" und "die einfache Gelübde (voti semplici)" des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit zusammengehalten.

 

Am 01. März 1874, 10 Jahre nach der Gründung seiner Kongregation, sprach Rom die kirchlichenamtliche Anerkennung ( "decretum laudis" bzw. "decretum approbationis Instituti") seiner Gesellschaft als eine Gemeinschaft mit einfachen Gelübden aus; am 03. April 1874, wurden die Regeln kirchenrechtlich ("decretum approbationis Constitutionum") endgültig anerkannt.

Don Bosco hat das Werden seines Werkes bis 1874 in einer Geschichte mit dem Titel "Cenno istorico sulla Congregazione die S. Francesco die Sales e relativi schiarimenti" zusammengefaßt. Darin sagt er, seit 1858(?) hätten eine größere Anzahl von Priester, Klerikerstudenten und Laien im Oratorium zusammengearbeitet und -gelebt und "die Regeln der Salesianischen Gesellschaft genauestens beachtet ..." Sein Bischof gab ihm ein Empfehlungsschreiben für den Papst Pius IX. mit, um ihm den Wunsch vorzutragen, ein Institut zu gründen, "das den Zeiten und den Örtlichkeiten angemessen sei, in denen wir leben." Der Papst riet ihm zu einer Kongregation (congregazione), eine Gesellschaft (società) oder eine Vereinigung (associazione), die sich auf folgende Grundlage stützen solle: "Eine Gesellschaft mit einfachen Gelübden, da ohne Gelübde die notwendigen Bande unter den Mitgliedern und zwischen den Obern und den Untergebenen fehlen würden. Die Art der Kleidung und die Frömmigkeitsübungen sollen in der Öffentlichkeit nicht auffallen. Die Regeln seien milde und leicht zu halten. Man suche eine Regelung zu finden, daß jedes Mitglied vor der Kirche eine Religiose sei, vor der zivilen Gesellschaft aber ein freier Bürger. - Vielleicht sei es besser, (die neue Gesellschaft) Gesellschaft (società) zu nennen anstatt Kongregation, weil sie unter diesem Namen weniger auffallen würde. ..."

Das Gesagte zeigt, daß Don Bosco sehr zu seinen Gunsten färbt, Tatsachen verschweigt und ausläßt und den Beteiligten in den Mund legt. F. MOTTO scheint durch seine Forschungen verläßlicher: Er teilt die Redaktionsgeschichte der Regel und den damit zuhängenden Ablauf der Gründung der Gesellschaft und ihrer kirchenrechtlichen Anerkennung in acht Etappen auf.

7.2.3 Die Signifikanz des aktiven klösterlichen Lebens (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Der Salesianer soll nach Don Bosco sein "geistliches Heil ... durch die Übung der Nächstenliebe, besonders gegenüber der armen Jugend" erlangen. Es fehlen ganz die kontemplative Spiritualität, besondere Frömmigkeitsübungen und asketische Praktiken, wobei Don Bosco in seiner Theorie über das Ordensleben weitgehend im herkömmlichen Rahmen seiner Zeit verbleibt. In seinem geistlichen Testament schreibt er: "Ich empfehle euch keine besonderen Bußübungen oder Verzichtsleistungen; ihr werdet euch große Verdienste erwerben und den Ruhm der Kongregation bilden, wenn ihr versteht, die Mühen und Unannehmlichkeiten des Lebens mit christlichem Gleichmut miteinander zu ertragen." Das diakonische Tun in der Nächstenliebe und das hinnehmen der Mühen ist bedeutsamer als sich das abwenden von dieser Welt.

Die Option für die Armen wird von Don Bosco immer wieder betont: "Die Kongregation verweigert sich keiner sozialen Klasse von Personen, aber sie beschäftigt sich vorrangig mit der mittleren und der ärmeren Klasse und mit denen, die am meisten Unterstützung und Beistand nötig haben." Das Umgehen mit der Armut innerhalb des Ordenslebens soll sein: "Sorgt, daß niemand sagen kann: diese Ausstattung ist kein Zeichen der Armut, diese Speisen, diese Kleider, dieses Zimmer passen nicht zu einem Armen. Wer berechtigte Veranlassung zu solcher Kritik gibt, fügt damit der Kongregation einen schweren Schaden zu, die sich immer ihres Gelübdes der Armut rühmen soll. ... Wenn Bequemlichkeit und Wohlstand bei uns Einzug halten, ist das Ende für unsere religiöse Gemeinschaft gekommen." Don Bosco verlangte ein sichtbar gelebtes Zeichen von Armut und den Einsatz für die Armen.

Don Bosco verstand seine Ordensgemeinschaft mehr als Familie, als eine juristische bzw. sprituelle Gemeinschaft. Don CERIA, ein intimer Kenner Don Boscos, sagt: "Ein Ideal Don Boscos war der Familiengeist unter seinen Söhnen." P. STELLA meint weiter: "Aus der besonderen Natur des ersten salesianischen Kerns war eine charakteristische Art einer familiären Verbindung entstanden, gleichsam eine Art Patriarchat, nicht aus Adeligen oder Bürgern, sondern aus Söhnen des Volkes, die von der Leitfigur Don Bosco beherrscht wurden und ein wenig von seiner ganzen Wesensart und seinen Idealen durchdrungen waren." Don Bosco schreibt 1867 selbst: "Oh, wenn unsere Mitbrüder mit diesen Dispositionen in die Gesellschaft eintreten würden, würden unsere Häuser gewiß zu einem wahren Paradies auf Erden. Friede und Eintracht würden zwischen den Individuen innerhalb jeder Familie herrschen, die Liebe wäre das tägliche Kleid dessen, der befiehlt, und der Gehorsam und der Respekt würden den Schritt, den Werken und sogar den Gedanken der Obern vorausgehen. Insgesamt würde man eine Familie von Brüdern haben, die um ihren Vater versammelt wäre, um die Ehre Gottes auf Erden zu fördern und um ihn dann eines Tages in der unermeßlichen Herrlichkeit der Seligen im Himmel zu lieben und zu loben." Es wird hier deutlich, daß Don Bosco seine Ordensgemeinschaft als eine patriarchalisch aufgebaute Familie versteht, in der es eine klare Über- und Unterordnung gibt, die zwar in Liebe verbunden, aber doch mit einer genauen Hierarchie ausgestattet ist, der sich der einzelne unterzuordnen hat.

Don Bosco versucht sein Leitungsverständnis im liebevollen und wohlwollenden Umgang mit den Untergebenen auszuüben. Doch im Grundsätzlichen zeigt sich die patriarchal-autoritäre Leitungsstruktur sehr deutlich, die auch nicht dazu angetan war, die praktische Ungleichstellung zwischen Laienmitbrüdern und Klerikern abzubauen. Don Bosco verlangt, wenn dies zu machen ist, daß die Laienmitbrüder an einem Tisch mit den Klerikern sitzen sollen; wenn Gleichheit unter den Beteiligten herrscht, dann muß solcherdings nicht besonders gefordert werden. Don Bosco sagt zwar, daß "alle Beschäftigungen gleich vornehm (nobili) sind, weil sie in den Augen Gottes gleichwertig sind", doch in der Praxis verrichteten oftmals Kleriker und Laienmitbrüder unterschiedliche Qualitäten an Arbeit.

Eine Auslassung von P. STELLA macht die Problematik in der Sache deutlich: Die Laienmitbrüder "konnten sich wie in einer Familie fühlen, in der sie vertrauensvoll von allen wie Brüder behandelt wurden und in der ihnen von den Klerikerstudenten und den Priestern bei der Arbeit mit dem Besen oder in der Druckerei geholfen wurde. In der Kirche und am Tisch, auf dem Hof oder im Zimmer lebten sie Seite an Seite mit den Klerikern und konnten mit ihnen dieselbe Familiarität pflegen, wie sie die Kleriker unter sich pflegten."

Don Boscos Umgang mit der Außenwelt war relativ offen, da seine Ordengemeinschaft keine Klausur kannte. Dies mißfiel z.B. dem Turiner Erzbischof Gastaldi der 1881 nach Rom schreibt: "Dann beobachte ich ..., daß in den Niederlassungen der salesianischen Kongregation nicht nur die Mitglieder derselben als Professoren oder Novizen leben, sondern auch andere Personen, Laien und Geistliche, die dort anwesend sind als Lehrer und Assistenten oder in anderen Tätigkeiten ohne irgendeine Absicht, sich jemals mit ewigen Gelübde an die Kongregation zu binden." Bis 1883 hatten viele Laienmitbrüder keine Gelübde, so daß Laienmitbrüder mit und ohne Gelübde in den Häusern arbeiteten. Ab 1883 wurde dann zwischen den salesianischen Laienmitbrüdern mit Gelübden und sogenannten ("famigli") ohne Gelübde unterschieden.

Die Öffnung zur Welt war sicherlich in der pastoralen Praxis Don Boscos ein gewissen Abweichen von den Zuständen seiner Zeit. P. STELLA sieht im sogenannten "externen Salesianer" - eine freundschaftliche Verbindung zu einigen Laien, die aus irgenwelchen Gründen die Gelübde nicht ablegen mochten; - "eine Öffnung ... - soweit wie möglich - für die Zusammenarbeit zwischen Religiosen, die durch Gelübde gebunden und zum Gemeinschaftsleben verpflichtet sind, und dem katholischen Laientum." Don Boscos Kongregation arbeitet und lebt ohne strikte Distanz zur säkularen Mitwelt und vollzieht ihre Tätigkeiten in konkreter Kooperation mit "weltlichen" Personen.

In diesem Zusammenhang ist auch das Noviziat - der Ausbildung der jungen Mitbrüder - zu nennen. Don Bosco wurde das Noviziat von Rom aufgezwungen. Er wollte, daß die jungen Männern die Vorbereitung auf das Ordensleben praxisnahen und in realer Erfahrung der Nächstenliebe persolvierten. Daher "arbeiteten die Novizen wie die anderen, sie beteten mit den anderen, sie lernten von den anderen, wie man betet, wie man die Tugend pflegt, wie man sich verhält als Assistent und als Lehrer." Er praktiziert damit reale Praxiserfahrung und die Einübung in das diakonische Handeln und setzt sich in Widerspruch zu den klösterlichen Gegebenheiten. P. STELLA bewertet so: "Die Salesianer haben sich nicht dem Chorgebet geweiht, sondern in besonderer Weise der Erziehung der Jugend. Als Kongregation, die sich der Erziehung der Jugendlichen widmet, ist jedoch die salesianische Gesellschaft nicht geeignet, um Büßer aufzunehmen, die sich von den Gefahren der Welt zurückziehen wollen, sondern sie ist gemacht für Menschen von solider Tugend, besonders hinsichtlich der Keuschheit. Das Opfer der Salesianer wird die Arbeit sein, und ihre Buße wird es sein, Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Unverstandensein und Müdigkeit zu ertragen. ... Das Noviziat muß zur Übung in der Tugend werden, aber vor allem zur Einübung in die erzieherische Praxis." Inwieweit dies von einem realen Menschen vollbracht werden kann, sei mal dahin gestellt, wenn die man die vielen Austritte seit den 70iger Jahren betrachtet.

Jedenfalls gilt, daß Don Bosco in spiritueller Hinsicht, in der Umsetzung des diakonischen Tuns pädagogische wie pastoraltheologische Ausblicke ermöglicht, die in einigem seiner Zeit voraus waren.

7.3 Die "Cooperatori Salesiani" - Die "Salesianischen Mitarbeiter" (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach Meinung P. STELLAS waren es im wesentlichen sechs Umstände, die zur Gründung der salesianischen Mitarbeiterbewegung im Jahr 1876 führten:

1) Die Vorstellung des "externen Salesianers" in der Welt;

2) Die unmittelbaren Mitarbeiter in den Häusern, die dort Unterrricht erteilten oder andere Arbeiten verrichteten;

3) Laien, die die Salesianische Kongregation mit Geld- und Sachspenden unterstützten;

4) Laien, die sich in der täglichen pädagogischen Arbeiten engagierten und die sich zur Förderung des Glaubens organisierten, aber dabei von den Bischöfen und Pfarrern abhingen;

5) Engagement, um durch Presseartikel die Antiklerikalen und Protestanten zu bekämpfen;

6) ein Zusammenschluß, der den moralischen und sozialen Zustand der jungen Menschen verbessern sollte. Vorallem aus der "Unione Cristiana" gingen dann die "Cooperatori Salesiani", die "Salesianischen Mitarbeiter", hervor.

Don Bosco beklagt die gesellschaftlichen Verhältnisse, besonders nach dem Untergang des Kirchenstaates 1870, sehr, da er ein religiös-moralischer Verfall damit ausmacht. Die "Stunde der Verfolgung und der Bewährung" ist für die Katholische Kirche gekommen, die von allen Katholiken Zusammenhalt und die Abwehr des Bösen verlangt. Die Regel der "Unione Cristiana" beginnt so: "Diese Vereinigung heißt christliche Union ..., weil sie zum Ziel hat, alle Guten zu vereinigen, damit sie ihre Kräfte zusammenschließen und sich gegenseitig helfen, das Gute zu tun. ... vis unita fortior ... Wir Christen müssen uns also in diesen schwerden Zeiten zusammenschließen und uns im Geist des Gebets und der Liebe vereinigen ..."

Don Bosco betont selbst ausdrücklich: "Deshalb kann man die Salesianische Vereinigung eine Art von dritten Orden der alten Orden nennen, allerdings mit dem Unterschied, daß man sich in jenen der christlichen Vollkommenheit durch die Übung der Frömmigkeit widmete, während bei uns das aktive Leben (vita attiva), besonders zu Gunsten der gefährdeten Jugend, das Hauptanliegen bildet." Er formuliert weiter: "Die Salesianischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind nichts anderes als gute Christen, die in ihren eigenen Familien leben und so inmitten der Welt am Geist der salesianischen Kongregation festhalten. Sie helfen ihr durch moralische und materielle Mittel mit dem Ziel, vor allem die christliche Erziehung der Jugend zu fördern." Don Bosco gerät immer mehr unter innerkirchlichen Druck, da den Bischöfen und Pfarrern durch das Wirken Don Boscos immer mehr Laien abwandern. 1884 initiiert er eine neue Mitarbeitertheorie: "Ich habe viel darüber nachgedacht, in welcher Art und Weise man die Salesianischen Mitarbeiter gründen solle. Ihr wahres und direktes Ziel ist nicht, die Salesianer zu unterstützen, sondern der Kirche Hilfe zu leisten, also den Bischöfen und den Pfarrern, indem sie unter der Leitung der Salesianer wohltätige Werke verrichten, Katechismusunterricht erteilen, arme Kinder erziehen und ähnliches tun. Die Salesianer zu unterstützen ist nichts anderes als eines der vielen Werke der katholischen Kirche zu unterstützen. Es ist wahr, daß man sie dazu auf unsere drängenden Bedürfnisse verweist, aber sie sind ein Instrument in der Hand des Bischofs ... man darf daher nicht eifersüchtig gegenüber den Salesianischen Mitarbeitern sein, da sie eine Sache der Diözese sind, und ... alle Pfarrer müßten eigentlich mit ihren Pfarreiangehörigen Mitarbeiter sein."

Diese Neuorientierung ist mehr kirchenbezogener Zielrichtung, die durch das katholische Umfeld erzwungen wurde. Ebenso ist Don Bosco der Alleinige der Ziele und Inhalte vorgibt, eine Mitsprache findet nicht statt. Nach dem Zeugnis der MB sei es Don Bosco nur darum gegangen, "eine Art und Weise zu finden, um alle um das Oberhaupt zu vereinigen, und damit das Oberhaupt die Möglichkeit habe, mit seinen Gedanken alle zu erreichen."

Im Ganzen betrachtet, kann man sagen, daß Don Bosco für das Laienapostolat offen war und es für sein Werk nutzte und es deshalb förderte, wobei der Laienstand dem Klerus unterstand, er war "ein Werkzeug in der Hand der Hierarchie", wie es Papst Pius XII. später formulierte.

7.4 Kritische Würdigung der jugendpastoralen Arbeit Don Boscos (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das pastorale Tun Don Boscos ist in seinem Theorie-Praxis-Bezug sehr widersprüchlich und spannungsgeladen, und es ist nicht auf ein einheitliches System zu transformieren. Es ist pluralistisch, wenn es die Methoden betrifft; es ist bedingt prozeßhaft beim konkreten jungen Menschen, es bedenkt die historisch-sozial-politische Situation, wobei es aber nur im Ansatz gelingt den jungen Menschen nicht als Katalysator oder Durchlauferhitzer von Inhalten zu verstehen; dies deshalb nicht, weil er noch zur sehr am Kirchenbild und -verständnis seiner Zeit verhangen ist und bleibt. Mit anderen Worten, die P.M. ZULEHNER verwendet: Es fehlt einfach an einer transparenten Kairologie und Kriteriologie, die bei Don Bosco nicht anzutreffen sind. Grundlegende Defizite: denn wir wollen junge Menschen persönlich, konkret und individuell verstehen im Sinn "elementarer Wahrheiten", dann geraten sie, wenn sie sich auf "Inhalte", "Geist" und "Kommunikation" einlassen, die immer schon in verschiedene Verwendungs-, Auslegungs- und Interessenhorizonte verwoben sind, fast unweigerlich in ein vielfältiges Kommunikationsgeschehen, das so bei Don Bosco nicht zu gelassen wird; denn Evangelisierung setzt diese Ermöglichungen einfach voraus.

Weiter ist einzuwenden, daß was im Symbolum Nicaenum bekannt wird, nämlich den Heiligen Geist als "Dominum et vivificantem", als den Herrn also, der "lebendig macht", der auf das Leben und Lebensgeschichte eingeht, sie aufnimmt und zum "Eigentlichen" bringt, zu wenig bedacht und methodologisch abgeschnürt wird. Denn Heiliger Geist wird "mitgehend" empfunden als Eröffner neuer Möglichkeiten und Stadien des konkreten Lebens, der Historie, der Tatsächlichkeit. Damit umfaßt Geist ebenso Vergangenheit, wie Gegenwart und Zukunft. Eine Pastoral "der Geistesgegenwart" hätte in diesem Kontext göttlichen und menschlichen Geist so zusammenzudenken, daß Gottes Geist, "der da lebendig macht", die echte "Selbstbestimmung" des menschlichen Geistes erst freimachte.

Es findet sich dieser Kairos-Geist in pädagogischen Abläufen Don Boscos zu schwach ausgeprägt, so daß es sehr schwer zu den pädagogisch wichtigen "Aha-Erlebnisse" bei den jungen Menschen kommen kann. Somit wird verhindert, daß es auf Dauer "in, mit und unter" denen zu einer ganzheitlichen Weit-, Um- oder Neu-Struktierung kommen kann. Es fehlt, um mit F. COPEI zu sprechen, an der Möglichkeit nachhaltiger "fruchtbare(r) Momente", die bei Don Bosco zu sehr seinem Kirchenverständnis- und -bild, das nicht getragen wird von einer prinzipiell-grundständigen Kairologie, die einer gediegenen Gesellschaftstheorie entbehrt.

Was bedeutet, daß die Berücksichtung der "geistigen" "Paßfähigkeit" unterbleibt, und es deshalb aus den genannten Einwänden fraglich macht, die Position Don Boscos für heutige Gegebenheiten zu übertragen.

Die Kriterien, die H. HEIDENREICH im Kontext der Evangelisierung hernimmt, zeigen, daß Don Bosco nur bedingt für heutiges pastorales Tun interessant ist, wobei eine Aktualisierung seiner Handlungsanleitung uns heute kaum weiter helfen könnte.

"1. die soziale als pastorale Wirklichkeit wahrnehmen,

2. bereit sein zur Umkehr,

3. die verantwortlichen Subjekte der Evangelisierung neu bestimmen,

4. in parteilicher Entschiedenheit handeln,

5. Kerygma und Diakonie, Wort und Tat eins werden zu lassen,

6. zwischen Mystik und Politik spirituell vermitteln."

Die moderne Sozialpsychologie macht deutlich, daß der geringe Einfluß der Praxis auf die Theorie, wonach Einstellung zwar eine bedeutsame Verhaltensrelevanz besitzt, doch aber sehr resistent gegen Veränderungen sind, da heute in der Krise der Gegenwart hinsichtlich der "entfalteten Moderne" immer mehr eine "Tradierungskrise des Glaubens" konstatiert wird, scheint man die "Lösung" gleichfalls im Rückgriff auf die vorherrschende kirchenamtliche Theorie, wie in der Neuscholastik, zu erwarten. In der Praxis zeigt sich, daß Don Boscos Theorie - so scheint es - neben der Praxis herlief und kaum reflektiert noch korrigiert wird. Damit steht er auch gesellschaftlich in der Erhaltung des status quo. Die ultramontane Theorie gewinnt immer mehr Gewicht für die Praxis; dieser Gewichtung versucht sich Don Bosco durch die Einflüsse der veränderten Mitwelt im Konfliktfall mehr der Praxis zu orientieren. Nach F. MOLINARI ist Don Bosco selber "ein Mann der evangelischen Praxis und daher privilegiert er die Heiligen der Nächstenliebe oder wenigstens die Nächstenliebe der Heiligen."Don Bosco konnte wegen seiner restaurativen politischen Einstellung die Brisanz seiner diakonisch bestimmten Praxis nicht erkennen, da er nicht offen war für die berechtigten Veränderungen seiner Zeit. Die kritische Potenz ging ihm durch sein bedingungsloses Eingehen auf die kirchenamtliche Linie auf Dauer verloren. Können seine Nachfolger daraus eine bleibende Lehre ziehen?

Wir können kritisch konstatieren:

1. Don Bosco fehlte eine reflexiv getätigte Praxistheorie, was dazu führte, daß sein pastorales Tun oftmals unreflektiert den Bestimmungsfaktoren der Theorie-Praxis-Beziehung ausgesetzt war und dadurch von der herrschenden Theorie und Praxis überlagert und bestimmt wurde.

2. Das pastorale Tun war von der "christlichen Weisheit getragen." Seine "Pastoralweisheit" wurde aber nicht von der wissenschaftlichen Hinterfragung getragen, so daß sie seine Praxis nicht vor den negativen Einflüssen schützen konnte.

3. Sein pastorales Tun erfolgte im Sinne eines christlichen Heilsgedankens. Da jedoch das kritische Hinterfragen der Methoden unterblieb, gewannen bald andere Interessen und Zielsetzungen großes Gewicht auf seine Praxis, die die anfängliche Intention veränderte.

4. Das pastorale Tun war in der Grundidee situations- und evangeliumsentsprechend. Doch ein produktiver Austausch zwischen "pastoral-praktischer" und "theologisch-wissenschaftlicher Kompetenz" kam nicht zu wege, so daß im Laufe der Zeit seine Zielsetzungen immer widersprüchlicher und spannungsgeladener wurden; das "Zeugnis von der christlichen Lebenshoffnung" wurde so nicht mehr deutlich.

Wie zu Don Boscos Zeiten gilt es heute auch noch, vielleicht noch radikaler: Inwieweit ist das kirchliche Lehramt bereit, und hier die Salesianer Don Boscos, die oben gemachten Erfahrungen auch in ihren konkreten Auftrag einzubeziehen? Inwieweit nehmen sie die Theorie-Praxis Problematik in ihrem heutigen pastoralen Tuns überhaupt wahr? Genügen allein schon neue theoretische Handlungssysteme? Wie wird pastorales Tun "im Geist Jesu Christi" (W. FÜRST) ausgeführt und verstanden? Wird die Bedeutung der Praxistheorie für pastorales Tun von den Verantwortlichen erkannt bzw. anerkannt? Die Gefahr, daß die Kirche die zentrale Mitte und Grundanliegen des Evangeliums aus dem Auge verliert, ist sehr groß.

Was tut praktisch die wissenschaftliche Theologie gegen die Einbahnstraße im pastoralen Tun als vielerorts nur jammern? Welche Kriterien hat sie erarbeitet, um die geltende Praxis kritisch auf ihre Validität hin zu überprüfen? G. FUCHS spricht von einer historischen Notwendigkeit, "daß immer wieder vieles in der konkreten Kirche stirbt und verabschiedet werdet muß, damit neues Leben entsteht." Als Bild verwendet er das "Bild von Sonne und Mond". "Der Mond empfange ... sein ganzes Licht von der Sonne, um dieses, für menschliche Augen gleichsam gedämpft, in die Nacht hineizustrahlen und dadurch Licht und Kühlung zu schaffen. Vergleichbar damit sei der Auftrag und das Wesen der Kirche, das Licht der Christussonne der Gerechtigkeit in die Weltnacht der Menschen hineinzustrahlen und damit Orientierung, Erleuchtung und Hoffnung zu schaffen. Eine derart lunar verstandene Kirche ist also einzig dazu da, das Licht der Liebe Gottes, wie es Jesus Christus erschienen ist, reflektierend aufzunehmen und weiterzustrahlen. Die Pointe dabei aber ist folgende: Der Mond nämlich müsse in bestimmten Rhythmen abnehmen und sterben, um neu, sozusagen strahlkräftiger, das Licht der Sonne überhaupt aufnehmen, verkraften und zurückstrahlen zu können; ... Dasselbe aber gelte für die Kirche: Auch sie müßte im Gang der Geschichte, in den Rhythmen des endlichen Lebens in ihrer konkreten Sozialgestalt immer wieder abnehmen und sterben, um zeit- und sachgemäß die Fülle des Christuslichtes überhaupt aufnehmen und weiterstrahlen zu können."

Das wäre die neue "praktisch-theologische Urteilskraft", die kirchliches Tun und Verstehen so gestaltet, daß es allen Menschen guten Willens die Liebe Gottes zu den Menschen offenlegt und konkret in ihren Diensten für die Menschen erfahrbar werden läßt.

Wir wollen in den folgenden Kapitel untersuchen, inwieweit es den Salesianer Don Boscos in Deutschland gelingt, aufgefordert durch das II. Vatikanum, den Erneuerungsprozeß ihres religiösen und erzieherischen Lebens auf heutige jugendpastorale Bedürfnisse auszurichten.

8. Das Wirken der salesianischen Gesellschaft (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Salesianische Einrichtungen sind heute über der ganzen Welt verbreitet. In 92 Staaten auf 5 Kontinenten. Beide Ordensorganisationen, die Salesianer Don Boscos (SDB) und die Don-Bosco-Schwestern zählten 1986 über 17.000 Mitglieder. Die Gesamtgesellschaft ist nach einer klaren Leitungsstruktur geordnet. "Die salesianische Gemeinschaft wird auf Weltebene vom Generalobern mit seinem Rat mit Sitz in Rom geleitet. Die einzelnen Regionen (z.B. Nordeuropa) werden im Generalrat von einem Beauftragten (Regionalrat) vertreten.

Von praktischer Bedeutung in der salesianischen Struktur erweist sich die Provinzebene, die mehrere Hausgemeinschaften, (an deren Spitze die Direktoren stehen), personal und rechtlich verbindet. In Deutschland gibt es zwei Provinzen der SDB (Süddeutschland, Norddeutschland), in Österreich eine. Die Provinz wird vom Provinzial mit seinem Rat geleitet." Die salesianische Gesellschaft ist kirchenrechtlich exempt und dementsprechend direkt Rom unterstellt.

Eine dritte weltweite Organisationsstruktur bildet die Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter, die von Don Bosco 1878 ins Leben gerufen wurde. Ihr gehören Laien der verschiedenen Stände und Berufe an.

"Die Person Don Boscos, die gemeinsame Spiritualität und das gleiche Anliegen der Jugendpastoral sind Grundlagen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Diese Zusammenarbeit gilt es unter Achtung der Eigenständigkeit der einzelnen Gruppen zu vertiefen und zu konkretisieren, um den Wert gegenseitiger Hilfe und Ergänzung erfahrbar zu machen. Eine gemeinsame Trägerschaft von Einrichtungen und Maßnahmen ist anzustreben und nach Kräften zu fördern."

Inwieweit diese Zielsetzung im Hinblick auf den Theorie-Praxis-Bezug verwirklicht werden kann, wird sich noch ausweisen müssen.

8.1 Die Salesianer Don Boscos (SDB) in Deutschland (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die erste deutsche Niederlassung der Salesianer wurde 30 Jahre nach dem Tode Don Boscos (1916) in Würzburg gegründet. Es folgten in schneller Folge weitere Einrichtungen, die fast ausschließlich als Wohnheime sowie der externen und internen schulischen und beruflichen Ausbildung dienen. Der rasche Aufschwung dokumentierte sich darin, daß die deutsche Provinz bereits drei Jahre (1919) später den kanonischen Status erhielt. Die Jahre 1933 - 1945 brachten schwere Rückschläge mit der Schließung vieler Heime durch die Nazidiktatur, so daß sich die Situation des Ordens nach dem Krieg erst langsam wieder stabilisierten konnte. Dann kam es jedoch zu einer derartigen provinzialen und regionalen Erweiterung, daß die deutsche Provinz 1954 in eine Nord- und Südprovinz geteilt werden mußte. Zur norddeutschen Provinz zählt heute auch eine schwedische Niederlassung (Södertälje), zur süddeutschen eine schweizer (Beromünster).

Die 70er Jahre brachten eine äußere Konsolidierung mit einer Neubesinnung über den qualitativen Einsatz. In Benediktbeuern entstanden eine Philosophisch- Theologische Hochschule (PTH), heute im Rang einer Katholisch-Theologischen Fakultät mit dem Promotionsrecht sowie eine Stiftungsfachhochschule (SFHS) für Sozialwesen, der eine Erziehungsberatungsstelle und ein Aktionszentrum für Jugendarbeit angegliedert ist. 1979 kam ein Jugendpastoralinstitut (JPT), das den differenzierten Belangen der kirchlichen Erziehung und Jugendpastoral gewidmet ist; und später kam das Zentrum für Umwelt und Kultur hinzu; alle Institute kooperieren mit den Hochschulen.

Zur süddeutschen Provinz gehören heute ca. 20 Einrichtungen. Ihr Aufgabenfeld beinhaltet u.a.:

• die allgemeine Heimpädagogik in Schüler- und Lehrlingswohnheimen bis hin zur Sonder- und Heilpädagogik,

• die Jugendhilfe,

• die Berufsausbildung einschließlich der beruflichen Rehabilitation körperlich behinderter Jugendlicher,

• gymnasiale und hochschulische Bildungsangebote,

• Freizeitbetreuungen,

• verlegerische Tätigkeiten und

• pfarramtliche Aufgaben.

8.2 Die nachkonziliare Neubesinnung über den salesianischen Auftrag (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Es ist schwierig, irgend etwas über die Welt und die Kirche von morgen auszusagen; denn das Problem des Menschen ist so leichthin nicht zu orten. Ebensowenig konnte jemand die innerkirchlichen Umwälzungen, die das II. Vatikanum verursachte, voraussagen: nämlich einen Wandel von einer statischen, selbstsicheren, feudalistischen kirchlichen Gemeinschaft zu einer hoffenden, aber doch unbekannten auf-dem-Weg-sein mit allen Menschen guten Willens, dabei aber deren Gelingen und Scheitern teilend. Mir scheint, daß es noch schwieriger ist über das "Ordensleben" von morgen etwas definitives auszusagen.

Das Zweite Vatikanische Konzil erteilte auch den Salesianern Don Boscos (SDB) einen Auftrag zur Erneuerung des religiösen Lebens. Die Salesianer entsprachen diesem Wunsch mit der Einberufung ihres 20. Generalkapitels (GK) - 1971/1972 -, auch Besonderes Generalkapitel (BGK) genannt. Das "Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens" geht davon aus, daß eine aktuelle Verkündigung "die ständige Rückkehr zu den Quellen jeden christlichen Lebens und den Geist des Ursprungs der einzelnen Institute, gleichzeitig aber deren Anpassung an die veränderten Zeitverhältnisse" erfordere.

Die ersten - 1874 approbierten - Ordenskonstitutionen hatten zwar einen juridisch ausgefeilten Text geboten, allerdings weitgehend auf Kosten des ursprünglich charismatisch-spirituellen Stils Don Boscos. Veränderungen, die 1921/22 vorgenommen wurden, betonten überstark den institutionellen Charakter des Ordens: "In vielen Aspekten glichen diese Artikel, die bestimmt waren, das Leben der Salesianer für ein halbes Jahrhundert zu ordnen, nicht mehr denen von Don Bosco von 1864 bis 1874. Sie erschienen aber klar und wohlgeordnet und spiegelten irgendwie auch das Antlitz der Kirche und Pius X., Benedikt XV. und Pius XI. wider."

Das veränderte Menschen- und Kirchenbild rief in allen Orden eine Identitätskrise unterschiedlicher Intensität hervor, die in der Kirchengeschichte ihresgleichen sucht. Diese Krise prägte besonders die westlichen Länder Europas, da hier das moderne Menschen- und Weltbild das ganze menschliche Leben nachhaltiger als anderswo seine Auswirkungen auf die Menschen zeigte. Vom soziologischen Standpunkt aus besehen, ist das Ordensleben in eine Sackgasse geraten. Die Berufungen lassen erheblich nach und die Austritte kommen auch nicht zum Stillstand.

Wie es scheint besteht in den Orden ebenso wie in der Kirche ein tiefgreifendes Schisma zwischen Regeln bzw. Lehre und konkretem Leben Vorort. In dieser Beziehung nehmen die Salesianer keine Sonderstellung ein. In vielen Ländern mit hohen Entwicklungsstandard nehmen grundsätzlich die "Berufe" für die traditionellen Typen kirchlicher "full-timers" ab. Die "Krise" verliert ihren Schrecken, denn die griechische Wurzel dieses Begriffs -"krinein", was so viel wie "scheiden", "unterscheiden", "auswählen" bedeutet, meint keineswegs ein resignatives Dahindämmern oder Ableben, sondern ist eine höchst virulente Entscheidungssituation, der sich Kirche und hier die Salesianer Don Boscos stellen müssen, wenn sie ihren evangelisierenden Auftrag ernst nehmen. Dazu gehört aber eine realistische Analyse der Ursachen und Bedingungen.

Zwischen den erzieherischen Anfängen Don Boscos und der heutigen Aufgabenstellung des Salesianerordens liegen zwei Vatikanische Konzile. Gefragt werden muß also nach dem Proprium des boscanischen Anliegens. Das ist die Problematik, mit der sich der Orden Don Boscos gegenwärtig konfrontiert sieht; die Kontuierung dieses Propriums als eine klare Alternative.

Während die Generalkapitel zwischen 1923 und 1965 die Regeln fast unverändert ließen, begann 1965 eine neue Ära: Das 19. Generalkapitel verlegte die Betonung von den Werken auf das Wirken der Person des Salesianers als Glied der Salesianischen Familie, ohne jedoch in den Regeln selbst größere Einschnitte vorzunehmen. Die bringt dann das Besondere Generalkapitel (BGK). Die Regeln selbst werden neu umgeschrieben: "Sie sollten nun biblische Grundlagen, Elemente der Theologie des Ordenslebens, die Spiritualität des Gründungscharismas und konkrete, in maßvollem Rahmen gehaltenen und der Zeit angepaßte juridische Normen enthalten." 1972 wurden die neuen Regeln vorläufig genehmigt, auf dem 21. Generalkapitel modifiziert, und auf dem 22. Generalkapitel 1984 nach Erprobung endgültig in Kraft gesetzt. Wie sieht die Praxis der neuen "Spiritualität der Mitmenschlichkeit" (F. CUVELIER) aus Vorort?

Ein Textvergleich mit den alten Konstitutionen zeigt, daß ein radikaler Bruch vermieden wurde: Die neue personale Gewichtung bedeutet eine Rückkehr zum ursprünglichen Gedanken der Haus- und Familiengemeinschaft. Das Ordensgelübde wird biblisch und konziliar aufgefüllt und bekommt mit der Betonung der gemeinschaftlichen Dimension eine neue Färbung. Ein wirkliches Novum bildet der Rückgriff auf den "Geist Don Boscos", der wohl von grundlegender Bedeutung sein wird "für die Zukunft des Salesianischen Charismas, für die Identität und die Einheit der Kongregation."

Was hat der Rückgriff erbracht? Hat er zu mehr Ermutigung im Glauben geführt? Wurde das Weitergeben dieser Ermutigung an Kinder und junge Menschen konkret intensiviert? Wurde die kritische (schöpferische) Hinterfragung von Theorie-Praxis-Bezug gründlicher praktiziert oder hat man sich jetzt mehr etabliert? Wie zeigt sich die Wirklichkeit? Ist Gesellschafts- und Kirchenkritik u.a. ein lauteres Mittel zur Wahrheitsfindung geworden?

Dem boscanischen Auftrag gemäß räumt das Besondere Generalkapitel (BGK) für die Zukunft der Arbeit mit Jugendlichen "absoluten Vorrang" ein, speziell mit der "bedürftigen und unversorgten Jugend." Wo zeigt sie sich diese Bestimmung konkret in den Arbeitsfeldern? Ihren Dienst verstehen zwar die Salesianer als umfassend, "weil er alle Jugendlichen ohne Unterschied des Alters, der sozialen Stellung, des Glaubens und der politischen Überzeugung angeboten wird. Er bevorzugt nur die Bedürftigen im weitesten Sinne des Wortes." Wird diese Adressatenbestimmung konkretisiert in Deutschland? Sind die Häuser Vorort nicht zu einer multiplen Versorgungsstation geworden? Wo ist die ursprüngliche Zielsetzung geblieben? Wird in der alltäglichen Praxis nicht der ständige Mangel an Vitalität und Inspiration vieler Mitarbeiter deutlich?

Der pastorale Dienst bezieht sich dem herkömmlichen Verständnis der Salesianer nach auf alle "berechtigten Forderungen und wirklichen Bedürfnisse des Jugendlichen, bezüglich Leib, Geist und Gemüt. Die ganzheitliche Bildung erfordert so weit wie möglich auch einen ganzheitlichen Dienst, auch wenn der entsprechend den Möglichkeiten, verschiedenen Formen und Inhalte aufweist." Das 21. Generalkapitel (1978) hat diesen Ansatz fortgeschrieben und die "ganzheitliche Bildung" dahingehend präzisiert, daß sie "Glaubensverkündigung und Katechese" in ihrer Mitte trage. Echte Evangelisierung vollziehe sich "innerhalb eines Konzeptes, das auf die vollständige Entwicklung des einzelnen und der Gruppe abzielt."

Wird mit dieser Anamnese eine Jugendpastoral gebaut, die eine "aufklärende, sichtende, kritisierende und verbessernde Funktion" in der Gesellschaft ausfüllen und damit als ein "Experimentierfeld für bessere Möglichkeiten des sozialen Daseins" darstellen? Gefordert wird damit eine intensive Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Humanwissenschaften in allen Etappen der salesianischen Ausbildung, da die pädagogischen Zielvorstellungen mit der erzieherischen Realität nicht mehr in Deckung zu bringen seien. Es gelte, das Erziehungsgeschehen vor dem Hintergrund der komplexen Prozesse und den vielfältigen Interdependenzen in den Mensch-Umwelt-Beziehungen von neuem zu überdenken, ohne dabei den eigenen spirituellen Ausgangspunkt aus den Augen zu verlieren. Das 21. Generalkapitel hat diese Dialektik als "den dynamischen Aspekt der Erneuerung und der Treue bezeichnet."

Ist mit diesem in-die-Mitte-rücken (Theologie-Pädagogik) das erzieherische Handeln praktisch bewußter geworden; wurde klar, daß es immer mehr auf Erkenntnissen über die kindliche Entwicklung und die soziologischen Zusammenhänge basierte? Was hatte dies zur Folge? Der Mensch nach der Aufklärung hat sich darangemacht, sein Leben planmäßig und vernünftig zu ordnen mit dem Ziel, Unvernunft und Unglück möglichst weitgehend daraus zu bannen. In diesem Bemühungen liegt auch die Gefahr des Irrtums und des Scheiterns; aber ohne diese Möglichkeit ist wahrscheinlich der Mensch nicht Mensch. Dazu war es notwendig, den Menschen selbst immer besser zu erkennen und ihn so zu erziehen, daß er solche planmäßige, vernünftige und konfliktfreie Ordnung in seine eigene Hände nehmen könne. Die Wissenschaft vom Menschen wurde zunehmend differenziert, zur Psychologie trat die Tiefenpsychologie, die auch die dunklen Seiten des Menschen in die Helle des Bewußtseins heben und sie so beherrschbar machen wollte; man erkannte, wie weitgehend Motive und Normen des Handelns durch das soziale Umfeld bestimmt sind und sich mit der gesellschaftlichen Ordnung wandeln, und welche Konflikte, Sozialisationsbrüche, aber auch die zunehmenden Differenzierung der gesellschaftlichen Systeme, verursachen können. Und man suchte die Eigentümlichkeit menschlicher Kommunikation zu erfassen und daraus Fol- gerungen abzuleiten, wie die Verständigung vernünftiger, konfliktfreier, den jeweiligen Systembedürfnissen angemessener zu vollziehen sei. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse lassen das menschliche Handeln immer rationaler werden, ihre rechte Nutzung verleiht das, was Pädagogen Handlungskompetenz nennen. Freilich hat die moderne Erziehungswissenschaft noch keine umfassende Theorie. Es gibt konkurrierende Theoriekonstruktionen und divergierende Konzepte zum Erfassen und Deuten einzelner Funktionszusammenhänge. Es gehört mit zur Kompetenz des Praktikers, jeweils die Theoreme zur Deutung einer Situation heranzuziehen, die diese am vollständigsten und schlüssigsten zu erklären vermögen.

Die Hellhörigen unter den geistig Führenden nahmen freilich schon bald auch die Gefahren wahr, die in dem Wissenschaftsfortschritt lagen. Wurde nicht der Mensch, je mehr man ihn rational erfaßte, immer unsicherer, immer gefährdeter? Ist letztlich das "Ich" "unrettbar"? Ist vielleicht jeder nur eine austauschbare Funktion in einem Systemzusammenhang? Was bleibt pädagogisch da zu tun? Muß der Erzieher sich darauf konzentrieren, wissenschaftsgeleitete Handlungskompetenz sich zuerarbeiten, um eine möglichst konfliktarme, funktionsgerechte Sozialisierung zu erreichen? Sollte er darüber hinaus soviel Sprachkompetenz gewinnen, daß er nicht nur um die Relativität jedes Sprachspieles weiß, sondern sich auch elastisch immer neu in veränderte Spiele einzubringen vermag, um so zu größerem gegenseitigem Verstehen und zu mehr Toleranz erziehen zu können?

Also, der Forschungsgegenstand der Pädagogik als einer pragmatischen Wissenschaft muß die Wirklichkeit sein, von der der Text handelt. Der Text weist zurück auf die pädagogische Wirklichkeit selbst. Damit ist das eigentliche Forschungsfeld der Pädagogik, die pädagogische Situation, in der sich ein Lern- oder Erziehungsprozeß vollzieht. So steht der konkrete Mensch im Blickpunkt jeder Pädagogik und Theologie. O. WEBER charakterisiert es so: "So ergibt sich aus dem biblischen Menschenbilde ein wahrhaft, nicht positivistischer oder skeptischer, sondern mutiger und kritischer Realismus der Erziehung." Deshalb gilt doch, daß sich die Pädagogik ansprechen lassen muß von den Warnungen aus der theologischen Sicht des Menschen, weil sich in ihr eine jahrtausendalte Erfahrung über den Menschen ausspricht, die zu unterschlagen auch für einen Nichtgläubigen leichtsinnig und unwissenschaftlich wäre.

Es scheint, daß die theologisch radikale Infragestellung des pädagogischen Optimismus, der Mensch könne durch die Macht der Erziehung, auf Grund eigener Kraft und Einsicht, aus seiner Verfallenheit an das Böse gerettet werden, weitverbreitet ist, und die theologisch radikale Ideologiekritik an allen menschlichen Ideen, Idealen und Zukunftsvisionen spiegeln sich - und das muß auch die Pädagogik wahrnehmen - in der pädagogischen Erfahrung der Ohnmacht der Erziehung. Gerade ein heutiges ganzheitliches jugendpastorales Tun muß die Freigabe des modernen Menschen an die Welt akzeptieren und ist auch in bezug auf die Frage nach den Möglichkeiten der Erziehung, hier der religiösen Erziehung, nicht mehr rückgängig zu machen! Hier scheint mir die Problematik der Kirche und der Salesianer zu liegen, die mehr als andere Orden versuchen die wissenschaftliche Bezugsdisziplinen in ihre Ausbildung zu integrieren, doch praktisch scheinen auch sie sich noch nicht davon erholt zu haben, daß der Mensch an diese Welt freigegeben wurde.

In diesem Sinne werden sozialpädagogische und pastorale Konzepte mit thematischen Rückgriffen auf Don Boscos "Präventivsystem" erarbeitet, die einer periodischen Überarbeitung offenstehen, insofern "jede Gemeinschaft alljährlich ein Erziehungs- und Pastoralprogramm ausarbeiten und es auf den neuesten Stand -was dies auch immer heißen mag- bringen muß. Das Programm muß ausdrücklich auf die Evangeliserung ausgerichtet sein und den konkreten Erfordernissen der sozialen Umwelt besondere Beachtung schenken. Eine solche Planung muß gemeinsam mit den Jugendlichen, den übrigen Zielgruppen unserer Sendung und den Vertretern der Salesianischen Familie arbeitet werden."

Inwieweit dies "ein Geschehen in dieser Welt und für diese Welt" ist, kann so einfach nicht ausgemacht werden, da konkrete Befragungen der einzelnen Mitarbeiter öffentlich nicht zugänglich sind; soweit es solche gibt. Inwieweit die salesianische Spiritualität und die Konzilstheologie die jugendpastorale Praxis Vorort geändert hat, daß die persönliche Glaubwürdigkeit und ein lebendiges Zeugnis des Glaubens, ebenso die aktive Annahme der gesellschaftliche Pluralität und das argementative Sichtbarmachen der sittlichen Erfordernisse aufleuchten, ist in den einzelnen Häusern kaum auszumachen. Das waren immer schon Postulate der Provinz- und Generalkapitel. Gerade in der Praxis wird das Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit sichtbar.

Das Besondere Generalkapitel (BGK) postuliert eine "pastorale Haltung des Suchens", die die Jugendliche in ihren unmittelbaren Lebensräumen aufsucht:

"In bestimmten Gebieten und unter gewissen Umständen müssen Gruppen unsere üblichen Arbeitsgewohnheiten aufgeben und in Übereinstimmung mit den Entwürfen und mit der Zustimmung der Hausgemeinschaft und der Provinzgemeinschaft eine echte missionarische Pionierarbeit leisten, indem sie die Belebung von Jugendgruppen und Tätigkeiten unter der Jugend - auch außerhalb unserer Werke - planen...zuvor muß man die tatsächliche Situation der Jugend des Ortes und die konkreten Möglichkeiten der Hausgemeinschaft studiert haben."

Was ist aus diesen theoretischen Vorgaben geworden? Haben sich z.B. einige Salesianer und einige Laiengruppen zusammengetan und arbeiten nunmehr an ihrer Förderung und Weiterentwicklung, um eine konkrete jugendpastorale Aufgabe, vielleicht in einer deutschen Großstadt, an arme, vernachlässigte oder gefährdete jungen Menschen in die Tat umzusetzen (Bahnhofsviertel, Stricher- oder Drogenszene)?

Diese diakonisch akzentuierte Jugendpastoral schlägt sich - wie es scheint - organisatorisch in einer Dezentralisierung der Kongregation nieder. Dadurch bekommen die Räte und die Provinzenkonferenzen mehr Befugnisse in den Angelegenheiten eingeräumt, mit denen sie direkt befaßt sind: "Indem sie den untergeordneten Instanzen das überläßt, was diese tun können, bewahrt die zentrale Leitung, über eine ergänzende und korrigierende Funktion hinaus, die unaufgebbaren Kräfte, deren Verlust die wesentliche Einheit direkt oder indirekt zerreißen würde. Die Dezentralisation achtet auf eine notwendige Verteilung der Vollmachten. So erreichen sie ungezwungenere und schneller Lösungen der Probleme, eine größere Wirksamkeit und eine größere Aufwertung der Einzelpersonen."

Die Grundaussage des II. Vatikanums lautet: Die Kirche ist das Volk Gottes auf dem Weg zu jenem Ziel, das Reich Gottes in der Vollendung heißt. Diese Aussage von der Kirche als Volk Gottes steht bewußt vor den Aussagen über die Dienste und Ämter der Kirche, über die Hierarchie, die für das Volk da sind und deren Funktion nicht als Macht, sondern als Gabe und Dienst beschrieben wird. Die Krise in der Kirche (vor allem als Struktur, und damit auch in den Orden, mit Rechtsnormen, Dogmen, Ritual und streng hierarchischer Führung) offenbart eine tieferliegende Krise, nämlich die der Religion und ihrer Bedeutung. Mehr und mehr lernen die Wissenschaften vom Menschen, doch auch die Exegese, die Bibeltheologie, die Praktische Theologie, wie entfremdent Religion sein kann.

Mann kann es auch anders sagen: Die am weitesten bewußtseinsmäßig fortgeschrittenen Menschen stellen klare Fragen an die Glaubwürdigkeit und somit auch an die Menschenwürdigkeit der Religionen im allgemeinen und im Westen hinsichtlich der christlichen Religion im besonderen. Niemand darf es wundern, daß eine solche Fragestellung gerade bei denjenigen einschlägt, die das Religiöse am stärksten in ihren Lebensmittelpunkt rückten, bei Priestern und Ordensleuten. Sie sind ja existentiell am meisten dazu gezwungen, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Viele sehen die Frage noch nicht; andere wollen sie übergehen; ganze Gruppen von Jüngeren gehen weg oder werden einfach von den Ordenstrukturen abgeschreckt; hoffentlich nur wenige wegen ihrer Geschlossenheit und vermeintlichen Sicherheit angezogen.

Die Salesianer versuchen zu erkennen, daß man mutig von dem Menschenbild von gestern abrücken muß, wo es weiter nicht mehr sinnvoll bleibt, um sich dann an einem neuen Verständnis vom Menschenbild zu orientieren. Wir können unmöglich die heutige Krise einfach als eine Glaubenskrise abtun, die auf den Materialismus zurückgehe, und als könnte ein Kern, wenngleich mit einigen Anpassungen, die Lage noch retten. Diesen Eindruck hinterlassen hier die Salesianer mit ihren Bemühen.

Der Begriff TEILHARDS von einer "Mutation" ist treffend auf das Ordensleben von heute anzuwenden, auch da, wo es um etwas mehr geht als um nur Strukturen, sondern um die eigentlich Sinngebung: nämlich der auf den drei Gelübden im Dienst der Kirche aufgebauten Gemeinschaft. Bei vielen ist die eigentliche Sinngebung schon weggefallen; das wird man so nicht wahrhaben wollen: doch im eigentlichen stimmt das! Wo sie trotzdem noch im Orden verbleiben, so nicht selten, weil sie Erzieher, Lehrer, Fachleute auf pädagogischem bzw. sozialem Gebiet noch wertvolle Dienste leisten können. In diesem Falle wird der Hintergrund des Ordensinstituts in seinem materiellen Befund noch bewahrt als ein Stück sozialer Absicherung und als ein eingebundensein in zwischenmenschliche Beziehungen, denen man sich vielleicht verpflichtet fühlt, jedoch nicht mehr als eine Inspirations- und oder Aktionsgemeinschaft.

Die Krise dringt nämlich in eine Schicht vor, die tiefer liegt als Strukturen und Religion: Es geht um die endgültige Sinngebung der gesamten zwischenmenschlichen Existenz. Es wird bestritten werden! Ich behaupte: Die Welt braucht immer weniger die Ordensleute des klassischen Typs; die Christen selbst fliehen den traditionellen Kadern, die auf Streben nach Vervollkommnung aus waren. Sie suchen nach ursprünglicheres: Gruppen evangelisch inspirierter Mitmenschen, die sich frei und ungezwungen zusammenschließen, Modelle von Gemeinschaften, in denen in Freiheit und Verantwortlichkeit und im beiderseitigen Vertrauen an der Befreiung des Menschen arbeiten, wo man die Liebe Gottes hautnah erfahren kann, wo eigene Sinngebung und -erfahrung konkret ermöglicht wird und die letzten Fragen der Existenz ernsthaft mit eingeschlossen werden. Ein oben und ein unten wird dann unnötig sein, weil es die Evangelisation erfordert. Die Bibel spricht davon, daß man keinen neuen Wein in alte Schläuche abfüllen sollte, denn das geht nicht gut. Aber ebenso gilt: "Ein Samenkorn das nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt keine neue Frucht." (Joh 12, 24)

Das Organisationsprinzip wird von den Salesianern nicht zukunftsträchtig gelöst; die Dezentralisierung der Leitungsstrukturen werden nicht personell offen organisiert. Die Person mit ihrer Vielfalt und Möglichkeiten gilt es zu fördern und zu stimulieren. Die Verhaltensforschung belegt, daß wir Menschen anthropologisch auf zielgerichtete Aktivitäten ausgerichtet sind. Grundsätzlich existiert m.E. keine Motivationslücke; es muß Sinn machen, was zuarbeiten. Die Leistungsbereitschaft, die Leistungsfähigkeit und die Leistungsmöglichkeit der MitarbeiterInnen sind in der Regel gegeben. Die Möglichkeit, daß sich alle beteiligen, muß ernsthaft vorhanden sein. Das Tragende sind die menschlichen Beziehungen selbst, aus denen heraus sich Aufgaben und Verbindlichkeiten ergeben. Menschliches Verhalten ist damit motiviert und steigert sich, wenn Selbstständigkeit im Denken und im Handeln angesagt ist.

Der Ansatz bei den salesianischen Häusern für eine interaktionale "Klein-Gruppe" ist vorhanden, doch fehlt der Mut zur weiteren Entwicklung. Es bedarf einer dialogischen Einstellung, d.h. Kommunikationsgeschehen. MAX FRISCH meint diesbezüglich:"Jeder Versuch, sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen des anderen gelingen." Hiermit ist auch die Wahr-Nehmung genannt. Die dialogische Einstellung heißt dann, die grundsätzliche Unterschiedlichkeit zweier Menschen (einer kleinen Gruppe) anzunehmen in Wahrnehmung und Bewertung anzuerkennen und zum Ausgangspunkt des Gesprächs zu machen. Damit geschehen "intensive Interaktionen" in der gesamten Gruppe, wobei der ganze Menschen agieren kann, mit seinen Gefühlen, Ängsten und Befürchtungen. Geeint wird die Gruppe weiter durch gemeinsam anzustrebende Ziele, die auf dem Horizont eines gemeinsamen Wertesystems aufgefangen ist. Damit entsteht konstruktive Kooperation.

Es soll hier nun nicht eine neue Leitungs- und Organisationsstruktur für die Salesianer erarbeitet werden; doch die wenigen Ausführungen sollen deutlich machen, daß eine Analyse nur dann fruchtbar ist, wenn ihre Ergebnisse auch in die Praxis umgesetzt werden. Inwieweit überhaupt das Wollen dazu bei der Salesianischen Kongregation ausgeprägt ist, dann von hier aus nicht gesagt werden.

Der Ruf zur Sache, die vom BGK angeregte Neuorientierung hat nicht in vollem Umfang das gehalten, (konnte sie dies überhaupt bei dieser Organisationsstruktur?) was sich ihre Initiatoren davon versprochen haben. Das Besondere Generalkapitel hatte ernüchtert festgestellt: "Die salesianische Sendung verstand es an vielen Stellen nicht, jene neue Präsenz zu entdecken, die eine Welt im Umwandlungsprozeß verlangt." Das 21. Generalkapitel greift diesen Faden auf und muß dann das Scheiten einiger Experimente eingestehen, die unter dem Aspekt des konzeptionellen Neubeginns begonnen worden waren. Es handelt sich dabei um die sogenannten "kleinen Gemeinschaften", die eigens ins Lebens gerufen worden waren, um für jugendliche Randgruppen Einsatzstrategien zu entwickeln, "die auf die wirkliche Erfordernisse einiger pastoral fernstehender und unzugänglicher Gebiete zugeschnitten sind."

Hier stoßen wir auf den mangelnden Mut, der oben schon ausgeführt wurde; das Festhalten am Hergebrachten läßt neues nicht aufkommen. Sollte es tatsächlich stimmen was die Soziologen öfters sagen, daß sich keine Gruppierung mit einer Macht von selbst aufgibt, daß sie vielmehr langsam verschwinden muß.

Es fehlt, daß die Vision Don Boscos gemeinsam modelliert wird, sie wird einfach erlassen; und das bedeutet langsames absterben (Austritte, kaum Nachwuchs, Desinteresse, schleichend Verweigerung u.dgl.m.). Die Forschungen von K. LORENZ, I. EIBL-EIBESFELDT und F.v. CUBE u.a. lassen die Annahme zu: Alle Menschen verfügen grundsätzlich über kreative Energie, die nach Entfaltung drängt. Menschen verfügen über ein hohes Aktionspotential als die Fähigkeit und die grundsätzliche Bereitschaft zu arbeiten. Diese menschliche Aktionspotentiale scheinen sich die Salesianer nicht zu bedienen, denn sie halten fest an alten und hinderlichen Organisationsstrukturen, die ihre Arbeit grundsätzlich behindern, ihre Visionen verflüchtigen lassen, sich absichern in geruhsame und sichere Arbeitsfelder; Problem-lösend-erkundendes Verhalten, "neugierig"-sein, Entdeckerfreude und Lust am Funktionieren, das alles verflüchtigt sich in abgesichterten Positionen. Hier wird an den Brief aus Rom von Don Bosco erinnert.

Wo ist die Spannung geblieben? Wo sind die Folgen der Erkenntnis, daß die Motivation jedes einzelnen Mitgliedes die natürliche Ordnung der Dinge ist? Gerade mit der Zielgruppe, die mit den Jugendlichen Don Boscos wohl die größte Gemeinsamkeiten aufweisen, tun sich die Salesianer am schwersten. Das hat natürlich Rückwirkungen auf die Praxis, auf den Stil und den Geist des salesianischen Erziehungs- und Pastoralkonzeptes. Es ist in der Theorie wissenschaftlich wohl formuliert, doch in der Praxis nicht von anderen x-beliebigen Pastoralkonzepten zu unterscheiden. Das Dokument des 21. Generalkapitels verweist daher gleich zu Beginn auf die konkrete Lebensbezüge der Jugendlichen heute als pädagogischer Anknüpfungspunkt: "Die Evangelisierung nimmt daher auch den zunehmend unverzichtbaren Weg über die Analyse der Lebenssituation, die die Persönlichkeit des Jugendlichen einschneidend beeinflussen. Die Lebensmodelle, die die Umwelt anbietet, die Sehnsüchte, Spannungen und Ansprüche, die sie weckt, stoßen in der Psyche des Jugendlichen häufig auf Solidarität und bereitwillige Annahme. Sie lassen in den jungen Menschen - wenn auch oftmals auf der Ebene des Unbewußten - Emotionen und Einstellungen entstehen, die die erzieherische Einflußnahme und selbst das Begreifen und gläubige Annehmen der Frohbotschaft entweder beeinträchtigen oder begünstigen."

Warum ist die Annahmebereitschaft der heutigen Lebensmodelle junger Menschen so schwer aufzunehmen? Warum wird nur in Worten die Lebenssituation analysiert und nicht daraus konkrete Folgerungen für die Praxis gezogen, die sie auf die Erfordernisse hin radikal verändern? Als Beispiel nenne ich die Non-profit-Unternehmen, deren Verantwortliche oft hervorragende Arbeit leisten. Ich denke an Greenpeace, Amnesty International, das Rote Kreuz und auch an die vielen Millionen Bürger, die im organisierten Breitensport mit häufig immensem Einsatz dauerhaft ehrenamtlich arbeiten. Es sind Beispiele für den grundsätzlichen Leistungswillen der Menschen - wenn sie ein Spielfeld finden, auf denen es für sie Sinn macht, sich voll einzusetzen. Diesen Organisationen fehlt es weder an Mitgliedern noch an Schlagkraft noch an Erfolg.

Offensichtlich stellen diese Organisationen "Spielfelder" zur Verfügung, auf denen zu spielen Spaß macht und wo die Antwort auf die Frage nach dem "Wozu?" überall greifbar wird.

8.2.1 Das Ergebnis und die Folgen der Neubesinnung durch die beiden Generalkapitel (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Nach wie vor sehen die Salesianer in der "Pädagogik der Vorsorge" den Kern ihrer Sendung. Sie verstehen sie als "eine reichhaltige Synthese von Inhalten und Methoden, von menschlichen Bildungsprozessen und ebenso von Glaubensverkündigung und Vertiefung des christlichen Lebens." Während das 19. Generalkapitel diese Synthese von der Idee eines "ganzheitlichen Humanismus" her betrachtet, spricht das BGK von einer "umfassenden christlichen Entfaltung" und einer "befreienden christlichen Erziehung" - was immer das sein mag -. Das 21. Generalkapitel dagegen sucht die Basis auf und gewinnt einen tendenziell optimistischen Eindruck: "Das Besondere Generalkapitel hat sich zweifellos positiv auf die erzieherischen Aktivitäten und die Evangelisierung in der Kongregation ausgewirkt. Zwar hat sich diese Entwicklung nicht allerorts und in allen Punkten abgezeichnet. Viele Elemente der Erneuerung stecken noch in der Anfangsphase und kommen nur mühsam zum Durchbruch; andere befinden sich noch im schwierigen Stadium des Suchens und unausgeführter Wünsche. Man hat jedoch den Eindruck, daß wir zur Zeit einen Aufschwung erleben und mit größerer Gelassenheit an die Überlegungen und Aktivitäten herangehen."

Die konstatierten Kritikpunkte des 21. Generalkapitels resultieren m.E. daraus, daß trotz einer theoretischen Analyse des Zustandes, die Organisationstrukturen kaum einer Betrachtung unterzogen wurden. H. SCHILLING bestimmt christliche Seelsorge als "interaktion Heilbedürftiger mit Heilsbedürftigen im Namen Jesu Christi unter der befreienden Verheißung seines Evangeliums, ausgerichtet auf Versöhnung mit Gott, auf Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, auf Lebens- und Krisenhilfe in der Kraft des Glaubens." Obgleich im Zuge der Umstrukturierung der Kongregation sich eine Vielfalt von neuen pastoralen, pädagogischen und kommunikativen Angeboten mit neuen Zentren, Gremien und Teams, Zeitschriften und pädagogisch-didaktischen Materialien entwickelte, die auf diese Weise "das Wissen um die Notwendigkeit einer ernsthafteren und gründlicheren Programmierung des erzieherischen Einsatzes" dokumentieren, verhinderten die alten Organisationsstrukturen den tatsächlichen Aufbruch der gesamten Kongregation.

Das Strukturprinzip Communio, Gemeinschaft ist nicht gegenwärtig. Das Konzil konstatiert: Das Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums ist nicht nur dem Lehramt (Obern) im engeren Sinn, sondern dem ganzen Gottesvolk (Mitbrüdern) aufgetragen. Das Konzil weiter: "Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe. Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2, 20 und 27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubensinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien ihre allgemeine Überstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. Thess 2, 13), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an".

Trotz mancher Absicherung, wird hier eine "Magna Charta des Volkes Gottes" dargestellt, die von den beiden Generalkapiteln kaum aufgenommen wurde. Den Salesianern gelang - trotz guter Ansätze - die konziliare Neubesinnung kaum; es gelang ihnen ansatzweise die Möglichkeit zu schaffen, daß die Mitarbeiter Erfahrung als Erlebnis-Aktion erlebten; denn Erfahrung als Tun, der Akt des Erfahrens, ist eine Erlebnis-Aktion, die so von vielen Salesianern im Alltag nicht mehr erlebt werden kann. Die Erfahrung ist grundlegend Kontaktaufnahme, Wahrnehmen und Erleben.

Weiter gilt: Der Mensch der etwas erfahren will, muß dazu noch in einem Akt des Sich-Öffnens die Bereitschaft zum Erfahren von Neuem schaffen. Die humanistische Psychologie verwendet dafür den Begriff "Pathik", "engagiertes Leiden". Ein verhindern von Erfahrung, sind Gesetze, Regeln und Normen, aber auch Zugänge, Ideologien und Vorurteile. Es geht also auch bei dieser Erfahrung um Begegnung und um das Abenteuer des Sich-Einlassens auf ein Du, Wir; sie entdeckt das Personale; gleichwohl ist diese Erfahrung lern- und korrekturoffen.

Erziehungspläne wurden erstellt, die der Koordinierung sowohl der geistlichen Dienste als auch der Laienkräfte dienen sollten, die Katechese aktualisiert und funktionsgerechter gestaltet, die Entscheidungsmechanismen im Ansatz demokratisiert. Die in einigen Ländern ins Leben gerufenen "Kerngruppen" für die Glaubenserziehung sorgten sowohl für eine lebendigere gesellschaftliche Auseinandersetung als für eine intensive Einbindung in die Seelsorge der Ortskirche, die aber auf Langzeitwirkung so nicht durchgehalten werden konnten.

Eine großzügigere konzipierte Zusammenarbeit mit der Salesianischen Familie stärkte aber nur vorweilig die Bewegung der "jungen Mitarbeiter und eröffnete neue Perspektiven für Gebet und liturgisches Leben, was sich auch in vorweiligen erweiterten Möglichkeiten der Evangelisation über die Massenmedien niederschlug."

Dennoch blieben gravierende Schwierigkeiten. Das 21. Generalkapitel bemängelt zu recht: "Es tritt ferner ein zu geringes Verständnis für die Probleme zutage, mit denen es die christliche Erfahrung in der Welt der Jugend und des einfachen Volkes zu tun hat; z.B. der breitgefächerte Pluralismus kultureller Modelle, die Schwierigkeiten der Umgangssprache innerhalb der Subkulturen unter der Jugend und dem Volk, das Streben nach Teilhabe und Mitverantwortung auf allen Ebenen, das Verlangen nach Gleichheit und Gerechtigkeit."

Es fehlte den Kapiteln weitgehend die Einsicht, daß echte menschliche Erfahrung nicht punktuell bleibt, sondern sie fragt unmittelbar kausal und final. Der Blick auf die Ursachen, die Bedingungen und Begründungen gehört wesentlich mit zur personalen Erfahrung des gegenwärtigen Sachverhalts. Sinnzusammenhänge, Sinnhintergründe und Sinnobjekte werden intuitiv verständlich und aktiv aufgenommen.

Weiter fehlt es den Kapiteln am kritischen Mut; denn Wagemut und Selbstüberwindung gehören zur originären und persönlichen Erfahrung. Um persönliche Erfahrungen zu machen, bedarf es der Anstrengung, die einengenden Schablonen der öffentlichen und anderer beherrschenden Meinungen zu durchbrechen. Wer selbst Erfahrung machen will, muß bereit sein, die echten oder vorgeblichen Erfahrungen der anderen zu relativieren, auch wenn diese schon in Normen, Sitten und Konventionen eingegossen sind. Die Realerfahrung erbringt Daten biologischer, psychischer, pädagogischer, sozialer und personaler Art, die von den Kapiteln nur theoretisch im Ansatz bedacht wurden aber für den Theorie-Praxis-Bezug kaum Relevanz hatten.

Was dann folgt in den Kapitelanalysen scheint eine Infragestellung der gesamten salesianischen pastoral-pädagogischen Konzeption: "Hin und wieder ergeben sich auch Unsicherheiten bezüglich der genauen Zielsetung unseres pastoralen Wirkens, so daß sich manche Mitbrüder zurückhaltend oder zögernd verhalten gegenüber einem ausgesprochenem christlichen Angebot, das sich natürlich nach dem Rhythmus und dem zeitlichen Ablauf eines organischen Wachstums richten soll. Ferner sind auch die Ideen und Urteile über einige Grundsätze der Erziehungsmethode Don Boscos nicht immer klar und zutreffend: etwas über die sakramentale Praxis (vor allem über die des Bußsakramentes), die Marienverehrung, die einfache und volkstümliche Frömmigkeit sowie die systematische und ganzheitliche Katechese, die - in Übereinstimmung mit den Anweisungen der Ortskirche - auf alle Altersklassen abgestimmt werden soll."

Diese Defizite im konstitutiv menschlichen sind m.E. bedingt durch das ideell-festgelegte Organisationsprinzip und dem sich daraus ergebenenden intensiv-lenkendem Führungstil; die Abwehrmechanismen bei vielen Mitbrüdern sind in ihrem Praxisbezug sehr deutlich zu beobachten. Geschwisterliche Strukturen, Solidarität, Subsidarität, freie Übereinkunft, das sind Formen der Zukunft, wenn Orden in der modernen Zeit auf Dauer überleben wollen, nicht als Sekten, sondern als gesellschaftsrelevante Moderatoren und Animateure für eine ganzheitliche evangelisierende Jugendpastoral, die sich an Jesus Christus verortet.

8.2.2 Die Tätigkeitsbereiche und ihre Definition durch das 21. Generalkapitel (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die außerschulische Jugendarbeit der Salesianer konzentriert sich auf drei Einrichtungstypen:

• das Oratorium deckt die Kinderbetreuung im weitesten Sinne ab;

• das Jugendzentrum organisiert und strukturiert Erziehung in Form christlicher orientierte Gruppenarbeit;

• das Oratorium-Jugendzentrum bietet ein vielschichtiges Arbeitsfeld im Hinblick auf die differenzierte Zielgruppenbetreuung.

Schwierigkeiten eigener Art bereitet hier die "zahlenmäßig beachtliche Anwesenheit" in einigen Regionen. Das Dokument drückt sich um eine klare Formulierung: "Der Begriff des >gemischten Oratoriums< liegt außerhalb der Perspektive unserer kapitularen und gesetzgeberischen Texte...Was aber das Jugendzentrum betrifft, so können...das soziologische Umfeld und die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Erziehung es als angeraten erscheinen lassen >an bestimmten Orten und unter bestimmten Umständen gemischte Gruppen zu unterhalten, freilich mit allem Vorbehalt und dem erforderlichen Verantwortungsbewußtsein<".

Diese gewundene Erklärung macht deutlich, daß es mit der Anlehnung an das gelebte Beispiel Don Bosco auch immer ein Stück 19. Jahrhundert in die Gegenwart transportiert wird: Eine Erneuerung nach dem Muster eines historischen Vorbildes trägt notgedrungen auch restaurative Tendenzen in sich und sind für einen modernen Neubeginn nicht tauglich, da die Zeichen der Zeit so nicht beachtet werden können.

Im Schuldienst sehen die Salesianer ein herausragendes pastorales Betätigungsfeld. Das 21. Generalkapitel verlangt daher von seinen Mitarbeitern im Schulbereich, in Internaten und Wohnheimen, "Herz" und "Verstand" miteinander zu versöhnen, also auch sozialpädagogisch tätig zu sein. Im Sinne Don Boscos fordert dies von einem salesianischen Lehrer ständige Präsenz für den Schüler unter weitgehendem Verzicht auf ein eigenes Privatleben. Inwieweit eine solche Präsenz eines Lehrers eine Tugend ist darf angezweifelt werden. Das menschliche Verhalten ist nicht durch ständige Präsenz erfahrbar, sondern durch Versuch und Irrtum. Unsere pädagogische Zielsetzung ist doch, daß im jungen Menschen die Fähigkeit und den Willen zu entwickeln, seine Tätigkeiten sachgemäß und konsistent auszuführen. Die Erfahrung zeigt, daß jeder praktische, projektartige Unterricht für das Lernen und Lehren sachgemäßen Handelns günstig ist.

Gerade in salesianischen Schulen wäre die Projektmethode, die geeignete Unterrichtsform, da Wissenschaft und Theorie gegenüber anderen Aktivitäten kein Mehr an menschlichem Sinn garantieren können. Unter Projektmethode wird hier der Weg verstanden, den Lehrende und Lernende gehen, wenn sie sich bilden bzw. lernen wollen. Das Projekt wird von der Projektgruppe durchgeführt. Darunter versteht man, das konkrete Lernunterfangen, das eine Gruppe beschließt, plant, anpackt, durchhält oder wenn es sein muß auch abbricht. Das Tun muß nicht immer voll der Projektmethode entsprechen, dann spricht man von projektartigem Lernen.

Die Projektmethode ist somit eine offene Lernform, da sie auf die lokale Situation und die Interessen der Teilnehmer Rücksicht nimmt. Das Miterleben und Mitgestalten vieler Projekte vermitteln die Vielfalt projektartigen Lernens. Salesianer, die Pfarreien betreuen, finden ihr Arbeitsfeld vorzugsweise in den volkstümlichen und bevölkerungsreichen Gebieten der Städte. Sie erstreben eine "enge Verbindung mit dem Volk" und sind bemüht um eine offene Gemeinschaft; darin haben "die Kinder und Jugendlichen - besonders die ärmsten - den Vorrang." Was heißt das nun? Sind Salesianer andere Pfarrer als die übrigen? Verstehen sie ihre Gemeinde als Kirche von der basis her? Wird bedacht, daß die Kirche nicht mehr so wie früher einfach durch das Bestehen ihres Amtes, ihrer gesellschaftlich festen Strukturen und durch ein Bewußtsein ihrer Selbstverständlichkeit in der Öffentlichkeit dasein und auf dieser Basis neue Mitglieder rekrutieren kann? Leitet ein Salesianer "seine" Pfarrei demokratisch, kooperatorisch und dialogisch?

Die Missionen gelten innerhalb der "salesianischen Tradition als bevorzugter Ort, an dem der salesianische Sendungsauftrag erfüllt wird, und als eine Geisteshaltung, mit der man diese Sendung erfüllt." Das 21. Generalkapitel verlangt allerdings auch für die Mission einen "neuen Blickwinkel", der menschliche Förderung und Evangelisierung integrieren kann, indem er sich mit der missionarischen Realität unter "einer wissenschaftlich gültigen Perspektive auseinandersetzt." Das Konzil formuliert: "Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der 'will, daß alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sicht selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat'(1 Tim 2, 4-5)". Sehen salesianische Missionare die "Problematik der Praxis" zur offiziellen Einstellung der Kirche? Sind sie, wie es C. BOFF formuliert: sozial engagiert, biblisch orientiert, politisch offen und in der Praxis ihrer Arbeit wahr? Versuchen sie die politische Praxis mit der theologischen Theorie zu verbinden?"

Ein salesianischer Missionar sollte sich bewußt sein, was C. BOFF so formuliert hat: "Das politische Engagement für eine bestimmte Sache im Rahmen einer bestimmten Gruppe oder einer Bestimmten Klasse gewährleistet zwar einerseits nicht die innere Qualität einer theologischen Theorie, bildet aber andererseits die notwendige Bedingung dafür, daß eben diese theologische Theorie einen bestimmten angemessenen (thematischen) Gegenstand wählen sowie einen ihrer Kommunikation entsprechenden Stil." Ein Missionar sollte die "soziale Ortsgebundenheit" seiner Theologie bedacht haben.

Im Zeichen des Medienzeitalters werden Kommunikation und Evangelisation in einem sehr engen Verhältnis gesehen. Das 21. Generalkapitel versucht die Wirkung der Massenmedien im Licht des Evangeliums zu deuten: "Man darf in ihr nicht nur ein >Transportmittel< oder ein >Zusammenwirken von Mitteln< sehen, sondern eine komplexe und dynamische Realität, die in sich selbst eine unbegrenzte Überzeugungskraft besitzt, mit der sie die zum Ausdruck gebrachten Nachrichten und Botschaften ausstattet."

Die Kirche, und hier die Salesianer, scheinen trotz theoretischem Aufbruchs nicht das Instrumentarium "Medien" für ihr evangelisierende Tun und für die Diakonie entdeckt zu haben. Werbung als Instrument um christliche Inhalte gezielt an die Menschen heranzubringen scheint nicht zu ihrem Geschäft zu gehören. Wobei sicherlich damit auch Gefahren der Verflachungen vorhanden sind. Aber generell ist eine Beeinflussung von Menschen mit dem Ziel, den Absatz, hier die christliche Frohbotschaft mehr publik zu machen, oder auch das Image der Kirche und ihre Gliedschaften positiv darzustellen, legitim. Hier werden die Kirche und ihre Gliedschaften umdenken müssen und phantasievoller die Möglichkeiten unserer Zeit für ihre Arbeit selbstbewußt und transparent zu nutzen; sie erkennen die Zeichen der Zeit vielerorts nicht.

Deshalb gilt: Diese Überzeugungskraft gilt es für die salesianische Evangelisierung zu nutzen. Zwei Richtungen scheinen vielversprechend, wenn sie intensiv und gezielt gewollt werden:

• der intensivierte Einsatz von Kommunikationsmedien innerhalb der apostolisch-erzieherischen Tätigkeit sowie

• die Eigenproduktion von Materialien in eigenen Verlagszentren, Radio- und Fernsehsendern und Produktionsstätten für Programme audiovisueller Art und das vielleicht

• in kluger Zusammenarbeit mit Privatsendern. Hier kann Don Bosco Animation geben.

8.2.3 Die kritische Zukunftsperspektive (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das 21. Generalkapitel ermuntert die Salesianer dazu, neue Formen des Zeugnisses "und des Dienstes unter den besonders Bedürftigen im Sinne des missionarischen Geistes Don Boscos, der bereit war, dort anzupacken, wo die Not am drigensten war, zu finden." Hinzuzufügen wäre, die kommunikative, die dialogische, die diakonische, die ökumenische Vision, also die ganzheitliche menschliche Förderung, die so durch das Vorbild Jesu Christi dokumentiert wurde, so daß jugendpastorales Tun ureigene Angelegenheit der Salesianer wäre. Das bedingt natürlich eine gesellschaftskritische Virulanz, die unter Umständen auch parteiisch werden muß. Damit ist unweigerlich verbunden, daß eine Theorie der Jugendpastoral aus einer Theorie der Gesellschaft zu eruieren ist, sonst kann eine evangelisierende Jugendpastoral nicht greifen, sie verfehlt ganz einfach ihr Ziel, wie dies die Gegenwart offenlegt. Und die darin agierenden verlieren auf Langzeitwirkung die Bodenhaftung und werden mit der jeweiligen Gesellschaft kongruent und verlieren zu ihr die Betrachterdistanz.

Das könnte natürlich gut von den Initiativen "besonders verfügbarer Menschen oder Gruppen" geleistet werden, wobei man sich dabei - unter dem Stichwort "neue Präsenz" - eine stärkere Orientierung an den Zeitströmungen erwartet. Das verlangt dann folgerichtig eine neue Oranisationsstruktur.

Was versteht nun das Kapitel unter dieser "neue(n) Präsenz"? "Häufig wurde der Begriff der neuen Präsenz ausgehöhlt und als eine Art >Einbahnstraße< gesehen, d.h. entsprechend einem einzigen >Modelltyp<. Anscheinend hat man nicht - wie es dem Geist des Besonderen Generalkapitels (=20. GK) entsprechen würde - auch die Erneuerung der salesianischen Präsenz in den traditionellen Werken ins Auge gefaßt, wie es z.B. die Schaffung einer Schule mit echtem Modellcharakter oder eine neue pastorale Perspektive für eine andersartige Präsenz der Schule oder des Jugendzentrums im Wohnviertel sein könnte." Aus dieser Überlegung heraus sei es nur folgerichtig, wenn sich Salesianer z.B. arbeitsloser junger Menschen, oder Randgruppen wie z.B. Drogenabhängige, Stricher annehmen würden. Gerade in dieser Präsenz ständen sie in der Treue Don Boscos. Das Generalkapitel ermuntert die Salesianer zu einer neuen "pastoralen Kreativität", um die religiösen Nöte der Kirche und dem Glauben indifferent gegenüberstehenden Gruppen aufzufangen.

Die Kritik an der Neubesinnung muß da ansetzen: Ziel der meisten Orden und Kongregationen war zur Zeit ihrer Entstehung, eine direkte Antwort auf eine konkrete Fragestellung bzw. Notsituation ihrer Zeit zu sein. Daß diese Zielvorgaben momentan oft kaum mehr erkannt werde, so daß das unterscheidende Merkmal der einzelnen Orden und Kongregationen kaum mehr sichtbar ist, ist ein Anzeichen dafür, daß ihre Zielvorgaben einer Revision bedürfen, M.E. gibt es neben einer verschleierten Krisis klösterlicher Lebensformen (Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit) eine Krisis der eigenen, speziellen Zielvorgaben der Orden und Kongregation; beide hängen aber eng miteinander zusammen, da es bei beiden um die Frage geht, wie, wo und wann erlösendes Zeichen der Präsenz des Heiles sichtbar gemacht werden kann. Es bedarf eines "radikalen Prozesses" der Praxis, denn die Krisis wird nicht nur mit neuen Ideen gelöst werden können, sondern mehr durch einen Prozeß der seine Bedingungen und Gegebenheiten in einer kritischen Theorie bewußt macht. Das heißt aber nicht, daß die Orden und Kongregationen einfach die Bedingungen und Praktiken der spätkapitalistischen, bürgerlichen Gesellschaft übernehmen können; deshalb ist eine Ideologie- und Gesellschaftskritik auch in kirchlichen Kreisen überlebenswichtig.

Es muß etwas geschehen, weil der Rückgang der Eintritte, und die wachsende Zahl der Austritte und der persönlichen und kollektiven Krisen als Zeichen dafür gedeutet werden müssen, daß die Orden und Kongregationen von innen heraus in Frage gestellt und möglicherweise sogar verschwinden werden. Die beiden existentiellen Fragen - die nach dem Ziel und die nach dem Stil der Kongregation müssen zusammen gelöst werden, wenn nicht eines von beiden verloren gehen soll; denn dies wird nicht bestritten: Die Welt braucht Gruppen und Einrichtungen, die an ihren Überwerfungen jene Heilszeichen setzen, welche die Orden und Kongregationen momentan nicht zu setzen imstande sind. Es geht im Grundsätzlichen um den Gott "mit uns" bzw. um das Reich Gottes; und dieses Reich ist eine "politische Größe", d.h. hat einen Bezug zur "polis", zur Stadt des Menschen. Es muß innerhalb der Kirche und der Kongregationen eine kritische, zugleich aber loyale Opposition geben, die nicht ausgegrenzt bzw. hinaus therapiert wird.

H. FRIES formuliert es so: "Leiden an der Kirche - ein Ausdruck des Glaubens, der die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden (und damit auch die Orden und Kongregationen) glaubt und sie liebt - hat darin seinen konkreten Grund, daß der innerkirchliche Zusammenhang, das Miteinander der Communio - eine im Zweiten Vatikanum ausgesprochene Grundbestimmung der Kirche - gestört ist. Anders gesagt: Das gegenwärtige Leiden an der Kirche (damit auch an den Orden und Kongregationen) hängt damit zusammen, daß die Kirche heute sich im Vergleich zur Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil in ihren maßgeblichen Instanzen und Autoritäten spürbar verändert hat und einem Zustand zusteuert, der vorkonziliar anmutet und im Bekenntnis zur Restauration, zur sogenannten guten alten Zeit, die keineswegs so gut war, wie sie heute oftmals gepriesen wird. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß von Vertretern dieser Mentalität Worte und Texte des Konzils immer wieder zitiert werde", wobei oft eine selektive Auswahl vorgenommen wird - manchmal ohne den entsprechenden Kontext oder Zusammenhang."

8.2.4 Die Neubesinnung und ihre Auswirkungen auf die Ausbildung der Salesianer Don Boscos (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das 21. Generalkapitel orientiert die Ausbildung an der salesianischen Identität. Dort heißt es, "daß die gesamte Ausbildung auf die Entwicklung der Identität unserer salesianischen Berufung hinauslaufen muß. Es unterstreicht daher die Tatsache, da? die Ausbildung die Wurzel ihrer Einheit in eben dieser Berufungsidentität hat. Diese Identität ist - jenseits aller legitimen sozio-kulterellen Unterschiede - die Grundlage der eigentlichen Einheit und des tiefsten Wesens unserer Kongregation." DON RICCERIS Bericht zur Situation zur Zeit des Besonderen Generalkapitel 1971 über die Ausbildung beschreibt die schwierige Situation: "Sie wird noch schwieriger, wenn die ständige und vertraute Lebensgemeinschaft zwischen Ausbildern und Mitbrüder in der Ausbildung nicht gelingt und wenn Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Auffassungen bezüglich des praktischen Vorgehens unter den Ausbildern selbst zu groß werden und es zu starren Frontbildungen kommt. "Er beschreibt dann die Folgen dieses Dissens: "Es wächst die Zahl besonders der jüngeren Mitbrüder, welche die Kongregation verlassen...; die Zahl der Novizen hat in den letzten Jahren sehr abgenommen...; es gibt Jugendliche bei uns, die keine hinreichende Motivation finden, sich zu einem Eintritt in die Kongregation zu entscheiden. Die Kandidaten für die Apirantate in zahlreichen Provinzen sind der Zahl nach stark gesunken... Verschiedene Studentate hat man bereits geschlossen."

Die salesianische Studienordnung (Ratio) steht unter den Ausbildungsaspekten "menschliche Reife, intellektuelle und berufliche Vorbereitung, religiöses und apostolichses Leben - im Gesamtbild der salesianischen Berufung." Neben den salesianischen Fächern, dem traditionellen philosophischen-theologischen Studienbereich und dem Sprachenstudium (Latein, Griechisch, Hebräisch und Italienisch) nennt die Ratio als weitere Schwerpunkte die Humanwissenschaften, die soziale Kommunikation und Elemente der Wirtschaft und Verwaltung. Das humanwissenschaftliche Studium gliedert sich in Sozialpädagogik, Sozialmedizin, Philosophie, Politikwissenschaften, Psychologie, Recht, Soziologie, Propädeutik, in Arbeitsfelder der Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Musisch-sportlicher Bereich, Einführung in die Datenverarbeitung (EDV), Rhetorik. Zum Studium der Sozialpädagogik wird begleitend eine Theologische Zusatzausbildung (TZ) für alle StudentenInnen an den Hochschulen in Beneditbeuern angeboten.

An die Grund- und Hauptausbildung schließt sich eine Phase der Spezialisierung an. Diese zielt weniger auf eine kognitive Weiterbildung als eine pädagogische und soziale Fachkompetenz. Die Ratio verlangt deshalb fachdidaktische, sozial- und sonderpädagogische Qualifikationen.

E. DREWERMANN formuliert in einem Interview: "Wo immer wir einem anderen Menschen helfen, Vertrauen zu finden gegen die Angst, und ein Stück Zuversicht zu setzen gegen die Resignation, zeigen wir ihm ein bißchen von Gott." Diese Aussage macht deutlich, um was es bei der salesianischen Ausbildung geht. "Theologie (ist) Glaubenwissenschaft..., Reflexion auf den Glauben und die Hoffnung der Menschen in der Kirche (und vielleicht auch außerhalb). Theologie ist nicht Glaube selbst, Theologie ist nicht das suchende und antwortende Gebet, Theologie ist nicht Frömmigkeit. Theologie ist nur ein Teilaspekt des Christseins, und natürlich nicht der wichtigste. Martyrium beispielsweise kann man nicht lernen in der Theologie."

Es ist folgerichtig, wenn die salesianische Ausbildung neben der theologischen auch die pädagogischen, psychologischen, soziologischen Gegebenheiten betont und zur Aufgabe macht, da sie auch in einer lebensgeschichtlichen Betrachtungsweise steht, denn es sind alle Produkt von Lernprozessen. Gerade Don Bosco gehört in die Reihe der Erziehergestalten, wie PESTALOZZI und WICHERN, wie MAKARENO und Father FLANAGEN die sich in die Utopie der Kinderkolonie einordnen lassen. Die geschichtlichen Umstände und die weltanschaulich-ideologische Vorgaben der einzelnen Erzieherpersönlichkeiten bestimmen dann die sozialpädagogischen Interaktionen; das gilt gerade auch heute zu beachten, bei dem Versuch zu einer neuen jugendpastoralen Praxis zu kommen, die auch von genossener Ausbildung und dem eigenen Standort abhängt. Gerade Don Bosco ist ein Beispiel dafür, daß zeitbedingte Verengungen großen Einfluß auf sein "Präventivsystem" ausübten.

8.2.5 Grundlinien des jugendpastoralen Tuns der Salesianer Don Boscos (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Das pädagogische und pastorale Tun der Salesianer orientiert sich am Evangelium und an der boscanischen Tradition. "Die Lebensordnung der SDB verweist...in der Beschreibung des salesianischen Geistes...auf den Christus des Evangeliums als Quellgrund: "Der salesianische Geist findet sein Leitbild und seine Quelle im Herzen Christi, den der Vater gesandt hat (vgl. LG 3, AG 3). Beim Lesen des Evangeliums werden wir empfänglich für bestimmte Züge an der Gestalt des Herrn: seine Dankbarkeit gegenüber dem Vater für das Geschenk der göttliche Berufung für alle Menschen; seine Vorliebe für die Kleinen und Armen; seinen Eifer im Verkünden, im Heilen und Retten unter dem Drängen des kommenden Reiches Gottes; ferner die Haltung des Guten Hirten, der durch Güte und Selbsthingabe die Herzen der Menschen gewinnt; sein Verlangen, die Jünger in der Einheit brüderlicher Gemeinschaft zu sammeln."

Nach dem II. Vatikanum sehen sich die Salesianer Don Boscos (SDB) stärker als jemals vorher in ihrer Geschichte mit der Frage nach dem Eigentlichen ihres Lebens und Dienens konfrontiert. Sie fragen sich, worin sich ihr erzieherisch-pastoraler Einsatz für die Jugend von dem anderer Gemeinschaften in der Kirche mit einer vergleichbaren Aufgabenstellung unterscheidet. Das ist umso schwieriger, als die Salesianische Familie in mehr als hundert Jahren zu einer weltumspannenden, multinationalen Bewegung angewachsen ist, so daß man heute schon fast von einer "Multi- oder Pluri-Kultur salesianischer Art" sprechen kann. Deshalb gilt im besonderen Maße, was wir in den beiden vorigen Kapiteln aufzeigten im verstärkten Maße.

Die boscanische Tradition spiegelt sich in ihrem allgemeinen Schriftum wie ihren konzeptionellen Dokumenten wieder. Das Pastoralkonzept der Salesianer Don Boscos in der süddeutschen Provinz z.B. macht dies sowohl vom Aufbau als auch von Diktion und Inhalt her deutlich:

Der einführende Leitgedanke schlägt eine Brücke von Jesus Christus zu den lebendigen Erinnerungen und Vorgaben Don Boscos zu den sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen und pastoraltheologischen Erfordernissen unserer Zeit. Ziel des jugendpastoralen Tuns ist Gottes Handeln an, mit und durch junge Menschen.

Die "Pastoralgemeinschaft" als "Träger der salesianischen Sendung" gliedert sich in:

• die Salesianer Don Boscos, die als Gemeinschaft von Ordenschristen (Priester und Laienbrüder) die Kerngruppe jeder Niederlassung bilden,

• die angestellten MitarbeiterInnen im pädagogisch-pastoralen Bereich, die als Erwachsene und Christen das Verbindungsglied zwischen den Salesianern und den Jugendlichen darstellen,

• die pädagogisch-pastoralen MitarbeiterInnen außerhalb der Gruppe und der Einrichtung, die z.B. als Eltern, Lehrer, Meister, aber auch als ArbeitskollegenInnen Mitverantwortung für das Gelingen der ganzheitlichen Erziehung tragen, und

• die Jugendliche, denen in der Gruppe von Gleichaltrigen die Möglichkeit zum Aufbau einer personalen, sozialen und religiösen Identität geboten wird.

Die "Ziele der Salesianischen Jugendarbeit" umfassen Maßnahmen der Jugendhilfe und Jugendpflege, auf der Grundlage einer pädagogischen Arbeit in Gruppen. Die dienen

• der Bildung des Personalen, worunter die Entwicklung intellektueller und praktischer Fähigkeiten ebenso zu verstehen ist wie die Kultivierung der emotionalen Anlagen,

• der beruflichen Bildung,

• der sozialen Reifung und Bildung im Sinne einer bewußten Gestaltung des Lebens in Partnerschaft, Familie und Gesellschaft sowie

• der religiösen Reifung und Bildung, welche ein Leben im liturgischen Bezug miteinschließt.

Der "salesianische Stil" wird dem Jugendlichen eine ganzheitliche Erziehung bieten und zwar in einer Lebensgemeinschaft und Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens. Die wichtigsten Elemente sind:

• die "Pädagogik der Vorsorge", die in Anlehnung an Don Bosco den Jugendlichen zur rechten Selbsteinschätzung und Integration in die Gesellschaft fähig machen,

• die familiäre Atmosphäre, die entweder eine Brücke zum Elternhaus bildet oder aber solche Jugendliche, die keine Eltern haben oder aus desolaten Verhältnissen stammen, ermöglicht, positiver erfahrungen zu machen,

• die Assistenz, die eine aktive Begleitung des Jugendlichen durch den Erzieher darstellt,

• die Animation, welche die Bereitschaft meint, sich immer neu vom Geist Gottes formen zulassen und von dieser Erfahrung her den Stil der Erziehung zu prägen sowie

• die Freude, in der sich die optimistische Grundeinstellung des boscanischen Weltbildes ausdrückt.

Dieses pädagogische Selbstverständnis nimmt heute jede Institution für sich in Anspruch, der mit jungen Menschen erzieherisch zu tun hat. Was also ist daran spezifisch salesianisch? Wenn wir uns z.B., - es hätte auch in Orden sein können - das pädagogische Selbstverständnis des IB - Internationalen Bundes für Sozialarbeit - Jugendsozialwerk e.V. anschauen, dann finden wir annähernd die gleichen pädagogischen Ziel- und Leitideen wie im Jugendpastoralkonzept. Mit dieser Fragestellung soll nicht etwas die hervorragende Arbeit der Salesianer Don Boscos in Frage gestellt werden, sondern es soll angeregt werde, daß sich die salesianische Gemeinschaft dem Ziel und Stil unserer Zeit anpaßt; hoffentlich evangelisierende Organisationstrukturen findet, die mehr helfen als verdrängen.

Hier ist die "kritische Frage", die direkte Nähe zur "Lebensform" und damit zum konkreten Lebensvollzug gestellt, und eine Lösung ist so einfach nicht in Sicht. Jedenfalls erscheint mir ein Ansatz der Lösung über die Identität, also über gelungenes Leben, wie die Humanwissenschaften dies ausdrücken, möglich. Dabei geht es um die existentielle Frage: Wer bin ich, und dies im konkreten Kontext vom Du bzw. Wir? Wie gelingt mir Leben im Leben mit anderen? Es muß Erfahrung ermöglicht werden: Das Ich im Kontakt mit der Wirklichkeit: denn "Erfahrung ist Leben". Nehmen die Salesianer noch wahr "was der Fall ist"? Sind sie austauschbar; haben sie ihr Propium verloren? Wurden die "Bedingungen bei ihnen, die erfüllt sein müssen, damit die Glaubensbotshaft wahrgenommen werden kann" außeracht gelassen? Denn Krisen sind als "Übergangsperioden, die für das Individuum sowohl die Chance zur Persönlichkeitsentfaltung als auch die Gefahr einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Störungen enthalten", anzusehen.

Das Krisenkonzept von C. CAPLAN scheint mir ein taugliches exemplifizieren dafür, was die Orden und Kongregationen momentan mehr oder weniger durchmachen: Auf der Reaktionslinie sind nach C. CAPLAN vier Phasen des Krisenablaufs zu unterscheiden:

"Phase 1 ist gekennzeichnet durch einen Spannungsanstieg und Versuche, mit vertrauten Mitteln zu einer Problemlösung zu gelangen,

in Phase 2 kommt es unter fortgesetzten ineffektiven Anstrengungen zu einem weiteren Spannungsanstieg.

In Phase 3 werden letzte Ressourcen mobilisiert; neue Lösungswege werden ausprobiert, es kommt zu kognitiven und affektiven Umstruktuierungen der Problemsituationen. Führen auch diese Versuche nicht zur Wiederherstellung des sozioemotionalen 'Gleichgewichts', so kommt es in

Phase 4 zu einer Zuspitzung der Krisenreaktion mit gravierenden sozialen und emotionalen Störungen."

8.3 Ein sozialpädagogischer Ansatz (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

Die Gemeinsame Synode 1976 formulierte das Ziel christlicher Erziehung: "Die obersten Ziele von Erziehung und Bildung des Menschen liegen für katholische Christen in der Entfaltung der menschlichen Anlagen, in der Befähigung des Menschen zum Dienst an seinen Mitmenschen, an der Welt und am Reiche Gottes." D.h., das Engagement der Salesianer gilt sowohl dem Individuum als auch seinem gesellschaftlichen Beziehungsfeld. Es richtet sich auf die Förderung menschlicher Entfaltung, auf die Verbesserung realer Lebenschancen, auf die Erweiterung gerechter Daseinsbedingungen und ein eingebundensein in den Gesamtzusammenhang des Woher und Wohin des Lebens, nach selbstverantwortlicher Lebensgestaltung und Daseinsbewältigung, das man vor sich, den Mitmenschen und vor Gott verantwortet.

Die Salesianer können diesem Anspruch nur gerecht werden, wenn sie ihr Denken und Handeln darüberhinaus der bewußten und aktiven Auseinandersetzung mit den sich verändernden geistigen, sozialen und politischen Anforderungen der Zeit ausrichten. Denn der Mensch ist ein Wesen der Geschichte, der Tradierung, der Sozialisierung und der Erziehung. Diese Erfordernisse bilden das ganzheitliche Tun in einem innovativen jugendpastoralen Geschehen. Denn im Prozeß des sozialen Wandelns handeln auch die Salesianer als eine gesellschaftliche Kraft, sie zählen immerhin mit ihren ca. 17.000 Mitgliedern zu den größten Ordensgesellschaften der katholischen Kirche, die durch aktive Mitwirkung die für den Bestand freiheitlicher und demokratischer Existenz notwendigen Entwicklungen mit herbeiführen. In diesem Sinne nehmen die Salesianer auch an der politischen Willensbildung teil und bringen ihre Zielsetzung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Geltung.

Sie leisten in ihrem jugendpastoralen Tun vornehmlich auch Erziehung, sind sie auch in der Pädagogik gefordert. "Die Erziehungswissenschaft existiert in einer Vielzahl von Forschungsrichtungen und Lehrmeinungen, so daß ein Außenstehender leicht der Gefahr erliegt, nur mit einigen ins >Konzept< passenden Vertreter Kontakt aufzunehmen, statt sich zumindest den verschiedenen Konzeptionen (wissenschaftstheoretischen Ansätzen) zu stellen: Z.B. den Hauptrichtungen der geisteswissenschaftlich-hermeneutischen, der empirischen und emanzipatorischen Pädagogik."

Speziell für die kirchliche Jugendarbeit ist es naheliegend, die historischen Modelle der eigenen Tradition zu analysieren und sie mit den gegenwärtigen Erfordernissen zu konfrontieren: "Von Interesse sind Werke und Entwürfe ... wie z.B. G. Bosco, der Jugendapostel von Turin, R. GUARINI in seinem Einfluß auf die Angehörigen des 'Quickborn', P. FLANAGEN als Gründer von Boystown, F. GMEINER, der Vater der SOS-Kinderdörfer usw." Eine "historisch-hermeneutische" Rezeption solcher Vorbilder muß allerdings zwei wesentlichen Kriterien standhalten: Ihre Gegenwartsbedeutung muß herausgearbeitet werden können und der Bezug zu biblischen Verheißungen sowie zur kirchlichen Verkündigung deutlich sein.

Don Boscos erste Zöglinge waren Kinder und Jugendliche, deren Betreuung man aus heutiger Sicht sozialpädagogischen Einrichtungen anvertraut. Die Sozialpädagogik beschäftigt sich, kurz gesagt, mit solchen Heranwachsenden, die einen normalen Bildungsgang nicht durchlaufen können. Heute allerdings kann Sozialpädagogik nicht mehr als ein isoliertes Spezialgebiet der Pädagogik betrachtet werden, da ihre Ergebnisse auch für die Erklärung "normaler" pädagogischer Phänomene relevant geworden sind: "Die Beschäftigung mit den >Abweichungen< hat wichtige Ergebnisse auch für die Deutung des >normalen< Kindes und Jugendlichen erbracht, zumal die Grenzen zwischen >normal< und >nicht normal< fließend (geworden sind)..."

Als Don Bosco anfing, gab es noch keine Sozialpädagogik. Man tut ihm nicht Unrecht, wenn man ihn selbst in die Reihe ihrer wichtigsten Vorläufer und Mitbegründer einreiht. Als Begriff taucht "Sozialpädagogik" im deutschen didaktischen Schrifttum zum ersten Mal 1850 bei DIESTERWEG auf. Damit ist ein wichtiger sozialgeschichtlicher Tatbestand markiert: Die soziale Frage als Folgeerscheinung der industriellen Umwälzung im 19. Jahrhundert.

Sozialpädagogik ist die kompensatorische Antwort auf die durch die industrielle Revolution aufgeworfenen gesellschaftlichen Defizite im Bildungs- und Sozialbereich. Den Hintergrund dafür bildete die neue Dimension der Armut. Während nach mittelalterlicher Vorstellung die Armen einen wohldefinierten Stand in der Gesellschaft mit einem religiös begründeten Anspruch auf Versorgung durch Almosen einnahmen, wurde die Masse der Proletarier, die in die Industriezentren strömte, mehr und mehr marginalisiert. Als unerwünschte Begleiterscheinung des wirtschaftlichen Fortschritts deklariert, verloren die entwurzelten Arbeiter ihre herkömmlichen sozialen Bindungen und drohten damit zu einem unkalkulierbaren gesellschaftlichen Risiko heranzuwachsen.

Die ersten kirchlichen Interventionen (Innere Mission, Caritas) griffen den Gedanken der mittelalterlichen Almosentradition wieder auf, ohne jedoch die soziale Frage in ihrer ganzen politischen Dimension anzugehen. Auch Don Bosco fühlte sich dieser Tradition verbunden und dachte noch nicht an den sozialen Auftrag des Staates als eine rechtliche Verpflichtung.In ihrer ersten Phase war auch die moderne Sozialpädagogik noch durchaus rückwärtsorientiert, insofern sie nämlich eine Wiederherstellung der familiären und gemeindlichen Ordnung intendierte. Ihre zweite Phase allerdings - die mit der Jahrhundertwende beginnt - ist gekennzeichnet von einer starken politischen Willensbildung, getragen vor allem von der Arbeiterbewegung, die die soziale Versorgung der Bevölkerung als ein eigenes Recht einzuklagen trachtete.

Dennoch blieben ihre Ergebnisse im Hinblick auf die Struktur der gesellschaftlichen Ordnungen konservativ und restaurativ. Der Staat nutzte Sozialpolitik und Sozialpädagogik zur sozialen Kontrolle, wobei den großen gesellschaftlichen Gruppierungen wie den Kirchen und den gewerkschaftlichen Organisationen, gestützt auf das sog. Subsidiaritätsprinzip, die konkrete Ausführung zufiel: "Sie erledigten >subsidiär<, also >hilfsweise<, für Staat und Gesellschaft soziale Kontrolle und öffentliche Erziehungspolitik bei abweichendem Verhalten."

In diesen beiden Phasen blieb Sozialpädagogik eine Notstandsmaßnahme, die gegenüber den gesamtgesellschaftlichen demokratischen Notwendigkeiten die Augen verschloß und den Mut zu einer politischen Reflexion nicht aufbrachte. "Gerade dies eliminierte sie zugunsten subjektivistischer Postulate wie dem vom >geborenen Erzieher< oder >geborenen Jugendpfleger<. Die Flucht in die Innerlichkeit und die Mystifizierung der direkten menschlichen Beziehung wie des >pädagogischen Bezugs< oder der >Gemeinschaft< spielten hier eine ebenso große Rolle wie in den gleichzeitig sich ausbreitenden völkisch-ideologischen Weltanschauungen."

Eine wichtige Weichenstellung in der Weimarer Zeit für das heutige Selbstverständnis der Sozialpädagogik bedeute allerdings die Ausdehnung der "Jugendpflege" auf weitere gesellschaftliche Pflichten, so daß nun auch die bürgerliche Mittelschicht stärker ins Blickfeld von Betreuungsmaßnahmen geriet. Erst unter dieser Perspektive konnte sich die "Jugendhilfe" als eine Dauereinrichtung des modernen Staates etablieren.

In der Nachkriegsphase der Sozialpädagogik wird dieser Entwicklung grundsätzlich Rechnung getragen: Nun gilt es nicht mehr, "die Gesellschaft vor einer Minderheit jugendlicher Verwahrloster oder Rechtsbrecher zu schützen, sondern darum, die ganze heranwachsende Generation vor den übermächtigen Zwängen der Gesellschaft zu schützen."

Damit hat sich die ursprüngliche Orientierung der Sozialpädagogik an den Sozialisationsmängel der unteren Schichten unter den Bedingungen der heutigen pluralistischen Sozialisationsformen zu einer allgemeinen Entwicklungsproblematik der Heranwachsenden in unserer Gesellschaft ausgeweitet. In diesem Sinne hat sich die Sozialpädagogik auch als wissenschaftliche Theorie selbst wieder in den Zusammenhang der allgemeinen Pädagogik zurückgegliedert.

Wie die Pädagogik insgesamt hat sich auch die Sozialpädagogik im Hinblick auf eine systematische Organisation der öffentlichen Erziehung und Betreuung professionalisiert. Sie hat sich damit aber gleichzeitig Folgeprobleme eingehandelt, die ein kritisches überdenken ihres globalen Ansatzes notwendig machen: "Gegen die drohende Überwältigung der Klienten und die Verselbständigung sozialer Dienste stellen die Sozialpädagogen jetzt selbst Konzepte, die bei einer Kritik des Professionalismus einsetzen und in eine Rückverlagerung der sozialen Dienste in die Sozialmilieus, an die lokalen Orte der Genese der Probleme münden."

Sozialpädagogik will "Hilfe" leisten durch methodisch reflektiertes Vorgehen in dafür eigens dazu eingerichteten Institutionen. MOLLENHAUER definiert sie "als Inbegriff einer Gruppe von neuen pädagogischen Maßnahmen und Einrichtungen als Antwort auf typische Probleme der Gesellschaft." Dagegen haben einige Einwände z.B. H. TIERSCH erhoben. Er ist aber brauchbar, weil er die "Sache", den Gegenstandsbereich benennt und die Entstehung auflegt; er sagt noch nichts über die eigentliche Zielvorgabe aus, und er benennt das "Neue"; damit scheint die pragmatische Definition für den Theorie-Praxis-Bezug tauglicher, da sie aussagt, was sie "ist".

Dieser kurze historische Rekurs sollte skizzieren, welchen Fragen sich eine salesianische pädagogische Jugendpastoral, die ja im wesentlichen sozialpädagogisch ausgerichtet ist, zu stellen hat: Ohne Zweifel steht heute eine sozialpolitische Intervention in Anlehnung an das mittelalterliche Almosenwesen außerhalb jeder Diskussion. Das heißt: Unter den Bedingungen des Sozialstaates Deutschland hilft der unmittelbare Rückgriff auf das Vorbild Don Boscos nicht mehr weiter. Andererseits kann hierzulande auch keine Erziehung sozusagen in einer gesellschaftlichen Nische ablaufen, auch wenn die pluralistische Konstruktion unserer öffentlichen Ordnung eine Flucht ins Konventikel durchaus zuließe. Gegenüber solchen Intentionen muß an die eigentliche Bedeutung von "Subsidiarität" erinnert werden, die eine Hilfe im Dienste der Gesellschaft meint und damit eine Verpflichtung gegenüber dem Gesamten beinhaltet. Das heißt aber weiter, daß auch kirchliche Jugendarbeit heute kein in sich geschlossenes Gebilde mehr darstellt, sondern sich ständig den von außen kommenden Herausforderungen stellen muß.

Wie sich salesiansche Einrichtungen in der jüngeren Vergangenheit an den sozialpädagogischen Erfordernissen unserer Gesellschaft versuchen zu orientieren, läßt sich etwa an der Entwicklung des Berufsbildungswerkes in der Nähe des niederbayerischen Aschau am Inn ablesen: In der Kriegszeit als Wohnlager für Fabrikarbeiter geplant, gelang es den Salesianern in der unmittelbaren Nachkriegszeit, hier eine Berufsbildungsstätte mit Heimunterbringung für 180 arbeitslose Jugendliche einzurichten. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden die Schulabgänger von finanziell besser gestellten Lehrbetrieben geradezu abgeworben, so daß es zu Unterbelegungen und damit auch wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam.

Andererseits konfrontierte die neue Konsum- und Leistungsorientierung die Salesianer auch mit einem neuen Problemfeld: Die Zahl der Lehrabbrecher und verwahrlosten Jugendlichen begann schlimme Formen anzunehmen. Die Waldwinkler akzeptierten diese Entwicklung als eine Herausforderung an ihr pädagogisches Selbstverständnis und entschlossen sich, Heim und Ausbildung noch stärker den gefährdeten Jugendlichen anzubieten. In den Jahren 1966 bis 1970 bedeutete dieser Entschluß nicht nur eine veränderte Situation für das Personal des Jugendhilfswerks, sondern mehr noch für die Aschauer Bevölkerung, die durch die neuen Bewohner mit einigen extremen Auswüchsen der Verwahrlosung konfrontiert wurden.

In den Jahren danach wurde der Gebäudekomplex renoviert und erweitert und das Ausbildungsangebot den modernen wirtschaftlichen Erfordernissen angepaßt. 1973 zogen dann körperbehinderte Jungen ein. Aus dem Jugendhilfswerk wurde damit ein Berufsbildungswerk. Diese Bezeichnung besagt, daß Jugendliche in einer solchen Einrichtung nicht nur eine berufliche Ausbildung vermittelt, sondern eine umfassende fachliche Betreuung im sozialen, pädagogischen, berufliche, psychologischen und medizinischen wie religiösen Bereichen angeboten wird. Seit 1973 leben und arbeiten in Wandwinkel körperbehinderte und gesunde Jugendliche zusammen.

 

In einem sozialpädagogischen Engagement dieser Art scheint das ursprüngliche Anliegen Don Boscos noch am unmittelbarsten spürbar. Das man hier einer wirklichen gesellschaftlichen Problemlage begegnet, steht außer Zweifel. Berufsbildungswerke, besonders im Hinblick auf die Rehabilitation von Behinderten, werden auch in Zukunft eine bedeutende Aufgabe erhalten - selbst bei steigenden Beschäftigungszahlen. Das wurde u.a. bei der Eröffnung der jüngsten salesianischen Einrichtung dieser Art, dem Berufsbildungswerk Würzburg, im Jahr 1989 deutlich, für dessen Baumaßnahmen allein DM 44 Millionen an öffentlichen Mitteln aufgewendet werden mußten.

Erklärte Absicht der Salesianer ist es, nicht nur sozialpädagogische Dienstleistung im Sinne von Krisenintervention zu bieten, sondern den jungen Menschen auf eine selbständig verantwortliche christliche Existenz vorzubereiten. Damit stellt sich heute die Frage noch dringender: "Wie können genuin religiöse Erziehungsangebote in einer pluralistisch (freiheitlich-demokratisch) struktuierten Gesellschaft noch vermittelt werden"? Die Salesianer Don Boscos werden - bei allem "Erfolg" - auf Langzeitwirkung als religiöse Gemeinschaft nur überleben, wenn sie in einem "revolutionären Prozeß" die Fragen nach dem Ziel ihrer Kongregation und die Frage nach dem Stil ihrer religiösen Gemeinschaft zusammen lösen werden. Erst dann haben sie für ihr "Projekt" eine Zukunftsperspektive. Wahrscheinlich stimmt dies: "Zu diesem (kritischen) Mut des Aufgebenskönnens nicht mehr lange haltbarer Positionen scheint es mir auch zu gehören, daß man sich bescheiden, aber auch nüchtern und hart fragt, ob man bei einem solchen Marsch in die Zukunft der Kirche (hier die Salesianer) immer alle die braven Leute in der Kirche mitnehmen kann, die sich gegen einen solchen Marsch in eine ihnen unbekannte Zukunft von ihrer unzeitgemäßen Mentalität her sträuben." Dazu gehört die kritische Reflexion der neuen Geister der heutigen geschichtlichen Werdung und die Öffnung auf das Erbe Jesu, das sich nur bewahren läßt, "wenn wir uns auf das Abenteuer seiner je neuen geschichtlichen Gestaltwerdung einlassen."

 

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Zulehner P.M., Das Gottesgerücht, Düsseldorf 1987.

 

Abkürzungen (Zurueck zur Inhaltsverzeichnis)

AA Dekret über das Laienapostolat "Apostolicam actuositatem" des II. Vatikanischen Konzils

ASC Archivo Salesiano Centrale = Salesianisches Zentralarchiv in Rom

ASV Archivo Secreto Vaticano = Vatikanisches Geheimarchiv

Bd./Bde. Band/Bände

BDKJ Bund der Deutschen Katholischen Jugend

E Epistolario di San Giovanni Bosco, Bde. I-IV, Turin 1955-1959, hgg. von E. Ceria

EN Apostolisches Schreiben "Evangelii nuntiandi" Seiner Heiligkeit Papst Paul VI. (1975)

GS Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute "Gaudium et spes" des II. Vatikanischen Konzils

KatBl Zeitschrift "Katechetische Blätter", München

LG Dogmatische Konsititution über die Kirche "Lumen Gentium" des II. Vatikanischen Konzils

LThK Lexikon für Theologie und Kirche, Bde. I-X, 2. völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg i.Br. 1957-1967, hgg. von J. Höfer/K. Rahner

MB G.B. Lemoyne/A. Amadei/E. Ceria (Hrsg.), Memorie Biografiche di San Giovanni Bosco, 20 Bde., San Benigno Canavese-Turin 1898-1948

MO G. Bosco, Memorie dell'Oratorio di S. Francesco di Sales dal 1815 al 1855, Turin 1946, hgg. von E. Ceria

OE G. Bosco, Opere Edite, Bde. I-XXXVII, Rom 1976-1977; Bd. XXXVIII, Rom 1987, hgg. vom Centro Studi Don Bosco (Rom)

PrTh Praktische Theologie

RpB Religionspädagogische Beiträge

ZfPäd Zeitschrift für Pädagogik

 

Die Konzilstexte wurden unter Verwendung der o.g. Abkürzungen zitiert nach K. Rahner / H. Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanums, Freiburg 1966.

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Stand: 29. Juni 2004

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